Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 23 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- Seite 425 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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"i r-TT’Tfaa'iirFirT Nr. 23 Wkmlschkrs. Wie«. (D e r verjudete Bergani.) Herr Bergan i publicirt auch Danksagungen an Juden, wenn es seiner Börse etwas trägt. Der Mann erweist sich immer mehr als ein Charakterheld ersten Ranges. So lesen wir in der Abendausgabe des „Deutschen Volksblattes" vom 3. Juni nachstehende „Danksagung" : „Bei Gelegenheit des jüngst hier ausgebrochenen großen Scheuerbrandes betheiligte sich Herr Baron Robert Morpurgo in hervorragender Weise an der Bewältigung des Brandes durch nahezu 24 Stunden persönlich, ließ den anwesenden Feuerwehren Erfrischungen in ausreichendem Maße zutheil werden, und spendete außerdem nach einigen Tagen den namhaften Betrag von 115 sl. zu Gunsten der Mannschaftscaffe der Atzgersdorfer Ortsfeuerwehr, gleichzeitig seinen Beitritt als ausübendes Mitglied in Aussicht stellend. Für diese hochherzigen Spenden sowohl, als auch für die den Verein ehrende Beitrittserklärung fühlt sich das Eommando der freiwilligen Feuerwehr Atzgersdors verpflichtet, Herrn Baron Robert Morpurgo hiermit öffentlich den tiefgefühlten Dank auszusprechen." Wien. (Hoher D e s u ch.) Frau Prinzessin Louise Coburg-Gotha hat gestern das neueröffnete Confections-Etai blissement der Herren Ludwig Zwieback & Bruder, 1. Bezirk, Equitable-Palais, mit einem Besuche beehrt. Nachdem die hohe Frau verschiedene Anschaffungen gemacht, sprach sie den beiden Chefs gegenüber ihre höchste Zufriedenheit aus. Wie«. Sonntag, den 14. d. M., 1 „3 Uhr Nachm., findet im Tempel, IX., Grünethorgasse, die Trauung des Frl. Sofie S o r, einer Tochter des Rabbiners Herrn Wilhelm S o r, mit Herrn Carl U h r m a ch e r statt. Wie«. Am 4. Juni starb zu Oberdöbling ein angesehener Bürger, Herr I. L. Redlich, Fabriksbesitzer und Bauunternehmer, Ritter des k. k. Franz Joseph - Ordens, Ehrenbürger der Stadt Göding rc. rc., im Alter von 56 Jahren. Der Verstorbene, ein geborener Gödinger, hat sich durch seine Tüchtigkeit, sein ernstes Streben und seine Soliditä zu der hochangesehenen Stellung emporgearbeitet. Redlich ist durch eine Reihe von schwierigen und interessanten Eisenbahnbauten, die er ausgefübrt hat, speciell bekannt geworden. Er war es, der auf der Arlbergbahn die Rampe mit der berühmten Trisanabrücke ausgeführt hat, und sein letzter Bau ist der der Linie Tabor-Pisek mit dem Cervena - Viaduct, dem größten, welcher auf dem Continent existirt. Auch als Industrieller leistete Herr Redlich Hervorragendes. Er war ein Mann von einnehmenden Wesen, schlicht und gerad, immer bereit helfend einzugreifen, wo er Hilfe seinen Mitmenschen bringen konnte, einer jener Wohlthäter, denen es vom Herzen kam. Obwohl von schwerer Krankheit heimgesucht, blieb er bis in die letzte Zeit hinein unermüdlich thätig. Mit ihm ist ein trefflicher Mann geschieden, dessen Andenken ein geehrtes bleiben wird. Wrürrn. Man schreibt uns aus Brünn: In Folge der von Herrn Em. Beer in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes gegebenen Anregung, bildete sich aus Angestellten der hiesigen Firma Philipp Roth ein Sammel- Comite, welches in kaum zwei Tagen gegen 100 Gulden, zum großen Theile von Angestellten, zusammenbrachte und dem Berliner Hilfscomitö zuführte. Wann werden die „Großen" unserer Gemeinde und insbesondere die Repräsentanz der hiesigen Cultusgemeinde in dieser Sache etwas thun? Die Stimmung im jüdischen und zum Theile auch im christlichen Publicum ist der Sache sehr günstig und es wäre nicht schwer hier allein einige tausend Gulden zusammenzubringen. Es muß aber bald etwas geschehen! Graz Ueber die Mißhandlung des Redacteurs des „Obersteirer Blattes", Sedlak, durch Soldaten auf dem Bahnhofe in Bruck an der Mur sendete der Commandant des in Bruck stationirten Bataillons des Infanterie-Regiments König der Belgier einen eingehenden Bericbt an den Corps- Commandanten Herzog von Württemberg. Die Angelegenheit kommt wahrscheinlich im Reichsrathe zur Sprache. Als Ursache der Mißhandlung Sedlak's werden Angriffe des „Obersteirer Blattes" gegen Officiere des Regimentes bezeichnet. Diese Seite 425 Angriffe sollen darauf zurückzuführen fein, daß Officiere in der Familie des jüdischen Fabrikanten Diamant verkehrten und zum Regimente ein jüdischer Reserve-Lieutenant gehörte. Das Obersteirer Blatt ist das Organ des antisemitischen Abgeordneten Fürst. Kremfier Unter großer Betheiligung fand kürzlich das Begräbniß des in weiten Kreisen bekannten Dr. Simon statt. Herr Dr. Frankl hielt eine ergreifende Trauerrede. Zum Schlüsse sprach ein Bruder des Verstorbenen, Herr Prof. Simon aus Krems, warme herzerschütternde Worte und dankte im Namen der Familie für das allseitig bekundete Beileid. Vreßö«rg. Das hiesige antisemitische Hütet Palugyay hatte letzten Sonntag das Vergnügen, die jüdischen Mitglieder einer Freimaurerloge aus Wien zu bewirthen. Wirth und Gäste sind offenbar einander werth. Kokomea. Von hier ist an den ehemaligen Secretär der israel. Allianz Herrn Dr. M. Friedländer eine kunstvoll ausgestattete Adresse mit nachstehendem Wortlaute gesendet worden: „Seiner Hochwohlgeboren Herrn Doctor M. Friedländer dem um das jüdische Schulwesen in Galizien hochverdienten Manne, aus Anlaß seines Eintrittes in das Curatorium der Baron Hirsch'schen Stiftung, der dankbare Lehrkörper der isr.-poln. Schule zu Kolomea. Im Mai 1891. W. Grünes, I. Scheid, N. Sperber, M. Schulba. Ch. Bardach. Marian Taubeles, S. Fischbach, M. Langer, S. Zilz. Slanistau. Von hier aus ist an den ehemaligen Secretär der „Israel. Allianz" Herrn Dr. M. F r i e d l a n d e r nachstehende Dankadresse gesendet worden: „Euer Wohlgeboren! Hochzuverehrender Herr Doctor! Ihre seit nahezu einem Jahrzehnte in unserem Lande geübte Thätigkeit bildet die ruhmvollste, erfreulichste Epoche in der Geschichte der hiesigen Judenheit. Ungewöhnliche Eigenschaften des Geistes und des Herzens, seltene Menschenkenntnis, Weisheit, Ausdatier, Langmut und außerordentliches Herzensgüte halfen Ihnen in solchem Maße die Absichten "Ihrer edlen Auftraggeber erfüllen, dass es jetzt keinen Flecken in Galizien gibt in dem nicht die „Israelitische Allianz" und ihr bisheriger Secretär gepriesen und gesegnet würden. Zählen doch die durch ihre Intervention gegründeten Anstalten Tausende von Schülern, die Sie aus dem geistigen und materiellen Ghetto befreit und die der Cultur und dem Leben zuzuführen, Sie sich stets mit solchem Erfolge angelegen sein ließen. Es ist demnach als besonders glückliche Schickung der gütigen Vorsehung zu betrachten, dass der größte Philantrop unseres Jahrhunderts, Euer Wohlgeboren, bei dem er auf den reinsten Willen und die reichste Erfahrung rechnen konnte, zum Secretär seiner großartigen zur Linderung unzähligen Elends bestimmten Stiftung bestellt hat. Indem nun gefertigter Lehrkörper Euer Wohlgeboren aus diesem Anlasse hiemit die herzlichsten und ergebensten Glückwünsche unterbreitet, wagt * derselbe hieran die unterthänigste Bitte zu knüpfen : Euer Wohlgeboren, der doch die Vorzüge, Mängel und Nothwendigkeit unserer Schule wie kein zweiter kennt, geruhe derselben gelegentlich der behufs ihrer Übertragung aufs Etat der Baron Hirsch'schen Stiftung einzuleitenden Verhandlungen, auch fernerhin Ihr Wohlwollen zu bewahren. In ehrerbietigster Hochachtung der Lehrkörper der israelitisch-polnischen Volksschule in Stanislau am 26. April 1891. Max Messing, Schriftführer, Joachim Langer, E. Weiner, Max Weißberg, Leiter, Jakob Robinsohn, E. Nagelberg, Susie Weitzmann, Zacharias Reinhold, Joachim Groß, Osias Haas. Aerkin, 1. Juni. Die Aeußerung eines Antisemitenführers auf dem Congresse, der jüngst in Magdeburg tagte, verdient weiteren Kreisen bekannt zu werden. Herr Dr. Erwin Bauer aus Jena that in einem Satze folgende zwei Geständnisse über seine Partei: „Wir haben bei dem Rücktritt des Fürsten Bismarck das politische Uebergewicht in Deutschland verloren und wollen es durch wirtschaftliche Zugeständnisse wiedergewinnen." Daß der Redner dieses Princip selbst ein falsches nennt, kann die Thatsache nicht ungeschehen machen, dnß nach dem eigenen Geständnisse der Herren 1. der Anti- Hefierreichische Wochenschrift