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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-05 · 22 (5.6.1891) · p. Seite 399

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
22 (5.6.1891)
Date
1891-06-05
Page
Seite 399 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 22 Hesterreichifche Wochenschrift Seite 399 Herr Balduin Groller beantragt, Edmund Grafen Zichy, Baron Leitenberger und Hofrath Nothnagel zu Ehrenpräsidenten zu wählen. (Stürmische Zustimmung.) Der greise Edmund Gras Z i ch y nahm nnn das Wort. „Achtzig Jahre", sagte er, „bin ich alt, und ich glaube, daß meine Erfahrung einigen Werth hat. Baron Leitenberger nnd Hofrath Nothnagel haben ja das Fundament zu diesem Verein gelegt, und, wenn sie demselben jetzt das Fundament entziehen, so könnte es leicht geschehen, daß der ganze Bau wankt. (Zu den beiden Herren gewendet:) „Ich kann ja nichts Anderes, als eine Bitte an Sie richten: Bleiben Sie! (Stürmischer Beifall.) Im Namen Aller wiederhole ich die Bitte: Bleiben Sie an der Spitze des Vereins." Die Worte des greisen Cavaliers riefen eine starke Bewegung in der Versammlung hervor, nnd stürmischer Beifall, sowie Rufe: „Hoch Zichy!" ertönten. Baron Lei t en b erg e r : Ich bitte, die Versicherung entgegenzunehmen, daß ich stets als Erster den Antisemitismus bekämpfen werde. (Lebhafter Beifall) Doch erachte ich es für meine heiligste Pflicht, vor Allem meinem Berufe gerecht zu werden. Dies allein ist der Grund, warum wir die Action, die wir mit Begeisterung begonnen haben, jetzt bewährten Kräften anvertrauen wollen. Hofrath Nothnagel erklärte nun, daß Graf Zichy, Baron Leitenberger und er, den Znsatzantrag des Herrn Groller acceptiren und bei jeder Gelegenheit beitragen werden, der ernsten und heiligen Sache des Vereines einen würdigen und erfolgreichen Fortgang zu sichern. „Es muß licht werden in den Herzen, es muß klar werden in den Köpfen; das Gift, das an dem Marke des Volkes zehrt, die Krankheit, die unter uns herumschteicht, müssen verschwinden." (Stürmischer Beifall.) Die Wahl der Ehrenpräsidenten und des Vorstandes wurde nun nach dem Vorschläge des Herrn Groller vollzogen. Nach einer sehr beifällig aufgenommenen Ansprache des Baron, Suttner und einigen Worten des Malers S e e l o s wurde die Versammlung geschlossen. Die Similiarbehandlnng derTollumth im Talmud und dessen Erklärungswerken. (Von Dr. P. Abbate-Pascha in der Sitzung vom 26. December 1890 des egyptischen Institutes mitgetheilt und nach dem Journal Officiel du Gouvernement Egyptien (Cairo) vorn 14. Jänner 1891 übersetzt von Ignatz Kaufmann (Kojetein). Der babylonische Talmud wurde vor ungefähr 2000 Jahren von den gelehrten Juden Babyloniens abgefaßt. Aus diesem Abstand im Zeiträume ist das hohe Alter gewisser Vorstellungen, Vorurtheile, Lehren oder Gebräuche, die damals in Kraft waren und sich im Laufe der Zeiten unter die Völker vererbt haben, zu ermessen. Die Heilkunde lag noch in den dunkeln Träumen des Orients und bedeutete ihrem Namen nach nichts weiter als die empirische Verwerthung von Droguen oder Substanzen für alle durch bestimmte Zeichen oder fanatische Trugbilder sich aussprechenden menschlichen Krankheiten. Erst durch das Genie des Hippocrates und Galenus, der ersten ernsthaften Gelehrten jener dunkeln Zeiten, kam einige Ordnung, Licht und bessere Erkenntniß in diese Fachwissenschaft, in der ohne Zweifel gewisse eingewurzelte, aus langen Erfahrungen geschöpfte allgemeine Vorstellungen Jahrhunderte unverändert sich fortpflanzten und als untrügliche Wahrheiten ausgegeben wurden. So läßt sich meiner Meinung nach in folgender Betrachtung auch das kühne Hinweggehen der gelehrten Talmudisten über die von der Religion gebotenen Unterscheidungen von reinen und unreinen, d. h. zum Gebrauch bei den Juden erlaubten und unerlaubten Dingen erklären. In das Studium einer speciellen Frage vertieft, die ich gleich näher bezeichnen will, habe ich nämlich einen talmudischen Text gefunden, wo trotz der nothwendigen Einreihung des Mittels unter die Kategorie der unreinen Dinge, wohin eben auch die Eingeweide und Körpertheile von krankhaften Thieren gehören, die Anwendung dieses Mittels bei der durch den Biß von Hunden erzeugten Tollwuth gestattet ist. Der hebräische Text im Talmud lautet wörtlich: 'bv 122 natnö im pt .Ivw 2^2 MW D (.ra sp «er '>:na) "TfTö m p OT im „Es ist verboten, die Leber eines tollen Hundes demjenigen zu essen zu geben, der von ihm gebissen wurde, aber R. Mathia den Charasch hält dies für gestattet." (Mifchna Joma.) Es ist klar, daß nur die große.Autorität R. Mathias die talmudischen Gelehrten vermocht hat, die bestehende Satzung in diesem Punkte zu durchbrechen. Es ist aber auch klar, daß wie zur Zeit der Redaction der jüdischen Gesetze, so auch schon früher die behauptete Wirksamkeit dieses Mittels allgemein anerkannt sein mußte. Man hat in den Auslegungen des Talmuds mehrfach dem fraglichen Texte keine ernste Beachtung geschenkt. Doch ist der Sinn der talmudischen Worte von dem gelehrten, in seiner Zeit als Arzt und Forscher hervorragenden Maimonides seiner räthselhaften, mindestens dunkeln und widerspruchsvollen Form in scharfsinniger Weise entkleidet worden. Moses den Maimon, in der Geschichte Maimonides genannt, ist in Eordova in Spanien im Jahre 1135 geboren. Nach Egypten gekommen, erfreute er sich unter der Regierung des berühmten Sultans Malek el Nasser Saleh el Din und seines Sohnes Malek el Fadhel Ali, deren Arzt und beliebter Rathgeber er war, der unbegrenzten Verehrung und Hochachtung dieser Fürsten und aller Egyptex. Er starb in Fostat (Alt-Cairo) im Jahre 1205, gefeiert noch heutigen Tages durch seine Schriften über Medicin, Theologie und Philosophie, in erster Linie durch Feinen Führer der Verirrten (More Nebuchim), der im arabischen Texte des Originals von Salomon Munk in Pai is herausgegebeu und übersetzt wurde. Maimonides war ein Zeitgenosse und ein Bewunderer des Averroes und des Aviceuna, deren ganz von den philosophischen Ideen des Aristoteles durchtränkten Werke durch ihn bekannt und in Spanien und Europa überhaupt verbreitet wurden. Hier in Eairo specietl ist die hohe Verehrung dieses jüdischen Gelehrten für alle Zeiten an eine bei den Israeliten dieses Landes und bei allen ihren Glaubensgenossen heilig gehaltene Reliquie, an das Bethaus Musa ben Maimons gekettet, für welches die Familie Cattaui das Eigenihumsrecht (hodjet) erlangt hat und das gesehen und bewundert zu haben ich dem Entgegenkommen des Herrn Moses Cattaui verdanke. Doch muß ich nach dieser kleinen Ablenkung Ihrer Aufmerksamkeit ans die Verdienste des Maimonides nun zu meinem Gegenstände zurückkehren. Die medicinische Kunst der Alten war im Allgemeinen den veralteten Anschauungen, dem Wunderglauben, den Bräuchen und Gewohnh eiten der Zeit ohne weiteres Raifonnement blind unterworfen. Schon Cato verdammte ihre Wirksamkeit, weil nichts der moralischen Corruption so sehr in die Hände arbeite als die Medicin mit ihren vom Luxus inspirirten Mixturen, dem unmäßigen Gebrauch der Bäder, den Brechmitteln zum Zwecke nachherigen maßlosen Essens und Trinkens, der weibischen Enthaarung aller Körpertheile, den mit Gegengiften wie jenes des Mithridates gemengten Substanzen u. s. w. „Welch' ein Teufel von einem Gotte", ruft Plinius aus, hat diese Thorheiten gelehrt? Ist dies doch offenbar eine eitle Preisstellung der Wissenschaft und eine abscheuliche Charlatanerie! Worauf er noch hinzufügt: „Überhaupt sind die Heilmittel der Alten Nichts als ein Gewebe von haarsträubenden Nichtswürdigkeiten. Relioua äetestubilia. et intuncka (Capitel XXIV).

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