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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-19 · 24 (19.6.1891) · p. Seite 442

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
24 (19.6.1891)
Date
1891-06-19
Page
Seite 442 (sequence 12)
Language
German
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Seite 442 Oekerreichifche Wochenschrift Nr. 24 das einladende Comit6 einige Schuld beimessen, denn die Zusammensetzung der Versammlung ist sein Werk gewesen, und die Principien dieser Zusammensetzung dürsten — sowohl was die Geladenen, als was die Nichtgeladenen betrifft — Manchem unklar geblieben sein. Den Berathungen folgte Abends ein Festmahl, mit welchem Herr Generalconsul Landau die Delegirten bewirthete. Werk«, 9. Juni. Herr Moritz Simon, Consul der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Hannover, publicirt in der „Jüd. Presse" nachstehendes Schreiben, welches ihm von Sir Edward Hornby zuging, der lange Jahre im Orient gelebt und hohe richterliche Stellungen im Dienste der englischen Regierung bekleidet hat: „Wie ich höre, ist eine Bewegung im Gange, um eine Zuffucht für die vertriebenen, heimatlosen Juden zu finden, und ich hoffe, daß dieselbe erfolgreich sein wird, aber Palästina allein würde ich zu diesem Zwecke nicht wählen; es ist nicht Raum genug in diesem Lande, wenn nicht den Türken und Christen ein großer Theil des Landes, welches sie besitzen, abgenommen wird.. .. Indessen ist in Klein-Asien sehr viel gutes, ausgezeichnetes Land vorhanden, das nur einer fleißigen Bevölkerung bedarf, um es in eine Quelle des Reichthums zu verwandeln; auch ist das Klima daselbst herrlich. Große Vorsicht wäre zu beobachten bei allen Verhandlungen mit der Türkei in Betreff irgend einer Ansiedlung.. . . Ich nehme an, daß die Hälfte des Kaufpreises gleich bezahlt werden muß. Die Zahlung der zweiten Hälfte müßte hingegen in fünfjährigen. Raten geschehen, welche abhängig gemacht werden muffen von der guten Behandlung der Colonistcn und ihres Eigenthums, sonst würden sie Gefahr laufen, wie die Armenier behandelt zu werden. Die Ansiedlung muß meilenweit von Kurden und Tscherkessen entfernt sein, welche schon verschiedene Colonien im Innern haben. Was den auswärtigen Schutz anbetrifft, so würde ich den der reichen Juden, wie Rothschild U. s. w., dem Schutze einer fremden Regierung vorziehen; erstere werden viel besser wiffen, wie man mit den Localbehörden zu verhandeln hat als irgend welches auswärtige Amt. Ich möchte rathen, daß ohne Zeitverlust — bevor der Plan ausgeführt und — eine Anzahl intelligenter junger Juden nach den verschiedenen landwirthschaftlichen Schulen in Europa geschickt wird, damit sie daselbst praktische Landwirthschaft, Seiden-, Weinbau-, Obst- und andere Frucht-Cultur erlernen. Die besten Pfirsiche, Aprikosen und andere Früchte können überall in Kleinasien gezogen werden, und es ist ein unbegrenzter Markt für dieselben — frisch sowohl wie eingemacht — vorhanden. Auch Vieh-, namentlich Schafzucht sollten diese jungen Leute lernen. Was die Verwaltung der jüdischen Colonie betrifft, so müßten die beschützenden jüdischen Millionäre bei der Ernennung des Gouverneurs und der Polizei eine Stimme haben und dieselben auch besolden. Die Hauptquelle der Mißregierung in der Türkei ist der Umstand, daß die Beamten nur unregelmäßig oder überhaupt nicht bezahlt werden. Der Türke ist durchaus kein schlechter Mensch, auch sind die türkischen Gesetze und Gebräuche nicht schlecht; nur die Verwaltung ist fehlerhaft; das Geld oder richtiger der Geldmangel ist der Fluch des Landes. Der türkische Beamte wird bei ordnungsmäßiger Löhnung ebenso ehrlich sein wie Beamte anderer Länder; seine angeborene Trägheit wird ihn davon abhalten, sich unnöthig in die Angelegenheiten derjenigen zu mischen, die er regiert. Was die türkischen Landleute anbetrifft, so sind sie ausgezeichnete Menschen und haben wirklich weniger religiöse Bigotterie als irgend ein anderes Volk der Welt. ... Die beschützenden Millionäre müpen einen accreditirten Agenten — nicht einen localen Bankier, sondern einen Fremden haben, welcher unter dem Schutz der deutschen oder englischen Gesandschast zu stehen hätte. Wenn diese Angelegenheit energisch angesaßt wird, glaube ich, daß sie in der gegenwärtigen Zeit — die man wohl als eine Krisis in der jüdischen Geschichte betrachten kann — von den christlichen Regierungen, denen die Einwanderung der fremden Juden eine Angelegenheit von ernster Bedeutung ist, warm unterstützt werden wird, namentlich von Seiten Englands ... Ich glaube, wenn die Angelegenheit in geschäftlicher Weise angefaßt wird, obgleich Philantropie eine nothwendige Beigabe ist, würde sich das Unternehmen bezahlt machen, vorausgesetzt, daß die Millionäre die Geldmittel schaffen, um die Colonie auf einer soliden geschäftlichen Basis zu fundiren. Da von dem Lande, sobald es in Cultur gebracht ist, eine mäßige, jährlich steigende Rente zu erheben wäre, so würde man hierdurch im Verein mit jüdischer finanzieller Geschicklichkeit das Capital amortisiren und somit die Colonisten nach vielleicht 50 Jahren zu freien Inhabern ihrer kleinen Besitzungen machen; diese Besitzungen dürsten aber keinesfalls größer sein, als eine Familie durchschnittlich selbst bebauen kann. Ich würde eine oder zwei größere Colonien mehreren kleinen vorziehen, da eine große Anzahl Colonisten in einer Gegend seßhaft, der umliegenden Bevölkerung eher Respect einfiößen wird. Er sollte ein landwirthschastliches Central-Etabliffement existiren, von dem die Werkzeuge und Wirthschaftsgegenstände — selbst Maschinen — auf Credit bezogen werden könnten und welches gleichzeitig ein Centrum der Erziehung sein sollte. Handwerker könnte man unschwer finden, die als Pionniere vorangehen und für die Colonisten Alles vorzubereiten hätten, was sehr wichttg ist, weil die Hauptursachen des Mißlingens aller Emigrations-Pläne die Leiden und Enttäuschungen sind, welche die Emigranten erfahren, wenn keinerlei Vorbereitungen vor ihrer Ankunft gettoffen sind. Natürlich viel, wenn nicht Alles, wird von der Geschicklichkeit der gewählten Leiter abhängen, aber ich bin sicher, daß das jüdische Volk leicht competente und energische Leute liefern könnte, welche als Leiter fungiren." Aertin. Für die russischen Flüchtlinge wird bekanntlich am 18. d. M. ein Wohlthätigkeitsfest in der Philharmonie veranstaltet. Schon jetzt sind Skizzen, Photographien und Autographen dem Comit« in großer Zahl für die Tombola eingegangen. Aus den Selbstschriften spricht die Empörung über die unerhörte Verfolgung, und es find Männer der verschiedensten Parteien und religiösen Bekenntnisse, welche gegen diese Schmach des Jahrhunderts Protest erheben. Einige seien hier mitgetheilt. M o m m s e n sendet, mit dem Vermerk, daß' er fast nie ein Autograph von sich gebe, daß aber hier der gute Zweck das Mittel heilige, folgendes: Rußland ist der richtige Antisemitenspiegel, und wenn die deutschen Genossen sich darin betrachten, so haben sie dies zu thun als Mitschuldige. Charlottenburg, 3. Juni 1891. Dr. Th. M o m m s e n. * Julius Stettenheim trifft „das heilige Rußland" mit dem Pfeil bitteren Spottes: An die Auswanderer: Nur fort aus Rußland, denn fürwahr Kein Land der Welt ist fürchterlicher. Bedenkt doch, selbst der gute Zar Ist dort nicht seines Lebens sicher! * Professor E. v. B e r g m a n n, welcher russischer Staatsrath und Generalarzt ist, sandte ein Blatt mit folgenden Worten: Llone, Nene toüsl upharsin. * Karl Frenrel schreibt: Denke — wie hernieder: Alles Sich auch wandelt ohne Ruh'. Deines Sieges, deines Falles Tiefstes Element bist du. Rüstig vorwärts schreiten Auf der Lebensbahn, Immer tapfer streiten Gegen Lug und Wahn, Ruhig sich entfalten Und von Haß und Neid Rein das Herz erhalten. Das ist Seligkeit! F r i e d r. Kirchner. * Die Rose blüht, weil sie nicht anders kann, Fragt nicht, was aus ihr wird, wenn sie muß sterben. Cs thut das Rechte auch der rechte Mann, Sei's ihm zum Segen oder zum Verderben. Fried r. Boden st edt. Zu den großartigsten Widersprüchen gehört die Thatsache, daß Millionen, trotz der Religion der Liebe, Haß nähren und alle ihre Kräfte aufbieten, um ihn befriedigen zu können. Godesberg. Gerhard Rohlfs. * Eins bist Du dem Leben schuldig. Handle oder duld' ui Ruh, Bist Du Amboß, trag geduldig. Bist Du Hammer, schlage zu! A. von Werner, Maler. * „Haß, als Minus und vergebens. Wird vom Leben abgeschrieben. Positiv im Buch des Lebens Wird verzeichnet nur das Lieben. Ob ein Minus oder Plus Uns verbleibe, zeigt der Schluß." Wilhelm Busch. * „N e u e st e Richtung. Eure Worte — poesielos. Eure Klänge — melodielos. Eure Kunst — ein Lotterielos, Die Verstimmung wird man nie los." Richard Genöe. * Unter den Künstleraussprüchen verdient der von Fr. Teresina Geßner besonders hervorgehoben zu werden: „Vor jeder That überlege, nur nicht vor der Wohlthat."

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