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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-24 · 29 (24.7.1891) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
29 (24.7.1891)
Date
1891-07-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 532 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 29 Oegensburger und 1 Mainzer Denar gefunden. Die Würzburger Denare sind unter dem Bischof Otto von Lobdeburg (1207—1222) geprägt worden; zwei derselben zeigen in hebräischer Schrift den Namen des Münzmeisters Jechiel. Waris, 14. Juli. Der neugewahlte Oberrabbiner von Paris, Herr Dreh fuß, wird erst im September in sein Amt eingeführt werden. Iamilirnblatt. Woche»- Juli 1891 Tamus 5651 Kalender Freitag 24 18 S«nstag 25 19 OTTTB Sonntag 26 20 Montag 27 21 Dienstag 28 22 Mittwoch 29 23 Donnerstag 30 24 j Freitag 31 25 Srole Kugel. (Eine Federzeichnung.) Ich habe während meiner langjährigen Lehrerchätigkeit Tausende von Schülern gehabt, von denen viele, sehr viele entweder direct von meiner Schule aus in das praktische Leben übergingen und angesehene Geschäftsleute wurden, oder auf der Grundlage meines Unterrichts weiter stndirten und vornehme Stellungen im socialen Leben erlangten: Auf keinen aller dieser Schüler bin ich jedoch so streng, wie auf Srole, der es nicht weiter brachte, als bis zum — Schuldiener in seiner Heimatsgemeiude Galantha. Sein Bild befindet fich jedoch nicht in dem Album, welches ich mir von meinen Schülern angelegt, erstens weil es eigentlich nicht hineinpaßte, denn es enthält nur diejenigen, welche Carriere gemacht haben, und zweitens weil ich es gar noch nicht gezeichnet habe. Es geht mir mit demselben so schwer, wie einem Maler mit dem Porträt eines Kindes. Srole hat nicht geliebt und nicht gestrebt, er kennt keine Leidenschaften und keine sogenannten Ideale, es fehlen also in seinem Leben die Confiicte, welche die Linien für die Zeichnung bieten sollen. Allein die jüngst stattgefundene Feier des fünfundzwanzigjährigen Datums des österreichisch-preußischen Krieges der 60er Jahre mahnt mich an diese Arbeit. Denn Srole hat als gemeiner Soldat diesen Krieg mitgemacht und sein ganzes Leben hat von demselben Weihe und Inhalt empfangen. Srole lebt und webt in den Erinnerungen an seine Militärdienstzeit, er ist ein Veteran, wie er im Buche steht, und wen» es in Galantha einen Veteranen-Verein gäbe, würde Srole gewiß Commandant desselben sein, trotz seiner niedrigen Stellung im Civil, und um dieser möglichen Carriöre willen paßt er denn doch in mein Schüler-Album. Ich will's also mit seinem Bilde versuchen. Es sind dreißig Jahre her, daß ich meinen Lehrerposten an der ueucreirten Schule zu Galantha antrat. Unter den vielen Unannehmlichkeiten, mtt denen ich Anfangs zu kämpfen hatte, war auch die, daß Niemand da war, die Schulräume rein zu halten, einzuheizen und andere äußere Schuldienste zu verrichten. Als ich in einer Schulvorstandssitzung, unter anderem auch diesen Mangel vorbrachte, riefen sofort alle Beisitzer: „Dafür wäre Srole geeignet!" Ich hatte damals noch nicht die Ehre, meinen künftigen Famulus persönlich zu kennen. Srole war bis dahin Vice-SchuMopfer bei Mandel Baß. Sein Chef Pflegte zuweilen etwas zu tief in's Gläschen zu gucken und am nächsten Morgen trugen ihn dann die Füße nicht, mit dem Hammer durch die Gaffe zu rennen. Der gefühlvolle Vorstand gab ihm daher an Srole eine« Stellvertreter bei. Das Gemeindebudget wurde durch diesen neucreirte» Posten nicht schwer belastet. Srole erhielt die Kost bei Mandel, der ein schwacher Effer war, Quartier in der Schlafstatt, und als Emolumente sielen immer bei Hochzeiten und Todesfällen, wen» Mandel nicht mehr in der Verfassung war, Freude und Schmerz zu unterscheiden, einige Kreuzer für ihn ab. Ich hielt die Biee-Schulklopferstelle nicht inkompatibel mit dem Schuldienst und hatte daher gegen Srole nichts einzuwenden. Am nächsten Tage stellte sich mir ein etwa 17- bis iLjähriger stämmiger Bursche mit blondem Kopfhaar, einem ebensolchen Anflug von Bart und treuherzigen blauen Augen als Srole Kugel vor, der von dem Vorstände als Schuldiener bestellt worden ist. Ich sagte ihm seine Obliegenheiten, und Srole machte sich sofort an die Reinigung der Schule, die ihm allerdings nicht so leicht ging, wie dem Herkules die Reinigung des Augiasstalles. Er brachte tagelang damit zu, aber die Arbeit war dann gründlich gethan. Nun wich Srole nicht mehr von der Schule; er stand während des Unterrichts wie eine Schildwache vor der Thür und lauschte dabei aufmerksam auf jedes Wort meines Vortrages. Wenn ich beim Stundenwechsel hinaustrat, sah er mich immer so flehentlich an, daß ich ihn einmal fragte, was er denn eigentlich auf dem Herzen habe? Und da trug er mir unter Thränen die Bitte vor, ich möchte auch ihn schreiben und lesen lehren und zu einem besseren Menschen umwandeln. So machte ich denn Srole in meinen freien Stunden zu meinem Schüler. Er faßte nur schwer auf, aber der Fleiß besiegte seine Talentlosigkeit und bald konnte er in der Schule selbst an dem Unterrichte der ersten Oberclasse theilnehmen, mit der er von Jahr zu Jahr aufstieg. Da mußte fich Srole eines Tages vor die Affentirungs- Commission stellen und — blieb. Kurz vor seinem Einrücken zu dem Regiments, dem er zugetheilt wurde, bat er mich um ein Andenken. Ich gab ihm die Psalmen im Taschenformat und wies ihm an, welche von denselben er bei den verschiedenen Anlässen beten sollte. Srole war beim Militär Anfangs die Zielscheibe des Witzes seiner Kameraden wegen seines Namens Israel Kugel, seiner schwerfälligen Gestalt und seiner Einsilbigkeit. Nach und nach verstummte aber der Witz vor der Gutmüthigkeit, Dienstsertigkeit, treuer und muthvoller Psiichterfüllung Srole's, und, wie das schon geht, vor den Beweisen seiner Kraft und seiner soldatischen Ritterlichkeit. So saß er z. B. einmal im Manöver, lesend aus seinem Psalmbuche unter einem Baume, als in seiner Nähr einige leichtsinnige Bursche seines Regiments zudringlich wurden gegen ein junges Bauernmädchen, das Obst zum Verkaufe herumtrug. Als Srole des Mädchens Hilferufe hörte, steckte er sorgsam sein Buch ein, stand auf, ging mitten unter den tollen Haufen, ergriff den Kecken, der das Mädchen am meisten bedrängte, hob ihn hoch in die Höhe, warf ihn dann in das Gras — und setzte sich, sein Buch hervornehmend, wieder ruhig unter den Baum, ohne ein Wort gesprochen zu haben. Ja, dieses Buch! Es war allen seinen Kameraden ein Räthsel. Das kleine Buch war abgenützt, die Ecken verbogen, das Innere abgegriffen und voll Eselsohren. Was konnte er nur immer daraus lesen! Er trug es stets bei sich, die linke Brust seines Waffenrockes zeichnete genau die Form des Einbandes; im Schlafe hatte er es unter dem Kopfpolster und beim Erwachen war sein erster Griff darnach. Oftmals am Tage, in den Pausen des Dienstes, während des Marsches zog er es vorsichtig hervor, blickte ein Weilchen hinein, als wollte er sich überzeugen, ob auch jedes Wort noch an seiner Stelle sei, und steckte es ebenso vorsichtig und sorglich wieder ein. Einer seiner Zimmergenoffen, ein guter, aber vorwitziger Junge, hatte sich einmal in angeheitertem Zustande verschworen, das Buch zu entwenden; aber am andern Morgen wieder nüchtern geworden, sagte er zu seinen Kameraden aufrichtig: „Nein, ich kann's nicht thun, denn einmal habe ich nicht das Herz dazu, unseren Kugel so zu kränken, und dann — dann habe ich auch nicht den Muth dazu, denn merkte er's, so würde er den letzten Knochen in meiner Haut zerschlagen, das bin ich gewiß!" .... Es kam der österreichisch-preußische Krieg. Unsere geschlagene Armee eilte in Eilmärschen von Böhmen an die Donau, um Wien zu retten. Bei dem Dorfe Blumenau in der Nähe Preßburgs wurde am 22. Juli die letzte Schlacht in diesem Kriege geliefert; in derselben war das Regiment, in welchem Srole diente, am meisten engagirt. Unter den von unserer Seite vom Schlachtfelde aufgelesenen Schwerverwundeten befand sich auch Srole. Bewußtlos lag er am Verbandplätze und hielt die Hand fest auf der linken Brust seines Rockes. Der vor chm kniende Arzt schnitt sorgfältig die Brust des Rockes auf, ein Büchlein fiel blutig und zerfetzt.heraus. Der Arzt, der merken

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