Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 29 (24.7.1891)
- Date
- 1891-07-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 29 Hesterrelchische Wochenschrift gationswahl haben die konservativen böhmischen Großgrundbesitzer, die sogenannten Elericalen, den Abgeordneten Leopold P ollak zur Wahl in die Delegation vorgeschlagen. Es verdient dieses Verhalten dieser sogenannten altczechischen Elericalen, des böhmischen Feudaladels im Gegensätze zu dem Verhaltender Iungczechen eine besondere Beachtung. Ein Theil der Iungczechen co mp ro m i tt i rt offen mit den Antisemiten, ein anderer Theil ist selber innerlich antisemitisch durchseucht, aber Alle spielen die „Liberalen", um einen Freibrief zu haben, mit den Antisemiten Bundes-Vruderschaft zu schließen. Antisemitische Anträge und Interpellationen erhalten immer die jungczechische Unterstützung, während der czechische Feudaladel einen Juden in die Delegation entsendet. Der nationale Chauvinismus schlägt überall in Racenhaß um, die Vertreter einer nationalen Exklusivität, die Unversöhnlichen und Ultras sind die schlimmsten und gefährlichsten Feinde der Juden, ob sie auch sich liberal drapiren, sind sie innerlich antisemitisch! Die Juden, welche derlei Politiker unterstützen, sind arg verblendet. Hat ja einer der bedeutenderen Juugczechen an einen böhmischen Adeligen die Frage gerichtet: „Habt Ihr denn einen I u d e n w ä h l e n müssen?" Diese Thatsache sollten sich die böhmischen Juden merken und ihr politisches Verhalten darnach einrichten. Hkpmischkks Wien. (Todesfälle.) Aus Brünn meldet man das Hinscheiden des Herrn Abraham T ü r k e l, eines hochgeachteten Mitgliedes und langjährigen Vorstehers der dortigen israel. Eultusgemeinde. Eine Tochter des Heimgegangenen ist die Gattin des Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Adolf Stein, Vorstehers der Wiener israelitischen Eultnsgemeinde. — Aus Baden meldet man uns das Hinscheiden der Frau Johanna Hock, Witwe nach dem Verstorbenen Gelehrten Simon Hock in Prag, der vermöge seiner ausgebreiteten Kenntnisse in weiten Kreisen bekannt war. Die Heimgegangene hatte noch den schriftlichen Nachlaß ihres Gemals einem berühmten jüdischen Gelehrten zur Publikation übergeben. Wien. (Handelsschule A l l i n a.) Dem soeben erschienenen Jahresberichte der Direction der Handelsschule Allina entnehmen wir folgende Daten: Die Lehranstalt wurde im abgelaufenen 43. Schuljahre von 481 Schülern und Schülerinnen (gegen 383 im Vorjahre) besucht und fand, der namhaften Steigerung der Frequenz entsprechend, eine Erweiterung der Schullocalitäten statt. Die in dem Berichte aufgenommenen Erlässe des hohen k. k. nied.-österr. Landesschulrathes sprechen der Leitung der Schule wiederholt die Anerkennung und Befriedigung über die Leistungen auf dem Gebiete des Unterrichtes und Förderung der humanen Einrichtungen der Schule aus. Besonders bemerkenswerth ist die Thatsache, daß nahezu s ä m m t l i ch e absolvirte Schüler und auch viele Schülerinnen noch vor Schulschluß unter zumeist günstigen Bedingungen placirt werden konnten. Dem Specialverichte über Waarensammlung, Schülerlade und Bibliothek folgt das Programm der Curse im 44. Schuljahr 1891/92, hierauf die Programmarbeit „Bemerkungen zum französischen Sprachunterrichte" von Professor Ludwig F l e i s ch n e r. Jünfhaus. Herr E. D. theilt uns eine kleine Episode mit, die vor einigen Tagen sich in einem Geschäfte zutrug. „Es kamen nämlich zwei Nonnen in's Geschäft und ersuchten zu irgend einem wahrscheinlich rein katholischen Zwecke um einen Beitrag, den ich auch wie gewöhnlich bereitwilligst leistete. Ich entfernte mich auf einige Augenblicke, und als ich zurückkam, erzählten mir meine Leute Folgendes: Es kam eben wieder eine Nonne in's Geschäft mit der Absicht Verschiedenes zu kaufen. Sie fand die Gegenstände sehr schön und preiswürdig und wollte soeben den Kauf beginnen, als sie an die Verkäuferin folgende Frage richtete: Gehört dieses Seite 531 Geschäft einem Israeliten? Auf die bejahende Antwort meinte sie, es thäte ihr sehr leid, aber sie hätte einen großen Verdruß zu H.iuse, wenn sie bei einem Juden kaufen würde, was schon einmal der Fall war. Sprach's und ging zur Thüre hinaus. — Auch die Tramwayconducteure nehmen mit Vorliebe das Trinkgeld vom Juden, nehmen aber den größten Judenfeind zu ihrem Anwalt. chr.Meseritfch. Anläßlich der jüngsten Anwesenheit Sr. Eminenz des Bischofs Dr. Bauer von Brünn in unserer Stadt, wurde derselbe wie von der städtischen Gemeindevertretung, so auch vom isr. Cultusvorstand und vom Rabbiner begrüßt. Se. Eminenz dankte für den herzlichen Empfang und betonte sein stetes und eifriges Bestreben, den konfessionellen Frieden zu wahren und zu befestigen, gemäß der Lehre der Nächstenliebe, welcher ein Grundsatz der katholischen Religion bildet. „Halten wir, so schloß er, an unsere Gebote fest, dann wird sich schon in Zukunft das Band finden, das uns vereinen wird." Aerkiu, 12. Juli. Die Antisemitenpresse hat Blut geleckt und pflegt die rituellen Morde lustig weiter. So läßt sich das „Volk" aus Lauten schreiben, daß am 29. Juni (Peter- und Pauls-Tage) daselbst ein vierjähriges Knäblein mit abgeschnittenem Kopf und vollständig blutlos in einer Scheune mitten im Orte vorgefunden wurde. „In -kanten und zwei bis drei Stunden im Umkreis ist das Volk in Erregung, und mau bezeichnet einen xantener Juden, der das Kind zu rituellen Zwecken abgeschlachtet haben soll, als der Mordthat dringend verdächtig. Die Straße, in der der Jude wohnt, mußte abgesprerrt, und das Haus sowie der Jude polizeilicherseits geschützt werden. Wenn das Volk den Juden erwischt, wird er gelyncht." Es ist schon als ein Fortschritt zu verzeichnen, daß die „rituellen Morde" jetzt auch tu der „Sauregurkeuzeit" stattfinden. Aerki«, 15. Juli. Die „Kreuz-Zeitung" arbeitet jetzt nur noch mit „Ritual-Massenmorden". Sie läßt sich aus Konstantiuopel — telegraphiren, daß in M u st a p h a Pascha die Leiche eines achtjährigen Mädchens gefunden worden, die „nach der bei den Inden üblichen Methode des Schlachtens" getödtet worden sei. Ferner ist ein christlicher Fleischhauer ermordet worden, der diese „rituelle Mordthat" zuerst entdeckt habe. Endlich wurden jüdische Schlächter und und vier jüdische Kultusbeamte „als des Mordes verdächtig" verhaftet. So die „Kreuz-Zeitung", die mit sichtlichem Behagen im Blute sich förmlich badet. Wir können natürlich nicht wissen, was an der Sache ist und ob sie überhaupt ist, werden aber in nächster Nummer bestimmt nähere Aufklärungen zu geben in der Lage fein. Meiningen. Ein Antisemit der That, der Handarbeiter Huther aus Barchfeld, der am Nachmittage des 6. Mai d. A den jüdischen Handelsmann Marcus Klaar aus Ettenhausen ermordete und dann seiner Baarschaft von 25 Mark beraubte, ist vom hiesigen Schwurgericht zum Tode durch den Strang verurtheilt worden. München, 12. Juli. Se. Kgl. Hoheit der Prinzregent hat Herrn Anton B e r l i n e r in Anerkennung seines gemeinnützigen Wirkens mit dem Michaelsorden IV. Klasse ausgezeichnet. Würzburg, im Juli. Einen wiederholten Beweis, welche Rücksichtnahme die israelitische Confession sich Seitens der Kgl. baierischen Staatsregierung, resp. der obersten Schulbehörde zu erfreuen hat, liefert die jüngst erfolgte Ministerial-Entschließung, wonach auf Antrag des Herrn Distrikts-Rabbiners B a m b e r g e r dahier bestimmt wurde, daß diejenigen israelitischen Schuldienst-Expektanten, welche die Anstellungsprüfung in diesem Jahre mitzumachen haben, am 12. October wegen des auf diesen Tag fallenden Bersöhnungstages von der Theilnahme an der Prüfung befreit sind und die betreffenden Arbeiten nachliefern können. Kisfingeu. In der Gegend des Bades Kissingen wurden über 130 Münzen, darunter ca. 120 Würzburger, 1