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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-05 · 22 (5.6.1891) · p. Seite 400

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
22 (5.6.1891)
Date
1891-06-05
Page
Seite 400 (sequence 14)
Language
German
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Seite 400 Hksterxerchlsche Wochenschrift Nr. 22 Und zum Schlüsse bemerkt er: „Nicht nach den Dingen, sondern nach den Ursachen und Wirkungen laßt uns fragen," (proinde causas quisque et effectus, non res estimat). Um es kurz zu sagen, war nach der Ansicht der Alten für die Bestimmung der Heilmittel Sympathie oder Antipathie der Dinge maßgebend. Von dieser sonderbaren Idee führt nur ein Schritt zu der bekannten Methode Hahnemann's: similia similibüs. Indem sie so Gleiches, ob dies nun eine Substanz, ein Organ oder ein erkrankter Theil war, gegen Gleiches anwendeten, kam es nur darauf an, jene Dinge in Gebrauch zu nehmen, die durch verwandte Erscheinungen ein gewisses analoges Causalverhältniß anzeigten. Das Gehirn eines Kameels z. B. wurde gegen Epilepsie angewendet, weil bei diesen Thieren Schwindel und ein nervöses Wanken bemerkt wurde. Die Scythen imb Perser glaubten gegen den Biß von Schlangen sicher zu sein, indem sie Pastillen mit Natterngist gemengt zum Gebrauche aufertigten. Die Leber von Wasserschlangen, deren Gift keinem der anderen Schlangenarten nachstand, sollte die Bißwunden heilen, die von ihnen beigebracht waren. Was nun speciell die Tollwuth betrifft, so wurde von den Alten eine Menge von Mitteln dagegen angewendet, aber mit besonderer Vorliebe, wie ich gefunden habe, nahmen sie die gleichartigen thierischen Substanzen zu Hilfe, weil sie diesen Theilen, Organen, Eingeweiden die Ursache der Krankheit zuschrieben, die nach dem Gesetze der Sympathie wiederum verschwinde,! mußte, indem man von jenen Gebrauch machte. So verordneten sie auch die Leber einer Hyäne oder eines Ziegenbockes, um gegen jeden Unfall von Wasserscheu sicher zu sein. Plinius spricht von der Leber eines tollen Hundes, die als Schutz-- und Heilmittel eingegeben wurde, beinahe wie von einer durch Gebrauch und Erfahrung unbestreitbaren Sache, ganz wie die Gelehrten des Talmuds davon berichtet haben. In seinem großen Werke, Cap. XXXII, bemerkt Plinius: In Fällen, wo man von tollen Hunden gebissen wurde, schützt man sich gegen die Wasserscheu durch Auflegung der Asche eines Hundskopfes, resp. dessen Gehirns auf die Wunde. . . Diese Asche ist auch vortheilhaft im Getränke als Beimischung. . . Andere bringen dem Verwundeten einen dem Cadaver des tollen Hundes entnommenen Wurm bei . . . oder führen in die Wunde die Asche der Schwanzhaare eines tollen Hundes ein. — Was aber noch heilsamer und sicherer ist, das ist die Leber desjenigen Hundes, der gebissen hat, in rohem Zustande zu essen. . . nmlto tarnen utilissime jecur ejus, qui in rabie memorderit, crudum mandendum!“ Der Gebrauch, einem Gebissenen die Leber eines tollen Hundes zu geben, besteht noch heute bei manchen Völkerschaften Asiens und wurde erst jüngst'von Professor Hanglianbeek in Bengalen festgestellt. Man versichert mir, daß unter den Beduinen Syriens diese Gewohnheit in Kraft stehe. Auch behauptet man, daß bei den Negern Inner- Afrikas eine solche Praxis geübt werde. Hier in Egypten ist dies nicht der Fall und ist hier aus Gründen, die ich in einer andern im Institut verlesenen Abhandlung entwickelt habe, die Seltenheit der Wutherscheinung und somit die Ausgeschloffenheit eines derartigen Heilmittels eine von der Geschichte und den Denkmälern begründete Thatsache. In unserem glücklichen Zeitalter hat dieses dunkle Gesetz der Similia und der Sympathieerscheinungen das Helle, aufschlußreiche Gebiet der Experimentalforschungeu betreten. Wenn gegen die Wuth wie gegen andere Parasiten» übel dieselben Substanzen, die Similia, als Schutzimpfung verwendet werden, so hat aus diesem Gesichtspunkte, den auszuspinnen hier nicht am Platze ist, das Gesetz der Similia eine höhere und tiefere Existenzberechtigung erworben. Die Besprechung dieses Gegenstandes behalte ich mir für eine nächste Mittheilung vor, mag also für den Augenblick mich damit begnügen, diesen Punkt gestreift zu haben und mit den Worten Montaigne's zu schließen: „So viel Gestalten die Vernunft auch zeige, so daß wir kaum wissen, an welche wir uns halten sollen, so zeigt doch auch die Erfahrung deren nicht minder." („Que la raison a tant de formes, que nous ne savons ä laquelle nous prendre; l’experience n’en a pas moins.“) M. Piot entgegnete hierauf mit folgenden Bemerkungen : „Aus dem interessanten, eben vernommenen glänzenden Expose unseres geehrten Herrn Vicepräsidenten, ist vor Allem zu folgern, daß da schon im Talmud ausdrücklich davon die Rede ist, die Wuthkrankheit im Orient seit ungefähr 2000 Jahren bekannt ist: sie muß also häufig bemerkt worden sein. Noch in unfern Tagen, wie ich in einer früheren Mittheilung erwähnt habe, ist diese Vorstellung von der Wuth bei den nomadisirenden Beduinen und den egyptischcn Fellahs eine sehr lebhafte, woraus aber entgegen der häufig wiederholten Behauptung Dr. Abbate Paschas zu folgern ist, daß dieses furchtbare Uebel bis auf die gegenwärtige Epoche endemisch geblieben. Die Thatsachen, die ich jüngst vor Ihnen citirt habe und die leider in häufigen Intervallen sich wiederholen, sind reichlich Beweis dafür, daß in Egypten die Wuthaffection weit davon entfernt ist, selten zu sein, und daß sie so gut bei den einheimischen Hunden und Katzen, wie bei den reißenden wilden Thieren, bei ven Wölfen und Schakalen zu treffen ist. Es ist wohl möglich, daß sie von europäischen Hunden hierher verschleppt wurde, aber dies kann doch nur höchstens ausnahmsweise der Fall sein. . . Um auf das specieller behandelte Sujet Dr. Abbate Paschas zurückzukommen, will ich bemerken, daß die medicinale Anwendung der Similia im Alterthum, wofür unser gelehrter Herr College ein so treffendes Beispiel anführte, in der alten Medicin überhaupt eine viel weitgehendere Verbreitung gehabt zu haben scheint, ehe sie von der Homöopathie zu einem allgemeinen Principe erhoben und von Hahnemann zur Grundlage für seine medicinische Doctrin benutzt wurde. Bei den Arabern geschieht es noch jetzt, daß sie als Präventivmittel auf die durch einen tollen Hund erzeugte Bißwunde das Haar des bissigen Thieres bringen und die gebissene Person nachher, sobald auf natürlichem Wege oder durch Tödtung der Hund gestorben ist, das aus der Brust des Hundes genommene Herz verzehren lassen. Alle diese Verfahrungsarten, die früheren und neueren, so widerstrebend sie uns scheinen mögen, sind immerhin sehr schmerzstillend. Tatsächlich haben die Experimente gelehrt, daß die Leber, die Milz und die Muskeln des mit der Wuth behafteten Individuums den Ansteckungsstoff verloren haben. Wie aber die Einführung dieser thierischen Gewebe in die menschlichen Organe auch nur das kleinste Heilvermögen besitzen kann, ist eine andere Frage. Kann doch das Gist, das eben in diesen Theilen nicht mehr vorhanden ist, in diesen Verdauungsorganen nicht auf natürlichem Wege sich wieder erzeugen und ist ja auch der Beweis noch nicht erbracht worden, daß die Einführung durch die Verdauungswege eine subcutane Jnjection des verdünnten Virus ersetzen könne. Man kann also auch nicht behaupten, daß zwischen diesem rein empirischen Verfahren und der durch die Austrocknung der Nervencentren erzielten wunderbaren Verdünnuugsmethode, durch die die Wissenschaft eben von M. Pasteur bereichert wurde, die geringste Aehnlichkeit bestehe. Wenn so viele Orientalen andererseits durch einelange Reihe von Jahrhunderten den Folgen der Bißwunden durch wüthende Thiere entgangen sind, so hat diese Erscheinung nichts Räthselhaftes an sich und darf in keiner Weise dem bizarren Producte einer im Werden begriffenen Pharmacopöe beigemessen werden; sie verdankten dies ausschließlich der Immunität, deren sich die menschliche Gattung in Bezug aus

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