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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-17 · 28 (17.7.1891) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
28 (17.7.1891)
Date
1891-07-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 28 Hesteneichische Wochenschrift Seite 511 Wien. Der Tod des Cardinals Erzbischofs Hahnald in Kalocsa hat auch in jüdischen Kreisen tiefe Trauer erregt. Denn der Heimgegangene Kirchenfmst war höchst tolerant, edel und verdammte den Antisemitismus. Er verkehrte mit jüdischen Gelehrten und war auch einmal der Gast im Hause des Herrn Baron Moritz von Königswarter. Bemerkenswerth ist seine letztwitlige Anordnung, daß keine Blumenkränze auf seinen Sarg gelegt werden mögen. Als der Antisemitismus auch in Ungarn drohend sein Haupt erhob, richtete Cardinal Hahnald einen flammenden Hirtenbrief an seine Gläubigen, in welchem die goldenen Worte geschrieben standen: „Der Antisemitismus — nennen wir doch das Kind beim rechten Namen — verdient überall, wo er wiithet und die Feindseligkeit gegen die Juden schürt oder gar in blutigen Excessen losbricht, die Verdammung eines jeden vernünftigen Geistlichen, der da weiß, daß wir die Diener jener Religion sind, welche das göttliche Symbol der Liebe den Menschen vorausträgt und selbst zum Zwecke der Verfolgung oder Bestrafung des entschieden Bösen weit eher die Barmherzigkeit Gottes, als die Mittel des Hasses zu Hilfe ruft. Es ist daher eifrig und fromm Alles zu vermeiden, die Bewegung gegen die Juden wie den sogenannten theoretischen Antisemitismus, von dem man im voraus nicht absehen kann, welche Formen er schließlich annehmen werde. Das Eine wissen wir: woher jede solche Bewegung stammt und wie sie im Anfang aussieht; aber wie weit sie gehen wird, wohin sie gelangt, welche Gestalt sie in der Empörung des Volkes und in der Aufwühlung der menschlichen Leidenschaften annehmen wird, das vermag Niemand vorherzusagen. Im Namen der christlichen Menschenliebe muß daher zum Schutze der verfolgten Juden das Symbol unseres Glaubens, das Kreuz erhoben werden. Wien. (B a r o n Hirs ch ü b e r P h i la n t h r o p i e.) Aus der Feder des Baron Hirsch ist in der „North American Review" ein bemerkenswerther Beitrag unter dem Titel „Meine Ansichten über Philanthropie" erschienen, in welchem er sich über seine Pläne zum Schutze seiner Glaubensgenossen näher äußert. Bon der Ansicht ausgehend, daß die landwirthschastlichen jüdischen Kolonien in Galizien nnd Palästina für die große Menge der aus Rußland ausgewiesenen Juden nicht ausreichend und auch wohl in anderer Hinsicht ungenügend sind, ist Baron Hirsch zu der Folgerung gelangt, daß sich die Argentinische Republik, Kanada und Australien am besten zur Ausführung seines Planes eignen. „Er gedenkt" so führt er in dem Artikel aus, „in der Argentinischen Republik beu Anfang zu machen und unterhandelt gegenwärtig mit den dortigen Behörden wegen Ankaufes gewisser Landstriche, auf welchen er jüdische Kolonisten anzusiedeln, sowie landwirthschaftliche und industrielle Schulen zu errichten beabsichtigt. Baron Hirsch verweist auf den Erfolg, welchen bereits mehrere Hunderte russisch-jüdischer Familien als Farmer erzielt haben und welcher ein weiterer Beweis für die dem jüdischen Volke innewohnende Energie sei. Baron Hirsch, dessen Beitrag, von dem Geiste reinster Humanität durchhaucht ist, erklärt in demselben, daß er sich „nur als den zeitweiligen Verwalter der von ihm erworbenen Reichthümer" betrachtet. E. B. Wien. (E s wird besser.) Auch in der Wiener Communalverwaltnng scheint endlich ein Umschwung zum Besseren constatirt werden zu können. Jüngst wurde nämlich Dr. Julius Koch, der drei Jahre als Secundararzt in den hiesigen staatlichen öffentlichen Krankenhäusern in zufriedenstellender und belobter Weise prakticirte, als Assistenzarzt im Wiener städtischen Versorgungshause angestellt. Mit dieser Stellung ist allerdings nur eine karge Besoldung verbunden, die mit dem aufreibenden Dienste nicht im Einklang steht, allein das Prinzip, daß ein noch so befähigter und begabter Jude in städtischen Diensten nicht zu gelangen vermochte, erscheint gebrochen und muß diese Ernennung als nicht zu unterschätzende Errungenschaft betrachtet werden. Bei diesem Anlasse soll eines humanen Actes gerne Erwähnung geschehen. Herr Louis Hamburger inProßnitz hat es nämlich durch dankenswerthe Opferwilligkeit ermöglicht, daß Dr. Koch, ein gebürtiger Proßnitzer, seinen Studien obliegen konnte, frei von drückenden Sorgen, mit denen Studenten, die Kinder armer Eltern sind, einen schweren Kampf zu bestehen haben, aus welchen sie nicht immer als Sieger hervorgehen. Möge das schöne hochherzige Beispiel Hamburgers Schule machen, denn nichts ist mehr geeignet, die socialen Unterschiede auszugleichen, als wenn armer Leute Kinder die Möglichkeit geboten wird, sich durch Bildung zu einer geachteten Stellung in der Gesellschaft emporzuschwingen. Budapest. (Ein ref. Bischof für die russisch e n Jude n.) Wir brachten seinerzeit den in warmen Ton gehaltenen Aufruf des Komorner ref. Bischofs Gabriel Pap zur Unterstützung der russischen Juden. Die Centralkanzlei der aut. orth. isr. Konffession richtete damals ein Begrüßungstelegramm an den edeldenkenden Bischof, welcher, wie „Zsidü Hiradü" meldet, dieses Telegramm mit folgendem Schreiben beantwortet: „An die löbl. Vermittlungskanzlei der ungarischen aut. orth. isr. Konfession in Budapest. — Wer seine Pflicht erfüllt verdient keinen Dank. Ich erfüllte blos meine.Pflicht als Mensch und Priester, als ich im Interesse unserer unschuldig verfolgten, ihrer Habe beraubten israelitischen Mitbrüder meine schwache Stimme erhob. Als Mensch konnte ich nicht stumm zusehen, wie das große Gesetz der Nächstenliebe und der Liebe überhaupt mit Füßen getreten wird und als Kämpfer der Freiheit sah ich mit Bestürzung, daß auch am Schluffe des neunzehnten Jahrhunderts die ungerechte Macht die Menschenrechte zertreten könne und das zivilisirte Europa gegen diese Rechtsunterdrückung seine Protestworte nicht mit solcher Energie erhebt, mit welcher es deu ungerechten, den unmenschlichen Verfolgungen ein Ende bereiten könnte. Es ist meine feste Ueberzeugung, daß die retograde, die reaktionäre Richtung, für welche die Verfolgung der russischen Juden ein trauriger Beweis ist, nicht von Dauer sein kann. Auch im Lebenslauf der Menschen gibt es eine Stagnation, gibt es sogar einen Rückhalt, jedoch nur zeitweilig, weil Gott den Menschen zum Fortschritte schuf und dieser Wille Gottes muß zur Geltung kommen; das können die Mächtigen der Erde nie vereiteln. Die allgemeine Theilnahme und die Sympathie, welche sich mit Ausnahme des als Verfolger dastehenden russischen Reiches bei sämmtlichen zivilisirten Völkern unserer Erdkugel für die Verfolgten offenbart, ist eine erdrückende Verurtheilung der russischen Unbarmherzigkeit und bedeutet das Herandämmern jener schöneren Zukunft, wo man wegen seiner religiösen Ueberzeugung Niemanden und nirgends mehr verfolgen wird, da die Menschen überall einsehen werden, daß es der glänzendste Beweis der wahren Liebe zu Gott und demgemäß auch der wahren Religiösität ist, wenn wir unsere Mitmenschen lieben, wie uns selbst und diese Liebe nicht nur auf unseren Lippen tönt, sondern in unseren Thaten sich kundgibt. — Komorn, 4. Juli 1891. Mit ausgezeichneter Achtung rc. Gabriel Pap m. p. transdanubischer evang. reform. Bischof. Der Alberti-Jrsaer Rabbi Sigmund B ü ch l e r hat an Bischof Pap ein warmes Dankschreiben gerichtet, welches — wie „Egyenlösvg" meldet von dem gegenwärtig behufs Herstellung feiner angegriffenen Gesunaheic iti Büaron-

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