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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-07-10 · 27 (10.7.1891) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
27 (10.7.1891)
Date
1891-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 Hestekreichifche Wvcheuschttst Seite 489 S ch n e i d e r's befand sich auch der Entwurf des Wortlantes eines solchen an den Gerichtsvorsitzenden zu richtenden Briefes. Ich war von dem Ansinnen Schneide r's, in welchem ich den Versuch, mich zu einer falschen gerichtlichen Deposition zu veranlassen, erkannte, höchst überrascht und begab mich sofort mit dem Originalbriefe in der Hand zu meinem damals gleich mir im Hause der Schneidergenoffenschast, I., Fütterergasse, anwesend gewesenen Collegen im Ausschüsse der Schneidergenossenschaft, Herrn Anton S ch m i d, Schneidermeister in Hernals, Steinergasse Nr. 9, welchem ich die Einsicht in das erwähnte Schreiben gewährte. S ch m i d war gleich mir sehr frappirt über das von Schneider gestellte Ansinnen und meinte, offenbar im Interesse Schneide r's, zu dessen politischen Freunden damals sowohl er als ich zählten, es wäre das Beste, wenn der Brief S ch n e i d e r's vernichtet würde. Ich nahm darauf den Brief wieder an mich, vernichtete ihn aber einige Zeit darauf tatsächlich. Dieser von mir angegebene Sachverhalt ist vollkommen wahr und bin ich in der Lage, denselben auch als Zeuge vor Gericht zu bekräftigen. „S ch m i d wird nicht anders als diese meine Angaben bestätigen können. Da S ch m i d schwer daniederliegt, wird es nöthig sein, ihn in seiner Wohnung einzuvernehmen." Herr Anton S ch m i d, Hernals, Steinergasse 9, gibt an: „Die mir vorgehaltenen, in der Information des Herrn K r e s ch m e r, ddo. 29. d. 3)1., gemachten Angaben, betreffend den Brief Ernst S ch n e i d e r's an Kretschmer, sind vollkommen wahr und richtig. Ich selbst habe den Brief S ch n e i d e r's in der Hand gehabt und gelesen und K r e t s ch m e r den Rath ertheilt, den Brief zu vernichten. Dies jedoch, wie ich gegenüber den AngabenKretsch m er's richtigstellen muß, nicht im Interesse Schneide r's, zu dessen politischen Freunden ich nicht zählte, sondern im Interesse des Kreisch m e r, welcher mein langjähriger Freund ist und welchen ich nicht den Gefahren, mit welchen eine Befolgung des Schneider'schen Ansinnens verbunden gewesen wäre, ausgesetzt wissen wollte. Ob Schneider noch an andere Personen Briefe in Sachen des Mödlinger Schuhfabriksprvcesses mit dem gleichen wie an K r e s ch m e r gestellten Ansinnen richtete, ist mir nicht bekannte „Ich bin selbstverständlich jederzeit bereit, meine Angaben als Zeuge vor Gericht zu wiederholen und wenn nöthig, mit einem Eide zu bekräftigen. Die vorgenannten Zeugen sind weder Juden noch Liberale sondern Parteigenossen S ch n e i d e r's, dazu unbescholtene Männer, die ihre Aussagen schriftlich bestätigt und eidlich zu erhärten sich bereit erklärt haben. Zn dem „Deutschen Bezirksverein Mariahils" erzählte ein deutschnationaler Redner Namens Seuchter über die Art, in welcher Herr P a t t a i durch Herrn Ernst Schneider von der Obmannschast des „Resormvereines" verdrängt wurde. Ernst Schneider benützte die Gelegenheit, als Dr. P at tai nach Gastein abgereist war, um eine Generalversammlung einznbernsen und die Wahlen vorzunehmen. „Als Mitglieder des Vereines ausgewiesen waren nur 136, die Zahl der abgegebenen Stimmzettel aber betrug 211, es hatten also entweder auch die von Schneider milgebrachten Gäste mitgestimmt, oder es waren von der Kartei Schneider 75 Stimmzettel eingeschmuggelt worden, nm aus diese Weise den Sieg zu erreichen. Das ist aber noch nicht Alles. Von den abgegebenen 211 Stimmzetteln wurden 4, welche aus den Namen P a t t a i lauteten, einsach sür ungiltig erklärt und nun ergab sich endlich das erwünschte Resultat, indem 102 Stimmen für P a t t a i, 105 Stimmen für Schneider lauteten." Wir entnehmen diesen Bericht nicht etwa „judenliberalen Blättern", sondern dem Organ des Herrn Georg Schönerer, den „Unverfälschten deutschen Worten". Bezüglich der Stampigliensälschung erklärte Schneider, daß Herr Hollo may es war, welcher dies in Antrag gebracht hätte, wohingegen er, Schneider, den Antrag als ein verwerfliches Agitationsmittel ablehnte. Herr Schneider hat vergessen, daß es gar nicht Hollomah war, der die Stampiglienfälschung zur Kenntniß der Oeffentlichkeit gebracht, sondern der Graveur Potschka, der hievon nicht in liberalen oder Judenblättern, sondern in „Oesterr. Reformer", dem antisemitischen Organe der Herren Pattai und Vetter und zwar in der Nummer vom 17. October 1886 Mittheilung machte, mit der ausdrücklichen Erklärung, daß Herr- Ern st S ch n e i d e r s e l b e r die verhängnißvolle Stampiglie bestellte. Herr P o t s ch k a ist weder Jude noch liberal, sondern ein Parteigenosse Schneide r's. Herr Schneider hatte also keinen Grund über die liberale Presse zu schimpfen, denn was über ihn der Oeffentlichkeit bekannt geworden ist, verdanken wir ausschließlich antisemitischen Journalen. In derselben Nummer des „Oesterreichischen Reformer" vom 17. October 1886 schrieb einer der Führer der Wiener- Antisemiten, der Steindrucker Leopold Hollomay: „Was sagt Herr Schneider dazu, wenn ich ihm Eines in's Gedächtniß rufe: Es war voriges Jahr, circa vier Wochen vor den Ostern, wo er mir ein Bild brachte, welches die Abschlachtung eines Christenkindes durch Juden vorstellte, welches ich sür gewisse Zwecke in 20.000 Exemplaren ansertigen sollte und Herr Schneider den erläuternden Text schrieb, was ich jedoch rundweg verweigerte. Hätte mich da .Herr Schneider nicht an's -Resser geliefert, wenn ich mich dazu hergegeben hätte?" „Ich glaube aber, ein Spitzbube ist der, der sagt: „Falls ein Judenkrawall einmal ausbricht, erfahre ich es sechs Stunden vorher (jedenfalls bezeichnend als Regierungsfreund). Da fahre ich ab!" Haben Sie das gesagt, Herr Lord Schneider?" Dies war zu lesen im „Oesterreichischen Reformer", dem Orgail der Herreil Vetter uub Pattai. Ueberdies klagt Eornelius Vetter in einer eigenen Brochure Herrn Schneider an, daß er ihn in's „Unglück", iil's „Eriminal" bringen wollte, weil er ihm den Antrag gestellt und ihn zu bereden versuchte, er möge die Arbeiter von Floridsdorf zu einem Attentate gegen Dr. Bloch veranlassen. „Heute noch zittere ich vor gerechter Entrüstung und Erregung über die Bosheit, Schlechtheit und kalte Berechnung mit der Sie einem Unschuldigen die Wege mindestens zu einer langwierigen Untersuchung gebahnt hätten", sagt Eornelius Vetter. „B loch wußte die Ar beiter von Floridsdorf zur Ueber zeugnng zu bringen, daß die Beglücker und Wohlthäter der Menschheit, besonders die des Arbeiterstandes,! ausschließlich Juden und jüdische Fabrikanten seien." „Dieser! Anschauung mußte entgegengetreten werden, doch wie? Etwa * in einer Versammlung offen und ehrlich den Anschauungen ' des Wunderrabbi zu begegnen, die Arbeiter eines Besseren i zu belehren? Weit gefehlt! Nein, heimtückisch,! h i n t e r l i st i g." So trat denn Mechanikus Schneider an Herrn Cornelius Vetter mit dem Anträge heran, durch ein schmutziges Pamphlet die Arbeiter gegen den „Rabbi Bloch" aufzureizen; er soll durch ein — Attentat unschädlich gemacht werden. Herr Cornelius ^Vetter thut sich daraus zugute . daß er aus das Ansinnen des Mechanikus nicht einging. Er

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