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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-26 · 25 (26.6.1891) · p. Seite 465

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
25 (26.6.1891)
Date
1891-06-26
Page
Seite 465 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 25 Hesteneichifche Wochenschrift Seite 465 FESTGEDICHT Samuel ben-Lewi Spitzer in Jägerndorf Ehren des Jubilars Se, Ehrw, Herrn Dr. Jellinek in Wien. pnx b , ILIO , NUN ’DODV , O’OV ’D’DV D'X’21.1 ’:3D n'VW b Dl’ pyrbbr pnx me DON.1 Ml rrn raren jr bpwa bv . idt 131 ’2 snjpj ^nx pnx;Dpi3J pitr inp 2#i,xipT njpn jo . iarr d^d pnsip dj? MipS *fp rnr xm .D-n^ rinn nnx ,b .b „ntfö nnxi ,n2w’ ^jbp nnpa D'2i DD' tprix;iniin nxi-rrcto nx ,dj?h bx man T : V TT V t : - »wrr tij? imo ’bjD ,ddj?d i2?2i T : - T : - ••-: T : “T : ’.inaip rr xbpp p’rj? npixni , p2ir iDDi ,ipj? j?bp iab djz?;d*tj?d np nnj?n nx orai DD p«h ,pa«; 1x3 dj ^x dj .7s>2 niippp DJ .Ditip nbii? pnrr r ist) p ,?spj? 'bpi , rnis nij?Dj?3rz pnur piia bj?_ niTbi j^bsa nnp d'jbh xbö re?23 ND ,mi? Hx 3pj?D D nixin ,ixsb mrr ♦sjnbn D' rw nx ,nippi nbiDn!DD«? niri’ ia n'Li! — 'J?"3L?3-I - T T T : - \niTb bsti D'j?2tr 0 1D2 nnx ,11D3 . D^njDip W DJ-nb'D inix xby : 1.12121 niiQ^2i r nis? p.ix npp *) Bildlich ein Spritzer von Silbergrau. — Elfteres ähnlich Hosea 7, 9. <2 np-il ja Eine jüdische Kaiserin? Zu den interessantesten Reminiscenzen, die sich für mich an den Besuch von Neu-Corinth knüpfen, gehört die an meinen dortigen Umgang mit einem Corinthenhändler jüdischer Confession. Ursprünglich von seinen Eltern zur Rabbinerwürde bestimmt, hatte derselbe in seiner Jugend an mehreren ausländischen hohen Schulen studirt, später aber durch Familienverhältnisse zur Wahl eines anderen Berufes gezwungen, die kaufmännische Laufbahn betreten, auf der es ihm in verhältnißmäßig wenigen Jahren gelang, zu beträchtlichem Vermögen zu kommen. Der Meinungsaustausch mit diesem gründlich gebildeten Manne war mir immer ein Hochgenuß, zumal dann, wenn er auf sein Lieblingsthema, nämlich auf die Geschichte der griechischen Juden, zu sprechen kam. Er war auf diesem Gebiete wie ein Professor des Faches bewandert, und ich muß offen gestehen, daß ich seinen diesbezüglichen lehrreichen Mittheilungen in dem Speisesaale des freundlichen Xvnadoobion tan Pavision mit größerer Andacht und Aufmerksamkeit lauschte, als vor einem Decennium den Geschichtsvorträgen bestallter Leuchten der Wissenschaft in den Hörsälen unserer alma mater Vindobonensia. Meine höchste Bewunderung errang aber der schlichte Corinthenhändler, als wir eines Tages während eines Spazierganges über Kali Quartano sprachen, jene edle, hochherzige Griechin, welche als Gattin Sultan Selim des Zweiten eine Zierde des ottomanischen Kaiserthrones war. Mein Begleiter eröffnete mir nämlich ganz gelassen, daß er auf Grund eingehender Forschungen über ebengenannte illustre Frauenerfcheinung zu der Neberzeugung gelangt sei, Kali Quartano wäre eine Jüdin gewesen, — mithin das! erste und einzige Weib seines Volkes, das jemals eine Kaiserkrone getragen. Einsehend, wie werthvoll diese Entdeckung, falls sie sich bej Wahrheiten würde, für die Universalgeschichte des Judenthnms wäre, bat ich ihn um ausführliche Anführung aller seiner Beweggründe für! diese Behauptung. — ein Begehren, das er auch in liebenswürdigster j Weise erfüllte. Seine Ausführungen habe ich wörtlich niedergeschrie-! ben und übergebe sie hiermit der Qeffentlichkeit zur kritischen Beurtheilung und zur Prüfung durch berufene Forscher. Uebereinstimmend berichten alle Historiker über die Gattin Sultan Selim des Zweiten, daß ihr Mädchenname Kali Quartano und ihre Geburtsstadt Corfu gewesen sei, wo sie im Jahre 1537 bei der Belagerung durch die Türken von letzteren fortgeschleppt wurde. Ueber ihre Abstammung und Religion sind hingegen die widersprechendsten Mittheilungen auf unsere Tage gelangt. Einige Geschichtsschreiber lasten sie nämlich der Familie eines corfiotischen Edelmannes entstammen und römisch - katholischen Glaubens gewesen sein; Andere die Tochter eines ehrsamen Bürgers griechischer Confession; ihre Abkunft, aus der Judenschaft abzuleiten, wofür eine ganze Kette von Umständen spricht, siel jedoch keinem Einzigen ein, was um so sonderbarer erscheinen muß. da es sich aus dem Folgenden nahezu mit voller Gewißheit ergibt, daß die in Rede Stehende eine Tochter Israels war. Zuvörderst ist es bereits der Name Kali Quartano der aus hebräischen Ursprung hinweist, denn das Wort „Kali" aus dem Griechischen abzuleiten, in welchem es „schön" bedeutet, hätte nur dann seine Richtigkeit, wenn es eine beglaubigte historische Thatsache wäre, daß Kali Quartano zu den Schönheiten jener Tage gezählt worden sei. Nachdem jedoch Zeitgenoffen derselben nur ihres Edelsinnes und ihrer Hochherzigkeit erwähnen, so läßt sich die Folgerung ziehen, daß ihre körperlichen Vorzüge keineswegs beachtenswerth waren, da selbe sonst sicherlich ebenfalls in den Annalen der Geschichte angeführt worden wären. „Kali" indeffen auf das hebräische „Kale" zurückzuführen (die Bezeichnung für „Braut"), ist jedenfalls näherliegend (*), zumal eine corsiotische Sage über Kali Quartano auch eines „Bräutigams" derselben erwähnt. Ein weiterer Beitrag zum Beweismateriale für die semitische Abstammung Kali Quartano's ist der Hinweis auf die Lage ihres Geburtshauses in Corfu. Dasselbe liegt hart an der Grenze des ehemaligen Ghettos, zu dem es höchstwahrscheinlich auch gehört haben mag, als es aus seinem ursprünglich geringen Umfange unter der freisinnigen, duldsamen Herrschaft. Venedigs von Jahr zu Jahr an Ausdehnung gewann. Ein drittes Argument erhellt aus den geschichtlichen Aufzeichnungen über die Vertheidigung Corfus gegen die Türken So oft auch Letztere von der albanischen Küste herüber oder mit ihrer mächtigen Flotte unter Chaireddin Barbaroffa die Stadt der Phäaken bedrängten, mußten sie doch stets mit blutigen Köpfen auf ihren Rückzug bedacht sei», und ein Hauptverdienst bei der Abweisung dieses furchtbaren Feindes gebührte jedesmal der corfiotischen Judenfchast. der zu Ehren daher auch ein Fort der städtischen Festung „Fort Abramo" genannt worden ist, offenbar nach einem der tapfersten semitischen Anführer jener Zeiten. Kirkwatt wenigstens, ein Glauben verdienender Gewährsmann, berichtet so. Es liegt daher die Annahme nahe, daß auch im Jahre 1537, in welchem, wie schon Eingangs erwähnt, Kali Quartano in die Hände der Türken fiel, die Juden Corfus sich in den vordersten Reihen der Kämpfer befanden. Nachdem es damalige Gepflogenheit war. daß Mädchen und Frauen mit den streitbaren Männern in's Feld zogen, um die Schützen mit Munition zu versorgen und die Verwundeten aus den Bereich des Kampfes zu schaffen, so dürfte auch Kali Quartano bei Ausübung dieser Pflichten eine Beute der Türken geworden sein, unter deren Gefangenen, wie geschichtlich festgestellt ist, Juden und Jüdinnen in überwiegender Anzahl waren, da sie sich, wie immer, auch diesmal zu weit vorgewagt hatten. Ein vierter Beweis, und zwar der einleuchtendste unter allen, läßt sich sodann aus der Begünstigung deduciren, welche Kali Quartano, als sie nach mannigfachen Erlebnissen endlich die erste Gemahlin Sultan Selim's geworden war, fortan allen jüdischen Unterthanen ihres großen Reiches gewährte. Selim der Zweite bekümmerte sich bekanntermaßen nicht im geringsten um die Regierungsgeschäfte, sondern fand, die Satzungen des Korans verhöhnend, ausschließlich Gefallen an lärmenden Zechgelagen, die insgesammt damit endigten, daß er in Mitte seiner Veziere schwer betrunken sich auf dem Boden wälzte. Kali Quartano bemächtigte sich in Anbetracht dessen der Herrschaft und begab sich derselben nicht früher, als ihr berauschter Gemahl am 12. December 1574 seine weinselige Seele aushauchte. Ihr Dominium über das os manische Reich war ein überaus segenvolles, denn unter ihrem weisen und gerechte» Regime entstanden

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