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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-10 · 27 (10.7.1891) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
27 (10.7.1891)
Date
1891-07-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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HesterreWsche Wochenschrift Nr. 27 Seile 498 räume u. dg. einzurichten. Des ferneren ist der Bau eines kleinen Flußdampfers beabsichtigt, kurzum es wird, soweit die (Gelder des Comite reichen. Alles geschehen, um der im Herbste zu constituirenden internationalen Freilandgesellschaft die sofortige thatsächlichc Inangriffnahme ihres großen Werkes zu ermöglichen. Auskünfte in Freiland-Angelegenheiten crtheilt bereitwilligst das Actions-Comitö oder der Verfasser „Freilands", Dr. Theodor Hertzka, Wien, VIII., Langeg. 53. Wien. (P erf onalnachri ck> t.) Aus Pcczenizyn wird uns berichtet, daß Herr Friedrich SB fl r o n aus Peczeuizyu sich mit Fräulein Berta Steigelfest aus Sambor, einer Enkelin des berühmten gottseligen Rabbiners M i t t m a y e r ans Sambor, verlobt hat. Wie«, 30 Juni. Die heutige Verhandlung des Abgeordnetenhauses über den Unterrichtsetat wurde zumeist in sachlicher und vielfach anregender Weise geführt. Eine Ansnahme von diesem sachlichen Geiste der Debatte machte nur wieder Herr Lueger, welcher dem Hause eine ganz eigenartige Neuigkeit mittheilte, nämlich das Vorhandensein einer Art von Ehristenversolgungen an den Volksschulen. Der Unterrichtsminister selbst hat sofort in schlagender Weise erwidert, daß nach dem Zuge der Zeit weit eher das Gegentheil zu erwarten wäre. Wie immer bei ähnlichen Fällen hat Herr Lueger auch diesmal unterlassen, bestimmte Thatsachen anzusühren. Es wäre dies um so nothwendiger gewesen, als anderseits concrete Facten vorliegen, welche beweisen, daß die antisemitischen Hetzereien ans die Schnljngend vielfach verrohenden Einfluß geübt haben, wie unter Anderm der tragische Fall au einer Wiener Gewerbeschule beweist, wo ein jüdischer Schüler von einem anderen wegen seiner Eonsession verhöhnt und, als er sich zur Wehre setzte, ihm in einem Messerkamvse das Auge ausgestochen wurde. Wrag. Nachstehendes Borkommuiß ist werth, auch in Ihrem Blatte vermerkt zu werden. Der vor einigen Tagen verstorbene Domprobst W ü r s e l hatte Vertrauen zu einem Aiuisemiten Namens Neisinger, dem er sein Vermögen zur Placirung anvertraute. Nach dem Hinscheiden des Domprobstes kamen dessen Erben aus Neichenberg nach Prag und fanden in der Cassc des Verstorbenen Bestätigungen der streng katholischen landwirthschastlichen Ereditbank in Prag, bei welcher gcuaunter Neisinger als Eassier an gestellt war. Derselbe wurde stüchtig und der Liquidator der Bank hat sich erschossen, die Bank erleidet einen Schaden von einer halben Million Gulden. So arbeiten arische Eapiralisten und es zeigt sich, daß in der Ausbeutung des Voltes die Herren Arier, welchen die Vortheile der Race und der christlichen Religion zur Seile stehen, ihren semitischen Eoncurrenten bei weitem überlegen sind. Drößnitz, l. Juli. Verflossenen Sonntag wurde hier Frau Rosalie Springer unter sehr großer Betheiligung zu Grabe getragen. Die Verblichene war eine Frau von den seltensten Tugenden; ungemein wohlthätig, war sie eine Mutter der Armen und Kranken und durchwachte mehr als eine Nacht in der Ausübung ihres Berufes als Vorsteherin des Frauenvereins am Bette Schwerkranker. Sie versäumte keinen Gottesdienst und war, so lange sie nicht die tückische Krankheit erfaßte, die liebenswürdigste Gesellschafterin. Diese Vorzüge wußte unser verehrter Herr Rabbiner Tr. Hofs in seiner durchdachten, tiefempfundenen Grabrede in das rechte Licht zu sehen, so daß kein Auge thränenleer blieb. — Infolge dieses Trauerfalles war, wie wir hören, Dr. Hoff verhindert als Deputirter zu dem 70. Geburtsfeste des hochverdienten Dr. Jellinek nach Wien zu reisen, um ihm seine Festpredigt, deren Widmung Dr. Jellinek angenommen, persönlich zu überreichen. «Zemverg, 7. Juli. Wie den polnischen Blättern aus Warschau gemeldet wird, trifft dort morgen der Delegirte des Freiherrn v. Hirsch, Mr. White, ein. Derselbe äußerte sich in Kiew einem Journalisten gegenüber, daß er dem Baron Hirsch einen genau ausgcarbeiteten Plan zur Organifirung der Emigration der russischen Juden und zu deren Niederlassung in Argentinien vorlegen werde. Vor Allem will Mr. White auf die Bildung von Comitös in Elisabethgrad, Odessa und anderen russischen Städten dringen, um mit Hilfe derselben die Auswanderungs-Bewegung in rationeller Weise zu regeln. — In Lemberg sind heute Dr K u r a n d a aus Wien und der Schriftsteller K a r l E m i l Franzos aus Berlin eingetroffen, um mit den Mitgliedern des jüdischen Cultusrathes über Maßnahmen zur Weiterbeförderung der russischen Juden zu berathen. Nach einer mehrstündigen Eonferenz sind beide Herren nach Czernowitz weitergercist. Kr«K««, 26. Juni 1891. Das 4. Heck der hebräischen Monatschrift “bxnvr rmn„ unter der Redaction des Gustav Bader in Krakau enthält Beiträge zur Biographie des berühmten Jargondichters M. Gordon, eine Avhandlnng über R. Meir und dessen Verhältniß zu den Samarituneril {D'n'D), Nachweis von 122 Sprichwörtern in der hebräisch-talmndischen Literatur und die 3. Fortsetzung einer spanneudeu Erzählung vom Leben der Juden in Rußland, wie auch ein Epigramm von Dr. Mandelkern. Preis pro Heft 20 kr. Kotomea. Die hiesige, sehr gut redigirte „Jüdische Volkszeitung" im Jargon spendet 10% des Reinertrages zum Zwecke der Eolonisation Palästinas — ein hochherziges und löbliches Unternehmen, welches volle Anerkennung und Unterstützung verdient. Die „Indische Volkszeitung" erscheint wöchemlich 2mal und kostet vierteljährlich fl. 4.—. Höös a D. Herr Adolf L o w y, früher Vereiusrabbiuer, Inhaber und Leiter einer coucessionirten hebräischen Sprach- und Libelschnle in Wien, Verfasser des orientalischen Legendenschatzes und der Tugend- und Sitlenlehre des Talmud, dargestellt in anziehenden Erzählungen, wurde zum Rabbiner der Bezirks-Eultusgcmeinde?)bbs gewählt und ist seine Wahl bereits von der h. k. k. n. ö. Statrhalterei bestätigt worden. Aukkrl. Den 30. v. M., besuchte Se. Excellenz, der Herr Sialthalt r von Niederösterreich, die Stadt Tulln zur feierlichen Einweihung des neuen Bezirkhauptmannschafts- Gebäudes, von nun an Sitz für die Bezirke Klosterneuburg, Tulln, Atzenbrnck, Kirchberg, mit seiner Gemalin und wurden bei dieser Gelegenheit alle Honoratioren vom hiesigen Bürgetmeister Rudolf Lixl vorgestellt, sowie die Vorstände des hiesigen israelitischen Enliusvereines, an deren Spitze Herr Jacob Fleisch manu, Vorsteher, Leopold Fleisch mann, II. Vorsteher und Eassier, Herr Josef Bondie als Beirath. Bei der Vorstellung durch den Herrn Bürgermeister hatte Herr Jacob Fleischmann die Ehre, den Herrn Statthalter im Namen der hiesigen Israeliten zu begrüßen und sprach zugleich den Wunsch aus, Se. Ercellenz möge bei Eintheilung der Eulinsgemeindcn nach dem neuem Gesetze Tulln berücksichtigen, ivorauf sich Se. Ercellenz erkundigte, wie hoch sich die Zahl der hiesigen Mitglieder beläuft und erklärte, Tutlu zu einer vereinigten Eultusgemeiude zu wühlen lind machte ausmerksam, daß in nächster Zeit ohnehin eine Berathuug staitsindet. Hieraus ging es aus den hiesigen Hauptplatz, wo die Gruudsteinteguug stattfaud, an welcher Feierlichkeit auch die Deputation des hiesigen Eultusvereines theilnahm und bei den üblichen drei Hammerschlngen der Vorsteher Jacob Fleischmann den Spruch aussprach °. „Gott gebe dieses Haus zlir Ehre, zum Friede und zum Segen". Werkin. Zwischen der jüdischen Hauptgemeiude zu Berlin und der orthodoreu Gemeinde des Rabbiners Dr. H i l d e s h ei m e r schweben Verhandlungen, ivelche aus die Auftösuilg der Soudervereiuigung und Anschluß derselben au die Hauptgemeiude hinzielen. Die Hildeshcimer'sche Gemeinde, deren Vertrag in der Gipsstraße abgelauseu ist und die sich somit vor die schwierige Frage eines Synagogenbanes gestellt sieht, hat als Bedingung ausgesprochen, daß ihr die Synagoge in der Heidc" eutergasse überlassen werde. Es soll dort daun wieder ein orthodoxer Gottesdienst eingeführt! werden. Ein Bescheid hierauf ist noch nicht ertheilt, doch! soll eine Verständigung sehr wahrscheinlich sein, i Katöerstadt, 22. Juni. Die Nothlage der russischen i Juden, sowie die Erkeuutuiß, daß nur durch Unterstützung! von einiger Dauer geholfen werden könne, hat in unserer! Gemeinde zur Gründung eines Vereines geführt, dessen j Mitglieder sich zu bestimmten Monatsbeitragen, und zwar j vorläufig für ein Jahr, zur Unterstützung der russischen Inden verpflichten. Der Verein umfaßt nicht nur die sämmtlichen beitragspflichtigen Mitglieder, sondern auch sämmtliche selbstständige jüdische Bewohner unserer Stadt und ist so glücklich, eine Summe von ca. 1000 Mark allmonatlich für unsere unglücklichen Glaubensgenossen verwenden zu können.

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