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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-24 · 29 (24.7.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
29 (24.7.1891)
Date
1891-07-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 Hesterreichlsche Wochenschrift Seite 529 bitte Dich, daß ich im Stande sein möge, die Last zu tragen, | die mir auferlegt worden, stärke die schlotternden Knie, halte aufrecht die schwachen Hände. Gieße aus Deine reiche himmlische Gnade über unsere Rabbiner und Lehrer, über Alle, die, welche unsere Synagogen, unsere Schulen, und unsere wohlthätigen Anstalten leiten. Erfülle die Segnungen, die ich heute nicht allein über Deine Kinder, die hier vor Dir stehen, anrufe, sondern über Alle, nah und fern, für deren geistige Wohlfahrt ich fortan verantwortlich bin. „Der Herr segne und erhalte Euch, der Herr lasse sein Antlitz Euch leuchten und sei Euch gnädig, der Herr wende sein Antlitz Euch zu und gebe Euch Frieden." Amen. Torrkspondknjku. DL. Wie«. Anläßlich einer Einspruchsverhandlung der Schönerer'schen „Unverfälschten deutschen Worte" gegen die Confiscation dieses Blattes wegen eines Artikels gegen den „Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus", sagte Dr. v. Berger als Einspruchswerber wörtlich: „Der Staatsanwalt hat Unrecht zu sagen, daß die incriminirten Stellen gegen die Juden speciell gerichtet sind. Es wird nur von solchen Elementen gesprochen, welche schädlich sind. Der Herr Staatsanwalt wird aus seiner Erfahrung wissen, wie oft er sich schon mit der sogenannten Tarnopoler Moral zu beschäftigen hatte." Dr. v. Berger hat hier ein heikles Thema sehr unbedachterweise erwähnt. Wir haben uns des Oefteren über den „Terminus tecknicu8" Tarnopoler Moral verbreitet, unter welcher gemeinhin das Falliment eines polnischen Händlers oder Hausirers verstanden wird, der bekanntlich, nachdem er von arischen Großindustriellen, denen er zum Erwerb von Millionen Reichthümern ein gut Theil mitgeholfen, als Taglöhner, Bettler u. s. w. seinen Lebenslauf, der ausgefüllt war von größten Entbehrungen, Kummer, Sorge und Plage beschließen muß. Will aber Dr. v. Berger die Tarnopoler Moral als einen Gattungsbegriff im Allgemeinen verstanden wissen, so möchten wir denselben daran erinneen, daß der Herr Staatsanwalt auch aus Erfahrung wissen wird, wie oft er sich schon mit der sogenannten Tarnopoler Moral zu befassen hatte, wo das Subject nicht polnische Juden, sondern Juristen auf den verschiedensten Gebieten, Notare, Advocaten u. s. w. waren. Dr. v. Berger wird aber auch, wenn er auch nicht die Ehre hat, dem Disciplinarrathe einer Advocatenkammer anzugehören, aus seiner Erfahrung wissen, wie häufig die Fälle Vorkommen, wo sich diese zur Wahrung der Würde des Advocatenstandes berufene Körperschaft in die unerquickliche Lage versetzt ist, sich in Causa Moral ihrer Mitglieder zu beschäftigen und wie ein großes Percent der Fälle nichtjüdische Advocaten betrifft. Dessenungeachtet wird es Niemandem einfallen, wegen dieser mehr oder minder vereinzelt vorkommenden Facta den ganzen Stand der Rechtsanwälte zu verdächtigen. Zu einer solchen Theorie können sich nur Antisemiten, die den Splitter im fremden Auge, nicht aber den Balken im eigenen bemerken, erheben. Dr. v. Berger wird daher gut thun, ein andermal vorsichtiger zu sein und nicht zur intensiveren Ausspinnung dieses Themas zu provociren. Me«, 19. Juli. Geehrter Herr Redacteur! Wie im Vorjahre hat auch diesmal der Verein „Oesterreichischisraelitische Union" zum Jahresschluß an der Bibel- und Sprach-, wie auch an der Talmud Thora-Schule Hand- Stipendien an vorzügliche Schüler dieser Anstalten verliehen. Von Seite des Cultusvorstandes, welcher sich durch die Creirung der Bibel- und Sprachschule um die hiesige Judenschaft große Verdienste erworben, wie auch vom Vereine „Union" waren bei der Betheiluug einige Mitglieder anwesend. Gestatten Sie mir, mich über meine bei dieser Gelegenheit gemachten angenehmen Wahrnehmungen mit einigen anerkennenden Worten in Ihrer vielverbreiteten und geschätzten Wochenschrift zu äußern. Zur Ehre der Anwesenden, und zugleich um diese von den Leistungen der Schüler zu überzeugen haben die Lehrer spontan eine Prüfung eingeleitet, und da war es ein erhebender Moment, Kinder zwischen 11 und 13 Jahren mit einer Leichtigkeit nicht nur schwere Stellen in der Bibel lesen und frei übersetzen, sondern auch ohne viele Umstände den Commentar Raschi, bei manchen Stellen im Urtexte, vortragen und richtig interpretiren zu hören. Die anwesenden sachverständigen Herren waren von den bedeutenden Leistungen der Lehrer, sowie von dem Fleiße und den schönen Anlagen der Schüler freudig überrascht. Hier in Wien ist es eben schon sehr lange nicht vorgekommen, daß Schulkinder, die früher jedes hebräische Wort perhorrescirten, sich in der Bibel und in den Commentaren heimisch fühlen. Der Verein „Israelitische Union" hat es sich zur dringendsten Pflicht gemacht, wahrhaft jüdische Lehranstalten, in denen unser Schriftthum gelehrt wird, nach Kräften zu fördern, und er glaubt mit der Einführung, strebsame Schüler dieser Anstalten zu prämiiren, zur Lösung dieser seiner Aufgabe den richtigen Weg gesunden zu haben. In seiner jüdischen Culturarbeit kennt dieser Verein überhaupt keine Ruhe und keine Ferien. Die Discussionsabende, welche er in den Wintermonaten veranstaltet, haben bereits einen vortrefflichen Ruf erlangt; sie bilden ob der wissenschaftlichen Genüsse, die dort geboten werden, für gebildete jüdische Kreise einen bedeutenden Anziehungspunkt. Im Sommer hinwiederum widmet er der jüdischen Erziehung der Jugend seine ganze Sorgfalt. Unsere Weisen stellen den Grundsatz auf: So wie man Gott dankt für das Gute, muß man ihm auch für das Schlechte danken, und ein Philosoph des Alterthums behauptete, daß es auf Erden nicht absolut Gutes, aber auch nicht absolut Schlechtes gebe. Die erfreuliche Thatsache, die wir hier anzuführen in der angenehmen Lage sind, ist wahrlich einem großen Uebel theilweise entsprungen. Die Regeneration unserer Jugend hat sich während des schändlichen Treibens des Antisemitismus vollzogen. Dr. Bloch nannte derartige Erscheinungen „Segen des Antisemitismus". Auch der Verein „Israel. Union" ist in Folge dieser Hetze entstanden, und seit feinem Bestehen ist die Wendung zum Besseren in dem jüdischen Selbstbewußtsein der Wiener Judenheit zu verzeichnen. Die bis jetzt auf diesem Gebiete gewonnenen Resultate sind wohl gering, doch sind sich die Leiter dieses Vereines besten bewußt, daß ihnen noch große Aufgaben bevorstehen und daß das zu vollbringende Werk ein umfangreiches und großes ist, welches viel Energie, Mühe nnd Zeit erfordert. Hoffent-

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