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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-31 · 30 (31.7.1891) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
30 (31.7.1891)
Date
1891-07-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 542 Oesterreichifrhe Wochenschrift. Nr. 30 ^orresxonämrm Wie«. (Mährens Judengesetze in der Vorzeit.) Unter dieser Spitzmarke bringt das antisemitische Hetz- und Revolverorgan „Deutsches Volksblatt" in der Nummer vom 23. Juli nachstehende Notiz: „In den Judengesetzen, die König Ottokar II. im Jahre 1268 für Mähren gab, findet man in Bettest der Pfändungen folgende merkwürdige Bestimmung: „Alles mag der Jude pfänden, ausgenommen befleckte, nasse und Kirchenkleidung unter keinem Vorwand." Dieser gesetzgeberische Act war gewiß gegenstandslos — cs scheint überhaupt das Ganze apokryph zu sein, wie man sich dies vom „Deutschen Voltsblatt" versehen kann — denn die Juden nehmen schon aus rituellen Rücksichten Abstand, blutbefleckte oder Kirchengegenständc zu berühren, geschweige zu kaufen. Dagegen würde sich derzeit ein Gesetz gegen die Arrttscmitensührer, die (vide Prozeß Lueger-Schar f) an den der Kirche heiligsten Tagen, Herrgottpsändungen an die Aermsten der armen Leute mit kaltem Blute vornehmen und sich mit Beuschel- Exttahirungen befassen, thastächlich actuell. Vielleicht ermannt sich einer der anttsemitischen Cellegen Dr. Lueger's, diesfalls die Jnittative behufs Einbringung einer Gesetzesvorlage im Reichsrathe zu ergreifen! E. B. Wie«. (Reminiscenz an das Unglücksjahr 1866.) Von einem Thatzeugen wird uns berichtet: Die Publicistik hat sich in den letzten Tagen vielfach mit Erinnerungen an das für unser theuercs Vaterland schwere Prüfungsjahr 1866 beschäftigt. Es dürfte wohl von für weitere Kreise berechtigtem Interesse sein eine Reminiscenz, in welcher ein tapferer Soldat und Glaubensgenosse cin' hervorragende Rolle spielt, der Vergessenheit zu entreißen. Es war nach der unglücklichen Schlacht von Königgrätz, die siegreiche preußische Armee konnte unbehindert die Cernirung der Grenzsestuny Olmütz bewerkstelligen. Thatsächlich stand der Feind wenige Tage nach Königgrätz vor den Thoren von Olmütz, welacs als Sammelpunkt der sich von den böhmischen Schlachtfeldern zurückziehenden tapferen österreichischen Armee zu' dienen hatte. Die preußischen Vorposten hatten schon unmittelbar vor den die Stadt umgebenden Forts Posto gefaßt und konnten genau die Vorgänge in derselben beobachten. Größere feindliche Truppentheile wagten sich jedoch nicht vor, da man ein Bombardement der Festungsgeschiitze befürchtete. Diese waren jedoch nicht arrnirt, denn Niemand ahnte, daß der Krieg einen so rapiden unglücklichen Verlauf nehmen werde. Nun h eß es niit Rücksicht auf die unmittelbar dringende Gefahr rasch handeln und die Arnürung der Festung vornehmen. Dies wurde vom Fcstungscommando, dem damals in Olmütz garnisonirenden Ot erlieutenant der Artillerie David Beer übertragen und von ihm zur vollsten Zufriedenheit über Nacht durchgefuhrt, eine That, deren Bedeutung nur von einem Fachmann gewürdigt werden kann. Die Preußen hatten natürlich keine Ahnung, daß Olmütz nicht armirt ist, sonst hätte die feindliche Armee mit klingendem Spiele die Grenzsestung besetzen und tausende Kanonen nebst Munitionen, erbeuten können. David Beer starb bekanntlich vor zwei Jahren als Oberst und Cvmmandant eines Artillerie- Regimentes und würde ihn der Tod, zu dem er sich während er in Bosnien in Garnison lag, den Keim geholt, nicht hingerafft Halen, so wäre er heute gewiß General und Brigadier gewesen. Ehre seinem Andenken! Wahres Verdienst bricht sich Bahn und wird schließlich doch anerkannt. Diejenigen, die nur rein wegen ihres Rencgatenlhums Stellungen zu erreichen vermeinen, erleben in der Regel die bittersten Enttäuschungen. Wie«. (Ein protestantischer Geistlicher über die Juden Hetze.) In demselben Maße, als sich die Bedrückung der I u d e n in Rußland und die Hetzereien in anderen Ländern verstärken, werden auch immer noch Sttinmen gegen solches Gebühren laut aus Kreisen, auf deren Unterstützung die Hetzer sonst zu rechnen pflegen. So haben sich in letzter Zeit wiederholt höhere Geistliche der katholischen Kirche und protestantische Prediger (insbesondere in England) gegen die unwürdigen Hetzereien ausgesprochen. Es liegt uns nun in dem Wochenblatte des „Cape Argus" vom 11. Juni ein neues Zeugnis; solcher Toleranz vor, welches der Rev. D. P. Fan re, Prediger der Free Protestant Church in K a p st a d t, in einer Predigt abgelegt hat. Dieselbe enthält eine kurze Geschichte der Judenverfolgungen, wobei der protestantische Geistliche nicht ansteht, zu erklären, daß die Juden im Mittelalter nur in'einem einzigen Lande Frieden und Wohlstand genossen — das w a r das von den M o h a m e d a n e r n b e h e r r s ch t e S p an i c n. Seitdem dieselben aber vertriebeil worden, seien die Juden stets uird überall bedrückt worden. Der Redner geht dann im Einzelnen aus die Vorwürfe ein, welche wan den Juden macht, um eine erceptionelte Behandlung derselben zrr begründen, woraus eine Auszählung der Vorzüge der Juden uird derjenigen Errungenschaften folgt, welche die Welt ihnen verdairkt. „Wir insbesondere," so sagt Herr Fau.c, „welche die Menschen nicht nach ihren Glauben oder ihrer Nationalität beurttzeilcn, sollten ficunbüdi, edel und gerecht allen gegenüber sein, mögen sie mm mit uns den Glauben theileir oder nicht, unsere Sprache reden oder iricht, von unserem Blute sein oder nicht. Das Band gemeinsamer Brüderlichkeit verbirrdet uns Alle, und die Juden waren die Ersten, welche diese Wahrheit entdeckten und verkündeten. Sie sind ein sehr schwer gettänktcs Volk , und doch sind sie ein Volk, welchem die Welt ebensoviel, rvic irgend einem anderen 'Volke verdairkt'" Wien, 21. Juli 1891. In dem vom Club österreichischer Eisenbahnbeamten herausgcgeberrerr Fachblatte „Desterreichische Eisenbahnzcitung" (u. zw. irr stummer 29 vom 19. d. M. Seite 214) lesen wir: Von einem Fachgenosse,r in Rußland erhalten wir folgende Mittheilungen;.„Die Uebernahmc einer Eisenbahn vom Staate dauert hier ziemlich lange. Zunächst wird für diesen Zweck eine besondere Staatscommission ernannt, deren Erhaltung eine enorme Srmrrre kostet. Die Uebernahmc der Asow-Bahn dauert schon beinahe 5 Monate und hat rroch kein Ende genommen. Selbstverständlich ist hier die Verstaatlichurrg einer Eisenbahn ein Ereignis;, rvelches das ganze Beamtcnpersonal höchlich ausregt. Da die Verrvalrungsorganisation einer Staatsbahn von eirer Privatbahn sich wesentlich unterscheidet, so ist das Schicksal aller Beamten bei einer Bahnübernahme von mancherlei Umständen, am wenigsten aber von derr persönlichen Eigcrrschasten abhängig. So sind auf den obgenannten verstaatlichten Eisenbahnen viele entlassen worden. Zunächst wurden »alle Beanrten jüdischer Confessio» von der Asow-Bahn entlassen. Unter den 5200 Beamten dieser Bahn waren 30 Mann Hebräer (Jmisconsulenten, Aerzte, Ingenieure, Kanzlisten und ^Handwerker.) Die meisten derselben bienten seit der Gründung der Bahn und waren als si hige rrnd arbeitsame Leute bekannt. Es ist mir persönlich ein Schmied bekannt, der 18 Jahre in der Locomotiv-Wcrkstätte gearbeitet hat. Sein Lohn war 11/2 Rubel per Tag, von welchen er und seine Familie von 9 Mitgliedern kaum lebten und jetzt ist er als Jude entlassen. Unter derr entlassenen Juden ist mir auch einer bekannt, der während des polnischen Aufstandes für seine Treue zrrr Krone ein Rescript erhalten hat, irr welchen er als Urrtertharr hervorgehoben wird, der „sein Leben zu Gunsten der Krone der Gefahr ausgesetzt habe." Dieser Mann hat eine 33jährige Dienstzeit hinter sich. Das Bleiben im Dienste ist nur durch Uebergarrg zum orthodoxen Glauben nröglich, wovon jedoch nur eirr Recherrmeistcr, vorr großer Noth gedrängt, Gebrauch gemacht hat". Prag, 26. Juli. In der letzten Nummer Ihrer geehrten Zeitschrift wird die Wahl dcs Herrn Leopold P o l l a k in die Delegation in einer Weise glossirt, daß ich bitten muß, zu constatircn, daß die betreffende Prager Correspondcnz nicht von mir stammt. Sie waren so freundlich, seinerzeit bin ch Veröffentlichung meiner Correspondcnz zu constatircn, daß die jungczechische

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