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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-26 · 25 (26.6.1891) · p. Seite 468

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
25 (26.6.1891)
Date
1891-06-26
Page
Seite 468 (sequence 18)
Language
German
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Seite 468 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 25 Die Ihr auf freier Erde Euch werdet Neu erbauen mit neuer Kraft; Hoffnung, des hehren, Ernsten Bruders mildere Schwester, Trockne die Zähren Euch von der Wange; Aber die Liebe; die stärkste von ihnen, Reicht Euch von Herzen die Hand, Führt Euch den dornigen Pfad. Faßt ihre Rechte; sie stützt Euch, sie trägt Euch; Wir helfen Alle Euch um der Liebe willen! Als die letzten Worte verklungen waren, durchbranste ein wahrer Sturm des Beifalls minutenlang den Saal. Herr Franz Krolop entfaltete die markige Fülle und den gewaltigen Vollklang feines Organs in Lowe's Ballade „Die Uhr", welche er mit vortrefflicher Nüancirung sang, und in dem Lied „An der Weser". Beide Vorträge brachten dem beliebten Künstler rauschenden Beifall. Dann nahte Heinrich Grünfeld mit seinem Cello und spielte zunächst mit warmem Ausdruck das althebräische „Kol NidreL" diese rührende Melodie des Schmerzes. Der vom Publikum auf das lebhafteste ausgezeichnete Künstler spendete dann noch zwet Stücke, von denen er namentlich die bekannte Poppersche Mazurka mit feurigstem Schwung vortrug. Die königliche Oper hatte außer Herrn Krolop noch Nikolaus Rothmühl entsendet. Um seine Mitwirkung bei dein gestrigen Fest zu ermöglichen, hatte dieser Sänger, der an dem niederrheinischen Musikfest theilnimmt, seine Abreise noch verzögert. Herr Rothmühl erquickte die Hörer beim Vortrag eines Sulzerschen Liedes durch den satten Wohllaut seiner Stimme und fang das Alfred Gründfeld'sche „wie schön bist Du" wahrhaft hinreißend. Als sich hiernach der Beifall immer von Neuem erhob, erschien Herr Rothmühl noch einmal und sang ein von Herrn Gustat Burwig eigens für das Fest componirtes Lied, welches außerordentlich gefiel. Dann kam die „große Nummer" des Programms, der Gesangsvortrag Frau Marcella Sembrich' s. Schon in dem Augenblick wo die gefeierte Künstlerin in einer prächtigen glatten Robe von rosafarbenem Atlas mit durchbrochenen Spitzenärmeln, funkelnde Brillant- Agraffen am Corsage, aus dem Orchesterzimmer die Stufen zum Podium hinabstieg, bereitete ihr das Publikum eine förmliche Ovation. Frau Sembrich sang Recitativ und die Arie „Endlich naht sich die Stunde" aus „Figaro's Hochzeit". Ein wahrer Goldstrom.des Wohllauts ergoß sich über die entzückten Hörer, wie Perlen entrollten die Töne ihrem Munde. Der richtige Sembrich-Jubel brach los, ein tausendstimmiges „Bravo!". Ein Herr neben mir rief sogar unausgesetzt „Brava!" und trat mir dabei mit einer Vehemenz auf den Fuß, welche nur durch „grenzenlose Begeisterung" erklärlich war. Frau S e m b r i ch ließ sich erbitten und gab das zarte Lied vom „herzigen Veilchen" zu. Sie sang es mit einem unwiderstehlichen Charme und mit bestrickendstem Zauber. Ein von Max Bauer verfaßter Epilog, welchen Fräulein Anna Jdsigson sehr lebendig sprach, beschloß diesen ersten Theil des Festes. Das Publikum des Concert-Saales löste sich auf, strömte in den Garten — jawohl in den Garten — in die breiten Wandelgänge und die Garderobensture, von denen der rechtsseitige nach dem Garten zu geöffnet worden war, nahm von den oberen Sälen Besitz. Der zweite, besonders originelle, gesellschaftliche Theil des Abends begann. Zu den Klängen einer Militärcapelle — in Civil, spazierte ein Theil des Publikums im Garten einher, sich dieses im gegenwärtigen Sommer so seltenen Genusses mit wahrer Begeisterung erfreuend. Andere, mehr für des Leibes W^l bedachte Festtheilnehmer, versuchten zu soupiren — ein etwas schwieriges Unternehmen, denn so vortrefflich auch das aus den Herren Hermann Abraham, Dr. Großmann und Rechtsanwalt Wurm bestehende Comite alles vorbereitet hatte, wie sehr man auch in der Philharmonie an einen Massenandrang gewöhnt ist, so ist es doch einfach unmöglich, den Appetit und den Durst von fünftausend Menschen auf einmal zu befriedigen. „Kommen Sie zur Sectstelle, mein Lieber" — raunte mir ein Bekannter in's Ohr — und verschleppte mich nach dem „Ouartettsaal", wo Fräulein Jenny Groß, als die liebenswürdigste und eleganteste Hebe dem Champagner-Pavillon Vorstand, auf die schönsten Hundermarkscheine nicht einen Pfennig herausgab und für Zehnmarstücke nur ein mitleidiges Lächeln hatte. In einer benachbarten Boutique verkaufte die schelmische Pepi Glöckner Cigarren und Cigaretten und rauchte sie auf Wunsch auch an, was allerdings den Preis recht — empfindlich erhöhte. An dieser Stelle machte Herr Dehnicke erfolgreich den Anreißer. Frl. v. May bürg im feschen Matrosenhut brachte die kleinste» Bibelots zu den größten Preisen an den Mann. Frl. Julie Abich versicherte beständig, daß- „jeder Wurf über Zwölf gewinnt" und veranlaßte damit zum Glücksspiel. Fräulein Pallatschek vom Wallner-Theater ging als Blumenverkäuferin umher und nestelte den Herren Rosen in's Knopfloch. Agnes Sorma waltete im Corridor als Frau Fortuna bei dem reich gefüllten Tombola-Zelt. In ihrem Blumen-Pavillon erschien erst später Helene Odilon, welche kurz zuvor als leichtfertiger „verlorener Sohn" in's Elternhaus zurückgekehrt war. Der reizende Pierrot aus dem Wallner-Theater verkaufte übrigens nicht nur pantomimisch, sondern pries seine duftigen Waaren auch mit Worten an. Ein „coloffäles Geschäft" wurde in der Sect- und Liqueurbude gemacht, welche Marie Barkany und Frau Jean Stern inne hatten Hier ging innerhalb dreier Stunden die Summe von 1200 Mark ein. Die dunkeläugige Künstlerin recitirte dann auf I vielseitiges Verlangen von ihrem Verkaufsstand aus ei« Gedicht, nach dessen Vortrag ein Herr „absammeln" ging. Mit einem Wort, man wurde von all den liebenswürdigen Künstlerinnen und Damen ausgeplündert wie von Athanasios in Tscherkeßkiöi. Der dritte Theil des Festes spielte sich wieder drinnen im Saale ab. Die Reihe der Vorträge eröffnete Pepi Glöckner voll Drolerie mit einem Couplet, dann folgte Meißner, Toni Diglas von den „Münchern" jodelte fesch und fröhlich. Ein veritabler „Schuhplattler" steht uns noch bevor und dann wird auf dem Saalparquet ein weniger derber Tanz das glänzend gelungene Fest beschließen. 8. J. Briefkasten. Für die aus Rußland vertriebenen unglücklichen Juden sind uns weiters zugekommen: Von Dr. Max K oh n in Nagy-Bittse fl. 5.—, von Adolf Goldberger in Uljanik fl. 5.—. vonHrn. Jacob Erben in Klosterneuburg (Sammlung bei dessen Hochzeit) fl. 8.40. Rosa Caesar, Wien. Der 28. Juni des Jahres 1882 fiel auf den 11. Tamus nach jüdischer Zeitrechtnung, welcher im laufenden Jahre am 17. Juli e. sein wird. Ihre Jahreszeit beginnt am 16. Abends. X. in Tesehen. Ihre Mittheilung, daß der Gastwirth Rudolf D v o r /. a f in Teschen den Antisemitismus protegirt, sollten Sie lieber den dortigen Glaubensgenossen zur Kenntniß bringen. stk. 8. Das Buch ist im Verlage von Leop. Weis, I., Tuchlauben 7, erschienen. __ Avis. Die gefertigte Buchhandlung gibt bekann, daß sie das von Sr. Ehrw. Herrn Dr. Alex. K o h u t edirte und im Drucke begriffene „talmudisch-chaldäische Lexicon", genannt „^ruchOornpletum" «brn -s'lV) im Commissions-Verlag zum Vertrieb übernommen. Bon diesem „Lexicon" ist soeben der VII. Band (enthaltend die Buchstaben "i 'L 'S) erschienen. Preis per Band fl. 7.50, mit alleiniger Ausnahme des IV. Bandes, der fl. 9.— kostet. Der VIII. (Schluß) Band befindet sich unter der Presse und dürfte noch im Laufe dieses Sommers erscheinen. Bestellungen und etwaige Reclamationen sind einzig und allein an die gefertigte Buchhandlung zu richten. Wien, im Juni 1891. Kh. K. Lippe, Buchhandlung, II., Praterstraße 18. Danksagung. Zch fühle mich verpflichtet, Herrn Docenten Dr. Karl August H e r z f e l d in Wien meinen besten Dank auszusprechen dafür, daß er meiner Frau nach einem dreijährigen Leiden durch eine schwere Operation im Sanatorium L ö w die Gesundheit wieder hergestellt hat. Moses Khodow. Geburtsscheine eventuell Aktersnach Weisungen zu Schnkeinschreivnngen. Nachdem die Anforderungen um Ausfertigung von Geburtsscheinen eventuell Alters nach Weisungen für sch ulpfli chtig gewordene Kinder behufs Einschreibung in die Schulen vor Beginn des Schuljahres von Jahr zu Jahr so zahlreich sind, daß das Matrikenamt der hiesigen israclit. Cultusgemeinde denselben nicht sofort Nachkommen kann, werden die P T. Eltern rc. in ihrem eigenen Interesse erinnert, schon jetzt solche Documente zu bestellen und auch in Empfang zu nehmen. Vom 15. August ab, würde wenigstens 48 Stunden Zeit zur Ausfertigung der erwähnten Documente gelassen werden müssen. Nur 45 kr. ö. W. Die Biblische Litteratur von Dr. Gustav Karpeles. Inhalt: Einleitung. — Historische Bücher. — Poesie der Bibel. — Prophetische Litteratur. Zu diesem billigen Preise nur zu beziehen von K. L ö w i t*s Buchliaudluug, Wien, I., Rothenthurmstr. 22. H. Heine’s Sammel-Werke. 4 Bände, hochelegant gebunden nur fl. 3.60, in weissein Liebhaber- Einband fl. 4.—. H. Heine und die Frauen von Or. A. Kohut. Mit 6 Porträts statt fl. 9.40 nur 65 kr. Zu diesem billigen Preise nur zu beziehen von H. Löwit’s Buchhandlung, Wien, L, Rothenthurmstr. 22.

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