Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 29 (24.7.1891)
- Date
- 1891-07-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020877--00548-3024543- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 530 Hesterreichifche W-chmschrist Nr. 29 lich wird die allgemeine Sympathie, die schon jetzt das wohlthätige Wirken dieses Vereines begleitet, eine noch intensivere und größere werden, und unsere Generation wird es noch mit Freuden sehen, daß der jüdische Geist, das jüdische Selbstbewußtsein, in Wien bei allen Schichten der jüdischen Bevölkerung zum Durchbruche kommen werden. — Zum Schluffe will ich nicht unerwähnt laffen, daß die schönen, in obbenannten Schulen erzielten Erfolge in erster Linie der mustergiltigen Thatigkeit der Lehrer zu verdanken ist. Nebst der Gründung der Bibel- und Sprachschule concentrirt sich eben das Hauptverdienst des hiesigen Cultusvorstandes auf die glückliche Wahl der betreffenden Lehrer, der Herren Dr. Jonathan Wolf und Josef Dreier. Ob ihrer talmudischtheologischen Kenntnisse und ihres umfangreichen Fachwissens erfreuen sich diese Herren in weiten Kreisen eines ausgezeichneten Rufes. Ihr pädagogisches Wissen ist nicht minder bedeutend. Auch die Talmud-Thora-Schnle kann auf ihre Leistungen mit Genugthuung zurückblicken. Herr Löw, der Director bieser Anstalt, ist eine selten tüchtige Lehrkraft, er beherrscht seine Aufgabe nach allen Seiten. Mit Ernst und Fleiß wirken auch seine Kollegen zur Zufriedenheit aller Fachkreise, die sich für das Judenthum und seine Lehre intereffiren. So Gott will, wird es mir gegönnt sein, anläßlich der nächstjährigen Schlußprüsungen von gleich günstigen Resultaten berichten zu können. 8. K. Wie«, 20. Juli. Es ist noch nicht lange her, daß wir in diesen Blättern von der Bethciligung zweier Glaubensgenossen, des jugendlichen Brüderpaares Hermann und Isidor Pfeiffer an der Kunstausstellung in Barcelona, Mittheilung gemacht. Heute sind wir in der angenehmen Lage, constatiren zu können, daß diese Beiden von der Ausstellungsjury in Barcelona mit sehr schmeichelhaftem Anerkennungsdiplome bedacht wurden. Was aber besonders hervorgehoben zu werden verdient, ist die erfreuliche Thatsache, daß während von den mehr als 30 österreichischen Künstlern, die sich an der Kunstausstellung betheiligten, nur Zweien die Ehre zu Theil wurde, daß ihre ausgestellten Kunstobjecte von dem Muncipium der Stadt Barcelona angekauft wurden, unter diesen der Bildhauer Herr Isidor Pfeiffer sich befindet, dessen Portraitbüste „Studienkopf" vom Muncipum der Stadt Barcelona behufs Einverleibung im städttschen Museum angekauft wurde. Ein jüdisches Kunstobject im Museum der gut katholischen Stadt Barcelona, beni einstigen Sitze eines Jnquisitionstribunals! Vielleicht erhält dieses gar seinen Platz neben den Folterwerkzeugen, mit denen unsere armen Glaubensbrüder dort gefoltert wurden. Wie«. (Der Colonisationsplan des Baron Hirsch.) Die „TimeS" enthält weitere Einzelheiten über die Art und Weise, in welcher Baron Hirsch seinen Kolonisationsplan auszuführen gedenkt. Der Baron äußert sich zunächst über den Bericht des von ihm «ach Rußland gesandten Herrn Arnold White und fährt dann fort: „Herrn White's Bericht macht es klar, daß bei der Organisation meines Planes jeder vermeidbare Auffchub vermieden werden muß. Es ist meine Absicht, damit mein philantropisches Unternehmen in praktischer Weise angefaßt werde, eine große englische Gesellschaft zu gründen, deren Aktien ich sämmtlich oder zum größten Theil übernehmen will. Es nimmt vielleicht Wunder, wenn ich mittheile, daß mir hiebei nicht die Geldfrage, wohl aber die Frage, die geeigneten Persönlichkeiten zu finden, Schwierigkeiten bereitet. Mir fehlen die Direktoren dieser Gesellschaft. Männer, welche die erforderliche Gewissenhaftigkeit und gleichzeitig die geistigen Fähigkeiten besitzen, mit einer so komplizirten schwierigen Aufgabe fertig zu werden, lassen sich nur schwer auftreiben. Ich bin jedoch bemüht, sie zu finden. Der nächste Punkt meines Programms ist die Bildung eines großen, aus hervorragenden Mitgliedern jüdischer Gemeinden in der ganzen zivilisirten Welt zusammengesetzten Ausschusses, welcher ein Exekutive ernennen soll, die im Vereine mit den jetzt in Rußland in der Bildung begriffenen Ausschüssen die methodische Auswanderung der Juden zu leiten hat. Man hegt vielleicht Bedenken, ob es möglich sein werde, Menschen in so großen Massen mit Erfolg von einem Theile der Welt nach einem anderen überzuführen. Es kommt jedoch momentan nicht hierauf an. Hauptsache ist es, zunächst organisirte Gemeinwesen als erste Stationen für die im größerem Maßstabe erfolgende Auswanderung zu gründen, welche nicht ausbleiben wird, sobald der Erfolg der ersten Organisationen sestgestellt ist." — Zwischen Australien und Canada scheint übrigens ein edler Wettstreit um die Aufnahme der armen russischen Flüchtlinge zu bestehen. Aus den letzten australischen Postnachrichten ist zu ersehen, daß Herr M. A. Rapken, der Schatzmeister der Ostmelbourner hebräischen Gemeinde, mit Baron Hirsch wegen der Ansiedelung von 2000 russisch-jüdischen Familen in dem sogenannten Malleelande, im Nordwesten Viktorias, in Unterhandlungen steht. Herrn Rapken sind in jenem Distrikt und in nächster Nähe einer Eisenbahn 168 Quadratmeilen fruchtbaren und wohlbewässerten Landes angeboten worden. Um seinen Vorschlag auszuführen, möchte Herr Rapken ein Syndikat gründen, welches den 2000 russisch-jüdischen Familien das Ankaufsgeld vorstrecken soll. Sollte der Plan mit Erfolg durchgeführt werden, so würde jede der betreffenden Familien nach 20 Jahren Eigenthümerin einer freien Farm von 800 Morgen Landes sein. Angesichts der australischen Opposition gegen Armeneinwanderung macht Herr Rapken darauf aufmerksam, es wäre ein grober Jrrthum, wenn man annehmen wollte, daß die unglücklichen russischen Juden sämmlich mittellos wären. Viele derselben besitzen Geld und bilden die Klaffe von Emigranten, welche er nach Australien zu ziehen wünscht. Zur Zeit des Abganges der Post organisirte Herr Rapken einen Ausschuß, welcher die ersten hundert Familien in Empfang nehmen sollte. — Im Ostend von Montreal hat der Mayor der Stadt unlängst das „Baron Hirsch Institut" eröffnet, welches aus einer Stiftung des Barons zum Besten armer Juden errichtet worden ist. In dem unteren Theil des Institutes befindet sich eine Schule für arme jüdische Kinder, während in den oberen die Räumlichkeiten zur Aufnahme mittelloser jüdischer Einwanderer eingerichtet sind. Schon am Tage der Eröffnung stellten sich die ersten dreizehn russisch-jüdischen Gäste ein. Aus dem Berichte, den Mr. Arnold White über seine persönlichen Wahrnehmungen betreffs der russischen Judenverfolgungen erstattet, ist der Schlußpassus bemerkenswerth. In demselben führt Mr. White zunächst aus, daß die russischen Juden mit ihrem moralischen Muthe, ihrer Ausdauer und Mäßigung wohl das geeignete Element für einen weise geleiteten Kolonisationsplan, sei es in Argentinien, oder in Sibirien oder in Südafrika, bilden können und fährt dann also fort: „Ich kann diesen Bericht nicht schließen, ohne ein Wort zu sagen über die Leiden der Kinder, deren Zeuge ich gewesen. Ich habe die indische Hungersnoth im Jahre 1878 gesehen und habe viel Elend und Jammer in verschiedenen Theilen der Welt mit angesehen. Aber nichts hat jemals mein Herz so tief erschüttert, als das Elend dieser jüdischen Kinder. Von diesen Kindern kann man doch wohl nicht sagen, daß sie Diebe, Ausbeuter und Parasiten sind. Sie können nicht sprechen, sie können für sich nicht eintreten. Das Leben ist schon im Beginne hart für sie und wird mit jedem Tage härter. Nach Allem, was ich erfahre, glaube ich, daß, wenn die Leiden dieser unschuldigen jüdischen Babies dem Zaren bekannt wären, er zumindest uns die Erlaubniß geben würde, öffentlich die angemessenen Maßregeln zur Rettung dieser Kinder und deren Eltern zu treffen. Denn was ihnen auferlegt ist, ist schwerer, als ein Mensch ertragen kann." 'Nrag. Ein interessantes Factum ans den vertraulichen Vorgängen der letzten Reichsrathsitzungen verdient der weiteren Oeffentlichkcit zugänglich gemacht zu werden. Bei der Dele-