Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 25 (26.6.1891)
- Date
- 1891-06-26
- Page
- Seite 464 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 464 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 25 Zuckerbäcker und Oberfeldherr der Egerer Antisemiten in Eger, jetzt Schriftleiter der „Unverfälschten Deutschen Worte", rc. in Wien, habe sein in Eger am Marktplatz befindliches Haus Nr. 20 verkauft. In dem oben angeführten Hanfe hat Herr Carl Jro volle 6 Jahre einen Juden wohnen, dem er den ersten Stock vermiethet hat. Herr Carl Jro wurde sehr häufig von seinen Gesinnungsgenossen wegen obiger Judenpartci interpellirt, wo er jedesmal mit der sehr gelungenen Ausrede herausplatzte, daß er contractlich gebunden sei. Da ich Anfangs an die Märe glaubte, so stellte ich den Miether zur Rede, ob es aus Wahrheit beruhe, daß ein Contract bestehe? Es wurde mir jedoch auf Ehrenwort versichert, daß weder er (der Jud) noch der antisemitische Hausherr je einen Contract gesehen oder ausgefertigt haben! Nur den Umstand mag Herr Carl Jro erwogen haben, daß der Jude mehr und sicherer zahle als wie all' seine Gesinnungsgenossen! Daher war der Antisemiten-Oberfeldmarschall von Eger sehr gut mit dem Sohne Sem's! Mrag Zu Decanen für das nächste Studienjahr wurden gewäh lt: An der deutschen Facultät die Herren: Prof. Dr. S p r i n z l (theologische Facultät), Prof. Dr. K r a s- » o p o l s k i (juridische Facultät), Prof. Dr. Arnold P i ck (medicinische Facultät) und Prof. Dr. Lenz (philosophische Facultät). An der c z e ch i s ch e n Universität die Herren : Pros. Dr. H l a v a (medicinische Facultät) und Pros. Dr. G o l ( (philosophische Facultät). Mrag. (Von der Au s ste l l u n g.) Anläßlich des Besuches, mit welchem Ihre kaiserlichen Hoheiten die böhmische Landesausstellung beehrten, haben Hochdieselben längere Zeit der Exposition von vegetabilischen Ölen und aller Kunstdüngersorten ler koliner Öl- und Kunstdüngerfabrik (Paul Fischer) gewidmet und sich sehr lobend über das Arrangement rc. ausgesprochen. Aerkn Behufs Berathung über Maßnahmen für ausgewanderte russische Juden trafen in Hamburg (wie der „Frkf.Ztg."telegraphirtwird)BaronAlphons Rothschild und Baron Hirsch ein. Speziell debattirt wurde über den Ort, nach dem der Auswaudererstrom zu leiten sei. Ein Beschluß wurde jedoch nicht gefaßt. Beide Herren reisten nach Berlin ab, behufs weiterer Berathung mit dem dortigen Central- Komite. Der Hamburger Polizeichef Dr. Luppenberg sagte dem Konnte die lebhafteste Unterstützung der Behörde zu. Wamberg, 12. Juni. Unser neuer Erzbischof, Dr. v. Schork, zu dessen Empfang auch eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde anwesend war. äußerte sich dieser gegenüber, daß er den Antisemitismus als in hohem Grade unchristlich verurtheile, in welcher Form er auch auftrete und welche Gründe auch für denselben vorgeschützt werden mögen; er werde diesem Treiben mit allen Mitteln entgegentreten. Aus Hppeln, 14. Juni wird berichtet: Ein hiesiger Christ, Herr W.a, der keineswegs zu den Reichsten gehört, hat zum Besten unserer aus dem barbarischen Rußland ausgewiesenen Glaubensgenossen 50 Mk. gespendet und schickt außerdem sein Gefährt, um die hier übernachtenden und zu verpflegenden Armen von der Bahn abzuholen. Es ist dringend zu empfehlen, daß, da unter den Ausgelviesenen bisweilen sich einige Christen befinden, auch diese an den Bahnhöfen mit Speise und Trank bewirthet werden. Hier geschieht es. Wir wollen es aus Humanität thun, die nicht an Wiedervergeltung denkt. München (Für die ans Rußland ausgewiesenen Israeliten,) deren Nothstand ein sehr großer ist, erlassen der erste Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr v. Müller und der Rabbiner Dr. Joseph P e r l e s einen Ausruf an die Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde mit der Bitte, sich an der eröffneten Sammlung zu betheiligen. Es heißt in diesem Aufruf u. A.: „Wer sich die so überaus traurige Lage der an den Rand der Verzweiflung gebrachten Flüchtlinge vergegenwärtigt, wird diesem Aufrufe die verdiente Beachtung schenken und, vom tiefsten Mitgefühl ergriffen, seine milde Hand öffnen." Gaben werden in der israelitischen Gemeindekanzlei und von den Unterzeichnern des Ausrufs entgegengenommen. Hdessa. (Die Judenverfolgungen in Rußland.) Dem „Pi-zeglond“ berichtet man aus Odessa, daß dort jetzt das türkische Consulat täglich ungefähr hundert nach Palästina auswandernden Juden Paßvisa ertheile. Alle vierzehn Tage verlassen fünf- bis sechshundert Juden mit dem Dampfer Rußland. Die Häuser sind im Werthe bedeutend gesunken. Aus ganz Bessarabien emigrieren sämmtliche wohlhabenderen Juden. Es bleiben nur arme Juden zurück, welche jetzt in eine noch größere Nothlage gerathen. London, 11. Juni. Marquis of Salisbury 'sandte an Baron Rothschild ein Schreiben in Beantwortung der an ihn gerichteten Petition, welche die Unterstützung der englischen Negierung erbat, um vom Sultan die Genehmigung zur Niederlassung von russischen Juden in Palästina zu erhalten. Salisbury erklärt in diesem Schreiben, er werde den englischen Botschafter in Constantinopel consultiren, ob die Intervention der englischen Regierung dazu beitragen würde, diesen Zweck zu erreichen; im bejahenden Falle werde der Botschafter dem Sultan diese Angelegenheit unterbreiten. 'Maris. In einer der jüngsten Sitzungen der Akademie wurde M. Thoodre R e i n a ch, der größere Theil des Prix Uoräiu (1500 Fres.) für seine Studie: „Mittiridates Eupator, König von Pontus" znerkannt. Desgleichen erhielt einen von 1000 Frcs. M. Läon See für seine Arbeit über die letzten Jansenisten. Maris. Mit Decret vom 30. Mai wurden M. Edouard Milland, Senator, M. Emile Worms, Professor der Rechte zu Rennes und M. Alfred N e y m a r k, Vicepräsident der statistischen Gesellschaft in Paris zu Mitgliedern dee! Catastralcommission ernannt^ welche erst jüngst im Finanzministerium eingesetzt wurde. Saris. Der Präsident der Republik hat laut Mittheilung des Amtsblattes die Ernennung des M. Jacques Dreyfuß, Oberrabbiner von Belgien, zum Grand-Rabbin von Paris bestätigt. — Mehrere hervorragende jüdische Familien in Paris wurden durch das plötzliche, in Madrid erfolgte Ableben von M. Alexander E l l i s s e n in Trauer versetzt. Der Verstorbene war Chef eines bedeutenden Bankhauses und Mitglied des Executivcomites der Soeiete 0-envral für Unterstützung von Handel und Gewerbe. Zwei Wochen vor seinem Tode wurde M. E l l i s s e n zum Generalconsul für das ottomauische Reich in Paris ernannt. M. Ellissen war Ritter der Ehrenlegion nnd hatte im russisch-türkischen Kriege mit Auszeichnung gedient. — Vergangene Woche fand in der Synagoge der Üuo <le la, Victoire unter der Leitung der „Soci6te le Souvenir Fran^ais“ ein Gottesdienst zur Erinnerung an die bei der Vertheidigung ihres Vaterlandes gesallenen Soldaten statt. Die Predigt wurde vom Grand-Rabbin gehalten. — M. Jules Simon veröffentlicht im „Fetit Marsellais“ eine brillante Vertheidigung der Juden gegen die antisemitischen Hetzer in Frankreich. Unter Berufung auf die hervorragenden Posten, welche Juden bereits im Staatsdienste einnehmen, prognosticirt M. Simon, daß man eines Tages auch einen Juden auf den Posten sehen wird, welcher heute von A. Car not eingenommen wird. Familikublakt. Wochen- Juni-Juli 1891 Siwan 5651 Kalender Freitag 26 20 Samstag Sonntag 27 28 21 22 ybsru Montag 29 23 Dienstag 30 24 Mittwoch 1 25 Donnerstag 2 26 Freitag 3 27