Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 30 (31.7.1891)
- Date
- 1891-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 30 Oesterrrichische Wochenschrift. Seite 537 lich muß das Elend dieser Ankömmlinge in Amerika sein, wenn sie sich wieder nach Rußland zurücksehnen! Es ist nur natürlich, daß man vor dem langsamen Hungertode in das Schwert rennt um mit einem Male zil enden. Es handelt sich vorderhand nicht um die Frage: Sb nach Westen oder nach Osten? Die ossiciellen Eomites, welche das Emigrntionswerk leiten, üben gewiß die größte Vorsicht bei denen, die sie nach den Vereinigten Staaten schicken, daß sie dort eine gesicherte Eristenz finden; allein die meisten der aus Rußland Flüchtenden, insbesondere diejenigen, welche ans dem Unglücke noch einiges Vaargeld retten und zu viel Selbstgefühl, zu viel Verlaß auf die eigene Kraft und zu viel Stolz besitzen, als daß sic sich an die Hilfscomites wendeten, gehen nur auf's Eeradewohl über das große Wasser, in dem von ihrer Einbildungskraft vorgespiegeltcn Wahne, daß in Amerika Arbeit und Erwerb leicht zu finden seien. Und wenn ihnen auch beim Betreten der Eulturwelt diesseits der russischen (Grenze, die Wahrheit über Amerika gesagt imb ihr Wahn zerstört wird, so können sie sich doch nicht mehr entschließen, Kehrum zu machen, nachdem sie dreh schon das Schtverste vollbracht haben — Rußland entkommen zu sein, lind geher, wenn auch schon mit etwcs herabgcstimmten Hossnungen, doch hinüber über das Meer, um iil der nelien Welt vor Aitssichtslosigkeit zu verzweifeln. Die Warnung zur Vorsicht gegen die trügerischen Erwartungen von Amerika als Asyl für alle Verfolgten, als Eldorado für alle Eriftenzfuchenden, muß von den .erufenen Kreisen in Rußland selbst ausgehcn. Die Rabbiner daselbst und alle diejenigen, welche bei dem leichtbegreiflichelt Pessimismus der Uitglücklichen doch nocO einigen Einfluß auf dieselben besitzeil, in erster Vinte die jüdischen Blätter, müssen mit allem Flachdruck diese Wahnvorstellungen von Amerika zerstreueil, so grausam es von ihnen mtrf) scheinen mag, den Unglücklichen auch noch aus der Welt der Träume aufzuschrecken. Aber lvenn sie in dem Traume wie Sonnambule h n n d e l >l ilnd einer Eefahr sieh aussetzc», ist es Pflicht sie zu weckeil. Wir warneil daher vor eine. Auswandemng nach Amerika, ja wir lvarnen vorläufig vor einer Auswander-mg überhaupt, insolange da ■> Eolonisation iverk ilicht festere (Gestalt angenommen und Bürgschaften des E'elingens e< halten hat. Auch das ersehnte Land der Auswanderer, Argentinien von dem jetzt so viel gesprocheil lvird, lvi d von eineil Augenzeugen, der an Ort uild Stelle die Ve.hältnifse studirt, im . „Klirjer Warszaivski" in sehr düsteren Farben geschildert. Rach Ansicht des polnischen Eorrespondenten eignet sich Argeiltillieil jetzt am alleriveiligsten zur Allsiedlung, nnb zlvar ebenso wenig für die ackerbautreibenden Bauern, als für die jüdische Bevölkerungder Städte. Die Lage der Auswanderer, lvelche der Eonespondent dort zu sprechen uild 311 beobachten Eelegenheit hatte, wird als eine so verzweifelte geschildert, daß sie Alle nur den einen Wunsch haben: so schnell als möglich wieder nach Europa zurückbefördert zu werden. Man sieht, daß ein übereiltes Handeln viel Uilglück anrichten kann, und daß die Ziele der Au wailderung erst reiflich studirt werden müssen. Leider ist jetzt nichts actucller als Berichte in der Iudenfrage, und die Eonespondenten der politischen Tagesblätter, niit der besten Absicht den Faden zu rlützen, thun darin des Euten 31t viel, daß dann unliebsame Ellttäuschungen uild Venvirnlngen nicht ausbleiben. Wahr ist von allen den verschiedeilsten Zeitungsmeldungen, daß das Uilglück der russischen Faden grenzenlos ist; wahr ist, daß ivicdcr die alte Solidarität der Faden sich regt llnd wo noch ein jüdisch Herz schlägt, sich die wännsten Sympathien für die ruffischeil Elaubensbrüder lind Elmlbensheldcn sich kundgebcn; lvahr ist, daß Baron Edmond v. Rothschild in Paris die Eolonisation Palästinas protegirt lind Baron H i r s ch iil Paris sein Augenmerk aus Argenlinieil gerichtet hat, um die Verfolgten ans Rußland dort zn colonnisiren: lvahr ist endlich, daß in Berlin ein Eentral-Hilfseomitö eriftirt, das die Ausivanderlmg organisirt. Alle anderen der vielen Meldungen jedoch sind mehr oder iveniger der Wahrheit ilicht entsprecheild, lwd es ist Vorsicht am Plane in dem Elanben an dieselben und dem Handeln darnach. Die Lage unserer Elaubensbrüder iil Rußland ist gewiß eine sehr traurige und verzweifelte, ivetche m'.r;KMn in gaicz Eliropa die aufrichtigste Tbeilnabme iveckt. Wir müssen doch dringend ivarnen vor ü b e r eilte r LR a s s c >l a u s iv a n d e r u n g, lvelche diese Lage noch verschlimmern muß, in so lange ilicht gehörige Vorbereitungen getroffen sind zur Aufnahme dieser Unglücklichen. Roch ist die (Gefahr ilicht ausgeschlossen, daß die Ausgervanderten nach verfehlten Versuchen an zahllosen Leidendst.uionen zur Rückirandeumg sich werden entschließen müssen :.nd das ist gewiß das traurigste Loos ivelches das beschick denselben be.ei en kann. Deßlvegen erachten wir es als heilige Pflicht zlir Ruhe und zur Besonnenheit zu mahnen, vor übereilteil Entschlüßen zu ivarnen, unsere russischen o-ckaubensbrüder zu bitten, krön der unsäglichen Drangsale, auszuharren auf dem Play und abzuivarteu bis das Werk des großen Philanrropen gereift ist und eine neue Heinlat zu ihrer Aufnahme bestimmt und erwählt wurde. Die Blummiumt der isr. (Cultustlemeinde-Sprengel in Mähren. Tuö eben änsgegebene randesgeselz UNS Verordunngsdlatl fit- Mähren. VII. Auick, bringt unter '.Kr. 45 eine obigen O'egenintnb be treffende Verordnung des k. k. lütlitiSministerinmü vorn 15. guni 1891. Zl. 8132. mittels welcher in Ausnthrung de.' 3 und 4 des ^eieves vom 21. März 1890, R.-G. Vl. 'Ar. 57 verordnet wird: 1. 3>l 'Mähren haben nachbenannte 50 iirae!. Onlnisgemeinden zu bestehen, l^s sind dies die bisherigen mit Ansschlnü von l2 laur §. 2 der Verordnung vom 1. Zöllner 1892 ab als anigelön e flänen O'emeinden nebst 7 nencrei teil Gemeinden, nämlich: Ausviv Ung. .Arabisch, W. Meseritsch, A en ti t sche in, Tlmüy. Wischan und Zwi t tan. Der llmsang des Tprengels einer jeden dieser 50 >Gemeinden in in dem dieser Verordnung als „'.'lnbang" beigesch'.o jenen Hebe uch: m ersehen. 2. Vie bisherigen <"'emeinden Althart, Vattelan l'isgrnb. Z'iv. Lloritschan, Xosteley i besteht schon seil20 gahren nich^ mehr >. Martwau'v, Pukliy, VnUiiz. Tobi tschau. Wesely und Wölling we den an gelöst und deren Eebiei nach Maügale der neuen O'emeinde l^in-beilung den benachbarten O'nltnsgemeinden einue-rleibt. 3. Tie t'intbeilnng nnb Abg' enznng der Gemeinde sprenge, nach Maßgabe dieser Verordnung tritt mit 1. gänner 1892 in VSiN'amteii und sind von diesem Feüpnntte an, die in js. 1 bczeichneten ls:i!t»s gemeinden als im Tinne des Geseyes vo.n 21. März 1890 amnituirt an Zusehen. Vis dahin bleibt der Vestand der bisherigen Gt'msver bände aufrecht.