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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-31 · 30 (31.7.1891) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
30 (31.7.1891)
Date
1891-07-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 30 Orsterrrirhifthr Wochenschrift. Seite 543 Partei die einzige gewesen ist, die um nur den hervorragenden Abgeordneten Herm Franz Schwarz nicht wählen zu müssen der bei Beginn der antisemitischen Bewegung in der „Osveta" eine philosemitische Artikelserie veröffentlichte in ihrem vor den letzten Reichsrathwahlen herausgegebenen Wahlaufrufe den Abgeordneten ihrer Partei es zur Pflicht machte, für die Gleichberechtigung aller Confessionen einzutreten, und daß die Abgeordneten Kaizl und Kaftan sich in Wählerversammlungen in dieser Beziehung in vollständig unzweideutiger Weise äußerten. Es wäre daher ein Unrecht, wenn die Juden, die sich zur freisinnigen nationalen Partei — wie der officielle Titel der Jungczechen lautet — zählen, auf das Agitationsmittel „reinfallen" würden, welches der Correspondent von voriger Woche vom Stappel fallen ließ. Wir müßten politisch unreife Kinder sein, nm wegen unverbürgter Worte eines Einzelnen die Partei zu verlassen, der wir aus Ueberzeugung angehören. Ein solches Schmollen wäre aber auch in anderer Beziehung kindisch, da wir uns damit selbst des Mittels berauben würden, unsere Herren Abgeordneten bei Gelegenheit an deren vor der Wahl gemachten Versprechungen zu erinnern. Hat der betreffende jungczechische Abgeordnete die ihm in den Mund gelegte Aeußerung gethan, so hat er das Programm seiner Partei verlassen, so wie es das dieser Partei dienende Witzblatt „Sipy (Pfeile)" es diese Woche gethan hat. Man soll freilich das in Witzblättern Gesagte nicht gar tragisch nehmen, aber der „Witz" darf nicht der Wahrheit Hohn sprechen, wie in der betreffenden Illustration die nachstehende Glosse beigefügt ist: Wenn immer Herr B—y den Ausstellern Freikarten vertheilt — bläßt ihm angeblich der Wind durch unglücklichen Zufall so in die Hand, daß davon den Juden in Ueberfluß zustiehen, während die Nichtjuden ein Nichts kriegen." In der Mitte der Illustration (?) steht eineFigur, die den Großindustriellen Gottlieb Bondy vorstellen soll, dessen rechte Hand Freikarten austheilt, die schmunzelnden Judencarricaturen in die Hände fallen, während er den auf der linken Seite befindlichen christlichen Carricaturen die leere Hand entgegenstreckt. Daß diese Figur Herrn Gottlieb Bondy vorstellen soll, erhellt nicht nur daraus, daß in der Gloße von einem „Herrn B—y" die Rede ist, sondern auch daraus, daß Herr Gottlieb Bondy seine Verdienste um die Prager Ausstellung in erheblicher Weise dadurch vermehrt hat, daß er die finanzielle Leitung des Unternehmens in so gedeihlicher Weise führt, daß die Prager Ausstellung vielleicht die erste ist, die ohne Deficit enden wird. Erklärlich ist es, daß er als finanzieller Leiter der Ausstellung die Ausgabe der Freikarten für die Aussteller sich selbst Vorbehalten hat. Noch gut, daß die Freikarten für die Journalisten von dem Christen Herrn Otto ausgetheilt werden, sonst würden jene wahrheitsliebenden „College»" (?), die die „Bohemia" und das „Tagblatt" Judenblätter nennen, trotzdem sie wissen, daß selbe von den Christen Haase resp. Mercy herausgegeben werden, erst rechten Spectacel gemacht haben. Nachdem jede ausstellende Firma auf Wunsch anstandslos eine Aussteller-Freikarte erhält, so muß ich die Redaction des „Sipy" insolange als eine wissentliche Lügnerin erklären, bis selbe nicht — und wäre es auch nur durch einen einzigen Fall — den Beweis erbringt, daß ein jüdischer Aussteller bei Ausgabe von Aussteller-Freikarten vor einem christlichen Aussteller bevorzugt worden wäre und daß insbesondere Herr Gottlieb Bondy eine solche Bevorzugung veranlaßt hätte. J. 8. Kraus. . Prag, 28.' Juli. Auf die Nachricht, daß die Wiener Antisemiten mit dem Mechaniker Schneider am 14. August zum Besuche der Ausstellung hier eintreffen, traten heute hier zahlreiche israelitische Aussteller zufmnmen, um über die Schritte zu berathen, welche gegenüber dieser Agitationsreise zu unternehmen wären. Zunächst wurde die Erwartung ausgesprochen, daß .die maßgebenden Kreise, also der Stadtrath und. das Ausstellun^scomite sich. an r dem Empfange. dieser Leute - nicht H.ethrttig:ew:wvLenr..-:.-/^ . : Graslitz. Vor einigen Tagen wurde von der hiesigen Sicherheitswache ein gewisser Levi Bodenheimer wegen Subfistenzlosigkeit ausgegriffen und dem Bezirksgerichte eingeliesert. Das Verhör ergab, daß Levi Bodenheimer einer angesehenen Familie in Odessa entstammt und zu jenen unglücklichen Juden zählt, die aus Rußland ausgewieseu worden sind. Nach seinen Erzählungen iheilt die „Graslitzer Zeit." Folgendes mit: „Am 23. Jänner 1891 gelangte ich mit circa 800 Israeliten von Odessa aus via Edytkuhnen über die deutsche Grenze; als wir nach Berlin kamen, war die Zahl der Unglücklichen aus fast 30.000 angewachsen. Die Unterstützung, die uns zu Theil wurde, reichte knapp hin, das Leben kärglich zu fristen, in Hamburg mußten wir sogar in den israelitischen Häusern Zuflucht suchen, da die Casse für alle Armen nicht ausreichtc. Dann begann der Kampf um's Dasein. Keine Stellung war auszufinden, nirgends zeigte sich ein Stern der Hoffnung. Wohl fand ich vorübergehend einen Aushilssplatz, aber auch dieser zeigte sich als Chimäre. Das Gefängniß hier wurde meine Rettung. Christen waren es, die zuerst meinen Glaubensgenossen Kenntniß von meiner traurigen Lage gaben." Levi Bodenheimer wurde von seinen Graslitzer Glaubensgenossen reichlich beschenkt, neu gekleidet und nach Wien mit einer Empfehlung an das dortige Hilfscomite gesendet. Einem eingelangten Briese zufolge hat jedoch Levi Bodenheimer am Bahnhose in Falken au einen begüterten Glaubensgenossen angetrossen, der ihm sofort eine einträgliche Stelle verschaffte. Weffely a. d. March. Am 15. d. beging die Deutsche Volksschule eine erhebende Feier. Der Oberlehrer und Schulleiter dieser Anstalt, Herr Julius Mittler scheidet, da er in Pension geht, mit diesem Schuljahre von der Stätte seiner 35jührigen verdienstvollen und aufopfernden Thätigkeit. welchen Anlaß die Schuljugend allein mit der Jndustrielehrerin an der Spitze benützte um ihren geliebten Lehrer den Abschied zu einem feierlichen zu gestalten. Wie gewöhnlich am Schlüsse des Schuljahres versammelten sich die Schulkinder nach im Tempel abgehaltenen feierlichen Gottesdienste im Schulgebäude, das diesmal mit Blumen und Guirlanden reich geschmückt war, um die Zeugnisse zu empfangen. Herr Oberlehrer Mittler hielt nun an die Schuljugend eine feierliche 'Ansprache, welche mit dreifachem Hoch auf Se. Majestät und Abfingung der Volkshymne schloß. Nachher wurden Zeugnisse vertheilt, wodann Herr Oberlehrer Mittler sich in herzlich rührenden Worten von der Schuljugend verabschiedete. Auf ein Zeichen der Jndustrielehrerin traten nun ein Knabe und ein Mädchen vor, welche in kindlich herzlichen Worten ihrem Lehrer für seine Mühe und Liebe dankten und ihm als Zeichen ihrer Dankbarkeit Namens der ganzen Schuljugend einen silbernen Pokal mit sinniger Inschrift überreichten. Zu Thränen gerührt dankte der Oberlehrer für die herzliche Ovation und mit aufrichtigem allseitigem Wunsche, daß er noch lange seine Pension und wohlverdiente Rtthe nun in Freuden genieße, schloß die kleine aber herzliche Feier'. Oedenburg. Die hiesige orth. Gemeinde feierte am verflossenen Freitag das Einweihungsfest ihrer neuerbauten Synagoge, deren Vollendung durch die Opferwilligkeit Andersgläubiger bestritten wurde.. Die Einweihung ging in herzerhebender Weise und mit wahrhaft brüderlicher Theilnahme der christlichen Bürger der Stadt von statten. Unter letzteren bemerkten wir den Herrn königl. Rath Bürgermeister Fink mit mehreren Mitgliedern des Magistrats, Stadthauptmann Glvzer, der Stations-Commandant G.-M. Ritter Plentzner v. Scharnek, Schulinspecwr königl. Rath Szabö, die Direktoren PoßvÄ, Salamin, Koffov und Vertreter der meisten Schulen und Lehranstalten :c. :c.; Nach der feierlichen Uebergabe des Schlüssels . durch den Architekten Herm Johann Schiller an den Vorsteher der Gemeinde, öffnete dieser die Pforte des Tempels und die Gäste begaben sich in .dem vom Lichtglanze erstrahlenden und mit Blumen geschmückten Tempel, wo der Oberkantor Wittmann aus Wien mit seinem .Chor, die Psalmen weihevoll vortrug. Wahrhaft ergreifend war der Moment als der. greise Rabbiner aus Kobersdorf .das

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