Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 27 (10.7.1891)
- Date
- 1891-07-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 27 Hesterreichische Wochenschrift Seite 499 Meiningen, 27. Juni. Der Handarbeiter Hüther aus Barchfeld, der am Nachmittage des 6. Mai d. I. den jüdischen Handelsmann Macns Klaar ans Eltenhansen mittels eines armdicken Knüppels ermordete und dann seiner Baarschast von 25. Mk. beranbte, ist in heutiger Schwurgerichts-Sitzung zum Tode durch den Strang vernrtheilt worden. Watiöor, 1, Juli. Herr Baron Ä l b e r t von R o t hschild in Wien, der gegenwärtig in Prris weilt, hat gleich seinem Bruder Nathaniel v. Rothschild Herrn Rabbiner Dr. Blumenthal zur Unterstützung der russischen Inden zehntausend Mark durch den Herrn v. Bleichröder in Berlin zur Verfügung gestellt. Wreschen 29. Juni. Der hiesige Hotelbesitzer Herr G i l-lm e i ste r, evangelischer Christ, sandte unserem Gemeinderabbiner eine Spende für die aus Rußland flüchtenden Juden und erbot sich in dem Begleitschreiben, unentgeltlich an 2 russische Inden, die unseren Ort passiren, Logis zu gewähren. Bravo! Karlsruhe, 28. Juni. Herr Bankier Leopold W i l lftätter ist zum persischen Consnl ernannt worden. Würzburg, 17. Juni. Das Samuel Adler'sche Ehepaar beging vorgestern das Fest der goldenen Hochzeit. Waris, 29, Juni. Gestern Abend ist hier Herr Leon M e i s e l s, ein Enkel des sel. Warschauer Rabbiners, in relativ noch jugendlichem Alter in Folge eines Kopsthphns verschieden. Der Heimgegangene war ein Mann von großer Begabung, vielseitigem Wissen und großem Ehrgeize, leider aber auch ercentrischeu Ideell leicht zugänglich. Während der letzten Reichsrathswahlen in Oesterreich, hat er durch den Versuch im Wahlbezirk Kolomea, Buczacz, Sniatyn für den Reichsrath zu candidiren, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Sein Lebeir war wechselreich, voller Kämpfe und Aufregung. Ein frühzeitiger Tod bringt ihm den Frieden, welchen er im Leben entbehrte. Z'aris, im Juli. Durch die Anwesenheit des Großrabbiners Herrn Zadoc Kahn bei der Installation des Ghief-Rabbi Dr. R. Adler in London war derselbe erst nach seiner Ankunft in Paris am 3. Juli in der Lage, Herrn Dr. Ieltinek zu dessen 70. Geburtstage zu gratuliren. Ter Großrabbiner von Frankreich bemerkt in seinem sehr warmen Gratulationsschreiben Folgendes: „Vous savez quelle liaute estime et quelle reelle admiration m’inspirc votre carriere sont entiere consaeree au judaisme, a la seienee juive et au bien de notre eulte. Tous eeux qui ont l'honnenr d’appartcnir au rabbinat savent co qu’il doivent a rineomparable predieateur qui a ete lern* modele ä tous. Je suis au nombrc de eeux qui ne sauraient assez reeonnaitre l’heureuse intluenee (jtie vous avoz exercee sur le d’eveloppement de leuicarriere.“ Petersburg, 21. Juni. In hiesigen Hofkreisen wird erzählt, daß der Kaiser es sehr übel genommen hat, erstens, daß der Kronprinz von Dänemark in sehr demonstrativer Weise dem Oberrabbiner der in Dänemark lebenden Inden einen langen Besuch abgestattet hat; zweitens, daß er der Kaiserin, seiner Schwester, verschiedene Schriften zugestellt hat, welche die Judensrage in sehr wohlwollender Weise besprechen. Man weiß Hierselbst, daß weder der Kronprinz noch die Kronprinzessin von Dänemark das russische Regiernngssystem bewundern. Als charakteristisch verdient erwähnt zu werden, daß keine russische Zeitung es gewagt hat, die Mittheilung von dem Besuch des Kronprinzen bei dem Rabbiner zu bringen. Masgorv. Vergangenen Freitag wurde von den Bürgern hier ein öffentliches Meeting unter dem Vorsitz des Lord Provost abgehalten, welches äußerst stark besucht war. Von Sir John Reilson Cuthbertson angeregt, von dem Rat Dickson, Dr. Lang und Dr. Black unterstützt, wurde folgender Beschluß gefaßt: Lord Provost sollte im Namen der Bürger- Glasgows dem russischen Staats - Secretär für auswärtige Augelegeuheiten mittheilen, daß sie die traurige Lage der Jude» in Rußland aufrichtig beklagen und daß sie, weit entfernt, sich in die internen Angelegenheiten eines fremden Volkes mischen zu wollen, nur den Wunsch auszusprechen wagen, es möge bald ein Gesetz erscheinen zu Gunsten der armen Juden, wie es Menschlichkeit und Civilisation erheischen. Hlew-Hork. iJüdischeKadetten). In New-S)orkfand in vergangener Woche im israelitischen Waisenhaus au der 136. Straße und 10. Avenue in Gegenwarl von Freunden und Gönnern der Anstalt eine Parade der Kadetten, die sich ans den Waisenknaben r eki utiren, statt. Auf Ersuchen des Präsidenten der Gesellschaft, des bekannten Banguier Seligmann, bei dem der Abgeordnete Laster am Abend vor seinem Tode weilte, nahm Brigodegencral Fitzgerald die Revue über die Kadetten ab, welche unter Vorantritt des aus Zöglingen der Anstalt gebildeten Musik-, Pfeifer-, Trommler-, und Trompetercorps, in vier Kompagnien getheilt, unter Anführung des „Oberst" Marlin Cohen verschiedene militärische Evolutionen mit großer Genauigkeit aussührten und dafür den reichen Beifall der Anwesenden ernteten. Wew-HZorK. (Wohnungen für die Juden.) A. S. Salomon, General-Agent des von dem Herrn Baron Hirsch gewidmeteil Capital für russisch-jüdische Emigranten, äußerte sich, daß das Curatorium des obgenanrten Capitals beschlossen hat, eine große Area unbebautes Land in Larrr880v Countv im Staate Rew-Jeisy anzukausen, um darauf 200 bis 300 kleine Häuser für russisch-jüdische Emigranten zu bauen. Jedem Hänschen wird ein kleines Stück Land beigegeben werden, welches zum Anbau von Gemüse .'c., benützt werden kann. -Aus Satällina In den Küstenstädten Palästinas, Syriens und Kleinasiens ist auch in diesem Jahre das Dengue-Fieber mit großer Heftigkeit ansgetreten. Aus Beirut und Smyrna treffen Meldungen ein, wonach sämmtliche Bewohner ganzer Stadtviertel von der Krankheit heimgesucht werden. Vor zwei Jahren hatte sich dieses Fieber über dieselben Länder verbreitet und alsdann seinen Weg nach dem Bosporus und dem Schwarzen Meere genommen, um daraus in Rußland die Gestalt der Influenza anzunehmen. Tie etwa 14 Tage andauernde Krankheit besteht in Schüttelfrost, Schmerzen in den Kniegelenken, Schlaf- und Kraftlosigkeit. Jerusalem. Für Widerlegung Drummond'scher rügen und anderer Antisemiten, daß die Ausweisung der barmherzigen Schwestern auf das Betreiben der Juden stattgefunden, diene folgende Thatsache. Bei der Gründung eines hiesigen städtischen Hospitals wurde auf die Begutachtung der Rabbiner und der lllema's, welche der Pascha befragt, den barmherzigen Schwestern die Leitung und Pflege übertragen. Rach dem Bericht des „Journal des Debats" 'ragte bei der Ginweihung desselben der Pascha die anlvesenden Behörden, ob noch etwas fehle, und ob alles nach Wunsch eingerichtet sei.' Darauf erwiderte der Dberrabbiner: „Das Schönste, was ich in diesem städtischen Hospitale finde, das sind die Schwestern der Wohlthätigkeit; seit den fünf Jahren, wo wir sie in Wirksamkeit sehen, haben sie es an Nichts in Bezug auf Aufopferung und Hingebung fehlen lassen; sie sind Mutter und Schwester für Alle, wer es auch immer sei.'' Hoch leben die Schwestern! —erscholl es mit Rührung von allen Seiten. Jerusalem. Das plötzliche Zuströmen einer großen Zahl ruffischer Flüchtlinge hat für die hiesige jüdische Colonie einen wahrhaften Rothstand zur Folge. Die Flüchtlinge kommen von Odessa und Constantinopel in Zügen von 200 — 400 Familien per Woche, die meisten ohne alle Mittel und da für dieselben keine Vorsorge getroffen wurde, sofft deren Lage eine schreckliche. In Jerusalem sind Tvphus und Schar-' lach ausgebrochen — letztere Krankheit war bisher in der heiligen Stadt ganz unbekannt — und die Besorgnisse, es könnten diese ansteckenden Krankheiten um sich greifen sind leider nur zu begründet. Mittlerweile ist auch Brod theuerer geworden in Folge des Ausfalles der russischen Getreideernte und dies erschwert die L'age der hungernden Flüchtlinge noch mehr. Die von Baron Edmund Rothschild und der Alianee Israelite errichteten Colonien werden gleichfalls von Flüchtlingen überschwemmt, welche um Arbeit und Unterstützung bitten. Die alten Kolonisten thun ihr Möglichstes für die Reuangekommen, sind jedoch ganz außer Stande den an sie gestellten Anforderungen zu entsprechen. Jamilikublakk. | Wochen- Juli 1891 Tamus > 5651! Freitag 10! 4 Samstag 11 5 ^Sonntag i 12 i 6 Montag > 13 i 7 (Dienstag > 14 j 8 i Mittwoch I 15 1 9; Donnerstag 16 10 iFreuag j 17 11 Kalender mp