Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 22 (5.6.1891)
- Date
- 1891-06-05
- Page
- Seite 405 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Hesterreichische Wochenschrift Seite 405 Krag. In der jüngst abgehaltenen öffentlichen Sitzung der israelitischen Cnltusgemeinde-Repräsentanz wurden die Herren Dr. Rosen bach er zum Präsidenten und Dr. Bendieuer zum Vicepräsidenten wiedergewühlt und auch die Wahlen der anderen Functionäre und Mitglieder der Commissionen vorgenommen. Für die unglücklichen Glaubensgenossen in Corfn sind in Folge des ersten Ausrufes nahezu tausend Gulden, darunter eine Gabe von zweihundert eine von hundert und mehrere zu fünfzig Gulden eingegangangen. Der Entwurf einer Adresse, welche dem Wiener- Prediger Dr. I e l l i n e k zu seinem siebzigsten Geburtstag gewidmet werden soll, wurde einstimmig genehmigt. Mksen, im Mai. Für die durch die Berufung unseres Rabbiners Herrn Dr. Jecheskel Caro als Rabbiner nach Lemberg freigewordene Stelle sind etwa 30 Meldungen eingelaufen. Zu Probepredigten werden zunächst berufen ds.e Herren Rabbiner Dr. Pick in Pyritz, Fried in Ulm und Thieberger in Goltsch-Jenikau. Die verhältnismäßig geringe Zahl von Meldungen zeigt, daß es in der That gegenwärtig an Rabbinern mangelt. Bei der vorjährigen Vacanz waren 56 Aspiranten. Lommtz. Am 24. Mai wurde ans dem hiesigen israelitischen Friedhofe unter zahlreicher Betheiligung seiner Freunde und Verehrer der in Bystritz im Alter von 26 Jahren verschiedene Haltsbesitzer Josef Witz beerdigt. Dem Conducte folgte auch die Bystritzer Feuerwehr en pleine paracle unter Führung ihres Obmannes. Zieht man die Entfernung von fünf Wegstunden in Betracht, so wie das jüdische Bekenntnis; des Verstorbenen — was am Ende des 19. Jahrhunderts gewiß erwähnenswerth scheint, so ist die osficielle Betheiligung der ged. Körperschaft an dem Leichenbegängnisse des Herrn Witz der beste Gradmesser für dessen bethätigten Bürgersinn. Jedenfalls verdient die Thatsache als Act regkstrirt zu werden, der beide Theile ehrt. Dieser Anerkennung gab ich auch am offene» Grabe besonderen Ausdruck. Nachdem ich nämlich in der Leichenhalle unseres Friedhofes, wo der Sarg nochmals aufgebahrt war, den Schmerz der Hinterbliebenen gewürdigt, wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Hier ergriff ich nochmals das Wort, um den wackeren Feuerwehrleuten meine Befriedigung darüber auszudrücken, daß sie, die immer Unerschrockenheit bewähren müssen, auch den Math an den Tag gelegt, einem Mitbürger die letzte Ehre zu erweisen, ohne sich von der Form beirren zu lassen, in welcher dieser aller Menschen Gott angebetet hat und schloß mit dem Appell, Jeder möge treu der Tendenz des Vereines, von dem Bestreben beseelt sein, wo auch immer in seinem Verkehrskreise vom Feuer religiöser und nationaler Zwietracht dem allgemeinen Bürgerfrieden Gefahr drohe, seines Amtes zu walten. Nng.-Wrod. Ueber Anregung des Herrn Rabbiners Dr. Moriz Jung hat sich hier ein Verein „Chorebö" gebildet. Der Zweck des Vereines ist, die Kenntniß der jüdischen Geschichte unb Literatur, durch Veranstaltung von in diesem Gebiet einschlagenden Vorträgen, mit Ausschluß jeglicher Politik und Gründung einer jüdischen Bibliothek zu fördern. Die Vereinsstatuten haben bereits die h. Genehmigung erhalten. Karnow. Der warme Appell, welchen Sie in Nr. 14 Ihres sehr gesch. Blattes zu Gunsten der Palästina-Colonisation veröffentlicht haben, hat wie anderwärts in Galizien — auch in unserer Gemeinde ein freudiges Echo gefunden. Hatte die Colonisationsidee unseres Ahnenlandes auch früher schon hier bei uns zahlreiche Anhänger gefunden, so war es doch erst Ihr Weckruf, welcher die früher Indifferenten aufrüttelte und es dazu brachte, daß alsbald ein Project zur Gründung eines Colonisationsvereins entworfen wurde. Die Initiative hiezu gaben einige hervorragende, für ihr Volk warm fühlende Gemeindegenossen und hat heute bereits die erste Sitzung des Gründungscomitüs stattgefunden. Dem Comite gehören an: der Fabrikant und Mitglied des Cnltusgemeindevorstandes Herr M. D. Brandstätte r als Vorsitzender, Herr vr. jur. Abr. Salz als Schriftführer und die Herren Landesadvocat Dr. Josef Rost, M. D. Edel st e i n, H. H eu m a n n, Dr. S. B rom b erg, Ed. Schwager, I. E i s e n b e r g. In der heutigen Sitzung wurde nach einer regen, dreistündigen Debatte der vom Dr. Salz vorgelegte Statutenentwurf des neuen Vereines, welcher den Namen „Ahavas Zion“ führen wird, mit einigen wesentlichen Aenderungen acceptirt und wurde der Beitritt der angesehensten Männer unserer Gemeinde in Aussicht gestellt, so daß der Verein hoffentlich eine rege, für die heilige Sache wirksame Thätigkcit wird entfalten können. Bei Gelegenheit wollen wir bemerken, daß in Galizien bereits seit einigen Monaten ein Eolonisationsverein ,.Admath Israel“ in S try j (Präses: Herr Moses L i p s ch i tz) besteht, daß vor Kurzem ein gleicher Verein unter den Namen „Ahawas Zion“ in Rzeszow gegründet wurde, und auch in zahlreichen anderen galizischen Städten Colonisatiousvereine in Gründung begriffen sind. Im Herbst soll auch ein Verband all dieser Vereine behufs Bildung einer einheitlichen Organisation gegründet werden. Amzacz, 1. Juni. In die Baron Hirsch-Stiftung wurden folgende Herren als Comite-Mitglieder berufen: Jonas Sokal, k. k. Gerichts-Adjunct; Dr. Emanuel Reis, Advokat; Abisch Stern, isr. Cultusvorstand; Bernhard Stern, Bürgermeister; Jacob Fernhoff, Hausbesitzer. Wudapest, 26. Mai. Herr Dr. Lamuel Kohn war gestern anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Rabbiner der hiesigen Gemeinde Gegenstand herzlichster Ovationen. Als erste Deputation erschien der Vorstand der jüdischen Gemeinde, an seiner Spitze der Präses Reichstags-Abgeordneter M. Wahrmann, dann folgten Deputationen des Isr. Handwerker- und Ackerbau-Vereins, der Chewra Kadischa, des Taubstummen-Jnftituts, der Waisenhäuser, der Lehrer- Präparandie, des Rabbiner-Seminars, der Ofener Gemeinde rc. Arad. (Erzherzog Josef über die Unruhen auf Korfu.) Bei einem Diner, welches Erzherzog Josef gelegentlich einer Jnspectionsreise in Arad gab, kam der Erzherzog auch auf die Judenverfolgungen auf Korfu zu sprechen, welche er auf das Schärfste verurtheilte. Erzherzog Josef sagte, man sollte es nicht glauben, daß am Ende des 19. Jahrhunderts Derartiges noch möglich sei. Wresla«, 20. Mai. Die Lessing. Loge in Breslau hat beschlossen, in Breslau ein jüdisches Mädchenheim zu gründen, in welches alleinstehende jüdische Mädchen theils kostenlos, theils gegen geringes Entgelt ausgenommen werden können und die daselbst Wohnung, Kost und Aufsicht finden sollen, damit sie nicht den Verleitungen der Großstadt zum Opfer fallen. Die Loge hat hierzu eineu Jahresbeitrag von 750 Mark und der Frauenverein einmalig 1000 Mark und gleichfalls einen Jahresbeitrag von 750 Mark bewilligt. KarnoiviH, 26. Mai. Herr Amtsrichter Glogauer ist zum Amtsgerichtsrath ernannt worden. Istkankstrrt a. W. Für die aus Rußland ausgewieseneu Israeliten wurde am Montag Abend in der Synagoge der Israelitischen Religionsgesellschaft unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Breuer ein Gottesdienst abgehalten; nach dessen Schluß wurde eine Geldsammlung zu Gunsten der verfolgten Familien veranstaltet. Werk«. Eine am 23. v. M. unter dem Vorsitz des Herrn Justizrath Makower abgehaltene Sitzung hervorragender Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde hat sich als „Deutsches Central-Comite für die ruffischen Juden" constituirt und aus seiner Mitte einen geschäftsführenden Ausschuß gewählt, welcher aus den Herren: Justizrath S. Meyer, Vorsitzender, Kommerzienrath L. M. Goldberger, stellvertretender Vorsitzender, Karl Emil Franzos und Rechtsanwalt Bernhard Breslauer, Schriftführer, Generalconful Eugen Landau, Schatzmeister, Fabriksbesitzer Dr. Edmund Lachmann, stellvertretender Schatzmeister, sowie den Herren Dr. Heinrich