Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 30 (31.7.1891)
- Date
- 1891-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 536 Oesterreichische Wochenschrift. Nr. 30 So sprach damals zornentflammt Ed. (3 r e g r und heute rürchteu die (suchen uichl mehr „die Väter im Erabe \\\ verleugnen", fürchreu nicht mehr „den Ruf eines reactionären, eines rückschrittlichen Volkes" und ivoltcn Bundesbrüderschaft schließen mir denselben V i ch tenstein - H u ß a r e n, jener 0ünde von Dunkelmännern, als 'deren Wortführer der Stampiglien- Rirtcr und der Beuscheldoctor vor aller Welt austreten! Uns will es scheinen, daß mehr noch als der berüchtigte Antrag Liechtenstein, mehr noch als die einstigen Liechtenstein Hußarcn die „heutigen Zücchtenstcin-Hußarenst der streitbare Anhang des Wiener Antisemiten ührers die politische Reputation des Ezcchenvolkes gefährden müssen. Die böhmische Bandes-Ausstellung ist ein Rational cst, aus ivelchem das Itlugczecheuthtliu das große Wort rührt. Wenn die Wiener Antisemiten, ivic Ritter ^rampiglius dies angekündigt hat, bei ihrem Besuche in Prag „freudige Ausnahme" sinden rverden, dann iuht» der Welt ein außerordentliches, ein unerwartetes Schauspiel geboten sein: die Verbrüderung Eregr's mit Liechtenstein. Po» Zeichen des Judenhasses ivird sich der czechische Freiheitsdrang ntit dem (dcriealismus und Feudalismus vereinigen und alle Drangsale, ivelche das czechische Volk, einst von den Liechtenstein- Hußaren zu erdulden hatte, wird vergessen und vergeben sein. Man sieht, der Priii^ Liechtenstein geeist mit seinen Heerbann weit aus und die antisemitische ^dee liegt ihm so sehr am Herren, daß er darob nicht blos die Traditionen seine.'' eigenen Hauses, nicht blo:' die geschichtlichen Grundlagen des österreichischen Ieudaladels, sondern noch viel ivich.igere tind greifbarere Dinge in die Schanze schlägt. Weitit der schwarze Prinz um des Hernalser Ntandatcs tvillen im Stande war, seine eigene Persönlichkeit zu verleugnen und seinen Schulantrag als das Kind einer vorübergehenden k'aune zu erklären, so wußte jedermann, daß der edle Prinz die Moralbegrisse des ^estiitismus in sich ausgenommen und gründlich verarbeitet ha.te. 'Was lag an der Persönlichkeit, was lag an einem Anträge, wo cs sich um höhere ^deen handelte? Aber nicht einmal der stesuitismus kann zur Entschuldigung dienen, wenn Prinz Liechtenstein daran geht, sich mit deli 'R'achkommen der alten Hussiten und den Bannerträgern des modernen Hussitisntus ru verbinden. Der Vorkämpfer Roms Arni in Auu mit dem Hussitenthum, das ist in der s har mehr, als die kü niste Phantasie zu ersinnen vermag. Der Zögling des Kalksburger Eonvictes ivird sich in Prag vor den marmornen Standbildern eines Huß, eiiies Hieronyiilus, eines stiska verneigeii, ivie er sich in Wien vor den lebendigen (Gestalten des Hernalser Schusters, des Währinger Ereißler: und des 'Rllißdorfcr Wein- Hauers verneigt hat. T'iwwahr, cs' ist ein großer Ecdaukc, den czechischen Hussitismus ebenso in die Lasche zu bekommen ivie die Wiener Demokratie, ja der Prinz Liechtenstein scheint der antisemitischen ^dee wahre Wunderkräste zuzutrauen. Wird diese Wunderkrnst aber auch au reichen, ihn und eine Hußaren von dem Vorivurse zu reinigeil, daß sie mit den geschworenen ,feinden Dcsterrcichs gemeinsame Sache machen? Was immer auch der fürstliche Antisemitcnhäuptling gethan hat, er konnte sich daraus berufen, daß er es in der festen Ucberzeugng that, seinem Vaterlandc damit zu nützen. (Glaubt er aber auch damit Destcrrcich und der Hab burgischcn Dynastie zu dienen, weint er sich mit jener landespreisgeberischen Politik eines Basch alp verbinde:, der vor Rußland anbetend im Staube liegt und bei jeder Eelegenheit gegeil das dclitsch-österreichischc Bündiliß giftigen (Weiser speit? Heraus mit der Sprache! Soll mit dein Mantel des Antisemitismu > auch die Vaterlandslosigkeit, oder nod) etwa - Schlimmeres gedeckt iverden? Daß Ehren- Schneider auch dazu seine Hände leiht, haben wir nicht anders erivartet; aber daß das czechische Volk — abgesehen von einzelnen hirnverbrannten Köpfen — mit derlei Individuen paktiren und gemeinsame Sache machen ivird, das lvotlen wir erst sehen. Die (5zechen wissen, daß sich hinter dem Antisemitismus nichts anderes als der heuchlerischeste Icsuitismns, der rücksichtsloseste Elassen-Egoismus, die Rcaction im Interesse des sZ-eudaladels und der Priesterherrschnfl verbirgt. Der Köder Ehren-Schneiders ivird in Prag nicht ziehen! Vorsicht. Der kindliche Sanguinismus im jüdischen Eharakter, als ob ivir R'eutiinze aus der politischen Bühne ivären, vermehrt noch das Unglück der russischen Juden. Es fehlt nicht nur deii Uilgtücklicheil selbst an der nüchterneii kalten Ueberleguilg der Schritte, die sie zu ihrer Rettung unternehmen sollen, sondern and) uns, die ivir theilnahmsvoll vor diesem Jammer stehen und Helsen ivollen, mangelt die ruhige Ucbersicht llild ivi. wissen nicht recht, ivie ivir das Rettungswerk bcginilen und nach irelchem Plaue es ausführen sollen. Und durch die unzweckmäßigsten Anordnungen iutb Versügiingeii in dieser Kopflosigkeit greift das Elend noch um sich, daß gar nicht abzusehcn ist, ivie das enden ivird und an einem „-chwruhekommen der Verfolgten verziveiselt iverden muß. Zunächst ivollen ivir die uiiglücklicheii russischen Flüchtlinge vor dem Betreten der österreichischen (Grenzstadt Husyati ii dringend ivarncn. H n sy a ti n ist ein R a u bn c st schlimmster Sorte, iverth vom Erdboden vertilgt zu iverdeii. Dort iverden die unglücklichen Flüchtlinge ausgeraubt und ausgeplündert mit einer Herzlosigkeit uuö (Grausamkeit, ivelche ihres (Gleichen sucht. Die Iauuuerrilfe. die vvn dort ztl uns dringen, die Berichte, ivelche von glattbivürdiger Seite uns zugehea, schildern die dortigen Bewohner als wahre „Hyänen des Schlachtfeldes" non einer Herzenshärte und Raubincht, ivelche die unglücklichen, theilweisc geslißcntlich und heimtückisch hinübe.gelockten russischen Flüchtlinge mit E'eivalt uild durch allerlei Drohungen ihrer letzten Habe berauben, die sie sich ge. eklet haben. Es ivä.e übrigens an der stell, daß die kais. königl. S t a a t s a n iv a l t s ch a s t aus das gefährliche uiid schäiidliche T reiben der R a u b v ö g e l v o n H ii s y a t i n ein Augenmerk richtet. De.' Weiteren ist das in der Phantasie der gehetzten russischen Juden als?aud der Berheissung anftauchende Amerika eiiic Sinnestäuschung, die sie. wie ein stollicht den Wanderer in einen Sumpf lockt, in dem sie zu Eruiide geheii müßten. Die londoner Tagcsblätter geben folgendes Reuter- Telegramm aus R' t u) -?) o r r ivieder: „ Der hiesige russische Eonsul hat die Ausivanderungsbehörde ersucht, ihm eine rüste derjenigen russischen Juden, ivelche seit 1. Jänner d. I. in den vereiiiigten Staaten angelangt sind, zugehen zu lassen. Der Eonsul erklärt, daß er zahlreiche Bittgesuche von Juden crhalteii habe, in iv e l ch e n u m "M ittel zur Rückkehr ii a ch R it ß l a n d g e b e l e il w i r d, w e i l die P e t e n t e n weder i n 'N ew - P o r k, n o ch i n n n b c r c n Städten Arbeit u n d E r iv c r b si n d c n k o ii n t c ii." Wie schreck-