Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 25 (26.6.1891)
- Date
- 1891-06-26
- Page
- Seite 459 (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 25 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 459 Börse und das Bankwesen; Gouverneur, Vicegouverneur, 10 Generalräthe, 6 Directoren sind Christen, zum Theil Männer von Adel. Die Firmenzeichner der Geschäftsleitung sind Christen, nur drei Inden sitzen in der Direction. Der fürstliche Redner wird vielleicht meinen, daß diese Juden colossalen Einfluß haben in der Bankverwaltung. Ich kann ihn beruhigen, bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank wird kein Beamter angestellt, der nicht ein Tauf Zeugnis vorlegt. Da sehen Sie, meine Herren, den großen Einfluß dieser Juden bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank. Im Wiener Bankverein sitzen Graf Oswald Thun als Präsident, Adols Ritter v. Schenk, Rudolf Graf A m a d e i, Dr. G. S i e m e n s, Dr. Kilian Steiner, Freiherr v. L i e b i e g, Ritter v. R a c c o v i z z a als Administrationsräthe, Dr. Joses Jolly als Director. Neben diesen auch zwei Juden. Drei christliche Advocaten sind als Censoren angestellt. Prinz L i e ch t e n st e i n legt aber auf das Amt der Censoren, weil diese den Credit bestimmen, großes Gewicht. In der Bodencreditanstalt sitzen: Excellenz Baron Bezeeny als Präsident — ich glaube er ist kein Jude — dann die Barone Eiselsberg, Hopfen, Heimberger, Baron Friedrich Mayr, Excellenz Baron Pusswald, Freiherr v. Weber, Gras Bombelles, Paul Pacher v. Theinburg als Berwaltungsräthe. Als Censoren fungiren zwei christliche Advokaten und ein Jude. In der Centralbodencreditanstalt sungirt als Präsident Fürst Thurn und Taxis, als Vicepräsident Reichsgraf Montecueeoli, im Verwaltungsrathe sitzen ein Fürst, zwei Grasen, zwei Ritter und ein Jude.. Im Verwaltungsrathe der Creditanstalt sitzen dreizehn Christen, meist von Adel, und drei Juden. In der Allgemeinen Depositenbank sitzen als Präsident Graf Kinsky, im Verwaltungsrathe vier Christen und e i n Jude. In der Escomptegesellschast sitzen drei Christen, im Verwaltungsrathe acht Christen und ein Jude. In der Hypothekenbank sind Präsident und Directoren lauter Christen. In der Wiener Escomptebank sind Präsident, Verwaltungsräthe und Directoren lauter Christen. Ähnlich ist das Verhältnis in der Unionbank. Präsident ist hier Graf Dubsky. Angesichts solcher Verhältnisse behauptet Fürst Liechtenstein, „es gibt keinen nennenswerthen christlichen Einfluß mehr in den Banken." Sehen Sie sich, meine Herren, die Verwaltung der industriellen Unternehmungen an, der Eisenbahnen, der Versicherungsgesellschaften, so finden sie überall die gleichen Ergebnisse. Es sitzen da hochadelige Herren, mit Namen wie Rohan, Lobkowitz; Juden sind hier in verschwindender Minorität. Ich mache den Herren daraus gewiß keinen Vorwurf, das ist jedenfalls ein patriotischeres und löblicheres Wirken, an der Spitze gesellschaftlicher Unternehmungen gemeinnützig thätig zu sein, als zum Beispiel eine gewerbsmäßige Volksverhetzung mit jener vordringlichen Frömmigkeit, die immer blos die Sünden anderer beichtet. Die exacten Wissenschaften, zu denen auch die Statistik zählt, haben unserem Zeitalter Ruhm und Glan; verliehen; Prinz Liechtenstein hat uns zurückgerusen: „Wenn Sie also den Antisemitismus für eine Schmach der Zeit erklären, so können Sie ebensogut behaupten, die Statistik sei ein Schandfleck unseres Jahrhunderts." Ich antworte: Jawohl, die antisemitische Statistik, die Statistik, welche die Wahrheit entstellt und verzerrt, um den Jnftincten der Masse zu schmeicheln und die Begehrlichkeiten zu erregen, diese Asterstatistik — er hat es selbst gesagt und ich konnte es blos mit seinen Worten bezeichnen, — sie gereicht weder unserer Zeit, noch sonst jemand zur Ehre. EorrkspondknM. Wien. Die öffentliche Brandmarknng des Herrn Ern st Schneider im österreichischen Parlament, der peinliche Eindruck, den jene denkwürdige Scene allwärts hinterlassen, hat nun seine ersten Früchte gezeitigt. Der „Gewerbegenossenschaftstag", dessen eigentlicher Spiritus reetor der genannte Herr Schneider seit Jahren war und den er zur Verhetzung der Gewerbetreibenden mißbrauchte, verstel der behördlichen Auflösung. Diese Körperschaft war die Hochburg des Herrn Ernst Schneider, der Mittelvunkt der Wiener antisemitischen Agitation, der Generalftab im Kampfe des Racenhasses. Von hier aus wurde der Klein-Gewerbestand vergiftet und in den Dienst der Reaction hineingehetzt. Endlich sind den maßgebenden Behörden über den Charakter und die Ziele des Herrn Ernst Schneider und seines Gewerbegenossenschaststages die Augen geöffnet worden. Nunmehr hat er zu existiren ausgehört. Wien. Herr Redacteur! Das „Deutsche Volksblatt" veröffentlichte am Sonntag einen Aussatz, der die Stellung des Fürsten Bismarck zu der sogenannten Judensrage behandelt. Der Schreiber dieses Artikels wollte offenbar seinen Lesern, wenn auch nicht durch seinen Styl und seine Ausdrucksweise, so doch wenigstens dadurch imponiren, daß er sich einen gewissen Anstrich von Belesenheit und Bildung gab. Aber es ist nicht gut, wenn der Mensch sich überheben will. In jenem Artikel kommt der Verfasser auch auf das Buch: „Rembrandt als Erzieher" zu sprechen; er nennt es ausdrücklich ein „vortreffliches Buch". Ob er das Buch auch mit diesem Lob bedacht hätte, wenn er von demselben eine nähere Kenntnis gehabt, als man in der Betrachtung eines Buches in der Auslage einer Buchhandlung gewinnen kann, möge die folgende Stelle aus dem Buche: „Rembrandt als Erzieher", Seite 41, entscheiden. Ja, Schopenhauer hat Recht — man kann mit einem Buch, auch ohne es zu lesen, allerlei ansangen, besonders aber recensiren. Wir citiren hier wörtlich diejenige Stelle ans dem Buche: „Rembrandt als Erzieher", die sich aus die Juden bezieht: „Eigenthümlich genug zeigt sich endlich die Vornehmheit Rembrandt's in — seiner Vorliebe für die Juden; hier begegnen sich seine locale und seine vornehme Gesinnung, sein Blick in die Nähe und sein Blick in die Höhe. Er hatte diese Menschengattung täglich vor Augen; denn er wohnte in der Judenbretstraße zu Amsterdam; die Keime solcher künstlerischer und geistiger Besonderheiten liegen oft näher zur Hand, als man meint. „Nah' ist und schwer zu fassen der Gott", sagt Hölderlin. Ein echter und altgläubiger Jude hat unverkennbar etwas Vornehmes an sich; er! gehört jener uralten sittlichen und geistigen Aristokrarie an, ' von der so viele moderne Juden abgewichen sind; in dieser | Hinsicht fühlte Lord Beaconsfield halbwegs richtig, als er! sie für den ältesten Adel der Welt erklärte. Pracht und j Elend, Licht und Schatten liegen in den Inden dicht bei-