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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-26 · 25 (26.6.1891) · p. Seite 467

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
25 (26.6.1891)
Date
1891-06-26
Page
Seite 467 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 25 Hesterreichrfche Wochenschrift Seite 467 wir gangen von Hauß zu Hauß und haben befürcht, geforscht und^gefrogt ' eigentlich, ob jemandt war, der da hätt Geld, Schuldbrieff oder Pürgschaft auf die benanten Edelleut oder auf alle ihre Erben oder ob jemandt Pürg für sie wäre, es feh undter ihrem Sigill oder Pötschaft mit dem allem haben wir niemand gehört oder gesehen und nit gefunden, darueber wir undterbesiegelten betheuern und bezeugen, in; allen, die den Briefs sehen, hörin oder lesen, wer der ist, der da komt von der benanten Stadt Marburg mit Geld-Schuldbrieff oder Pürg-! schafften, die da lautend aufs die benanten Edlen-Leuth und auff alle j ihre Erben von Ehe auff Ehe biß auff den heutigen Tag all dieselben! Brieff sollen sein verstört, nichts wirkend und nit bestätigt und sollen! sein geachtet als ein zerbrochener Scherben dem nit Krafft inner ist und soll, auch nit werden gethan zu ihm kein Recht. Darueber haben wir geben ihm dem Edlen Friedrich Lamberger und allen seinen Erben, daß soll sein in seinem gewaldt zur Würdigkeit und zur Zeugniß und ' Weisung dieser Brieff besigelt mit meherem Sigell. Geschehen am Pfingsttag zween und zwainzig Tag in dem Monath Sambat des > Jahr Fünftausend zweyhundert und Sechs nach der Welt Beschaffung! haben wir's geschrieben und versigelt. Abrahamb des Jakobs Sohn von Marburg! Ismail deß Jsaacs Sohn von Radkersburg! — — — — — Judenburg j — - - - - St. Veit > — — — — — Lahbach. Daß zu den fünf Zunamen der fünf Juden nur zwei Vornamen gesetzt sind, bemerkt der den Brief kopirende Gelehrte „kommt daher, weil der Vor- und Eigennamen der drei Letztern so beschmutzt sein, daß daß sie nicht mehr zu lesen." Das Mohlthätigkeitsfest in der Philharmonie. Selten wohl ist einer barmherzigen Veranstaltung von allen Seiten eine so weitgehende Opferwilligkeit entgegengebracht worden, wie dem Wohlthätigkeitsfest für die russischen Juden, welches am 18. Juni Abends in den Räumen der Philharmonie stattfand. Die Nachfrage nach Billets hatte sich in den letzten Tagen derart gesteigert, daß bei Berücksichtigung sämmtlicher Gesuche selbst ein dreimal so großes Etablissement sich als nicht ausreichend erwiesen haben würde. Der bis auf den letzten Platz, bis in die Logenwinkel hinein dichtgefüllte Concertsaal gewährte bei Beginn des Festes einen frohfarbenen Anblick von fesselndem Reiz, zeigte ein reiches, bewegtes Gesellschaftsbild. Einen eigenartigen sommerlichen Anstrich gewann das Publikum dadurch, daß die meisten Damen in zartfarbenen, hellleuchtenden Promenaden-Toiletten erschienen waren und die kleinen, eleganten Capotes, die geschweiften, breiträmpigen, blumenüberschütteten Strohhüte auf den Köpfen behalten hatten. Der durch das geöffnete „Oberlicht" einfallende Schimmer des zur Neige gehenden Tages vermischte sich mit dem „blvu electrique“ der großen milchenen Ampeln, dieser Modefarbe, in dem Saal mit seinem lichtgrünen Grundton zu einer wundersamen Beleuchtung. Die erhebende Feierlichkeit rauschender Orgelklänge leitete den Abend ein. Herr Dr. Heinrich Reimann spielte die Mendelssohn'sche ^-äur-Sonate mit dem Choral „Aus tiefer Roth schrei' ich zu Dir". Man hätte bei diesem Fest für die grausam Unterdrückten kaum eine mehr sich eignende Tonschöpfung wählen können. Als das sanft verklingende, herrliche Musikstück eine weihevolle Ergriffenheit über die Versammelten ausgegoffen hatte, nahte als Prologos von holdester Anmuth, mit einem Lächeln wie Sonnenschein Teresina Geßner. Die Künstlerin, im schlichten Gewände, das schöne Haar aufgeknotet, ohne jeden Schmuck, sprach den Prolog mit jener Innigkeit und mit jenem rührenden Schmerz, der die Hörer unwiderstehlich in seinen Bann zieht. Die Dichtung von Richard Schmidt-Cabanis, durchströmt von einem aus dem Herzen quellenden Mitgefühl für unerhörtes Menschenelend, schlicht und markig, war von tief ergreifender Wirkung. Sie Hub an mit den Worten: Welch' ein Knäuel menschlichen Elends rollt Dort auf unsere friedliche Flur heran?! Welche Lawine von Elend wälzt sich Unseren blühenden Gauen zu?! Weinende Kinder, Der sorgenden Mutterhut Jach entrissen; Schwache Matronen, des stützenden Stabes bar; Männer, zu Greisen darniedergedrückt Durch die bleierne Wucht der Roth; Weiber, das Haar zerrauft Und die Brüste zerfleischt. Mit den stieren, zährenzerfreffenen Augen vergeblich Nach der Spur ihrer Söhne suchend! Sagt, wer seid Ihr, Unselige? Redet, welch Schreckniß hat Euch betroffen? Hat die brandende Flut Eure Aecker ertränkt? Hat der brausende Sturm Eure Hütten zerstört? Hat des Feuers glutfauchender Odem Euer Erbe zu Asche verfegt? Hat der berstende Leib der Erde Gierig tzarschlungen Euch Gut und Hab'?!- — „Wehe, was forschst Du? Weh', warum fragst Du? Nimmer der Elemente Haß Kann so grausamen Spruch vollziehen: Blind zerstören sie. Blind vernichten sie Mit ihren Opfern sich selbst zugleich. Sehenden Auges vermag nur der Mensch So gegen Seinesgleichen zu wüthen!"- — Dann hat des Krieges höllische Geißel Also von Haus und Hof Euch Vertrieben, Hat Euch verjagt aus dem wohnlichen Heim, Hat Euch rechtlos und mundtodt gemacht?! Aber wie ist mir? — ich meine, es ruht ja Rings in der Scheide das scharfe Schwert; Nirgend umher in den Landen loht Jenes Dämons furchtbare Fackel, Deren Flamme allein Fließendes Menschenblut löscht?!- — „Nicht hat der Krieg, der Völkerverderber, Uns in die Fremde hinausgetrieben. Nicht unsere Hütten ein Gegner zerstört! Brüder sind dieses Unheils Erzeuger, Sproffen der eigenen Scholle haben Uns der bleibenden Stätte beraubt, Haben das Kind von der Mutterbrust, .Haben das Weib vom Gatten geriffen; In die Oede, in Hunger und Elend Wandern wir auf des Landesvaters, Auf des eigenen Herrschers Geheiß!" — — — Und warum? Was habt Ihr verbrochen? Habt Ihr „ihn", den Gesalbten geschmäht? Habt Ihr das Reich dem Feinde verrathen? Habt Ihr verletzt das heilige Gesetz? Welchen unaussprechlichen Freveln Droht solche Sühne — um Gotteswillen??- — „Wehe, Du sagst es: um Gottes willen Sind wir geworden, wie Du uns siehst! Weil wir den Einen Gott, den alleinigen. Ihn den Schöpfer von Himmel und Erde, Unfern Gott und Euren und ihren. Etwas anders als sie bekennen. In etwas anderen Lauten ihn loben. In etwas anderer Form zu ihm beten. Darum haben sie Das uns gethan!" —7 — — Darum? Nur darum? So wird Gott Euch retten. Der der Seinen nimmer vergißt! — — — Gott soll uns helfen?! Er hat geschaut die Schmach, Er hat geduldet die That — Gott hat uns verlassen! Was können wir gegen sein Gebot? Uns bleibt ein Weg nur: Verzweifeln und sterben!"- — Nimmer, Ihr Dulder, sei dies das Ende! Auf zu den Wolken hebet den Blick; Wie diese dunklen, slücht'gen, zerreißen: Schwindet das Unheil, das Menschen uns schaffe»; Wie vor des Windes Wehen sie weichen. Schwindet das Dräuen der Erdengötter! Aber die Sonne bleibt. Aber die Sonne strahlt Leuchtend herab vom ewigen Himmel; Und so strahlt Euch das Auge des Einen, Wahren, Ewigen, Unerforschlichen; Habt Ihr geglaubt ihn, so hofft auch auf ihn. Der Euch wird liebend gen Kana führen! Glaube, Hoffnung und Liebe, die drei Boten des mächtigen Herrschers der Welten, Sind Euch geblieben in Kummer und Roth! Fest auf des Glaubens Fels Wurzle der Hütte Grund,

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