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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-31 · 30 (31.7.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
30 (31.7.1891)
Date
1891-07-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr 30 Orstrrrrichifchr Wochenschrift. Seite 545 Nach der Ansicht Paasch's wäre die einfachste und praktischste Lösung der Judenfrage die: „Die Juden ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht sämmtlich todtzuschlagen". Aber da das -nicht wohl angeht, so macht er den Vorschlag, den jüdischen Besitz einzuziehen und sämmtliche Juden der Welt auf Neu- Guinea zu interniren! Angesichts dessen könnte man in der That auf die Vermuthung kommen, die Verhaftung des Verfassers dieser Schrift habe nur den Zweck einer gründlichen Untersuchung seines geistigen Zustandes. Berlin. Zwei Preßprocesse haben die hiesigen Antisemiten zu verzeichnen Zunächst wurde der Redacteur des „Volk", Herr O. Balla, wegen Beleidigung der zweiten Straf-Kammer des Landesgerichts zu Stettin zu 100 M. Geldstrafe verurtheilt. Ein Kaufmann Namens Carl Silberstein in Stettin war von der Polizeibehörde wegen groben Unfugs mit einer Geldstrafe belegt, von den Gerichten aber freigesprochen worden. An die Mittheilung dieser Freisprechung knüpfte das „Volk" folgende Bemerkung: „Was soll man zu diesem Rechtsspruche sagen? Ein Jude darf neun Monate lang — so lange dauerte der Ausverkauf — ungestraft das Publicum am -Narrenseile führen, während die Beleidigung eines Juden gleich scharf geahndet wird. Dies dient jedenfalls nicht dazu, das Ansehen der Gerichtshöfe zu heben." Wegen dieses redactionellen Zusatzes stellte der Vorsitzende der Strafkammer des Stettiner Landesgerichts den Strafantrag. Aus der Verhandlung .ist hervorzuheben, daß Herr Balla seinen antisemitischen Standpunkt als mildernden Umstand ins Gefecht führen wollte, was jndeß der Gerichtshof nicht gelten ließ. Der zweite Proceß, welcher wegen Majestätsbeleidigung gegen den Redacteur des „30. Jahrhunderts", Dr. Erwin Bauer, angestrengt war und diesem zwei Monate Festungshaft eintrug, ist insofern von symptomatischer Bedeutung, als er die oft prahlerisch zur Schau getragene Königstreue der Antisemiten im rechten Lichte zeigt. Paris, 10. Juli. Graf Isaak v. Camondo ist zum türkischen General-Consul in Paris ernannt worden. Eine schwedische Gemeinde in einer der größten Städte daselbst verlangte von dem Oberrabbiner die Absendung eines Rabbinatscandidaten zur Uebernahme des Rabbinates. Derselbe willfährt dem Verlangen und wird nächstens ein Zögling des Seminares dorthin abgehen. Eine Ministeriolverfügung bestätigt die Ernennung Israel Levy's zum Rabbinatsadjunkt für den zum Seminardirector berufenen Herrn Leonce Lehmann. An der diesjährigen Confirmation nahmen 320 Kinder (173 Mädchen und 147 Knaben) theil, darunter Kinder aus hen ersten Familien, wie Fräulein Naquet, deren Vater Oberst ist, Fraulein Pereyra u. A. Josef Derenbourg hat in Anbetracht seines hohen Alters seine Entlassung als Professor der alten Sprachen gegeben. Muthmaßlicher Nachfolger dürfte Isidor Löb oder Mayer Lambert, Professoren des Rabbinerseminars sein. Durch Decret des Präsidenten der französischen Republik pom 4. d. M. wird die Wahl Dreyfuß zum Oberrabbiner pon Paris bestätigt. Die französische Akademie hat den halben Preis Blondin (1500 Fr.) dem Werke Theodor Reinach's („Mithridates König von Pontus") zuerkannt. In der Gemäldeausstellung im Jndustriepalast ist ein ausgezeichnetes Bild von Frau Arsene Darmsteter, gemalt von/ Frau A. Darmsteter, ausgestellt. London. Das russisch-jüdische Comite hat dem Rache Gladstone's, die thatsächlichen Informationen über die Behandlung der Juden in Rußland fortgesetzt zu publiciren, folgend beschlossen, monatliche Berichte über die Lage der Juden in Rußland zu veröffentlichen. Die erste Nummer dieses Blattes erschien unter dem Titel: „varkest Russia“ (Das dunkelste Rußland) als Beilage von »^e^iZd-Oliroiüele« und wird in kurzen Zwischenräumen fortgesetzt werden. Der Zweck dieses Blattes ist nach der Ankündigung des dirigirenden Comite's zur Kenntniß der civilisirten Welt authentische Berichte über die Verfolgungen Rußlands gegen seine jüdischen und anderen nicht — orthodoxen Unterthanen zu bringen. Es sei zu hoffen, daß die öffentliche Meinung, welche sich bereits freimüthig in Worten feierlicher Proteste geäußert hat, fortfahren werde, ihren mächtigen Einstuß auszuüben und trachten werde, die grausamen Verfolgungen, welche unserem Zeitalter zur Schande gereichen, zu mildern, eventuell sogar zunr Einhalte zu bringen. London. Eine treffende Antwort auf die Frage „Können Juden Patrioten sein?" kann nach einem kleinen Berichte der „Times" vom letzten Dienstag ertheilt werden. Es steht noch in ftischer Erinnerung, wie heldenmüthig sich Mrs. Grimwood an der Vertheidigung des Regierungsgebäudes von Manipur betheiligte, wie sie für die Verwundeten mit Gefährdung ihres eigenen Lebens aufopfernd sich bemühte, wie sie nur mit Mühe und Noch dem durch die Eingeborenen unter den Engländern angerichteten Blutbade entging, daß wir dies nicht ausführlich zu schildem brauchen. Zu ihren Gunsten hat nun die Prinzessin von Wales eine Sammlung eingeleilet und die „Times" veröffentlicht das Verzeichniß einiger Spenden. Nur die Namen von 16 Personen, die Beiträge geleistet, wurden aufgeführt, für den Rest kommt ihre königliche Hoheit allein auf. Von den 15 übrig bleibenden Namen gehören fünf Juden an, nämlich Lord und Lady Rothschild, Mrs. Leopold, Miß Alice und Baroneß de Rothschild, während ein sechster der Herzogin von St.-Albans angehört, der Enkelin eines getauften Juden, namens Barnal. Patriotismus ist bei uns Juden nicht auf vereinzelte Familien beschränkt, und zweifelsohne beabsichtigte der Schreiber des angezogenen Berichtes, der diese Namen auswählte, den Rang und Stand der Spender, sowie die Höhe ihrer Beiträge hervorzuheben, um zu zeigen, daß die Frage, welche wir an die Spitze dieser Zeilen stellten, zu jener Kategorie historischer Zweifel gehört, die heutzutage keine Berechtigung mehr haben. London. (Die jüdische KolonieinCanada.) Es ist bereits gemeldet worden, daß Mr. Leo L a i t, ein russischer Bankier in New-Pork, einen großen Landbesitz in Canada zur Ansiedlung flüchtiger russischer Juden angekauft habe. Hierüber liegt nun in der „Times" folgender ausführlicher Bericht aus Trenton vor: „Der Plan, in New-Jersey eine jüdische Kolonie zu gründen, geht von einer Gesellschaft aus, an deren Spitze Mr. Leon L a i t steht. Diese Gesellschaft hat in Hulberton in der Graffchast Cumberland 3000 Acres vermessenen Landes gekauft in einer Entfernung von 30 Meilen von den Judencolonien „Alliance" und „Rosenhain". Zur Gründung der neuen Colonie hat die Gesellschaft ein Kapital von 250,000 Dollars gewidmet. Es ist beabsichtigt, das Land in kleine Güter zu theilen, auf denselben Häuser zu errichten und dort die fähigsten der russischen Emigranten zu installiren. Jedes Gut soll 10 bis 20 Acres

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