Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 22 (5.6.1891)
- Date
- 1891-06-05
- Page
- Seite 401 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020870--00428-3024416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22 Seite 401 ^österreichische Wochenschrift Wuthbisse erfreut, und zwar in einem Verhältnis, welches man auf 80 Percent der Gesammtheit geschätzt hat. Die einfache Constatirung dieser heute feststehenden Thatsache genügt, um die behauptete Wirksamkeit der mannigfachen, alteren oder neueren Produkte, die die menschliche Leichtgläubigkeit mit so viel Eifer als eine Panacee gegen die Wuth acceptirt, auf ihren wahren Werth, daß heißt, auf ihr Nichts zurückzuführen." Dr. Abbate Pascha erwidert hieraus, daß die Ansicht des Herrn Piot über die Wuth in Egypten nicht auf die Geschichte und auf die Denkmäler gestützt sei, wie Dr. Abbate Pascha übrigens in seiner früheren im Institut gemachten Mittheilung „über die Immunität der einheimischen egyptischen Hunde gegen die Wuth" dies auseindergesetzt habe, und was den Gegenstand der heutigen Vorlesung, die Similia in der Medicin des Alten, betreffe, so werde ihm die nächste Mittheilung Gelegenheit bieten, diese Vorstellung mit den großen wissenschaftlichen Entdeckungen unserer Tage auf dem Gebiete der Schutzimpfungen in Vergleich zu stellen. Er habe heute die Frage eben nur vom rein historischen Gesichtspunkt gestreift. Eowkspondriyku. Wien. (R eligi on s v erfo lgu tt g - G rün d e r in den Vereinigten Staate n.) Wir erhalten von einer Dame nachstehende Zuschrift: Im Herbst des Jahres 1620 segelte ein ärmliches Schiff „die Maiblume" mit einer Schaar flüchtiger Puritaner, welche den Religionsverfolgungen entgehen wollten, über den Ocean und warfen in der Bucht von Cape lod Anker. Der Winter brach ein, ihre Reihen wurden durch Hunger und Krankheit gelichtet. Aus rohen Blockhäusern, die sie sich selbst gezimmert, bestand ihre erste Heimat, welche sie „New Plymouth" nannten. An der Bai von Massachusets, am Flusse Connecticut, in New Haven, in Rhode Island (den ersten confessionslosen Staat) entstanden Colonien, und ob sie auch anfangs mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, gegen die Natur sowohl, als gegen die Indianer; die Vereinigten Staaten bezeugen heute den Erfolg jener Flucht. In einer ähnlichen Lage befinden sich heitte die russischen Juden. Auch sie stößt nach manchem Drangsal, die zur Stiefmutter gewordene Heimat, unerbittlich aus. Auch ihnen öffnet sich eine neue Welt, da das menschenüberfüllte Europa, den zum Proletarier gewordenen Beraubten nur widerwillig, wenn überhaupt aufnimmt. Mit 'größeren Mitteln als Penn und ebenfalls mit dem Genie des Herzens, hat Baron H i r s ch. der große Menschenfreund das richtige Land erwählt, wo eine äußerst spärliche Bevölkerung bei großer Fruchtbarkeit und reichen Naturschätzen gewissermaßen zur Colonisirung einladet. Die argentinische Republik, früher Vereinigte Staaten von Rio de 1a klata hat 31,143 geog. Meilen mit ungefähr 2.200,000 Einwohner und ungefähr 100,000 Indianer, während Oesterreich-Ungarn, Bosnien mitinbegriffen 11,705 geog. Meilen mit 41 Millionen Einwohnern hat. Argentinien ist also dem Umfange nach 2'/» Mal so groß als Oesterreich, doch während hier 07 Menschen auf den Kilometer kommen, zählt Argentinien deren kaum 2. Dabei erzeugt Oesterreich-Ungarn Lebensmittel nicht nur zum eigenen Bedarf, sondern hat auch einen starken Export. Argentinien ist von Natur aus ein reichgesegnetes Land. Riesige Rinder und Pferdeheerden weiden in den Pampas (der Fleischertract kommt von dort her). Der Wein, die Olive, edle Südfrüchte und alle europäischen Getreidearten gedeihen auf seinem Boden, ferne Bergwerke, obwohl reich an Metallschätzen sind aus Mangel an Arbeitern unausgebeutet, es ist ein Land, wo „Milch und Honig fließt", warum soll es den Juden, die ja in ihrer Heimat ein harr arbeitendes Gebirgsvolk waren nicht vergönnt sein, sich eine Heimat zu schaffen. Auch die Gründer der Vereinigten Staaten, welche nun 58 Millionen Einwohner zählen, waren um ihres Glaubens willen verfolgte Menschen; dem Urwald habeir sie die erste Heimat abgerungen; und sind die freien Bürger eines mächtigen Staates geworden. Nicht dem Baron Hirsch allein, der ganzen jüdischen Glaubensgenossenschaft kommt es zu, dazu beizutragen, ihren leidenden Brüdern ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen, die Wohlthätigkeit findet hier ein würdiges und fruchtbares Feld für ihre Betätigung. Vielleicht werden die späten Enkel noch einmal dafür der Vorsehung danken, und die heutige Barbarei wird den russischen Juden zum Ausgangspunkt einer schönen Zukunft dienen. Leonore Steinbach. Wien. Aus Moskau schreibt man uns vom 28. Mai: Endlich liegt eine authentische Angabe vor, welche es ermöglicht, eine wenn auch nur oberflächliche Schätzung des numerischen Umfanges der sich ihrem Anschluß nähernden Judenaustreibung aus Moskau anzustellen. Bekanntlich ist aus der Mitte der wohlhabenden jüdischen Bevölkerung Moskaus jüngst ein Comite gebildet worden, um den existenzlosen Juden die Reisemittel zu verschaffen, wobei es sich gleich herausstellte, daß nur eine sehr geringe Zahl der Ausgetriebenen die Hilfe dieses Comites in Anspruch zu nehmen gewillt war. Fast alle Handwerker, Kaufleute und sonstige Angestellte benutzten den Erlös aus dem Verkauf ihre Habseligkeiten für ihre Reise, Andere unterstützten sich gegenseitig durch Darlehen, wieder Andere bezogen die Reisemittel von Verwandten aus anderen Theilen des Reiches, so daß dem Comite ein nur beschränkter Wirkungskreis übrig blieb. Nichtsdestoweniger erreicht die Zahl der vom Comite „abgeschobenen""Perfonen die Ziffer von 6000, und da diese verhältnißmäßig niedrige Ziffer nicht über 5 Procent der gesammten Judenschaft Moskaus bilden dürfte, so läßt sich der numerische Umfang dieser Austreibung als ein solcher bezeichnen, wie er in unserem Jahrhundert noch nicht stattgesnnden hat. Wie unerwartet diese Maßregel und ihre beschleunigte Ausführung selbst für die vollziehenden Polizeibehörden kam, ergiebt sich aus folgendem Vorgang. Kurz nach dem Eintreffen des Allerhöchsten Befehles in Moskau — es war am Vorabend des jüdischen Osterfestes — begab sich ein höherer Polizeibeamter zu einem angesehenen Juden und, ihm die Hand gleichsam als Pfand entgegenftreckend, sagte er zu ihm: „Ich bürge Ihnen für zwei Jahre!" Am folgenden Tage aber mußte derselbe Beamte verstörten Gesichtes seinem Klienten sagen, daß er ausgetrieben sei und binnen sieben Tagen Moskau zu verlassen habe, widrigenfalls er Gewalt anwenden müsse. Es kann jetzt mit Sicherheit angenommen werden, daß es in der Abficht der Regierung liegt, nachdem alle Juden aus den Hauptstädten und aus dem Innern des Reiches nach ihrem Ansiedlungsrayon, wo sie schon ohnehin eine dichte Masse bilden, hinausgetrieben und dort conzentrirt sein werden, ihre akute Bedrückung inib Verfolgung nun in diesem Rayon zu beginnen. Das entsetzliche Elend, welches alsdann allerorten entstehen müßte, läßt sich vorläufig noch gar nicht übersehen; und hiernach erscheint die allernächste Zukunft für die Juden in Rußland in einem noch trüberen Lichte als die Gegenwart. So liegen die Dinge in einem Augenblick, wo der Kaiser und die Kaiserin der alten Zarenstadt einen Besuch abstatten und deren heilige Stätten und Kirchen aufsuchen. Wie«. Dem Briefe einer in Moskau lebenden Dame, einer geborenen Deutschen, entnehmen wir Folgendes: „Hier ist alles voll von den Judenverfolgungen und wir haben Gelegenheit, unter den zahlreichen ärmeren jüdischen Schützlingen unserer Freundin die traurigsten Dinge mit zu erleben. Man macht mit den Armen wenig Umstände; sie werden einfach per Etappe in ihren Geburtsort zurück transportirt, der Mann in seinen, die Frau in ihren, kürz, man reißt die Familien auseinander und da sitzen sie daun, krank vor Anstrengung irnd Ermüdung, ohne einen Kopeken Geld, selbst ohne ihre Sachen, hilflos und rechtlos, und wissen vor I Verzweiflung nicht aus, nicht ein. Du solltest die herzzer-