Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 30 (31.7.1891)
- Date
- 1891-07-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 546 Orstrrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 30 Landes haben. Siebzehn Häuser sind bereits gebaut. Der Plan ist nach den gleichen Grundsätzen festgestellt, nach denen im Jahre 1682 die Colonie „Alliance" eingerichtet wurde. Ueberdies sollen aber auch in Hulberton Fabriken errichtet iverden, welche einer größeren Anzahl von Personen Beschäftigung geben werden. Einem Interviewer gegenüber sprach sich Herr L a i t über die projectirte Colonie folgendernraßen aus: „Der Name Hulberton wird wahrscheinlich in „Baron Hirsch" geändert werden, um diesen großen Menschenfreund zu ehren. Doch steht das Unternehmen sonst in keinem Zusammenhang mit den Bestrebungen, die zu Gunsten der emigrirenden russischen Juden in Amerika unternommen werden. Die Gesellschaft wird das Werk der New-Jersey-Landverbesserungs-Cornpagnie fortsetzen, die all' ihr Eigenchum an die neue Gesellschaft verkauft hat. Als wir das Land übernommen haben, fanden wir, daß 17 Häuser bereits aufgebaut waren, allein wir wollen bessere Häuser bauen. Der Preis des Landes wird auf 20 Dollars per Acre festgesetzt, wovon 5 Dollars baar, 5 Dollars in den nächsten zwei Jahren zu zahlen sind, während der Rest gegen eine Rente liegen bleiben kann, so lange es dem Colonisten gefällt. Der Boden wird analysirt werden, damit man genau erfahre, zu welchem Anbau er sich am besten eignet. Am 1. August werden 35 Familien in die neue Colonie eingeführt und ihr Heim beziehen. Im Centrum der Ansiedlung wird der Versuch zur Anlage einer Stadt gemacht werden, in welcher die Gesellschaft ein Hotel und Fabriken bauen und Kaufläden einrichten will." Rom. Signor Malvano, General-Secretär des auswärtigen Amtes, wurde von der Regierung nach der Schweiz entsendet, um die Verhandlungen wegen Erneuerung des Handelsvertrages zwischen Italien und der Schweiz zu führen. Bekanntlich hat der gegenwärtige Finanzminister, Luzatti, wiederholt Italien bei derartigen Verhandlungen vertreten. Petersburg, 9. Juli. Wie gewöhnlich am Sonntag und noch dazu bei so prächtigem Wetter, wie es am letzten Sonntag herrschte, war das Concert in Pawlowsk von vielen Tausenden von Ausflüglern besucht, die meist den sogenannten besseren Ständen angehörten. Diesem zusammengeströmten Publicum bot sich nun während des Concertes eine Scandalscene unerhörter Art. Elf Offiziere, den verschiedensten Truppencheilen und meist der Garde angehörend, saßen auf der Veranda der offenen Halle seitwärts des Orchesters und vergnügten sich damit, nicht allein durch fortgesetztes Hinstarren, sondern auch durch Redensarten einen stark brünetten Herrn nebst zwei Damen zu belästigen, die zusammen an einem anderen Tische Platz genommen. Plötzlich sprang einer der Offiziere auf, ging direct an den andern Tisch heran und — umarmte eine der beiden Damen. Entrüstet hielt chm der Zivilist seine Frechheit vor, empfing aber in demselben Augenblick von dem Offizier einen Schlag in's Gesicht. Gleich kräfüg wurde sofort dieser Schlag zurückgegeben, und bei der nun entstehenden Balgerei wurden dem Offizier die beiden Achselstücke abgerissen. Jetzt mischten sich dessen bis dahin noch unthäüge Kameraden ein, indem sie ebenfalls mit Fäusten auf den Civilisten losschlugen und ihn mit allen möglichen russischen Schimpfworten überhäuften. Das übrige männliche Publicum zeigte Lust, für den so' schändlich Ueberfallenen Partei zu nehmen, zumal einer der Offiziere seinen Sabel zog., „Der brünette Kerl ist ein Jude", schrie dabei der Offizier. „Gott bewahre", tönte da plötzlich eine Stimme aus dem Publicum, „es ist der Baron Stjernwall-Wallehn, der Sohn des früheren finnischen Ministers." Das bestätigte denn auch schließlich der Gemißhandelte selbst, als endlich dem Publicum die Geduld riß und es den Geschlagenen von den Offizieren abdrängte. Wer die umarmte Dame war, weiß man vorläufig noch nicht. Auch den Namen des Garde-Artillerie-Offiziers, der den Aufttitt herbeiführte, vermögen wir noch nicht anzugeben; es heißt, er sei ebenfalls ein Finnländer aus vornehmer Familie. Moskau. Einem Privatschreiben aus Moskau entnehmen wir nachstehende Mittheilungen: Wie Sie sich wohl erinnern, lebte hier unser Glaubensgenosse Herr Samuel Poljakoff, derselbe erbaute aus eigenem Vermögen eine jüdische Synagoge und acceptirte einen Cantor mit 5000 Rubeljährlich, extra Chor. Vorige Woche wurden alle diese, Cantor und Chor, sowie die Mitglieder, die sogar in dem Gebäude wohnten, „nawyjesd" ausgeschrieben. Selbst Herrn P o ljakoff's Verwendung nach Petersburg half nichts, er wurde mit seiner Bitte abgewiesen, und nolens volevs wurde die Synagoge gesperrt. Auch die Familie Schlimo witsch wurde ausgewiesen, selbst der arme kranke 60jährige Greis, der als Krüppel seit 4 Jahren zu Bette war und auch sich schon nach dem Tode sehnte, wurde nicht verschont und ohne jede Rücksicht auf seine gefährliche Krankheit wurde er zum Bahnhofe gettagen und abgeschickt. Ich hatte noch das Unglück, dabei zu sein; ein herzzerreißendes Bild, die arme Frau jammerte, der arme Kranke, der bereits 30 Jahre dort wohnte und einen moralischen Lebenswandel führte, ächzte vor Todesangst, die Enkel schrieen; die Polizei jagte und eilte, schneller fortzukommen. Alles zusammen riß mir beinahe das Herz aus dem Leibe, und mögen die Thränen der armen unglücklichen Juden, die tyrannisirt und geplündert wurden, auf's Haupt des Urhebers fallen. Sogar die angesehensten Juden haben einen Ukas erhalten, ihre Häuser zu verkaufen — aber wie und um welchen Preis? Die Armen trösten sich nur damit, daß eine Entgeltung von der Allmacht Gottes ergehen wird. Warschau. (Mißhandlung eines Kindes). Ein Act grausamster Mißhandlung eines Kindes auf Befehl des General- Gouverneurs Gurko wird nachträglich bekannt. Am 31. Mai d. I. spielte die Tochter des Generals Puzerow im Sachsengarten in Warschau mit einem Ball und traf mit demselben einen zchnjährigen Knaben, Namens Winter. Der Knabe warf ihn zurück und wurde deßwegen von einem Diener des Generals Puzerow geschlagen. Hiegegen wehrte sich der Knabe nicht nur sondern gebrauchte auch Worte, aus denen herrorging, daß er sich als Pole fühle und die Russen verachte. In Folge dessen ließ der Diener den Knaben durch die Polizei verhaften. Ein Bericht wurde dem General-Gouverneur Gurko vorgelegt und dieser, befahl daß der Knabe 25 Hiebe erhalten solle. Da nach dem russischen Gesetze Kinder nur von ihren Eltern geschlagen werdendürfen und der Vater Winter's todt ist, wurde dessen Vormund Olschewski herbeigerufen und ihm bedeutet, daß seine Geschäfte, ein Kaffeehaus und ein Kleiderladen, gesperrt würden, wenn er sich' weigere, den Befehl' des General-Gouverneurs auszuführen. Mit Widerstreben gab endlich Olschewsky seine Zustimmung. Der Doctor wurde herbeigeholt und das Muspeitschen des Knaben begann. Nach dem siebenten'Schläge wurde das Kind ohnmächtig. Der Doctor interoenirte und erklärte,-