Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 23 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- Seite 428 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 428 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 23 „Mein Herr, ich bin ein anständiges Mädchen; ich arbeite, um mich und meine Brüder, zwei Waisen, zu ernähren, und Sie wollen mich zum Narren halten." „Was Narren — bei den Seelen meiner Eltern, die ganz fromme Juden waren, schwör' ich Ihnen, dag ich's ganz ernst meine, und mich seit Wochen schon mit diesem Gedanken trage. Ich heirate Sie und will den Vater zu den beiden Knaben machen, für die Sie mit so bewundernswürdiger Hingebung religiös und körperlich sorgen." Dabei übermannte ihn die Rührung und er zog sein rothes Taschentuch und betupfte sich die Augen. Nach einer kleinen Pause batte er seine Fassung miede: gewonnen und fuhr wieder fröhlich fort: „Wie alt ist denn der brave kleine Kaddisch-Sager, da neben Ihnen?" „Sechs Jahre!" „Und der Andere?" „Zehn Jahre, aber leider kränklich und darum muß dieser da täglich in den Tempel gehen. Das Kaddisch um unsere theureu Eltern darf keinen Tag unterbleiben." „Und wie heißen sie Beide, wenn ich bitten darf?" „Dieser da Emanuel, wir heißen ihn Manu, und der zuhause Joses oder Pepi." „Reizende Namen ... Ich liebe die Kinder abgöttisch. Sie sollen ihr eigenes Zimmer haben, neben meinem Schreibzimmer . . . Welch ein gemüthliches Leben ... Ich finde da gleich eine ganze Familie auf einmal . . . eine Familie, wo die Kinder in der Früh beten und Mittags sich waschen und Gott danken, wie ich's in meinem Elternhause vor mir sah. O, machen Sie mich glücklich und zaubern Sie mir wieder meine Jugeiü» her!" „Da gibt es kein Aber," erwiderte der Manu in entschiedenem Tone. . . ,,kei>» Aber, kein Doch, kein Wenn. . . Ich erinnere Sie ou Ihre Pflicht, mein Fräulein ... Apropos! ich weiß noch nicht einmal, wie Sie heißen?" „Bertha!" „Fräulein Bertha! Jawohl, ich mahne Sie an ihre Pflicht . . . Sagen Sie, was verdienen Sie denn eigentlich mit Ihrer Näherei?" „Wenig genug . . „Und die Kinder leiden natürlich Hunger, sroren im Winter und werden in der schöneren Jahreszeit in der dumpfen Kammer verkümmern. Ich sehe mir diesen da an, wie erst muß der Andere, der Kranke, aussehen. Können Sie es über Ihr Gewissen bringen, die Kinder in solchem Elend aufwachsen zu lassen, wenn es Ihnen mit einem Worte möglich ist, ihnen das Los reicher Kinder zu verschaffen? Und Juden, ganze Inden sollen die werden, wie es Ihr srommer Vater wax: wie wollen Sie das bewerkstelligen? Sehen Sie sich die jüdischen Kinder Wiens im Allgemeinen an . . . Ich aber will ihnen jüdische Hauslehrerhalten, will sie hebräisch lernen lassen, sogar Gcmara, wie ich's in meiner Jugend lernte. Werden Sie es vor Ihren Eltern verantworten können, wenn ihre Brüder aufwachsen, wie die meisten jungen Leute in Wien? Wie, Sie wagen noch zu zögern, wo es sich um das Glück der Geschwister handelt, die Ihre sterbenden Eltern Ihrer Fürsorge anvertraut haben? O, was werde ich Ihnen nicht Alles bietenKein herrlicheres Leben, als das wir führen würden. Sagen Sie Ja! und ich segne dieses Wetter, das mir Gelegenheit bot, mit Ihnen zusammenzukommen . . . Aber, es regnet ja gar nicht mehr, ich^ mache, wenn Sie erlauben, meinen Schirm zu. Und jetzt, bitte antworten Sie. Ein Ja. Wie gern möchl' ich's hören!" „Ja!" sagte das Mädchen, indem es den thr.'mcnden Blick dankbar zum Himmel erhob. So, wie's versprochen, so geschah's. Der grauhaarige Mann machte das junge Mädchen zu seiner Frau. Sie führen ein zufriedenes Leben, die Kinder gedeihen körperlich und geistig. Die glücklichste aber ist Bertha, die das Bewußtsein erfüllter Pflicht in sich trägt. L i t rra kur. Von der werthvollen allgemein beliebten „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud. Wörterduch zum Handgebrauch für Bibelfreunde, Theologen, Juristen, Gemeinde- und Schulvorsteher, Lehrer rc. von Dr. I. Hamburger, Landesrabbiner zu Strelitz in Mecklenburg." In Commission bei K. F. Köhler, Leipzig, ist Supplementband II zur Abtheilung I und II erschienen. Derselbe enthält werthvolle Artikel, welche das Werk vervollständigen und allen Fachmännern eine erwünschte Gabe bringen. Wir heben hervor die Artikel: „Amulettenwesen", „Arbeiter", „Christen, Christenthum", „Gesetz und Prophetenthum", „Halacha, sinaitische", „Heidnische Gebräuche und Sitten"- „Messianische Weissagungen", „Mündliches Gesetz". Minehat Erew von Selig Lauterbach in Drohobhez. Bei den zahlreichen geschäftlichen Unternehmungen und Sorgen vergißt Herr Lauterbach nicht seiner alten Liebe, die hebräische Literatur und widmet ihr jede freie Stunde. Die vorliegende Schrift umfaßt zwölf Gedenkreden und eine Chanukarede in einer schönen Sprache, mit geistreichen Bemerkungen, für welche jeder Leser dem Verfaffer Dank wißen wird. _ Für die unglücklichen russischen Juden sind uns zugekommen von Frau Rosalia Herrmann im Namen ihres seligen Gatten, Herrn Professor C. Herrmann fl. 20. -, von Frau Elenore Steinbach fl. 5.— Zusammen fl. 25.—. "lEO Restauration Marienbad. gwif Naruch's Kotet Wew-Hork streng rittuelles Restaurant bestens empfohlen. v«» Strümpfen um nur 2 5 Erenzer Wolle inbegriffen schnellstens in der mechanischen Strickerei, Wien, UL, Lioohten- Steinstrasse 22, woselbst auch nene Strümpfe verfertigt, sowie alle in dieses Fach schlagende Arbeiten angenommen werden. Pension. Handelsakademiker oder Sohfiler einer MittelBohule wird von einem Gymnasiallehrer zur Erziehung und gewissenhaften Ueborwaohnng in Pension genommen. Geneigte Anfragen an die Redaction des Blattes. Auf Allerhöchsten Befehl Sr. »fe k. u. k. Apostel. Majestät. Reich ausgestattete, von der k. k. Lotto-Gefälls-Direction garantirte XXn. Staats-Lotterie MT kür Civil-Wohlthätigkeits-Zwecke. 3091 Gewiunste im Gesammtbetrage von 170-000 Gulden, und zwar 1 Haupttreffer mit 100.000 fl., mit 2 Vor- und Rachtreffern a 500 fl., 1 Treffer mit 15.000 fl., 1 Treffer mit 5000 fl. 1 Treffer zu 4000 fl. 1 Treffer zu 3000 fl., 1 Treffer zu 2000 fl., 1 Treffer zu 1000 fl-, und 80 Treffer zu 100 fl. im Baren, endlich Seriengewinnste im Gesammtbetrage von 30 000 fl. Oie Ziehung erfolgt unwiderruflich am II. Juni 1891. Ein Lom kostet £5 fl. ö. W. Die näheren Bestimmungen enthält der Spielplan, welcher mit den Losen bei der Abtheilung für Staats-Lotterien, Stadt, Riemergasse 7, 2. Stock, im Jakoberhofe, sowie boi den zahlreichen Absatzorganen unentgeltlich zu bekommen ist. Die Lose werden portofrei zugesendet. Wien, März 1891. Von der k. k, Lotto-GrefaUs-Direction Abtheilung der Staats-Lotterie.