Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 24 (19.6.1891)
- Date
- 1891-06-19
- Page
- Seite 445 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020872--00474-3024464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 24 ^österreichische Wochenschrift Seite 445 unserer Stadt, in der stets Humanität und Toleranz gewaltet, wird die Sammlung sicherlich reichen Erfolg haben. München. (Unterstützung der aus gewiesenen russischen Juden.) In zahlreichen Städten Bayerns haben sich Comitss gebildet zur Unterstützung der aus Rußland ausgewiesenen Juden. Waden, 5. Juni. Se. königl. Hoheit der Großherzog hat den Oberamtsrichter Dr. Sally Maas in Mannheim zum Landesgerichtsrath in Mannheim und den Dr. Ludwig Mai, Sohn des Lehrers Mai in Ludwigshasen, zum Notar in Furtwaugen ernannt. Iranüfnrt a. M, 6. Juni. Ein hiesiger ch r i stlicher Rentier hat zur Unterstützung armer russischer jüdischer Auswanderer die Summe von 5000 Mark gespendet. ZZnbkin. Nach der jüngsten Volkszählung hat Irland 1798 Juden, also ein Zuwachs von 280,9 Procent in den letzten 10 Jahren. Wordhansen. 3. Juni. Der hiesige Bankier Samuel Frenkel und Frau, geborene Plaut, welche heute das Fest ihrer goldenen Hochzeit feierten, schenkten ans diesem Anlasse der I. Plaut-Stiftung ein Capital von 20,000 Mark, der Freimaurerloge „Zur gekrönten Unschuld" 1000 Mark, dem Armenvcrein 500 Mark u. s. w. Die Plaut-Stiftung ist im Jahre 1879 von dem früheren Bankier Jakob Plaut zu Berlin zum Gedächtniß an seine Eltern, sowie in Veranlassung des kaiserlichen goldenen Ehejubelfestes vom 11. Juni desselben Jahres mit einem Capital von 300,000 Mark in's Leben gerufen. In dem Stiftsgrundstücke, zu dem Herr- Samuel Frenkel damals den Grund und Boden schenkte, sind 58 Personen ohne Unterschied des Glaubens untergebracht. London. Die Regierung hat eine Vorlage über unentgeltlichen Unterricht (Free Education Bill) eingebracht, welche den jüdischen Elementarschulen bedeutende Vortheile bringen wird. Die große jüdische Freischnle in Bell Laue Spitalsfield, wird in Zukunft vollständig frei sein, nicht blos dem Namen nach, sondern auch de facto. Die Bill wird die Schule insoferne berühren, als kein Schüler unter fünf fahren ausgenommen werden und keiner über vierzehn Jahren behalten wird. Das Schulgeld von einem Penny per Woche wird bisher nicht von allen Eltern bezahlt und selbst von diesen begehren viele einen Nachlaß unter Berufung auf größere Auslagen, welche der hebräische Ergänzungsunterricht in einem Cheder (nach den Schulstunden) verursacht. Gegenwärtig belaufen sich die Schulgelder auf circa 350 Pfund jährlich. Diese werden nunmehr ganz abgeschafft und werden durch einen Staatsbeitrag von jährlich zehn Schilling für den Schüler ersetzt werden. Der finanzielle Effelt wird, soweit es sich um die jüdische Freischule handelt, der sein, daß fast die Halste des jährlichen Desicits per 3000 Pfund gedeckt werden wird. Auch für die Westminster Jew's Free School wird sich ein sehr günstiges Resultat ergeben. Vor einigen Jahren hatten die Leiter dieser Schule große finanzielle Schwierigkeiten zu überwinden und vergangenes Jahr hat der Präsident Mr. Louis Davidson in einem Schreiben dargelegt, daß das Comite vor der Alternative stehe, entweder größere pecuniäre Unterstützung zu erlangen oder die Schule schließen zu müssen, nunmehr wird diese Anstalt ihre Auslagen mit dem ihr aus öffentlichen Mitteln zufließenden Beitrag bestreiten können. London, 4. Juni. Nachdem die Wahl des Herrn Rabbiners Dr. Hermann Adler zum Chiefrabbi von England vollzogen wurde, wird die Amtseinführung am Dienstag, den 23. d. M. in der großen Synagoge stattfinden. Ein vollständiges Orchester nebst Chor unter Leitung des Herrn Henry de Solla wird bei der gottesdienstlichen Feier Mitwirken. Der Lordmayor hat Herrn Dr. Adler seine Absicht mitgetheilt, nebst Gemahlin bei der Feier gegenwärtig sein zu wollen. Die jüngste Meldung über die andauernde Masfenauswanderung der Juden aus Odessa können wir heute dahin ergänzen, daß beinahe die gesammten jüdischen Bewohner Elisabethgrads nach Palästina und Amerika auswandern wollen. Sie verkaufen ihre Besitzungen bis 10pCt. unter ihrem Werthe. Nach der Auswanderung wird Elisabethgrad nur noch Garnisonsstadt sein. Auch aus anderen Gegenden liegen Berichte von Judenauswanderungen vor, die vornehmlich durch die Excesse fanatischer Bauern verursacht wurden, welche glaubten, dem Czar einen Dienst zu leisten, wenn sie durch Angriffe die Juden zur Auswanderung nöthigten. — In Odessa erließ der Gouverneur einen Befehl, demzufolge Juden nicht länger als vereidigte Börsenmakler in Odessa zugelassen werden sollen. Vorerst bezieht sich jedoch diese Maßregel nicht auf die jetzigen jüdischen Mitglieder des Börsenvereins, welche zwei Drittel desselben ausmachen. Men-Seetand. Ein Correspondent sendet uns folgende interessante Daten über die Juden in verschiedenen Gegenden dieser englischen Besitzung: In Dunedin wurde Mr. L. Mendlesohn von der Regierung zum Friedensrichter ernannt. In derselben Stadt hat Miß Kate Moß, eine Tochter des Mr. Moß Moß von Dunedin, die Prüfungen für das Baccalaureat der freien Künste sehr ehrenvoll bestanden und gedenkt jetzt das Baccalaureat der Rechte zu erlangen. Sie ist die erste Dame in der Colonie, die eine solche Auszeichnung erwirbt. Dr. E. B. Barnett, ebenfalls ein Glaubensgenosse, der eine große Praxis in Dunedin ausübt, wurde Mitglied der Prüfungscommission für Zahnheilkuude an der Neu- Seeländer Universität. — Mr. L. Cohen, Staatsanwalt in Christchurch, gelangte durch Wahl in den Verwaltungsrath des Canterbury-College, und der Rev. A. Chodowsky, Seelsorger der israelitischen Gemeinde, wurde zum Bicepräsidenren des Thierschutz-Vereins ernannt. Ismilikublskt. Wochen- Juni 1891 Siwan 5651 Kokender Freitag 19 13 Samstag 20 14 Sonntag 21 15 Montag 22 16 Dienstag 23 17 Mittwoch 24 18 Donnerstag 25 19 Freitag 26 20 Vater und Lohn. Ein Culturkampf aus halbvergangener Zeit. Wie gewöhnlich saß der Rabbiner zu G ... über einen Folianten aber er „lernte" jetzt nicht. Schwere Amtssorgen beschäftigten seine Gedanken. Glaubenslosigkeit und Reformsucht griffen in seiner Gemeinde um sich. Seine Autorität hatte abgenommen, er konnte nichts mehr durchsetzen, nichts mehr verhindern, und sah im Geiste schon einen Prediger an seiner Stelle. Da trat mit dem üblichen Gruße der Vorsteher zur Thüre herein Den Gruß erwiedernd, lehnte sich der Rabbiner in seinen Stuhl zurück und sah den Eintretenden ernst und durchdringend an, und indem er auf einen Stuhl deutete, auf dem sich der Gast auch ohne viel Complimente niederließ, sagte er nicht ohne Spott: „Was verschafft mir die Ehre Ihres so seltenen Besuches?" „Ich bin kein Talmudist. daß Sie sich mit mir unterhalten könnten; ich würde Sie nur langweilen, wenn ich Sie besuche."