Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 22 (5.6.1891)
- Date
- 1891-06-05
- Page
- Seite 404 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 404 Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 22 Ich betheilige mich jetzt selten an den Debatten im Hause der Lords, würde aber gern bereit sein, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Vertheidigung einer Motion, wie die von Ihnen erwähnte, zu übernehmen." Ihr aufrichtigster Dr. Magee. Der Tod eines solchen Geistlichen ist ein Verlust, den auch das Judenthum schmerzlich zu beklagen hat. — Seine Seele ruhe in Frieden! vreno. ArtKarest, 1. Juni. Von Zeit zu Zeit haben wir Brutalitäten zu registriren, die, weil sie von Leuten „gebildeter" Stände ausgehen, ohne Zweifel als eine Charakteristik unserer „gebildeten" Landeszustände sich darstellen. So folgender authentischer Fall: Vor einiger Zeit ließ sich der Hauptmann Horea in T.-Niamtz einige Fuhren Brennholz von außen bringen und schickte einen Zettel an den Octroi-Unternehmer S. I a n k e l inhaltlich die Fuhren den Schranken passiren zu lassen, da er ihm die Taxe von! 40 Bani (ca. 20 kr.) nachher bezahlen werde. Als aber Jankel 14 Tage darauf mit dem Zettel erschien, siel der Hauptmanu mit den Fäusten über ihn her (wegen 20 kr.!), malträtirte ihn fürchterlich und schleifte ihn eigenhändig mit Hilfe von zwei Soldaten und seines Hundes durch die Straßen nach der Kaserne, um ihm dort den „Nest" zu geben, woran er nur durch den Menschenzusammenlauf gehindert wurde. Jankel beschwerte sich 1. beim Kriegsminister, 2. beim Staatsanwalt, 3. beim kommandirenden General des IV. Armeecorps, 4. beim directen Vorgesetzten des Hauptmannes, dem Dorobanzen-Oberst. Ueberatl vergebens! Ungefähr zu derselben Zeit wurde ein junger Mann aus G a l a tz nach dem nahen Braila in einer wichtigen Sache telegraphisch von seiner Schwester berufen. Um 2 Uhr Nachts angekommen wurde er vom Bahnpolizei-Commissär in ein Nebengelaß seiner Kanzlei eingesperrt. Nach einigen Stunden zurückgekehrt, fragte er den jungen Mann, welcher „Nation" er sei; aus die Antwort „Israelit" applicirte er ihm den ersten Backenstreich, die weiteren regneten nur so bei der darauffolgenden Belehrung, daß es angeblich „bcn Juden nicht mehr erlaubt sei, nach Braila zu kommen". Dies hielt bis zum frühen Morgen an, darauf folgten Drohungen, daß er die Schlägerei nicht bekannt gebe und schließlich mußte der junge Mann noch Geld hcrgeben zu zwei Fahrkarten für sich und einen Polizisten, der ihn zurück nach Galatz escortirte! Russische Zustände, nicht wahr? Oder vielleicht wie in Marokko. Ein anderes Beispiel bietet uns das Gericht in Jassy. Nach Artikel 29 Abs. 12 des Stempelgesetzes sind alle Wohlthätigkeitsanstalten vom Bestempeln ihrer Bücher oder anderer Buchhaltungschriftstücke befreit. Diesem Paragraphen entgegen wurde die israelitische Friedhofsverwaltung zu einer sehr bedeutenden Stempelstrafe (4500 Frcs.) verurtheilt, weil sie gesetzmäßig ihre Bücher nicht timbrirt hat! Im Gesetze ist aber eine Ausnahme für israelitische Anstalten nicht vorgesehen. Diesen Vergewaltigungen gegenüber haben wir den lahmen Trost, daß uns von sehr hoher Seite öffentlich gedankt wird — wenn wir nämlich freiwillig geben, ohne erst abzuwarten, daß man es uns unfreiwillig nimmt. So finde ich im „Monitoral oficial" (Amtsblatt) Nr. 209 eine Danksagung des Ministeriums des Innern an die israelitische Gemeinde in PoLnl-Turcnluj dafür, daß sie zwei vollständig ausgerüstete Betten im Werthe von Frcs. 984'20 dem dortigen Bezirks-Spital gespendet hat. Daß man aber auf denselben Betten Israeliten nicht pflegen wird, weil Israeliten von christlichen Spiralen bei 'uns zurückgewiesen werden, werde ich wahrscheinlich ein andermal Gelegenheit haben zu melden. Schöner Dank! Wkkmischtks. Wie«. (Vom Vorstände der isr. Cultnsgemeinde Wien.) Sonntag, den 7. Juni 1891, um 10 Uhr Vormittags findet im Sitzungssaale der israel. Cultusgemeinde I. Seitenstettengasse 4, II. Stock eine öffentliche Sitzung des Vorstandes statt. Tagesordnung: 1. Rechnungsabschluss pro 1890. 2. Bericht des Vertreter-Collegiums über laufende Angelegenheiten. Wien. Der Plan, in Wien eine Rabbinerschule zu errichten, nähert sich allmälig seiner Realisirung. Am vorletzten Mittwoch Abend fand in der Wohnung des Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde, Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann, eine Berathung über diesen Gegenstand statt, an welcher neben dem Oberrabbiner Herrn Dr. Güdemanu, dem Vorstandsmitglied Herrn Moriz Karpeles und anderer Mitglieder des Cultusvorstandes auch das Herrenhausmitglied Freiherr v. Königswarter theilnahm. Herr Baron v. Königswarter, welcher mit seiner hohen Sachkenntnis; die Berathung bedeutend förderte, hat dem zu gründenden Institut 50.000 fl. gespendet. Wie«. Von Herrn Gustav Marburg, Fabriks- und Realitätenbesitzer in Freudenthal (Wien, Gonzagagasse 15) ist die vierte Auflage der Schrift socialer Reformen erschienen. Der Verfasser wurde durch den österreichischen Handelsminister, sowie durch den preußischen Handelsminister ausgezeichn et. Wien, den 2. Juni. (Auszeichnungen von Glaubensgenosse n.) Daß Se. Majestät, unser erleuchteter Monarch, allen seinen Völkern ohne Unterschied der Religion die gleiche Gnade und Huld angedeihen läßt und das wahre Verdienst würdigt, wo er es findet, ist wohl eine bekannte Thatsache und bedarf keines neuen Beweises. Es ist aber doch in unserem vom Antisemitismus insicirten Zeitalter angezeigt, von Zeit zu Zeit immer auf's Neue das größere Publikum auf die von Se. Majestät unserem Kaiser vollzogenen Acte der Auszeichnung und Anerkennung unserer verdienten Glaubensgenossen und das von ihm bethätigte Princip der Gleichheit aufmerksam zu machen. Anläßlich der hier im letzten Jahre stattgefundenen Land- und Forstwirthschaftlicheil Ausstellung wurde von Se. Majestät dem Kaiser mehreren Ausstellern Auszeichnungen verliehen und freu es uns constatiren zu können, daß die höchsten Auszeichnungen gerade nur an zwei Juden verliehen wurden. Es erhielten nämlich d as C ommandeurkreuz des Franz Ios efs- Ordens Herr Dr. F. Reutlinger, Präsident der französischen Ausstellungscommission und Herr Georg Bechmann, Ingenieur 6n Chef de l’assinessement und Vertreter der Stadt Paris bei Eröffnung der Ausstellung. Dr. Reutlinger, ein gebürtiger Oesterreicher, ist Advocat beim Appellgerichtshof in Paris und der intimste Freund und ehemaliger Seeretär des gewesenen Präsidenten Grevy. Herr Bechmann gilt als eine der größten Autoritäten auf dem Gebiete des Wasserbaues und hat trotz seiner Jugend in kurzer Zeit den hohen Posten erklommen, den er im städtischen Bauamte in Paris inne hat. L—r.