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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-26 · 25 (26.6.1891) · p. Seite 458

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
25 (26.6.1891)
Date
1891-06-26
Page
Seite 458 (sequence 8)
Language
German
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Seite 458 Hesterreichifche Mochmfchrist Nr. 25 Die grimme Wuth also, mit welcher die Essener in diesem entsetzenerregenden Kriege von den Römern verfolgt wurden, zeigt klar, welch regen Antheil unser Orden an diesem in der Geschichte vereinzelt dastehenden Ausstand genommen. Nun möchten wir fragen: wie kam es, daß die Essener, welche als „Diener des Friedens" gerühmt werden, welche unaufhörlich Menschenliebe und Frieden predigten, welche kein wie immer geartetes Kriegswerkzeug verfertigen durften, welche endlich von allen jemals in Judäa geführten Kriegen unangefochten blieben — wie kam es, daß diese selben Essener mit Eins ihrer herrlichen, menschenverbrüdernden Lehren vergessen und sich kopfüber in einen höchst grausamen, männerzerfleischenden Kampf stürzen? Ist dies nicht ein krasser, der Erklärung gar sehr bedürftiger Widerspruch? Gewiß; allein dieser Widerspruch löst sich, sobald wir ein wenig nach der Ursache dieses mit elementarer Gewalt ausbrechenden Aufstandes forschen. Da zeigt sich denn, daß der Vernichtungskampf gegen Rom vorzugsweise deswegen begonnen wurde, weil man mit aller Zuversicht auf das Eingreifen der Gottheit rechnete, weil, selbst die Schriftgelehrten, gestützt auf alte Orakel, die Überzeugung hegten, daß die Zeit endlich herangerückt sei, in welcher der verheißene Messias in Judäa erscheinen werde. So berichten übereinstimmend Josephus, Tacitus und Suetonius. Schon seit geraumer Zeit waren die Messiaserwartungen im Volke lebendig, schon während des zweiten Triumvirats, zur Zeit des Antonius und der Cleopatra, als die Verhältnisse in Judäa trostlos sich gestalteten, orakelte die jüdische Sibylle: „Wenn aber Rom dereinst auch herrschet über Egypten, Und es zusammen regiert, dann wird das größte der Reiche Des unsterblichen Königs unter den Menschen erscheinen. Und es kommt ein heiliger Herr, der die Länder der Erde Alle beherrscht, alle Zeiten hindurch." Und in einer noch früheren Zeit singt sie: „Und von der Sonne herab wird Gott einen König dann senden, Welcher den schrecklichen Krieg auf der sämmtlichen Erde beschwichtigt, Welcher den Einen vertilgt, treu erfüllend die Eide demAndern- Aber nach eigenem Rach wird er nicht das Alles vollbringen. Sondern dem hohen Befehl des großen Gottes gehorsam." War aber der Krieg gegen das übermüthige Rom ein heiliger, begonnen in der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß der seither erwartete-Messias eingreifen, das sündhafte, weltunterjochende Rom zertrümmern und die Menschheit erlösen werde, dann begreifen wir, warum sich an demselben auch die den Krieg sonst verabscheuenden Essener betheiligten. Sie sahen im Geiste das Weltgericht herrannahen, das Himmelreich demselben folgen, alle ihre Ideale der Verwirklichung entgegengehen, und stürzten sich zum ersten und — letzten Male in einen Kampf, der auch ihnen als heilig galt, da er ja die letzten Hindernisse, die dem Gottesreiche noch entgegenstanden, aus dem Wege räumen sollte. Doch ach, der Messias erschien nicht und trotz des ungeahnten Heldenmuthes, trotz der Wunder von Tapferkeit, welche das verzweifelte Judäa an den Tag legte, blieben in der Catastrophe vom Jahre 70 n. Chr. die Römer Sieger. Und was war das kleine, etwa 4000 Mann starke Häuflein der Essener, das noch überdies von den Siegern auf das Blutigste verfolgt wurde, gegenüber der Million Juden, die in diesem schauerlichen Aufstande gefallen waren! Kurz, der Orden war nach dieser Catastrophe nicht mehr. Allein der Essenismus konnte mit den Essenern nicht besiegt werden. Er drang läuternd und befruchtend in die Poren des Pharisäismus, er durchtränkte das Urchristenthum: das Taufbad, das gemeinsame Mahl, die Gütergemeinschaft, die allsabbathlichen Zusammenkünfte der Apostel und .viele andere Dinge zeugen zu deutlich von dem großen Einfluß, welchen der Essenismus auf die Bildung des Christenthums ausgeübt. _ Abgeordneter Dr. Bloch gegen Prinz Liechtenstein. (Aus dem stenographischen Protokolle des Abgeordnetenhauses vom 22. Juni 1891.) Abgeordneter Dr. Bloch: Aus der langen Reihe bedeutsamer politischer Enunciationen, welche die Budgetdebatte gebracht hat und die für lange hinaus unser politisches Leben beeinflussen werden, hebt sich heraus die eigenartige Rede des Prinzen Liechtenstein, die wohl weniger intendirt hat, zur Klärung der politischen Situation beizutragen als etwas Pikantes, Frappirendes zu bieten, die sich auszeichnet durch eine Reihe pikanter, neuartiger nationalöconomischer Lehren und pikanter neu enthüllter Thatsachen, deren einer gegenüber ich verpflichtet bin, eine thatsächliche Berichtigung entgegenzustellen, umsomehr als ich bedauere, daß keiner der hochgeehrten Vorredner sich verpflichtet gefühlt hat, gegen die Wahrheitsentstellung Protest einzulegen. Se. Durchlaucht Prinz Liechtenstein begründet die Nothwendigkeit seines antisemitischen Programmes und seiner antisemitischen Partei durch ein frappirendes „statistisches Ergebniß". Er sagt (liest): „Es gibt keinen christlichen Banquier mehr in Wien (Abgeordneter Schneider: Leider!), es gibt keinen nennenswerthen christlichen Einfluß an der Börse oder in den Banken, im Creditwesen oder im großen Handelsverkehr; es gibt auch keinen christlichen Einfluß im Confectionärwesen, im Händlerthum und im Großbetriebe des Handwerkes und sehr bald, wenn die Dinge so weiter gehen, werden die allerwichtigsten und einträglichsten Geschäftszweige von den letzten christlichen Firmen gesäubert sein. Das ist einfach ein ziffermäßiges Ergebniß, gegen welches .humanitäre Declamattonen nichts ausrichten." Auf Grund dieses sogenannten „ziffermäßigen Ergebnisses" baute der fürstliche Redner sein antisemitisches Gebäude auf, und dieser einzige Stützpfeiler scheint ihm so gewichtig, daß er sich zu dem Dictum verflieg (liest) : „Wenn Sie also den Antisemitismus für eine Schmach der Zeit erklären, könnten Sie ebenso gut behaupten, die Statistik sei ein Schandfleck unseres Jahrhunderts." Zu einem solchen Ergebnisse, meine Herren, kann nur der gelangen, dem jüdische Firmen, wie Rot h b erg er und Ludwig Zwieback und Bruder stets ärgerlich auffallen und in der schmerzlichen Erinnerung haften bleiben, der aber an christlichen Firmen, wie Thonet, Haas, Wahliß u. s. w. achtlos vorübergeht. Von den jüdischen Bankfirmen spielt nur das Haus T h o r s ch eine Rolle. Die Bankhäuser Dutsch ka, H u tt e rstrasiser, Scharmitzer kennt der fürstliche Statistiker nicht. An der Spitze der Börse stehen als Präsident und Vicepräsident Christen, gewiß achtbare Männer. An den Sünden der Börse haben, somit Christen und Juden gleichmäßigen Antheil. Wenn er aber behauptet, es gebe keinen „nennenswerthen christlichen Einfluß an der Börse und in den Banken," so hätte der fürstliche Redner, bevor er dieses vergiftende Schlagwort in die Massen wirft, wenigstens ein amtliches Verzeichniß der Wiener Bank- und Creditinstitute befragen sollen, wie es sich damit verhält. Die Oesterreichisch-ungarische Bank besitzt gewiß „einen nennenswerthen Einfluß" auf die

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