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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-24 · 29 (24.7.1891) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
29 (24.7.1891)
Date
1891-07-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 Hesterrelchifche Wochenschrift Sette 521 ist dennoch natürlicher, als daß ich meine höchste Aufgabe darin erblicke, den durch tausendjährigen Druck verkommenen, in Elend darbenden Anhängern des Judenthums die Möglichkeit einer physischen und moralischen Wiedergeburt zu bieten, daß ich mich bemühe, sie zu befreien, sie zu arbeitsamen Bürgern heranzubilden und dadurch der Menschheit viele neue und schätzenswerthe Kräfte zuzuführen. Jedes Blatt in der Geschichte der Juden lehrt uns, daß ich mit diesem Gedanken keine Utopie verfolge, und ich hoffe zuversichtlich, daß dieses Ziel erreicht werden kann. Denn es kommt nicht in Betracht, wie tief die Anhänger meines Glaubens auch gesunken sein mögen, oder wie herabgewürdigt sie zu sein scheinen; es bedarf nur eines einzigen Athemzugs der Freiheit, um sie zu befähigen, dem Lande, zu welchem sie gehören, Ehre und treibenden Sporn zuzuführen. Das beweisen in gleichem Maße Mittelalter und Neuzeit. Ich brauche keine Beispiele anzuführen, da die berühmten Männer, die sich aus der jüdischen Race hervorgethan haben, bekannt genug sind, und da es nicht der Zweck dieser Zeilen sein kann, das Lob der Juden zu singen, oder die hohen geistigen Eigenschaften ihres Stammes zu preisen. Ich will mich daher an die Beantwortung der Frage halten, die mir vorgelegt wurde: „welche Resultate sollen meine philanthrophischen Arbeiten haben?" Was ich zu vollführen wünsche, was nach manchen schweren Unglücksfällen das Ziel meines Lebens geworden ist und wofür ich bereit bin, mit meinem Vermögen und mit meinen intellectuellen Kräften einzustehen, ist, einem Theile meiner verfolgten, aus ihren Heimatsstätten vertriebenen Glaubensgenossen die Möglichkeit zu geben, eine neue Existenz, in erster Linie als Ackerbauer, ferner auch als Handwerker, in solchen Ländern zu finden, in denen die Gesetze und die religiöse Toleranz ihnen gestatten, den Kampf ums Dasein als edle und verantwortliche Unterthanen einer humanen Staatsregierung zu führen. Es ist zur legendären Maxime und zu einem der typischen Vorwürfe, die man gegen die Juden erhebt, geworden, daß sie weder zum Ackerbau, noch zum Handwerk Neigung haben. Das ist ein Jrrthum, den nicht allein moderne Beispiele, sondern auch die Geschichte widerlegen. Die Israeliten in der Zeit vor Christus waren Ackerbauer par excellence, während der Handel, der, nach der Beschäftigung der Juden von heute zu schließen, das Erbtheil Israels sein soll, damals ausschließlich in den Händen der Phönizier, Griechen und Mittelmeervölker lag. Die Juden, so lange sie politisch selbstständig waren, bestellten, wie gesagt, ihre Felder, trieben Viehzucht und waren Handwerker. Die Vorliebe für die Arbeit auf dem Felde und in der Werkstatt existirte also, und meine eigenen Beobachtungen, sowie diejenigen Anderer haben bewiesen, daß es vollkommen möglich ist, in der Race diese Fähigkeit und Liebe für die Agricultur wieder zu erwecken und zu neuer Bethätigung zu bringen. Auf seiner eigenen Scholle wird also der arme Jude, den bisher der Haß wie einen Geächteten verfolgte, Frieden und Unabhängigkeit, Liebe für den Boden, den er bearbeitet, und für die Freiheit erlangen und er wird ein patriotischer Bürger seiner neuen Heimat werden. Von diesen Ueberzeugungen geleitet, lag der Weg für mein philanthropisches Wirken klar vorgezeichnet vor mir. Durch Errichtung von Stiftungen im Orient und in Galizien wünschte ich den in der Cultur zurückgebliebenen Juden dieser Länder, ohne sie von dem Lande, welches sie bewohnen, abzulenken, die Gelegenheit zu bieten, tüchtige Ackerbauer und Handwerker zu werden, wozu die Schaffung von Ackerbau- und Handwerkerschulen das Mittel bildet. Es muß jedoch eine andere Methode zur Unterstützung jener Juden adoptirt werden, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden und gezwungen sind, jenseits des Oceans neue Wohnstätten zu suchen. Und deßhalb ist es gegenwärtig mein größter Wunsch, ein Werk von weit bedeutenderen Dimensionen und ganz anderem Charakter als die bisherigen zu vollführen, ein Ziel, an welchem am ehesten die erwähnten Ergebnisse erreicht werden können. Es handelt sich darum, den aus ihrer Heimat verdrängten russischen Juden zu neuen Heimstätten zu verhelfen, wo sie ihre Kräfte frei entfalten, sich die Eigenschaften ihrer Urahnen wieder angewöhnen und schließlich zu nützlichen Insassen freier, allen Bewohnern gleiche Rechte sichernder Länder werden könnten. Bei diesem Plane dachte ich natürlich auch an die Vereinigten Staaten Nordamerikas, deren freie Verfassung die Garantien gedeihlicher Entwicklung für die Anhänger aller Confessionen bietet. Ich mußte jedoch zur Einsicht gelangen, daß eine zu starke Vermehrung der ohnehin bereits zahlreichen Juden in den Vereinigten Staaten weder dem Lande selbst, noch den aus ihrer Heimat vertriebenen Juden zum Vonheil gereichen könne, wie ich denn überhaupt der Ansicht bin, daß die neuen Ansiedler auf verschiedene Länder und größere Gebiete veNheilt werden sollen, damit zu keinerlei socialen oder confessionellen Reibungen Anlaß gegeben sei. Ich ließ daher in anderen Ländern Umschau halten, und die auf meine Veranlassung vorgenommenen Studien beweisen, daß die Argentinische Republik, Canada und Australien in erster Linie die sichersten Garantien für die Ausführung dieses Planes bieten. Ich gedenke mit Argentinien zu beginnen, und sind die Verhandlungen wegen Ankaufs bedeutender Ansiedlungscomplexe im Zuge. Ich unternehme die Ausführung eines so gewichtigen Werkes nicht ohne viele vorbereitende Studien, ob die jüdische Race Neigung zum Ackerbau hat oder nicht. Das folgende Beispiel wird auf's Entscheidenste dazu angethan sein, jeden Zweifel in dieser Richtung verstummen zu machen und die Befähigung der Juden zum Ackerbau und zur Colonisation zu erweisen. Vor einigen Jahren sind mehrere Hundert jüdischer Familien aus Rußland nach Argentinien ausgewandert. Trotz unsäglicher Leiden, riesiger Hindernisse, denen sie begegneten, gelang es ihnen dennoch, in der neuen Heimat Wurzel zu fassen. Dieselben Familien, die noch vor wenigen Jahren unter schwerem Bündel keuchend, scheuen Blicks als vagante Handelsleute in Rußland umherzogen, sind jetzt tüchtige Bauern geworden, die mit dem Pflug und der Haue so umzugehen wissen, als hätten sie nie anders gethan. Sie bestellen ihre Felder auf das Sorgsamste und bauen sich so nette Häuschen, daß sie in der ganzen Gegend als Zimmerleute zum Hausbau verwendet werden. Dies ist binnen wenigen Jahren inmitten großen Elends aus den russischen Auswanderern geworden. Diese Erfahrung leitet mich bei meinem Werke, an dessen Ausführung ich jetzt mit voller Kraft gehe. Dies ist in wenigen Worten die Idee, welche mich bei meinem philantropischen Werke leitet, das Motiv, welches dem Plane zu Grunde liegt. Die Ausarbeitung eines sehr großen kosmopolitischen Planes würde meine Kräfte überallhin zersplittern, während ich, falls ich mich nur diesem einen Werke widme, dasselbe eventuell zur Vervollkommnung führen kann. Außerdem habe ich während der Betrachtung der ganzen Angelegenheit die Gewißheit gewonnen, daß derjenige, welcher Tausende seiner Mitmenschen von Leid und Unterdrückung befreit und ihnen dazu verhilft, nützliche Bürger zu werden, ein für die ganze Menschheit segensreiches Werk thut. Briefe aus und über Nußtand. Petersburg, Ende Juni. Gerade am Vorabend der 400jährigen Gedenkfeier der Austreibung der Juden aus Spanien, beginnt die massenweise Auswanderung der Juden aus Rußland. Freilich werden die russischen Juden nicht von der Regierung ausgetrieben, aber das gegenwärtige Regime in Petersburg hat sich die löbliche Aufgabe gestellt, ihren jüdischen Unterthanen den ferneren Aufenthalt im Lande so unerträglich zu

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