Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 30 (31.7.1891)
- Date
- 1891-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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; w'sc^s^' Ur. 30. Wen, 31. Inli 1891. VUl. Jahrgang. Centralorgsn für die gesammten Interessen des Iudenthums. N. k. P^stsparcaflenamt Ll-nrinsv-rkchr Nr. 810.07».! Eigellkhümer: Ueichsraths-Abgeordneter Dl. Kloch. Redzrtion u. Administration: Wien I., Dothenthurmstrasre 89. Erscheint jeden Freitag. X-- M«n ahoranrt bst allen PostanMlkrn des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 fl. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. I •% Inhalt: Veitar titeln: Die riech lenskein.Eußaren in Prag — Vorsicht. — Die Abgrenzung der isr. Enltusgemeinde Sprengel in Mähren. — Sr. 5?ochwnrden dein .>?err P. Scha rbe!, Landtags Abgeoronecr, Wien. - (.'in Wort an die antisemitischen Frauen. — (Sorre spondenzen: Wien. Prag. Wc sely a. d. March. De den bürg. Krakau. Berlin. Paris. London. Rom. Petersburg. Moskau. Warschau. 1)1-6116. Bukarest. Vermischtes: Wien. Budapest. Krakau. Graz. Faros lau. Prerau. Brünn. Marienbad. München. Mannheim. Paris. Beifort. Amüerdan. Rom. Florenz. London. Belgrad. Alben. Aler.mirien. Tripolis. RewAork. Australien. — Lesefrüchte. Die Schicksale der Pater Mortara. Frurtis uns und Berechnung. — Familienblatt: Wochenkalender. Lear in der Gasse. Eingesendet. - - Briefkasten. Inserate. *. Ä i & Dir Lirchtrnstrin-Hutzarru in Prag. In einer Versammlung Margarethcner Wähler hatte der AbgeordneteOtitter Stampiglius vor einigen Tagen die Miktheilumz gemacht, daß von Wiener Antisemiten ein Separntzuiz ytv Prager Bandes-Ausstellung veranstaltet werde. Der biedere Ieugnißsälscher gab dabei der Ueberzenglmg Ausdruck, daß diese Fahrt eine Stärkung des antisemitischen Gedankens bedeuten, daß dort Apostel der an isemitischen Idee für das ganze Böhmen gewonnen iverden ititb das böhmische Volk seine Abgeordneten zwingen tvird, sich dem Antisemitismus hinzugeben. „Die Juden werden gebnitelt werden" versicherte er! Rach diesen Erklärungen ist somit nichts (Geringeres geplant, als eine Verbrüderilng der Wiener Biechtenstein-Hußaren mit den Iungezechen in Böhmen. Aus dem Boden der Prager Bandes-Ausstellung, welste ursprünglich als ein Werk des Friedens und der Versöhnung zwischen Deutschen und Czechen gedacht lvar, alliuälig aber den Charakter eines großen Delllonstrations-Apparates angenonunen hat, haben sich bisher die verschiedenartigsten Elemente gefunden. Französische Gymnasiasten kamen mit der Revanche-Idee im Herzen und auf den Lippen, slovenische Pilger feierten im Vereine mit den Czechen den großslavischen Gedanken, und den Gästen aus Serbien rief ein jungezechischer Redner zu, er hoffe, daß die serbischen Brüder dem czechischen Volke „im entscheidenden Augenblicke" die Hand reichen werden. Man demonstrirte für Rußland gegen die Trippel-Allianz und ziemlich unverblümt gegen Oesterreich selbst. Und zu all' diesen sonderbaren Heiligen gesellen sich nunmehr noch die Wiener Antisemiten, die LiLchtenstein-Hußaren unter Führung des sattsam bekannten Ehrenmannes Schneider. Die Iungezechen haben in den letzten Wochen gar mancherlei dummen Streich begangen, nun sind sie im Begriffe — zur Freude ihrer Gegner — in diesem Genre das Größte zu leisten, das Talent eines feinen Hunioristen herauszufordern. Es war bekanntlich der Liechtensteinische Schulantrag, welcher den früheren „eisernen Ring" der Rechte aus einander gesprengt, den politischen Einfluß der Altezechen .vernichtet und das böhmische Volk den Iungezechen in die Anne getrieben: hat. Das "Attentat auf die Schule, welches der Prinz Liechtenstein unternommen, hatte den Iungezechen zur Macht verholfen. In jener denkwürdigen Rede, vom 30. März 1893 anläßlich der Diseassion über den Antrag Liechtenstein sagte Ed. G r e g r: , Der 'Raine Liechtenstein ist ein verhängnißvoller, ein schrecklicher in der Geschichte des böhmischen Volkes, ein Liechlenstein war es, ein Ahnherr unseres Antragstellers, der im schrecklichen Drama des dreißigjährigen Krieges eine Hauptrolle gespielt hat. Die Geschichte dieser schrecklichen Zeit ist noch nicht geschrieben, aber es dürste genügen, wenn ich Ihnen nnr das sage, daß vor Dein dreißigjährigen Kriege im Königreiche Böhmen die Einwohnerschaft über drei Millionen Seelen betrug und nach dem dreißigjährigen Kriege diese drei Millionen auf die kleine Zahl von 800 000 Menschen gesunken war. Das Hanptverdienst an diesem Abschlachtendes unglücklichen böhmischen Volkes haue ein Liechtenstein. Rachdcm nun aus diesem elenden und kümmerlichen Rest des böhmischen Volkes mit der Zeit ein neues Volk, wie durch ein Wunder des Himmels sich entwickelt hat, zu einem neuen Volke, das bestrebt ist, in die Reihe der anderen Culturvölker einzutreten und in dieser Reihe einen ehrenvollen Platz einzunehmen, kommt nun wieder ein Liechtenstein, ein Enkel des Karl Liechtenstein, und gräbt diesem Volke ein neues Grab, ein Grab der Unwissenheit und culturellen Verkommenheit." „Ich würde ihm zuru'en: Herr, Sie sind Fürst und Cwalier. Was hat Ihnen das arme Volk gethan, daß Sie es stören wollen aus der Bahn der culturellen Entwicklung? daß Sie es hemmen wollen in seiner geistigen Arbeit und ihm die Waffen aus der Hand schlagen wollen für eine glücklichere Zukunft? Das, Fürst Liechtenstein, ist nicht edel gehandelt und das ist nicht die Sühne, die Sie für die Verbrechen Ihrer Ahnherren, dem böhmischen Volke schuldig sind." „Und das böhmische VolkImeine Herren, es müßte seine Traditionen vergessen, es müßte die schönsten und die glorreichsten Blätter seiner Geschichte vernichten, es müßte die Väter im Grabe verleugnen, wollte es sich hinreißen lassen aus die Bahn der Reaction und des Rückschrittes." „Und deswegen, meine Herren, halte ich es für meine Pflicht als Abgeordneter und als Vertreter dieses böhmischen Volkes, solange meine Kräfte reichen, solange und soweit es mir möglich ist, dagegen anzukämpfen, daß das böhmische Volk nicht den Ruf eines reac lio uä reu, eines rückschrittlichen Volkes verdiene und sich dadurch die Sympathien aller gebildeten und fortschrittlichen Völker verscherze." .4? H