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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-19 · 24 (19.6.1891) · p. Seite 444

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
24 (19.6.1891)
Date
1891-06-19
Page
Seite 444 (sequence 14)
Language
German
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Seite 444 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 24 „natürlichen Tod" umänderten. Derlei Ableugnnngen sind bei uns Regel und es ist gar nicht so sehr lange her, daß ein polizeilicher Todtschlag in Botoschani ähnlich abgeleugnet wurde von den Localörzten, so daß ein Arzt aus Jassy gebracht wurde. Warum die Thatsachen in Abrede gestellt werden, ist mir eigentlich unverständlich, denn nach einem solchen Todtschlag kräht bei uns ohnehin kein Hahn, auch wenn das Richtige constatirt und öffentlich amtlich bekanntgegeben wird, wie z. B. in Botoschani gezwungenerweise. Eine weitere Folge wird dem Vorkommniß nicht gegeben. Wenigstens kann ich mich nicht erinnern, daß amtlicher Todtschlag, begangen an einen Israeliten, bei uns jemals bestraft worden wäre; und der Private kommt auch blos mit einer geringen Sträse davon, wie z. B. der Fall von M a c i n, wo der Christ, welcher einen Schochet beim Baden in der Donau durch Untertauchen und Festhalten unter Wasser ertränkte, nur sechs Monate Gefangniß erhielt. Daß die Aerze und sogar zugezogene israelitische, ihre Tiagnosticirungen und Befunde nach dem Willen der Behörden angeben oder abändern, hat seinen Grund einerseits im alten, in Rumänien wie das türkische „Bakschisch" (Trinkgeld) nicht aussterbenden „Hatar" (Gefälligkeit) beliebig in welcher Sache, sowie andererseits in den Einschüchterungen nnd Drohungen seitens der betheiligten Amtspersonen mit Verfolgungen und Chikanen aller Art. Bei den rumänischen Zeitungen aber geht der Nationaldünkel und die Fiction der „Civilisirtheit" aller Moralität und Rechtlichkeit vor. Erstes Merkmal der Bildung ist das Rechtsbewußtsein, dieses aber fehlt in Rumänien gründlich. ArtKarefl. Prediger Dr. Ga st er erhielt folgendes für ihn höchst schmeichelhafte, in deutscher Sprache abgefaßte Schreiben der Cabinetskanzlei des Königs von Rumänien: Casa M. S. Regelni. Bukarest, den 18/30. Mai 1891. Ew. Hochwohlgeboren habe ich die Ehre mitzutheilen, daß Se. Majestät der König, mein allergnädigster Herr, die von Ihnen dargebrachten Glückwünsche zum 25jährigen Jubiläum huldvollst entgegengenommen und mich zu beauftragen geruhten, Ihnen für Ihr in so herzlichen Worten abgefaßtes Schreiben bestens zu danken. Mit großer Befriedigung haben Se. Majestät Ihre Ldreatouratie rovaana, ein neuer Beitrag Ihres talentvollen Wirkens, in Empfang genommen und lassen Ihnen für diese ausgezeichnete literarische Arbeit, welche sowohl Rumänien als dem Verfasser zur Ehre gereicht, aufrichtigst gratuliren. Daß Ihr Werk sich allerhöchster Gunst erfreut, haben Ew. Hochwohlgeboren schon daraus erkennen mögen, daß Se. Majestät die Widmung desselben zu genehmigen beliebten. Indem ich Ew. Hochwohlgeboren nochmals der besonders wohlwollenden Gesinnungen Se. Majestät versichere, unterzeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Basset. Wkt-mischtkv. Wie«. Zur Frage der russischen Judenverfolgungen und der durch dieselben geschaffenen Verlegenheiten liegen hente folgende Nachrichten vor: Reuter's „Spezial-Service" berichtet aus Moskau, ein hochgestellter Fremder habe während der Anwesenheit des Czaren dem Letzteren gegenüber das Thema der Judenverfolgungen berührt; der Czar habe darauf erwidert, er sei entschloffen, die Politik, die er zur Lösung der Judenfrage begonnen, resolut bis an's Ende durchzuführen; es seien die Juden selbst, die durch ihre Aufführung ihn zu dieser Politik gezwungen haben. Bis zum heutigen Tage, bemerkte der Czar, habe es keinen nihilistischen Anschlag gegeben, an welchem nicht Juden betheiligt waren; sie, die Juden, seien am eifrigsten thätig in der Propagirung subversiver Bewegungen. Wie«. (Zn den Judenverfolgungen inRußland) wird der „Times" aus Wien berichtet: Laut hieher gelangten Privatnachrichten gedenkt eine Menge reicher jüdischer Bankiers und Kaufiente, gegen welche keine Ausweisungsbefehle erlassen worden sind, Rußland freiwillig zu verlassen; so unter Anderen der Eisenbahnkönig Poliak o w, der nach Paris übersiedeln will, und der Zuckerfabrikant B r o d z k i, dessen Vermögen auf zehn Millionen Rubel geschätzt wird. k. Krag, 14. Juni. Bei der heute hier stattgefundenen Generalversammlung der Seniore der Prager israelitischen Beerdigungs-Brüderschaft wurden wiedergewählt: die bisherigen Vorsteher Herren David Lieben, Herm. I n w a l d Michael Wiener, Leopold Schnürdreher und Jacob W. P a s ch e l e s; neugewählt wurden: Herren David G l a u b e r und Hirsch S ch ü tz. Der Vorstand in seiner Gesammtheit bietet die Gewähr, daß dieser echt jüdische, mehr als 300 Jahre bestehende Verein m npnp man in dessen Tendenzen, welche einzig und allein in Ausübung jeder Art werkthätiger Nächstenliebe bestehen, im Sinne des erhabenen Stifters R. Jehuda Löwe erhalten bleibt und nicht jener modernen Reformsucht, die nichts Besseres bietet, wohl aber den altehrwürdigen Bau in den Grundfesten erschüttern möchte, zum Opfer falle. Witbapefl. An der hiesigen Universität sollten mehrere Candidaten von verschiedenen Facultäten promovirt werden. Die Leitung des Promotionsactes fiel dem Decan der theologischen Facultät zn. Unter den Candidaten befand sich auch der Rabbiner von Szolnok, E. Friedlieber. Als man zur Leistung des Gelöbnisses gelangte, wobei die Candidaten die Hand auf das mit einem Crucifix geschmückte Universitäts-Scepter zu legen haben, erklärte Friedlieber, daß er auf diese Weise das Gelöbniß nicht leisten könne; er habe gegen die Formel nichts einzuwenden, wolle dieselbe auch nachsprechen, nnd, als stünde er vor Gericht, die Hand aufs Herz legen. Der Decan erklärte jedoch, daß eine solche Ablegung des Gelöbnisses den Gesetzen der Universität widerspreche, der Candidat könne daher nicht promovirt werden. Auch der Rector verweigerte demselben die Ausfolgung des Doctordiploms. Friedlieber berief sich auf mehrere Präcedenzfälle aus dem vorigen Jahrhundert, welche in der Geschichte der Universität von Pauler angeführt werden. Er will sich morgen zum Unterrichtsminister begeben, um den Fall vorzutragen. Aerti«, 1. Juni. Herr Sanitätsrath Dr. Jaques M e y e r ist mit dem Kronenorden vierter Classe ausgezeichnet worden. Werk«) 10. Juni. Die „Kreuzzeitung" trauert über die Toleranz, der höllischen Professoren und der preußischen Regierung. Die Universität Halle hat im vorigen Jahre einen Juden, in diesem einen Katholiken zum Rector gewählt, obwohl ihr Lehrkörper fast ganz evangelisch ist und ihr Statut nur evangelische Lehrer zulaffen will. Freilich, wenn eine Stadt wie Berlin sich bei seinem Ober-Bürgermeister und Stadtverordnetenvorsteher über konfessionelle Bedenken hinwegsetze, dann dürfe man sich nicht wundern, wenn auch die, Lehrkörper der Universitäten für dieselben kein Verständniß zeigen. — Es ist allerdings traurig, daß das Verständnis für den Confeffionalismus immer mehr weicht und für die Humanität — trotz der noch fortblühenden Juden- und der vom „Evangelischen Bund" betriebenen Katholikenhetze — immer mehr zunimmt. Wir haben für den Schmerz der „Kreuzztg." volles Mitgefühl, fürchten aber, daß sie noch Schlimmeres erleben wird. Ia«zig, 5. Juni. Hierselbst hat sich ein Comite zur Unterstützung der verfolgten russischen Juden gebildet. Zu demselben gehören außer dem Vorsitzenden der Gemeinde, dem Gemeinderabbiner und anderen einflußreichen Glaubeysgenossen, auch hervorragende christliche Mitbürger; genannt sei Herr Er st er Bürgermeister Dr. Baumbach, Mitglied des Präsidiums des deutschen Reichstages. In

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