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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-24 · 29 (24.7.1891) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
29 (24.7.1891)
Date
1891-07-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 522 Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 29 machen, denselben mit so grausamen, barbarischen Bedingungen zu umgeben, daß die zur Verzweiflung getriebenen unglücklichen russischen Jude» selbst zur ultimo ratio greifen und auswandern, und derartig die Regierung Alexanders HL von dem Odium befreien, die gewaltsame Exmittirung der Juden dekretirt zu haben und dadurch sich den Haß und die Verachtung der gesammten Kulturwelt zuzuziehen. Nachdem man sie fast ganz der Möglichkeit beraubte, ferner Handel und Gewerbe zu treiben, nachdem man der jüdischen Intelligenz jeden Zutritt zu irgend einer Carrisre abgeschnitten; den Advokaten, trotz ihres Universitätsdiploms, die Ausübung der Praxis formell untersagt, sogar den Aerzten die medizinische Praxis untersagen will, nachdem der Staatsdienst für die Juden hermetisch geschlossen und faktisch keine einzige Larriore freigelaffen, bleibt den Unglücklichen nichts weiter übrig, als einem Lande den Rücken zu kehren, das in Bezug auf sie mit einer so unerhörten, raffinirten, systematischen Grausamkeit vorgeht. Man muß die gegenwärtigen trostlosen Zustände gesehen haben, um an deren Möglichkeit zu glauben. Es scheint, als habe die ruffische Regierung keine höhere, vitalere Aufgabe, als sich so schnell als möglich ihrer sechs Millionen jüdischer Unterthanen zu entledigen, obwohl eS keinem Zweifel unterliegt, daß, wenn es ihr gelinge, diese Pia desideria zu realisiren, das Land schwerlich Ursache haben würde, davon erbaut zu sei». Denn mit der Entfernung der jüdischen Elemente würde Rußland eines Faktors verlustig gehen, der im ökonomischen, sozialen, industriellen und kommunalen Leben des Riesenreichs eine Rolle spielt, die nicht »ach Verdienst gewürdigt worden Das haben auch die Moskauer Großindustriellen eingesehen und dem Kaiser während seines jüngsten Aufenthaltes in der Kremelstadt eine Kollektivpetition überreicht, worin sie auseinandersetzten, daß die Entfernung der Juden aus Moskau Handel und Industrie außerordentlich schädigen und die nächste Zukunft bedrohen. Ein hochgestellter Beamter war beauftragt worden, zu erforschen, ob in der That die gewaltsame Entfernung der Juden aus Moskau eine so weite Handelskrisis Hervorrufen könnte und in seinem Berichte kam dieser judenfreffende fanatische Tschineweis zu folgender Schlußfolgerung: „Obwohl es im Interesse der nationalen und orthodox-religiösen Jntereffen äußerst erfreulich sei, daß die Regierung sich zum Entschluffe aufgerafft habe, die Feinde der orthodoxen Kirche und des gesammten Chriftenthums (die Juden) aus der heiligen Stadt zu entfernen, so könne doch andererseits nicht in Abrede gestellt werden, daß die Juden für den Handel und die Industrie sehr wichtig seien und daß die meisten Maßregeln die materiellen Jntereffen des Landes höchlichst schädigen können." Doch dieses Resums hat auf den Prokousul Rußlands, auf Herrn Pobedonoszew den Urheber der ganzen antisemitischen Bewegung, nicht den geringsten Eindruck gemacht und der Oberprokurator des heil. Synods, der faktisch Rußland beherrscht, und auf seinen ehemaligen Zögling, den Zaren, einen unbeschränkten Einfluß hat, läßt sich durch solche Erwägungen nicht irre machen. Wenn auch einige Kaufieute ihre Zahlungen einstellen, was genirt das? Dahingegen werden die nationalen und religiösen Jntereffen gewahrt. Herr Pobedonoszew möchte gern alle sechs Millionen ruffischer Juden bekehren, das ist seine Lebensaufgabe; er ist ein überzeugter Fanatiker und stellt den Juden die Initiative — entweder sich in den Schoß der alleinseligmachenden orthodoxen Kirche aufnehmen zu laffeu, oder auszuwandern. Daher der grausame Druck, der so schonungslos ausgeübt wird. Durch Noth und Entbehrungen, durch Verfolgungen und Beschränkungen will man die Juden zum Christenthum bekehren. Man stellt ihnen, wie vor vier Jahrhunderten i« Spanien, die Alternative: Taufe oder Emigration. Was sich jetzt in Rußland ereignet, ist in der That Zug um Zug ein Seitenstück zu der Tragödie vom Jahre 1492: Kardinal Timenes ist in der Person des „Prokurators des heiligen Synods" Pobjedonoszew wieder erstanden, und auch an Torquemada's fehlt es nicht: die Geistlichen Jan ischew und Awtonomow haben jene Rolle übernommen. Letzterer, der Beichtvater der allerhöchsten Personen und Prediger in der kaiserlichen Hofkirche zu Peterhof (der Sommerresidenz des kaiserlichen Hofes), führt religiöse Gespräche vor seinen erlauchten Zuhörern und veröffentlicht dieselben dann als Flugschrift in einer Anzahl von Exemplaren, damit die berufenen Personen nur ja erfahren, welche Stimme bei Hofe die herrschende ist. In der Form von Katechismen geben diese geistlichen Expectorationen Antwort auf vorgelegte Fragen. Eine der Fragen, welche dem Prätogerearchen Awtonomow am 25. Januar 1891 gestellt wurde, und die Antwort, welche er darauf in Gegenwart der Allerhöchsten Personen ertheilt hat, liegt uns gedruckt vor. Dieselbe, von der Censur des hl. Synods am 11. Mai 1891 genehmigt, lautet in wörtlicher Uebersetzung: „Frage: „Wie sollen wir uns den Juden gegenüber verhalten und ist es erlaubt, mit ihnen zu schmausen?" Antwort: Obwohl die heilige Schrift (Paulus an die Römer XII, 18, an die Hebräer XII, 14) uns gebietet, Frieden mit allen Leuten zu halten und an allen Leuten Liebe zu üben (Philipper IV, 14), so will sie uns nicht verpflichten, in gleichen Beziehungen zu allen Menschen zu verharren, und verpflichtet uns nicht zur Freundschaft mit Allen ohne Unterschied. Der Prediger der Menschenliebe, Apostel Johannes, läßt uns dennoch sagen: „man soll in seinen! Hause nicht aufnehmen und auch nicht begrüßen alle diejenigen, die mit ihrem Eintritt in unser Haus nicht den Geist Christi mitbringen (2. Johannes 9—10"); wir müssen bei Jedem den Geist Christi und Antichristi unterscheiden, und jeder Geist, der verneint, daß Jesus der wahre Christus ist, ist der Geist des Antichrist. . . . Wenn wir wählerisch sein müssen in unseren Beziehungen zu den Menschen überhaupt, um so viel mehr sollen wir uns fern halten von den Leuten, die nicht einfach Ungläubige, sondern geradezu Erbfeinde des Kreuzes Christi sind, an denen das Blut des Gottesmenschen haftet. Soll eine Freundschaft zwischen Christen und den Mördern Christi existiren? Die heilige Schrift, die uns befiehlt, den Nichtchristen gegenüber im Allgemeinen vorsichtig zu sein (Coloffer VI, 5), warnt uns ganz besonders vor denjenigen, die den Herrn Jesum getödtet, die Propheten ermordet und uns verfolgt haben, die Gott nicht gefallen und allen Menschen zuwider sind (I. Theffalonicher H, 15). So waren die Juden in den Zeiten der Apostel, so sind sie noch heute; und darum sind die Befehle der Apostel bis auf unsere Tage für jeden guten Christen heilige Pflicht. „Hütet Euch", schreibt Apostel Paulus, „vor den Juden, hütet Euch vor den Beschnittenen (Philip. III, 2), denn unter den Beschnittenen gibt es viele Freche, Schwätzer und Verführer" (Titus I, 10). Die Geschichte der Geschäfte und der Geschäftchen der Juden von den ältesten Zeiten bis zu unserer Zeit bestätigen die Wort? der Apostel. Es ist ein Volk, das nur Gewinn liebt, nur an Geld denkt, wie also dürfte der gläubige Christ ein Freund und Beschützer der Juden sein, wie kann überhaupt ein Jude Freund und Genosse eines Christen sein? . . . Die orthodoxe rechtgläubige Kirche verbietet unter Androhung der Excomunication den Christen, Freundschaft mit den Juden zu pflegen und in Krankheitsfällen von ihnen sich heilen zu lassen." Bedürfen diese Worte, welche im Beisein des Kaisers und der höchsten Würdenträger gesprochen wurden, eines Commentars? Erklären sie nicht zur Genüge alles dasjenige, was Juden und Judenthum in Rußland zu leiden haben, und kann noch der geringste Zweifel sein, daß die Verfolgungen in religiösem Fanatismus ihren Grund haben?! Trotz dem fürchterlichen Druck, der jetzt ausgeübt wird, ist die Zahl der Uebertritte von Juden zur rechtgläubigen Kirche ein verschwindend geringer. Es taufen sich nur diejenigen, denen keine andere Wahl bleibt, die nicht emigriren können, da ihnen jegliche Mittel dazu abgehen und die durch einige Tropfen Waffer für sich und die Ihrigen menschliche Rechte erlangen. Herr Pobedonoszew weiß sehr gut, welche die Motive sind, die die Juden zur Taufe bewegen. Er sagte neulich: „Ich weiß, daß die Juden sich taufen, um das Recht zu erlange», überall in Rußland zu wohnen und ihre Nahrung zu suchen. Doch das thut nichts. Die erste Generation der getauften Juden hat für uns keinen Werth, dahingegen werden die Nachkommen für uns wichtig sein. Ebenso wie Moses die durch hundertjährige egyptische Knechtschaft entarteten Juden vierzig Jahre in der Wüste irren ließ, damit die alte Generation aussterbe und die neue die erlangte Freiheit genieße, so setzen wir keine Hoffnung auf die alte jüdische Generation, aber die Kreuzung der Raffen, die durch die Taufen und gemischten Heirathen bewirkt wird, muß in Folge große Resultate liefern. Die jüdische Raffe hat hervorragende Eigenschaften,

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