Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 21 (29.5.1891)
- Date
- 1891-05-29
- Page
- Seite 380 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 380 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 21. liest der Banns seinen Besuch im Tempel ansagcn und wurde derselbe um 11 Uhr Vormittags am Eingänge des Gotteshauses von dem Vorstände, an dessen Spitze der verdienstvolle Präses Herr I. F l e i s ch m a n n steht, ehrfurchtsvoll begiüstt. Der Eantor Herr Friedrich sang den Psalmvers 26. Eap. 118. Hierauf hielt Herr Bezirks-Rabbiner S. D. Tauber eine herrliche, ergreifende Ansprache und war es herzerquickend zu hören, welches glänzende Zeugnist Se Excellenz in seiner Antwort der Loyalität der Israeliten ausstellte. Nachdem Se. Excellenz dem Redner für seine schönen Worte gedankt, hob er empor, dast er es stets bewährt fand, dast die Israeliten nicht nur in Croatien, sondern in der Gesammtmonarchie im wahrsten Sinne des Wortes ihre Bürgerpflichten getreulich erfüllen und wird er wie bisher denselben seine Sympathien voll bewahren und erhalten. Se. Excellenz sprach einige Minuten und hätte jedes seiner edlen Worte verdient verewigt zu werden. Der Banns lästt es aber nicht blos bei schönen Worten bewenden, denn diese bekommen wohl die Israeliten oft zu hören, sondern sein ganzes Wirken entspricht seinen hochherzigen und menschenfreundlichen Gesinnungen und nur diesen ist es zu danken, dast die Giftpflanze des Antisemitismus in Croatien nicht aufzusprießen im Stande ist. Am selben Tage gab der Banns ein Diner, zu welchem die Spitzen der Behörden geladen wurden, welches er durch den israelitischen Hotelier- Herrn S. S ch e i b n e r Hotel Stern effectuiren liest und liest sich Se. Excellenz dann die Familie desselben vorstellen, um ihr für die schöne und gute Ausführung des Diners persönlich zu danken. Zum Diner waren auch der Präses Herr Jac. Fleischmann und Bezirks-Rabbiner Tauber geladen, wo der Letztere noch Gelegenheit nahm, Se. Excellenz im Namen der Gemeindemitglieder zu danken für die huldvollen Worte, die er in unserem Gotteshause gesprochen. Leipzig.' In der von antisemitischer Seite herausgegebenen Schrift: „Der Wucher arf dem Lande" sind auch einige statistische Daten zusammcngestellt und diese Daten bieten den Beweis, dast die Betheiligung der Juden am Wucher auf dem Lande eine geringe ist. Die Berechtigung dieser Behauptung wird aus folgenden statistischen Daten hervorgehen: 1. < S. 53) „Nach angestellten Erhebungen wird bas Creditbedürfnist der bäuerlichen Bevölkerung Württembergs weitaus zum größten Theile durch Private befriedigt, aber (gesperrt gedruckt!) jüdische Geschäftsleute sind die Gläubiger nur bei 40/oderJmmobilienschulden"; 2. (S. 108) Nach den „Ergebnissen der Civil- und Strafrechtspflege bei den Gerichten des Königreichs Bayern, herausgegebeu vom Königl. Staatsministerium der Justiz" waren von den 7 i. I. 1881 auf Grund des Gesetzes vom 24. Mai 1880 wegen Wucher Verurtheilteu: „sechs katholisch, einer protestantisch, während die israelitische Confession unbetheiligt erscheint"; 3. (S. 305) Im Großherzogthum Posen wohnen fast zweimal soviel Juden, als im übrigen Preusten; fast ausnahmslos lauteten die von den landwirthschaftlichen Vereinen ertheilten Antworten, dahin, daß Wucher nicht mehr vorkomme, und damit stimmt denn auch überein, daß in Preußen auf 500.000, in der Provinz Posen nur auf je 850.000 Seelen eine Verurtheilung wegen Wucher kommt." Aertm. Ueber den antisemitischen sogenannten „Deutschsocialen" Parteitag wird gemeldet: Wie eine Schmach hat das deutsche Pfingsten die Schaar verunziert, die sich zu den Feiertagen in Leipzig unter dem Zeichen des Festes zusammenzurolteu wagte und dem deutschen Geist ein schimpfliches Brandmal aufdrückte. Herr L i e b e r m a n n von S o n n e n b e r g, der Ehreumauu, de, aus dem Scheine Anderer steht, hat die Getreuen berufen und sie waren alle erschienen, die vielberufenen Namen, sogar der Dr. Böckel wird als Ehrengast gefeiert, und wie mögen erst die gewöhnlichen Gäste beschaffen gewesen sein! Mitten im deutschen Frühling der antisemitische Nachwinter, fast scheint es. als sollte des Jahrhunderts abwärts sich neigende Sonne die Nacht des finstersten Mittelalleis heraufbeschwören und die Blüte edler Menschlichkeit >n den Nesseln und Dornen blindwütiger Verfolgungsfucht und gistgeschwollenen, habgierigen Neides erstickt werden. Und aller Orten sind sie am Werke, die schwarzgepanzerten Kämpen wider den Geist der Freiheit und Aufklärung, widcr die Gebote der Menschlichkeit und des Christenthums. Oesterreich hatte einen bewährten Hetzer und Schreier als lebendigen Gruß an die lieben Brüder entsendet, und nur durch dringende Geschäfte waren die Judenschinder in Rußland und die Judenmörder auf Korfu abgehalten, sich gleichfalls vertreten zu lassen, im Geiste aber waren sie alle bei einander. Und über der Versammlung schwebte jedenfalls auch der Geist der hohen Gönner, die ans gewissen Gründen es nicht lieben, sich öffentlich in dieser Gesellschaft zu zeigen, aber im heimlichen Dunkel durchaus nicht verschmähen, gemeinschaftliche Sache mit ihr zu machen unb in ihrem hochgeborenen Dünkel wohl gar vermeinen, auch diese Marionetten an ihren Fäden tanzen zu lassen. Natürlich wird riesig renommirt mit der großen Zahl der Begrüßungsteleg' amme, die aus allen Theilen des Reichs und arrs dem Auslande eingelaufen sein sollen. „Ueber 150 Telegramme wurden verlesen." — Wie solche begeisternde Begrüßungen gemacht werden, geht aus folgendem Rundschreiben des Wittener Antisemitenhäuptlings Dr. König hervor, das die „Volkswacht" i» Bielefeld mittheilt. P. P- Ich bitte Sie sreuudlichst, am Montag den 18. d., Nachmittags gegen 3 Uhr, ein Begrüßungstelegramm für den Parteitag in Leipzig an die Adresse: Fritsche, Leipzig, Stadt Nürnberg, oder am Dienstag den 19. d., Morgens gegen 9 Uhr an Fritsche, Leipzig, Cafe Battenberg, zu senden. Statt Fritsche kann nach Belieben auch mein Name genannt werden. Mit deutschem G>uß Dr. König. Janle, im Mai. Ueber die Lage auf der Insel Zante entnimmt die „Voss. Ztg." einem Privatbrief vom 3. d. M. Folgendes: Durch die Vorgänge auf Korfu war die Leidenschaft der Zantioteu gegen die Juden mächtig erregt worden, sie kam vollends zum Ausbruch, als am griechischen Charfreitag (1. Mai) das Kruzifix bei Gelegenheit einer Procession durch die Straßen herumgetragen wurde. Der wüthende Pöbel drängte nach dem Zugang zum Judenviertel, welches schon seit mehreren Tagen beständig von Soldaten besetzt gehalten wurde. Der befehlende Offizier forderte die Menge unzählige Male auf, die Absperrungslinie nicht zu überschreiten, worauf man ihn beschimpfte und mit Gewalt durchzudringen versuchte. Jetzt blieb dem Offizier nichts anderes übrig, als Feuer geben zu lassen. Mehrere Personen (Landleute) wurden ge-