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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-26 · 25 (26.6.1891) · p. Seite 460

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
25 (26.6.1891)
Date
1891-06-26
Page
Seite 460 (sequence 10)
Language
German
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Seite 460 Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 25 einander; und sie stellen so eine echte Rembrandt'fche Mischung dar; was dennoch niedrig an ihnen bleibt, weiß er durch den Hauch seines Geistes zu adeln." Achtungsvoll vr. R. G. Wien. Der „Josefovsky Obcansky Klub" (Josefstädter Bürgerclub) in Prag hat eine Petition an das Abgeordnetenhaus (Nr. 63) eingebracht, in welcher er um die Errichtung eines böhmischen Rabbinerseminars in Prag ersucht. Als Gründe werden in der Petition angeführt, daß dermalen nur Zöglinge ungarischer und reichsdeutfcher Seminare als Rabbiner in Böhmen angestellt werden, welche der böhmischen Sprache nicht mächtig seien, daß dieser Übelstand um so empfindlicher sei, da nach Maßgabe des Ergebnisses der letzten Volkszählung die Majorität der Juden in Böhmen sich zur böhmischen Umgangssprache einbekannt hätte, und da die Zahl der Kinder, welche den Religionsunterricht in böhmischer Sprache zu erhalten wünschen, von Jahr zu Jahr zunehme. Nachdem das Abgeordnetenhaus in der 365. Sitzung der X. Session vom 14. Februar 1890 anläßlich der Berathung des Gesetzentwurfes wegen Regelung der äußeren Rechtsverhältniffe der israelit. Religionsgesellschaft eine Resolution beschlossen hat, dahin lautend: „Die k. k. Regierung wird aufgefordert, die Errichtung von Anftalien zur Heranbildung israelitischer Religionslehrer und Rabbiner zu fördern" — zu welcher die Regierung bisher noch nicht Stellung genommen hat. hat der Budgetausfchuß den Antrag gestellt: „Es werde diese Petition der k. k. Regierung zur Würdigung abgetreten". Wie«. (Ein antisemitischer Tramway Passagier). Ter Private Alexander Pagliarucci Ritter v. Kieselstein gericth am 31. Mai während einer Tramwayfahrt mit dem Conducteur Eduard Fries er in Streit wegen Nichtausfolgung von Kinderkarten. Herr v. Pagliarucci wurde sehr erregt und rief den Conducteur die Worte zu: „Sie sind ein frecher Jude und ein kecker Kerl. Den Juden ist es angeboren, frech und keck zu sein. Sie stehlen den Leuten das Geld aus der Tasche, ich aber werde für meine Kinder nicht mehr zahlen als sechs Kreuzer". Ter Conducteur verwies ihn auf den Tarif, der im Waggon angebracht ist. „Das ist ein Judeutarif", schrie v. Pagliarucci, „der geht mich nichts an". Dr. Leo Ehren theil erhob wegen dieser Aeußerungcn im Austrage der Tramway-Direction die Ehrenbeleidigungsklage gegen Ritter v. P a g l i a r u c c i bei dem Währinger Bezirksgerichte. Der Geklagte stellte alle Beschimpfungen in Abrede. Zeuge Anton Schwarz, Tramway-Kutscher, gab an, der Geklagte habe zum Conducteur auch noch gesagt: „Ich werde Ihnen schon zeigen, wie es ist, wenn man es mit einem Antisemiten zu thun hat". Der Richter Dr. von Heidt verurtheilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von hundert Gulden, eventuell zehn Tagen Arrests. Der Verurtheilte meldete die Berufung an. Wie«. Euer Wohlgeboren! Zur Richtigstellung des Artikels in Ihrem Blatte vom 19 d. M., der meine Person betrifft, erlcutbe mir Folgendes mitzutheilen. In Folge der großen Hitze wurde am Ende des Wagens ein Fenster geöffnet und der Herr, welcher im Jnnenraume an der Thüre stand, von meinem Sohne, der als Zweiter im Wagen saß, ersucht, hinauszutreten, er weigerte sich in heftiger Weise und erst, nachdem ihn der Conducteur aufforderte hinauszutreten, bequemte er sich dazu unter heftigem Remonstriren und sagte „dieser dalkerte Commis", daraufhin wurde er von meinem Sohne in scharfer Weise zurechtgewiesen. Nach einer Weile öffnete Einer der beiden Herren nochmals die Thüre und schrie einige Worte hinein. Auch auf dem Bahnhofe benahmen sich die beiden Herren so lärmend, daß der Wachmann sie zurechtweisen mußte und auch auf dem Perron ergingen sie sich noch in heftigen Auslassungen und Drohungen gegen meine Person, während ich mich ganz ruhig verhielt. Es ist, wie Euer Wohlgeboren einsehen werden, ganz ungerecht, mich als Antisemiten hinzustellen, weil ich einen Mann, der sich ungebührlich benommen und der ein Jude war, in gebührender Weise abfertigte. Ich erlaube mir noch mitzutheilen, daß ich seit mehreren Jahren Mitglied des philanthropischen Vereines bin und wie der beigeschlossene Brief zeigt, zu Ostern für einen armen Juden, der von der Gemeinde keine Unterstützung bekommt, einen größeren Betrag sammelte. Für alle diese meine Mittheilungen kann ich Ihnen Zeugen stellen. Franz Bollarth. Feiest, 15. Juni. Ihr geschätztes Blatt ist vor einiger Zeit für die gewiß nur allzu gerechte Sache eingetreten, daß man sich für die Folge, angesichts der Verfolgungen und Schandthaten, die man in jüngster Zeit an unseren unglücklichen Glaubensgenossen in Griechenland verübt, vor dem Einkäufe, beziehungsweise Gebrauche aller Esrogim, die von griechischer Provenienz stammen, gänzlich enthalten und ein großer Theil der Judenschaft des In- und Auslandes hat diese Idee auch richtig erfaßt. Leider sind nicht alle interessirten Kreise und Händler dafür eingenommen, besonders aber hiesige Zwischenhändler und Sensale setzen eine rührige Agitation in Bewegung, damit es beim Alten bleibe und die griechischen Esrogim doch zur Verwendung kommen, wenn auch jüdisches Blut daran klebt, was ist dies weiters, die Hauptsache bleibt ja doch nur das — Geschäft! Allerdings haben letztere Herren ein gutes Ausfluchtsmittel erdacht, sie sagen: Esrogim, die direct von Korfu kommen, wollen wir selbst nicht kaufen, doch gibt es andere Orte in Griechenland und Albanien, die Esrogim-Gärten haben, so z. B. Janina, dasselbe hat an den Judenverfolgungen nicht Theil genommen, also Esrogim aus Janina können wir kaufen. Es erinnert dies lebhaft an jenen schlauen Wirth, der seinen Gästen heilig versprach, kein Wasser mehr in den Wein zu schütten und er hielt Wort, denn er goß fortan nur Wein in's. Wasser. Esrogim aus Korfu werden nicht gekauft, die schlauen Griechen werden daher alle Esrogim von Korfu nach dem nahen Janina bringen und von dort aus erst die Expedition nach Triest machen. Es seien daher alle Gemeinden, Rabbiner und Esrogimhändler gewarnt, ein Jeder sorge und trete bei seinen Glaubensgenossen dafür ein, daß keine anderen Esrogim verwendet werden, wie nur jene aus Palästina. L. M. Wo« der Kamm. Geehter Herr Redakteur! Es dürfte einem großen Theil der Leser Ihres vielgelesenen Blattes nicht unbekannt sein, daß das Wort Hanna einen Fluß bezeichnet, von dem die getreidereichste Gegend in Mähren ihren Namen trägt, nämlich, die Hanna oder Hannakei. Die Ueberproduction an Getreide ist derartig groß, daß der Export derselben viele Getreidehändler aus nahe und ferne herbeilockt, um hier Geschäfte zu machen. Die Hanna ist auch der Centralpunkt, wo sich von jeher die meisten Israeliten ansiedelten, und die größten Gemeinden, wie Leipnik, Holleschau, Kremsier, Weißkirchen u. a. bildeten. Auch ich bin ein Getreidehändler und besuche als solcher all-

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