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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-05-29 · 21 (29.5.1891) · p. Seite 381

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
21 (29.5.1891)
Date
1891-05-29
Page
Seite 381 (sequence 11)
Language
German
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R£5> ...| n iihiii j?—:. Nr. 21. Hesterreichische Wochenschrift Seite 381 troffen und starben sogleich, einige andere wurden schwer! oder leicht verwundet. Im Ghetto herrschte schreckliche Panik,! viele liefen wie die Wilden umher, andere schimpften und! zogen ihre Pistolen hervor, dazwischen Weibergeschrei und j fanatische religiöse Ansprachen einiger Strolche, es war ein! fürchterliches Durcheinander. Schräg gegenüber den« Zugang j znm Ghetto wohnt ein angesehener achtbarer Jude mit seiner j Frau und Tochter. Ans einmal richtete sich die Wnth des Pöbels gegen dieses Hans. Man riß das Pflaster aus und warf mit den Steinen die Fenster ein, öffnete mit Gewalt die Hansthüre, ohne auch nur im Geringsten von der bewaffneten Macht daran gehindert zu werden, und stürzte die Treppe hinauf. Gleich darauf wurden zahlreiche Möbel und Kleidungsstücke zum Fenster hinaus auf die Straße geschleudert, wo sie von den mit Bestien vergleichbaren Uebelthätern vollständig zertrümmert wurden; auch die Geschäftspapiere des Juden, welcher Kaufmann ist, wurden sämmtlich zerfetzt. Nachdem man an diesem Hause nur die nackten Wände übrig gelassen, zerstörte man in derselben Weise noch die Wohnungen einiger jüdischen Modistinnen, dann stürzte der Haufe nach dem Landhause des erstgenannten Juden, um auch dieses zu verwüsten. Am Tage nach diesen Vorgängen trafen zur Verstärkung etwa 100 Mann Infanterie und heute ebenfalls weitere Verstärkung ein. Dkkmiskhtks. Wien: Die Israelitische Allianz zu Wien hält Donnerstag, 4. Juni 1891, um 5 Uhr Abends, im Saale der israelitischen Cultnsgemeinde, I., Seitenstettengafse 4, die 18. ordentliche Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1 Bericht über die Thätigkeit des Vereins im Jahre 1890; 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1890; 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Functionsdauer (§ (> der Statuten). Die Reihe zum Austritte trifft die Herren David Ritter v. Gutmann, Dr. Hermann Grünbaum, Dr. M. Güdemann, k. Hofrath Josef Ritter von Pfeiffer und Donat Zisferer. Die Wiederwahl ist zulässig. 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten) Wien. Der Corvettencapitän Herr Friedrich Josef Pick wurde zum k. u. k. Fregattencapitän ernannt und dürfte der erste Jude in Oesterreich sein, der in der Kriegsmarine eine so hohe Würde erreicht. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat geruht, dem Regimentsarzte Dr. Oskar Lanzer im Verhältnisse „der Evidenz" des Landwehr-Bataillons Wien Nr. 1, in Anerkennung seines gemeinnützigen und patriotischen Wirkens das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens mit Allerhöchster Entschließung vom 11. Mai 1891 zu verleihen. Dr. Oskar Lanzer entstammt einer schlesischen Patrizierfamilie und gehört zu den gesuchtesten Aerzten der westlichen Bezirke Wiens. Als Arzt, namentlich als Militär-Sanitäts-Schriststeller erfreut er sich eines hervorragenden Rufes im Jn- und Auslande, und hat sich durch wiederholte militärärztliche Veröffentlichungen, insbesondere durch sein Lehrbuch über freiwillige Sanitätsdienste aus dem Kriegsschauplätze einen hervorragenden Namen erworben. Dr. Oskar Lanzer ist Schwiegersohn des um die schlesische Judenheit hochverdienten, am 24. Februar 1890 in Bielitz verschiedenen Cultusvorstandes Salamon Tugendhat. Wien. Die Nemesis hat einem der verbissensten Antitisemitenhäuptlinge arg mitgespielt. Der jüngst verstorbene ehemalige Gemeinderath Häusler zählte zu den begeistersten Bewunderern Schönerer's und aus seiner Thätigkeit im Gemeinderathe sind seine Angriffe gegen die „verjndete" Freiwillige Rettungsgesellschaft in aller Erinnerung. Er verstieg sich damals zu dem Dictum, daß wenn er auf der Straße einen Fuß brechen würde, er unter keiner Bedingung gestatten möchte, daß ein jüdischer Arzt oon der Freiwilligeil Retlnngsgesellschaft ihn berührt. Das Verhängnis; hat es aber anders bestimmt. Am 21. Mai erlitt er ans dem Bahnhof in Baden einen Schlagansall uiib der Arzt, welcher vom Stationschei zur ersten Hilfeleistung reqnirirt wurde, war ein Jude. Der Wiener Arzt Herr Dr. Brün au er hat sich stundenlang Mühe gegeben, dem erkrankten Antisemiten Hilfe zu bringen und wir glauben kaum, daß Herr Häusler diesem Juden einen Erfolg mißgönnt hätte. Kien. Der in Bildung begriffene Verein zur Abwehr des Antisemitismus, dessen Zustandekommen ein hohes Verdienst des Herrn Professor Nothnagel bilden wird, pn blizirt in allen Tagesblättern seinen in edler und kräftiger Sprache abgesaßten Ausruf uns jeder Unbefangene wird zunächst erfreut fein, über die große Zahl der Männer aus den höchsten Kreisen der Gesellschaft, welche den Ausruf gezeichnet haben. Das „Vaterland" ist darüber erbost und sucht den Erfolg durch gemeine Kniffe zu schmälern, tnbem es behauptet, daß die Vereinsleitnng „einzelne Namen wiederholt in den Mitgliederlisten erscheinen läßt", sowie durch den Spott: „daß Cardinal M i g a z z i (Erzbischof von Wien 1757 bis 1803) dem Vereine seinen Beitritt erklärt habe, wird zur Vermehrung der Mitglieder kaum beitragen. Es würde sich vielleicht^ empfehlen, daß die Vereinsleitung, um dem Mangel an Mitgliedern gründlich abzuhelfen, ihre Zuflucht zu 'den berühmten „Steisleinernen" Falstaffs (Shakespeare, König Heinrich IV.) nimmt, die sich bekanntlich nach Bedarf in's Unendliche vermehren lassen " Dieses Gebellser wird den Erfolg des Vereines in keiner Weise hindern. In der Mitgliederliste sind neben „Edu ard von M i n g a z z i de Modigliani), Generalmajor" die vornehmsten und besten Männer der Literatur, Politik, Kunst und Wissenschaft, die glänzendsten Namen des ofterr. Kaiserstaates vertreten, während die antisemische Parteiführung an ihre 'Spitze Zeugniß- 'und Stampigliensälscher, Herrgottspsänder und Jndividien ähnlichen Kalibers beruft. Wien, 27. Mai. Am 26. d. hielt der „Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien und dessen Vororte" für diese Saison seine zahlreich besuchte Schlußversammlung. Der Obmann Herr S. B r o d hielt dem verstorbenen Herrn A r m i n i o Co h n, - als gewesenem langjährigem Cultusvor-- stände, eine warm empfundene Nachrede und forderte die Versammlung auf, dessen Andenken durch Aufstehen von den Sitzen zu ehren. Hierauf hielt Herr Gustav M a r b n r g, Fabrikant ans Freudenthal, unter Bezugnahme ans seine Brochüre einen kurzen, aber inhaltsreichen Vortrag über gewerbliche Kranken- und Versorgungscaffen, der eine lebhafte Discnssion anregte und an der sich die Mitglieder Herr M. Brill, G a b r. S i n g e r, H e r m. Bielitz, Friedm a n n, R o s e n s e l d, S o n n e n s ch e i n n. A. recht rege betheiligten. Zum Schlüße belcudjtcte der als Gast erschienene Herr Neustadtl in eingehender 'Weise vom wirthschastlichen und handelspolitischert Standpunkt aus die Hebung des Kleingewerbes, dessen glänzenden Ausführungen lebhafter Beifall folgte. In später Stunde schloß die Versammlung. Ihr Fernbleiben haben entschuldigt die Gemeinderälhe Herr S t i a ß n y, Simon und Lang und Cultnsvorstands-Mitglied Herr Architekt Fleische r. Wien. In der Sitzung vom 8. Mai wurden in die verschiedene Erecntiv - Comito's der Baron Hirsch-Stiftung folgende Mitglieder gewählt, und zwar für Lemberg: die Herren M. Lazarus, Dr. Fruchtmann, Stryj, Dr. Gottlieb. S. Horowitz, I. Pipes, S. Bnber, Dav. Rapoport, Dr. G. Schaff, S. Klaermann, Salomon Ehajes, Brody, für Krakau: die Herren Pros. I. Rosenblatt, Dr. L. Horowitz, I. Przeworski, Hersch Landau, I. Birnbaum, Em. Mirtenbaum, L. Reich, A. Mendelsburg, S. Schnitzer, Dr. M. Jchheiser.

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