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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-11 · 23 (11.6.1891) · p. Seite 423

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
23 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
Seite 423 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 23 Hesterreichische Wochenschrift Seite 423 Zierden der Wiener Publicistik, ein hochachtbarer, liebenswürdiger College, ein Mann der keinen Feind hatte, ans dem Leben geschieden. Moriz Wengras, am 26. November 1830 in Nikolsburg geboren, besuchte in seiner Vaterstadt das Gymnasium und studirte Philosophie. Zn Wien wandte er sich der Rechtswissenschaft und widmete sich nach absolvirten Universitätsstudien der Publicistik. Er war einer der hervorragendsten journalistischen Verfechter der durch den ungarischen Ausgleich geschaffenen staatsrechtlichen Neugestaltung der Monarchie und ein wackerer Kämpe der deutschen Autonomistenpartei in Oesterreich, deren Führer Kaiserfeld war. Zuerst Herausgeber des „Mährischen Correspondenten" in Brünn, gründete er später in Wien mit Wouwermans die Parlamentarische Correspondenz, übernahm aber dann zur energischen Vertretung der dentsch-autonomistischen Politik den „Telegraph" in Graz, Namens der Partei führte er damals die Verhandlungen mit D e a k, welche den Dualismus vorbereiten halfen. Der Wechsel in der politischen Situation führte auch zu Veränderungen in der Partei der steirischen Autonomisien, welche sich zum linken Flügel der deutschliberalen Partei im Abgeordnetenhause entwickelte. Wengras verliest Graz und trat 1871 an die Spitze der „Constitutionellen Vorstadt-Zeitung", welche Stellung er bis zum Oktober 1885 inne hatte, worauf er als Chefredactenr an das „Neue Wiener Tagblatt" berufen wurde. Seine strenge Rechtlichkeit, seine Liebenswürdigkeit und Herzensgüte, haben ihm in den weitesten Kreisen wahre Freunde erworben, so bescheiden und zurückhaltend er auch stets vermied, mit seiner Persönlichkeit hervorzutreten. Eine warme, seit langen Jahren ungetrübt bestehende Freundschaft verband ihn mit Adolf Fischhof und anderen namhaften Politikern; auster Kaiserfeld, Rechbauer, waren es alte, hervorragendste Mitglieder der Verfassungspartei, Giskra, Berger, Brestel, die^in stetem Verkehre mit ihm standen und von denen viele ihm im Tode vorangegangen sind. Dienstag Nachmittags wurde Wengraf zu Grabe getragen. Ein Beweis für die Sympathien, welche der Verstorbene im Leben genost, bot die Fülle prachtvoller Kränze und Blumeuspenden aller Art, die in dem Zimmer des Trauerhauses kaum Platz finden konnten. Eine besondere Weihe erhielt die Trauerfeier Wengraf's durch die Anwesenheit Adolph Fischhof's, der, schon selbst ein hochbetagier Greis, aus seinem Tusculum in Emmersdorf in Kärnten herbeigeeilt war, um feinem langjährigen Freunde auf dem letzten Wege das Geleite zu geben. Es war ein ergreifender Moment, als der alte Freiheitskämpfer an die Bahre seines entschlafenen Freundes trat und eine Blumenspende auf dieselbe niederlegte. Unter den übrigen Trauergästen wurden bemerkt: Herrenhausmitglied Nikolaus Dnmba, Reichsralhs-Abgeordneter Wilhelm Exner, der ungarische Reichsraths-Abgeordnete Nenwnyi, der eigens zur Leichenfeier nach Wien kam, Regierungsrath Piesling vom Ministerium des Aenstern, Generaldirektor Regierungsrath Hahn und Direktor Koritschoner von der Länderbank, die Gemeinderäthe Stiastny und Gustav Simon, Schriftsteller Goldmann aus Brünn, Dr. Max Franzos mit einer Deputation des Verwaltungsrathes der „Steyrermühl", die Herausgeber, Chef-Redacteure und Redakteure mehreier Wiener Tagesblätter, der Vorstand des Journalisten- und Schriftsteller-Vereines „Concordia", eine Deputation des Verbandes der Administrations-Beamten „Eintracht" sowie andere Trauergäste. Die Leichenfeier wurde mit einem Tranerchor, welchen der israelitische Tempelchor unter Leitung des Ober- Cantors Singer anstimmte, eingeleitet. Hierauf erfolgte die Ueberführung des Sarges mittelst vierspännigen Trauerwagens auf den Döblinger Ortsfriedhof. Am Grabe sprachen der Reihe nach Prediger Dr. I e l l i n e k, der Präsident der „Concordia", Professor Warhanek, Redakteur Wilhelm Frey Namens der Redaktion des „Neuen Wiener Tagblatt" und .Reichsraths - Abgeordneten Hosralh Exner Namens der „Vereinigten Linken" des Abgeordnetenhauses. Ein Trauerchor schlost die Leichenfeier. Obercantor Singer recitirte die Trauerpsalmcn. Krag, 2. Mai. (Zweiter Ausstellungsbericht.) Bei seinen weiteren Besuchen in der Ausstellung beehrte Se. kaiserl. Hoheit der Herr Erzherzog Karl Ludwig noch mehrere Expositionen unserer Glaubensgenossen. Bei Besichtigung des Pavillons der Zuckerindustrie Böhmens beehrte Se. Hoheit den Besitzer der Zuckerfabrik in Braunau, Herrn S e l i g m a n E l b o g e n, mit einer längeren Ansprache, wobei sich hochderselbe erinnerte, die Exposition dieser Firma in Barcelona gesehen zu haben. Sodann würdigte Se. k. Hoheit die ausgestellten Objecte der anderen Zuckerfabriken einer genauen Besichtigung, so namentlich die Zuckerfabriks Firma S. Heller in Zakolau, I. Benies in Zvolonoves u. s. w. Im Pavillon für Jngenieurwesen wurden von Se. k. Hoheit nebst anderen Objecten auch die Ausstellung nachstehender unserer Glaubensgenossen der eingehenden Besichtigung gewürdigt. Den imitirten Röhrbrunnen mit Statue aus Seife der Firma Josef Feix, in Gablonz a. d. N., das plastische Modell der Raffinerie mineralischer Oele der Firma D av i d Fanto in Pardubitz sowie die ausgestellten Erzeugnisse dieser Fabrik, den herrlichen Pavillon der P r a g - R u d n i k e r Korbwaaren-Fabrik der Firma I. & Carl Kraus in Prag—Wie». Bei Besichtigung des originellen Pavillons der böhmischen Papierindustrie wurden Se. k. Hoheit die Chefs der ausstellenden Firmen, darunter jene der Firmen I g. S p i r o L S o h n in Böhmisch-Krumau, Spitz, Fuchs und Taussig in Pisek und Fürth und Gellert in Pilsen vorgestellt. Das eiserne aus Wellenblech verfertigte transportable Haus, welches Herr M. I. R o u b i t s ch e k in Smichow ausstellt, wurde einer eingehenden Besichtigung gewürdigt. Gleiche Aufmerksamkeit des hohen Gastes erregten die Ausstellungsobjecte der „ersten böhmischen Ceresin-, Paraffin-, Alabaster-Kerzen- und Maschinenöl - Fabrik" der Sprecher & Comp, in Zabor, die allgemeinen Beifall finden. Die Erzherzoge Karl Ludwig und Albrecht sowohl, als auch die sie begleitenden Cavalure äusterten ihre Zufriedenheit über die Producte. Längere Zeit hielt sich Se. kaiserliche Hoheit, der Herr Erzherzog Carl Ludwig (und auch bei einem fpatereu Besuche Herr Erzherzog Albrecht) bei der Exposition der Firma G o t t l i e b B o n d y in Bubna auf. Der anwesende Chef, Herr Gottlieb Bondy, und sein Sohn, Herr Leon Bondy, wurden Se. Hoheit vorgestellt und von demselben mit einer Ansprache beehrt, wobei sich Se. k. Hoheit sehr beifällig über die ausgestellten Objecte aussprach. Gehört doch die Firma Bondy zu den ersten Eisensirmen Oesterreichs und gebührt Herrn Gottlieb Bondy das Verdienst, eine anerkannte Autorität auf dem Gebiete der Eisenindustrie zu sein. Derselbe entstammt einer alten Prager Judenfamilie. Gemeinsam mit seinem Bruder übernahm er seinerzeit die Leitung eines von deren Vater nach damaligen Verhältnissen zu grostem Aufschwung gebrachten Eisengeschästes, welches unter ihrer Leitung zu einer nie geahnten Entwicklung gelangte. Das gröstte Verdienst hat sich Herr Gottlieb Bondy um die Veranstaltung der heurigen Jubiläums Ausstellung erworben, denn er war es, welcher zu allererst die Idee anregte, in Prag eine Landes-Ausstellung abzuhalten, und zwar im Jahre 1891 zur hundertjährigen Jubiläumsfeier der im Jahre 1791 zuerst am europäischen Continente abgehaltenen Ausstellung, er war es, der für dieselbe in der Kammer, im Landtage mit gewohnter Energie und Conciliance eintrat, der sodann, als diese Idee greifbare Formen erlangte, in dem leitenden Comite eine wichtige Rolle spielte und noch heute als Obmann der Finanzsection sehr werkthätig dir greift. — Ich würde meiner Referentenpslicht nicht entsprechen, Würde ich nicht auch eines unangenehmen Vorfalls gedenken, welcher Zeugnist davon ablegt, dast wir Juden immer die traurige Wahrheit vor Augen haben müssen, dast das Ver-

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