Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 23 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- Seite 417 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020871--00445-3024434- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 23 Hesterreichifche Wochenschrift bei uns bekannte Adlernase und ist von feinem edlen Schnitt und intelligentem Aussehen. Die Frauen und besonders die Mädchen zeichnen sich durch seltene Schönheit aus. Gegen Fremde sind sie spröde und zurückhaltend, im häuslichen Kreise aber heiter und ungezwungen. Das Familienleben soll ein äußerst musterhaftes sein. Während die Kinder der -Oezbegen gar keinen Respect vor den Elten haben, dieselben sogar prügeln, sind die Kinder der Juden wohlerzogen und fleißig. Die Vorläufer des öeth-Hamidrasch in Wien. von G. Wolf. Herr Prediger Dr. Adolf Jellinek, der demnächst fein siebenzigstes Wiegenfest begeht, hat nicht blos durch die Macht des Wortes, durch die Gewalt der Rede, mit welcher er iy außergewöhnlicher Weise begabt ist, gewirkt; er hat auch Thaten vollbracht und Werke iu's Leben gerufen, die ihm zur Ehre und zum Ruhm gereichen. Er war es, der eine Stätte für die Wissenschaft des Judenthums in Wien geschaffen hat — das Beth-hamidrasch. Man würde jedoch irren, wenn man glauben wollte, daß nicht auch schon früher derartige Versuche gemacht wurden; aber sie waren einerseits verhältnißmäßig zu klein und andererseits waren sie nicht von Bestand. Es scheint mir jedoch nicht überflüssig, diese Vorläufer näher zu characterisireri. Wenige Leser dieser Blätter dürsten den alten Lazzenhof in der Judengasse gekannt haben. Derselbe wurde von dem Leibarzte Kaiser Ferdinand I, Lazius *), in der Mitte des XVI. Jahrhunderts erbaut. Nebenher bemerkt, hat dieser Lazius auch ein Buch über die Wiener Universität geschrieben. Vor fünfzig Jahren war das Haus verkommen und im dritten Stocke desselben befand sich die polnische Synagoge. Der selige Rabbiner Horwitz besuchte diese Synagoge an Wochentagen (am Sabbath war er beim Gottesdienste im „Tempel", wie das Bethaus in der Seitenstettengasse bis ans die heutigen Tage genannt wird). Nach dem Abendgottesdienste an Wochentagen hielt Herr Rabbiner Horwitz Vorträge aus dem Talmud in einem Nebenraum der Synagoge, welcher, wie die Synagoge selbst, ziemlich verwahrlost war. Es befand sich daselbst auch eine kleine Bücherei, einige Exemplare des Talmud und mehrere Decisoren?c. Die Hörer dieser Vortrüge waren nicht ständig und stand es jedem fi ei, dieselben zu besuchen. Die Vorträge waren ihrem Wesen nach in der Art, wie sie sonst bei „Schaß Chebroth" Vorkommen. Vor etwa 50 Jahren war es auch, daß sich mehrere Rabbinats Candidaten in Wien einfanden, unter anderen, der nun als Gelehrter bekannte Rabbiner Dr. A. S ch m i e d l. Simon Deutsch, der mit Krafft den Catalog der hebräischen Manuscripte und der Hofbibliothek veröffentlichte, welcher dann im Jahre 1848 gewissermaßen eine politische Rolle spielte und später Kaufmann wurde u. s. w. auch der Schreiber dieser Zeilen war zu jener Zeit Rabbinats-Candidat. Unserer Bitte willfahrend, hielt Herr Rabbiner Horwitz im Locale der Religionsschule, damals I., Seitenstettengasse 4, ebener Erde, über Abschnitte im Orach-Chajim und Jore-Deah Vorträge. Im Laufe der Zeit löste sich jedoch der Kreis aus. *) Der Leibarzt der Kinder Kaiser Ferdinand I, die in Innsbruck lebten, war der Jude Lazarus. Seite 417 Es kam daun das Jahr 1848, welches überhaupt alles, was nicht sozusagen niet- und nagelfest war, aus den Angeln hob. Die Zeit des Belagerungszustandes, der dann folgte, und das im Jahre 1856 abgeschlossene Concordat waren überhaupt derartigen Bestrebungen nicht günstig. Zu Anfang der Sechziger - Jahre, da für Oesterreich eine neue Zeit begonnen hatte, fingen diese Bestrebungen wieder an sich geltend zu machen. Die Führer dieser Bewegung waren die damaligen Rabbinats-Candidaten Mayer Fried mann und Sigmund Groag. Der erstere jetzt Lector am Beth-Hamidrasch hat sich im Lause der Zeit durch die Werke, die er veröffentlichte, Namen und Ruf als Gelehrter erworben; der letztere war zu jener Zeit Erzieher in einem geachteten Hause und wurde dann in der Blüthe der Jahre vom Tode weggerafft. Diese propagirten den Gedanken, daß die Rabbinats-Candidaten in Wien einen Verein bilden sollen, um die geistigen und materiellen Mittel zur Ausbildung der Rabbinats-Eandidaten herbeizufchaffen. Das Vorhaben war jedoch mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die Bewilligung zur Bildung eines Vereines war zu jener Zeit überhaupt von Seite der Polizei schwer zu erlangen und mittelst Decret der Polizei-Oberdirection vom 24. Juni 1862 wurden Zusammenkünfte der Rabbinats- Eandidaten gestattet. Hingegen waren Prediger Mannheimer, Rabbiner Horwitz, Ehacham Rüben Baruch, Dr. Jg. Kuranda und Dr. Max Engel (sämmtliche Genannte schlafen jetzt den ewigen Schlaf) sofort bereit, die Sache zu fördern und sie unterfertigten einen Aufruf, in welchem um Beiträge gebeten wurde. Thatsächlich zeichneten Moriz Todesco ein für allemal 100 fl., Jonas Königswarter, Jacob Brandeis, M. H. Weikersheim und Paul Schiff je 25 fl. jährlich. Die Cassaverwaltuug übernahm Herr Ignaz Bobelle, den Gott noch lange erhalten möge. Unter den Rabbinats-Eandidaten befanden sich damals außer den bereits genannten Friedmai n und Groag mehrere, die sich im Laufe der Zeit eine ehrenhafte Stellung erworben und einen berühmten Namen errungen haben. Wie z. B. der jüngst viel zu früh verstorbene Rabbiner zu Frankfurt a. M. Dr. Nehemias Brüll, Dr. Nathan Grün, Religionslehrer in Prag und Dr. Tauber, Rabbiner in Prag, Josef Stier, Rabbiner in Berlin u. s. w. Aber auch dieser Versuch mißlang. Hierauf begründete Herr Dr. Jellinek das Beth-Hamidrasch, welches jetzt einer Häutung entgegengeht, da es mit der zu gründenden Rabbinerschule verschmelzen soll. Verein israelitischer Lehrer in Schlesien nnd Posen. (Protokoll der 13. ordentlichen Generalversammlung des Vereines israelitischer Lehrer in Schlesien und Pose» am 17. und 18. Mai 1891 in Breslau.) Die 13. Generalversammlung des Vereines israel. Lehrer in Schlesien und Posen wurde Sonntag, den 17. Mai, Abends 8 Uhr im kleinen Saale der neuen Börse vom Vorsitzenden Herrn Dr. Samuelsohn-Breslau eröffnet. Gegenwärtig waren nach der Präsenzliste folgende Mitglieder, die Herren: Adam-Schroda, Bach-Myslotvitz, Dr. Badt-Breslau, Baß-Reustadt, Blumenseld-Rosenberg, Dr. Blumenthal-Ratibor, Boß-Bernstadt,