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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-31 · 30 (31.7.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
30 (31.7.1891)
Date
1891-07-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 544 Oestrrreichischr Wochenschrift. dir. 30 ewige Licht anzündete, worauf Sr. Hochwürden S. Ku t a aus Eisenstadt die Kanzel betrat und eine, an Gediegenheit des Inhalts und Eleganz der Sprache sich auszeichnende Festesrede hiett, in welcher er nachdrücklichst betonte die munifizente Opferwilligkeit und brüderliche Theilnahme der christlichen Bevölkerung, die den Bau des Gotteshauses gefördert. Sodann wurde die Bundeslade geöffnet und mit der Thorarolle in den Händen erbat der Redner den Segen für das erlauchte Königshaus, für das theure Vaterland, für das Komitat und seine Obrigkeit, für die Stadt und ihre Einwohner. Redner wurde von allen hohen Gästen beglückwünscht. Es erfolgte dann die würdige der Feier angemessenen Festtede des Herrn Rabbiners Grünwald in Oedenburg. Nach Absingung der ungarischen Hymne verließen alle das Gotteshaus mit innerer Befriedigung an einer schönen und erhebenden Feier theilgenommen zu haben Krakau, 28. Juli. Das hiesige israelüische Hilfscomite für die aus Rußland vertriebenen Juden expedirte heute nach Argentinien 194 Personen. Ueber 100 Ausgewiesene warten noch der Beförderung und dem Comite wurde heute aus Lemberg die Ankunft von weiteren 80 Familien mit 220 Personen signalifirt. Am Bahnhof spietten sich herzzerreißende Scenen ab. Berlin. Der geschäftsführende Ausschuß des deutschen Zentralkomites für die russischen Juden schreibt uns: Zur Ergänzung früherer Mittheilungen können wir heute berichten, daß die Aufgaben des hier bestehenden Deutschen Zentral-Komites für die russischen Juden inzwischen ihrer Erfüllung näher gebracht worden sind. Das Komite hat an der ostpreußischen Grenze, nämlich in Memel, Tilstt, Insterburg, Eydkuhnen, Lyck und Königsberg sechs, an der oberschlesischen Grenze fünf Grenz-Komttes in Ratibor, Myslowitz, Kattowitz, Lublinitz und Laurahütte errichtet. Aufgabe der Grenz-Komttes ist es, diejenigen Auswanderer, welche zur Auswanderung gedrängt und hilfsbedürftig sind, aus der Zahl der die Grenze überschrettenden auszuwählen, sie mit Fahrkarten bis zum Hafenorte und, soweit erforderlich, mtt Schiffskarten bis an chr Endziel, sodann aber auch mit einigen Reisemtteln unnd Mundvorrath bis zum Hafenorte zur versehen Hierdurch wird ermöglicht, daß die Auswanderer nur kurze Zett in Deutschland zu verweilen brauchen. Selbstverständlich ist aber auch dafür gesorgt, daß die Auswanderer unterwegs an denjenigen Orten, an welchen sie sich einige Zett aufhalten müssen, mtt Erfrischungen versehen werden. Gleichzeiüg ist das Deutsche Zenttal-Komtte eifrig bemüht gewesen, den Auswanderern eine neue Heimat zu bereüen. Natürlich ist die Frage, in welchem Lande die Flüchtlinge unterzubringen sein werden, eine so schwierige, daß ausgäehnte Erkundigungen und langwierige Verhandlungen vorangehen müssen, bevor die entscheidenden Entschlüsse gefaßt werdm können. Bei der Beförderung der Auswanderer war die Thäügkett der in den deutschen Hafenstädten errichteten Hilfskomttes von großer und wesentlicher Bedeutung; in der That ist es hauptsächlich der eifrigen Arbett aller der in Hamburg, Stettin und Bremen thättgen Männem zu danken, daß die Auswanderung glatt und ohne Störung verläuft. Mtt besonderer Genugthung ist zu erwähnen, daß die österreichssche Wohtthättgkeü die hiesigen Einrichtungen für nachahmenswetth erachtet mtb demgemäß sich dem deutschen Httfswerk angeschlossen hat. — Die in der Kölner jüdischen Gemeinde zum Besten der russsschen Juden veranstaltete Sammlung ergab 50.000, die in Frankfurt 500.000 Matt. Berlin, 13 Juli. Zu der Meldung, daß der kommandirende General des zweüen Armeekorps in Stettin, General der Infanterie v. d. Burg, sein Abschiedsgesuch eingereicht hat, bemertt die „Straßburger Post": „Die Nachricht wttd überraschen, da General v. d. Burg höchstens sechzig Jahre alt und, wie wir Straßburger, die chn als unseren Gouverneur noch in guter Erinnerung haben, ja aus eigenster Anschauung wissen, «ne ganz ungewöhnlich rüstige und frische Persönlichkeit ist. Für einen strammen Vierziger konnte er gelten, wenn er hier ausritt oder herumging. General v. d. Burg war aus der Artillerie hervorgegangen. Sein Vater, oder war es der Großvater? war jener bekannte und außergewöhnlich tüchtige preußische Artillerieoffizier Burg, der es als Jude in den Befreiungskriegen zum Offizier gebracht hatte und später im aktiven Heere weiterdiente. Alle Anregungen guter Freunde, die ihm aus Opportunitttsrücksichten einen Glaubenswechsel anempfahlen, zurückweisend, blieb er Jude bis zu seinem Tode. In der Armee hatte er es, wenn wir nicht irren, bis zum Major oder Oberstlieutenant gebracht." Die „Sttaßburger Post" irrt sich. Der jüdische Major Burg war weder der Vater noch der Großvater-des Generals v. d. Burg. Derselbe hat überhaupt keine Nachkommen hinterlassen. Viele derjenigen Leute, welche stets mit der Bibel und dem Gesangbuch unter dem Anne einherstolzieren, üben die Nächstenliebe weit mehr mit Motten als mit Thaten aus In dem pharisäischer Manier mtt seiner „christlichen Gesinnung" gar zu gem prunkenden „Reichsboten" fand sich jüngst folgendes Inserat: „Dank und Bitte." Auf meine Bitte im „Reichsboten" und in der „Kreuz- Zeitung" sind für den armen Jüngling, der Lehrer werden will, eingegangen: Ohlau 10 M. F. v. W., Herrnhut 8 M. H., Schrimm 1 M. I. C., Berlin 1,05 M. Sa. 20,05 M. Gott beratzl's! Die Inserate in den beiden Blättern kosten aber 19,10 M, wobei noch 5 pCt. Ermäßigung inbegriffen sind, wofür den genannten Zeitungen ebenfalls herzlich gedankt wird. Es bleiben demnach excl. Abtrag noch 1,65 M. Lieber Leser, Hab' also noch einmal Erbarmen und hilf! Breslau, am Tage von Königgrätz. Mauritiusstr. 20. Dr. E. Hoffmann." Das „Gott bezahlt!" ist auch im ftommen „Reichsboten" fett gedruckt. „Der Herr Einsender scheint", so bemerkt dazu der „Spottvogel," „einen ganz besonderen Wetth auf die Tratte zu legen, welche er mtt diesen Worten auf den „lieben Hergott" zieht. Um so mehr muß es uns befremden, daß sowohl der christlich-germanische „Reichsbote", als auch die noch christlichere und germanischere „Kreuzzeitung" sich mit dieser soliden Bürgschaft nicht zufrieden gibt, sondern sich den Jnsertionsbetrag mit zusammen 19,10 Mark von den Geldern bezahlen ließen, welche mildthätige Christen aufgebracht hatten, um den armen Jüngling das Studiren zu ermöglichen." Berlin. Allgemein hat die Mitteilung befriedigt, daß der Antisemit Paasch in Leipzig, der Verfasser des zweibändigen Werkes „Eine jüdisch-deutsche Gesandsschaft und ihre Helfer", auf Requisition der Berliner Staatsanwaltschaft verhaftet worden sei. Merkwürdiger Weise hat P aasch in seinem Buche, welches die antisemttische Presse seit Monaten zum Gegenstand marktschreierischer Anpreisungen gemacht hat, vorausgesagt, der erste Versuch des Judenthums werde der sein, ihn für irrsinnig zu erklären, der zweite, ihn unauffällig zu beseitigen. Willenlose Werkzeuge der Alliance sieht Paasch überall. Im auswättigen Amt herrschte z. B. nicht Fürst Bismarck sondern — Herr v. Bleich r öder. Was den Fürsten Bismarck Betrifft, so meint Paasch, der Nachweis jüdischer Abstammung sei allerdings schwer zu erbringen, aber manche seiner Thaten haben in Paasch den Gedanken wachgerufen: sollte es möglich sein, daß Bismark ein geheimer Jude ist? Beim Anblick der bekannten'Photographie des Fürsten und des Grafen Herbert erinnett er sich, das zwei verschlungene Hände das Symbol der Alliance israelite sind. Für das Verhalten Bismarks gegen chn bietet den Talmud den Schlüssel. In diesem interessanten Schl sind die beiden Bände geschrieben, an denen sich die anttsemitische Presse begreiflicher Weise ergötzt hat. Die „Antisemitische Correspondenz" schrieb, es sei ihr selten ein Mann von so ruhiger, geistiger Nüchternheit und Gradhett von solcher Schärfe des Uttheils vorgekommen wie Herr Paasch. An einem solchen Kopfe könnten sich Dutzende von entnervten Judengehirnen Beulen stoßen, ohne daß er aus seiner Ruhe kommet Sollte chm etwas Menschliches passiren, schreibt Paasch in der Vorrede, so ermattet er, „daß dann jeder Mann, der einen Juden tödttt, noch öinen zu meinem Andenken extra erschlägt".

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