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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-10 · 27 (10.7.1891) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
27 (10.7.1891)
Date
1891-07-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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I Seite 494 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 27 Grundgedanke des Christenthums sei der der Erlösung der verlorenen Menschheit durch Christi Selbstopser. Aber weder sei die Menschheit verloren, noch könne ein Opfer Sunde versöhnen. „Die Theorie, daß Sünde nur durch ein OsCer getilgt und ausgelöscht werden könne, ist unsüdisch und hat keine Stütze in meiner Bibel." Doch sei zu scheiden zwischen der Lehre Christi und der christlichen Theologie; die crstere habe eine Zukunft — sie sei nur die gereinigte Religion der Pharisäer —, die letztere sei ihm unannehmbar. Die zweite Zusammenkunft wurde vom Rabbiner C. G. H i r s ch mit einem von häufigen Beifallsäußerungen unterbrochenen Vortrage über „den religiösen Zustand der heutigen Juden und ihre Stellung zum Christenthum" eröffnet. Rabbiner Hirsch desinirte die religiöse Stellung der orthodoxen, der konservativen und der radikalen Juden. Den letzten gehört er selbst an, und in ihrem Namen bekennt er: „Der Mensch im Dienste Gottes und im Dienste der Humanität — das ist der Inbegriff und die Vorschrift der Religion, die wir modernes oder radikales Judenthum nennen . . . Wir sind Glieder der Nation, wo unsere Wiege stand, oder welcher wir uns ans freier Wahl angeschlossen haben. Meine Nationalität ist die amerikanische. Politisch leiste ich keiner anderen Flagge Gefolgschaft als dem Banner der Freiheit." Rabbiner Hirsch leugnet, daß das Judenthum dem Christenthum feindlich gegenüberstehe. „Mil dem Christenthum Jesu haben wir vieles Gemeinsame, aber das, was uls das Christenthum St. Pauli bekannt ist, begreifen wir nicht und können es nicht begreifen. Wir sind indes auch dem Christenthum von paulinischer Art nicht feindlich gesinnt, aber wir verstehen es einfach nicht und werden es nie verstehen'" Dagegen ist „Jesus im Neuen Testament abgebildet als ein Jude von den Juden, voll von jüdischem Geiste; und wenn je ein guter Jude gelebt Hot, ist es der, dessen Bild im Neuen Testament gezeichnet wird." Rev. John H. B a r r o w s hatte als Thema „Israel als Beweis der Wahrheit der christlichen Religion", redete indes; mehr von der Erhaltung Israels als eines besonderen Volkes, wie es der Verheißung entspricht, und schloß den ersten Tag der Conferenz mit dem hoffnungssreudigen Bekenntnis; : „Judenthnm und Christenthum sollen noch eins werden, nicht, glaube ich, durch ein Schema eines consequenten Rationalismus, welcher beide zu bloßen Gesellschaften zum Zweck ethischer Cultur herabwürdigen und durch Auflösung des Supernaturalen beide ihrer religiösen Macht berauben würde, sondern durch die Annahme der Wahrheit, wie sie im alten und im neuen Testament geschrieben steht, daß Gott die Welt so geliebt hat, daß er zu ihrem Besten in's Mittel trat, daß er, der einst durch Wunder schöpferischer Macht die Klnst zwischen dem Nichtexistirenden und dem Existi renden überbrückt hat, durch Wunder erlösender Liebe und Macht seinen Willen den Menschen kund that, indem er seinem Worte Kraft und überwindende Holdseligkeit seinem Evangelium verlieh; daß er, der in vergangenen Zeiten zu den Vätern durch die Propheten geredet, in späteren Tagen zu uns geredet hat durch seinen Sohn, den er zum Erben aller Dinge gesetzt hat und der herrschen soll über das Haus Jakob's ewiglich." Der zweite Tag der Conferenz war minder centralen Gegenständen gewidmet. Es genügt deshalb eine kürzere Berichterstattung. Rabbiner Joseph Stolz sprach in der ersten Sitzung über „die nachbiblische Geschichte Israels" und verweilte besonders bei der Zeit Jesu, um Jesum selbst als ein Kind dieser Zeit, als echten Pharisäer, darzustellen. Rev. I. M. Caldwell berichtete aus eigener Anschauung von Palästina und wies auf die sich schon jetzt anbahnende Rückkehr der Juden nach ihrem Heimatslande hin. Ein Plan von Jerusalem, welchen Rev. Blackstone erläuterte, deutete an, wie diese Stadt beginne, die verheißungsgemäße Ausdehnung anzunehmen. In der Schlußsitzung entwarf Prof. David E. Mar- ■ i'i |'[ I i ii1''Tnlin11irr F~" ~" - I quis (Christ) ein Bild des jüdischen Messiasglaubens, sol fern er an den christlichen erinnert. Darauf las Rabbiner! Stolz eine von einem ungenannten Inden abgefaßte Schil-! derung der traurigen Lage der Inden in Rußland. Unter I allgemeiner Zustimmung wurde eine Resolution des Inhalts! beschlossen, daß jede Vergewaltigung der Juden, jeder Ausj schluß derselben von socialen Vortheilen als „unchristlich und i unamerikanisch" zu verurtheilen sei, das; die russische Re-! gierung „im Namen Gottes und im Namen der Bruderschaft! aller Menschen" zu ersuchen sei, „die Hand der Grausamkeit von diesem ehrwürdigen Volke abznziehen, welches ihnen wie uns unsere Bibel, unsere Religion und unsere Gotteserkennt- I niß gegeben hat." Abschließende Worte sprach Professor H. M. S c o t t.! Die Conferenz habe Juden und Christen einander aus so-! cialem, intellectuellem, ethischem Gebiete nähern sollen. Es! sei Zeit, daß die Christen sich den Juden anders zeigten,! als es die Väter gethan. „Der Jude hat unserer Grau- ' samkeit widerstanden, er hat unsere Gewaltthat ertragen, er j hat über unser Schwert liub Schaffst trinmphirt. Die Zeit ist gekommen, ihn mit Liebe zu bekämpfen, Herz an Herz,! Schulter an Schulter zu schließen in eifrigem Trachten nach i Gerechtigkeit und Frieden. Das ist eine Waffe, der er nicht! widerstehen kann. Die Kohlen brennender Liebe, die wir! ans sein Haupt hänfen, werden alle Vorurtheile in Kopf > und Herz verzehren. Ja, die Zeit ist gekommen, die zahlreichen Glallbenssätze in den Vordergrund zu stellen, welche sie trennen. Wir schließen uns beide an das alte Testament an. Wir glauben beide an den Gott Abraham's, Jsaak's und Jakob's. Wir hoffen beide die Unsterblichkeit der Seele, wir stellen beide für das Diesseits in den Vordergrund ein Leben der Tugend. Die Fundamentalsätze Kant's, Gott, freier Wille und Unsterblichkeit, halten wir alle in Ehren und suchen sie zu lebendigen Faktoren des menschlichen Lebens zu machen. Der Jude meint eine Erfüllung des alten Testaments im Talmud zu haben, oder in der Religion der Cultur, in süßem Mystikismus, in humaner Ethik. Der Christ hält dafür, daß die beste Erfüllung des alten Testaments im neuen Testament zu finden sei mit seinem Messias, seiner Bergpredigt, seinem idealen Leben, seiner j Versöhnung für die Sünde, seiner heiligen Bruderliebe. Hier ist nicht der Ort für Streit, sondern für brüderlichen Wettkampf." (P. W. M Bl.) Topl-kspondklgkll. Wien. (D i e I u d e n a u s w e i s u n g e n in Rußland.) Von einem Gewährsmanne christlicher Religion wird der „Nordd. Allg. Ztg." aus Odessa über die Judenausweisungen in Rußland geschrieben: „Die Zahl der von hiernach Palästina auswandernden Juden mehrt sich stetig, täglich verlassen hiesige jüdische Familien die Stadt, während andere sich aus der Umgebung hier sammeln, um, zu größei reu Trupps vereinigt, sich nach Palästina einzuschiffen. Dies entspricht nun keineswegs den Plänen des hiesigen Vertreters des Baron Hirsch, Herrn Whigt, der Palästina nicht gerade für das gelobte Land hält. Bei seinem kürzlichen Aufenthalte machte er in einer Versammlung reicherer jüdischer Kaufleute folgende Mittheilungen über die theilweise schon ausgefnhrten Pläne des Baron Hirsch: In der argentinischen- Republik ist Land angekauft worden, welches circa für eine Million Ansiedler genügen wird. Die Ansiedelung wird derart eingerichtet, daß sich je zehn Kolonien zu 300 Personen um eine kleine Stadt gruppiren. Was die Ansiedler selbst betrifft, so wird man vorzugsweise solche Familien anwerben, deren Mitglieder gesund und kräftig sind; daher sollen kranke und in vorgerücktem Alter stehende Leute möglichst von der Auswanderung nach Argentinien ausgeschlossen werden, Nach Eintreffen der Erlaubniß der russischen Regie-

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