Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 21 (29.5.1891)
- Date
- 1891-05-29
- Page
- Seite 379 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020869--00405-3024392- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 21. Hekerreichische Wochenschrift Seite 379 im Mittelpunkte Europas, trotz der Bedeutenheit seiner inneren Kraft, seiner äußeren Verbindungen von dem Auslände nie genug gekannt, oft verkannt wurde, ist leider eine Wahrheit, die so laut und scharf in neueren Seiten Schriftsteller Böhmens sie auch geäußert haben, doch selten beherzigt wurde. Mag die Ursache dieser Ungerechtigkeit in dem Mangel an inländischen Zeitschriften liegen, wodurch das Gute, was da geleistet wurde, nicht Publieität genug erhält, mag es in dem Charakter des Böhmen selbst liegen, der gern wirkt und schafft, aber nicht gern posaunt — oder mag es selbst in einer gewissen Anmaßung unserer Nachbarn seinen Grund haben, genug, es ist so, das auswärtige Publikum, und vorzüglich das „augränzendc" Deutschland stellt Böhmen um einige Stufen tiefer. So geschieht es nach dem Ausdrucke eines böhmischen Schriftstellers, daß man uns nicht kennt, bei uns wenig sucht, und darum eben wenig findet/, Diese Worte hat unser später durch bedeutende Acte der Humanität berühmt gewordene Glaubensgenosse ausgesprochen vor nun mehr wie 84 Jahren, er würde aber sicherlich diesen Ideen Ausdruck verliehen haben, wenn er über dasselbe Thema zu schreiben hätte. Recht erfreulich ist die Stellung, welche unsere Glaubensgenossen in Böhmen auch heute auf dem Felde der Arbeit einnehmen. Hervorragend sind ihre Leistungen aus allen Gebieten menschlichen Wirkens. Dies zeigt sich klar und unwiderleglich auf dem Feste der Arbeit, das in Prag gefeiert wird. Den uugetheilteu Beifall aller Besucher findet die in Prag Heuer stattfiudende Jubilüums-AuSstelluug. Worte ungetheilter Anerkennung äußerte namentlich Se. k. Hoheit der Herr Erzherzog Karl Ludwig, der als Protektor der Ausstellung dieselbe im Namen unseres allergnädigsteu Kaisers und Königs eröffnete, sowie seine erlauchte Gemahlin die Frau Erzherzogin Maria Theresia. Aber auch heute wie vor 84 Jahren finden sich Leute, die verhindern wollen, daß Böhmen nicht gekannt wird, deren Bestreben vielmehr dahin abzielt, daß Böhmen auch weiterhin verkannt bleibt. Hiedurch leiden unsere Glaubensgenossen in mehrfacher Beziehung. Die in Klattau erscheinenden ,,KlatovSke Lisch" rathen ihren Lesern, Nichts bei den Gegnern der Ausstellung zu kaufen, als welche sie freilich indirect die Juden bezeichnet. Das in Prag erscheinende deutsche Blättchen „Schönerer"scher Couleur macht die Juden für diese Krähwinkliade, wie sie die Nichtbeschickuug und das Todtschweigen der Ausstellung nennt, direct verantwortlich, und erwartet hierdurch ein riesiges Anwachsen der deutsch-antisemitischen Partei in Böhmen. Und die jüdischen Aussteller? Sie haben Hervorragendes geleistet. Das wird aber aus Parteidisciplin todtgeschwiegen. Darum werden Sie mir hoffentlich gestatten, über die seitens unserer Glaubensgenossen ausgestellten Objecte zu berichten, wobei ich mich für diesesmal darauf beschränke, die diese Leistungen betreffenden Aenßerungen Sr. kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzog Karl Ludwig zu registriren. Als Se. Hoheit am 15. Mai 1891 gleich nach der Eröffnungsfeierlichkeit den herrlichen Jndustriepalast passierte, und zu der Exposition des Herrn Joses I n w a l d kam, geruhte Se. Hoheit sich in anerkennender Weise über die Fortschritte, die sich in den ausgestellten Glaswaaren manifestierten, recht lobend zu äußern. „Selten" so äußerte sich der hohe Besucher, „habe ich eine so schöne und exquisite Zusammenstellung von Glasproducten beisammen gesehen. Das besondere Wohlgefallen Sr. Hoheit erregten zwei mit den wohlgetroffeuen Bildnissen Ihrer Majestäten gezierten, von Herrn In Wald ausgestellten Riesenpokale, und erkundigte sich derselbe, ob die Bildnisse nach Photographien ausgenommen wurden. Auch bezüglich der weiteren Aasstellungsobjecte sprachen Ihre Hoheiten ihr Wohlgefallen aus, und erregten insbesondere deren Aufmerksamkeit eine Rauchgarnitur, die aus 1 Glastische, 2 aus prachtvollem Krystallglas verfertigte Tabourets, 2 neuartigen Krystallglaslampen, 2 mir den österreichischen lind Habsburger Wappen gezierten Wandtellern besteht. — Am 18. Mai beehrten Ihre Hoheiren den Pavillon der Firma F r i e d r i ch K u b i u s k y mit Ihrem Besuche Ter herrliche, mit großem Aufwaude ausgestattete Pavillon ist eine Zierde des Jndnstriepalastes, und legt Zeuguiß ab von der hohen Entwicklung der böhmischen Eottonindustrie, die von den Juden P orge s - P o rrh ei m, Epstein, I e r u s a l e m, D o r m i tz e r, W i e n, S ch u l h o s und nun Kn b i n s ky aut eine so hohe Stufe der Entwicklung gebracht wurde. Von hier ans begaben ^sich Ihre Hoheiten^trotzt der späten Abendstunde in den Pavillon der Firma I g n asz Fuch s. Im Jahre 1848 übernahm der vor Kurzem gestorbene Vorgänger dieser Firma ein in seiner Familie seit 1804 bestehendes Papiergeschäft, das er zu selten großem Aufschwung brachte. Die jetzigen Chefs dieser Firma konnten Ihren kaiserlichen Hoheiten Proben zeigen, die von einer hohen Entwicklung der von ihnen geleiteten Papierfabrik, .Hofbuchdruckerei, Schriftgießerei, Lithographie, Buchbinderei ein rühmendes Zeuguiß ablegten, das besondere Interesse Ihrer Hoheiten erregte eine große Pyramide farbigen Rotationspapiers, welches das respectable Gewicht von über 27.000 Kilogramm repräsentirt, ferner die im Betriebe stehende Eouverterzeuguugsmafchine, i ferner die Druckmaschine, ans welcher vor den Augen Ihrer! Hoheiten Papier mit dem Bilde der Ansstellung geziert wurde. Se. kaiserliche Hoheit bestellte einige Eassetten dieses Papieres. Mit den Aenßerungen sichtlichen Wohlgefallens besichtigten die kaiserlichen Hoheiten die Ausstellung dieser Firma. ßzernowitz, 24. Mai. t B a r o u H i r s ch Stiftung.) Das Juslcbentreten der hochherzigen Stiftung des großen Philantropen 'Baron Hirsch soll nun endlich Thatsache werden und auch unseren armen Glaubensgenossen in der : Bukowina zugute kommen. D aß dies auch in zweckmäßiger und den edlen Intentionen des Stifters würdiger Weise; geschehen werde, dafür bürgt die Erfahrung, Einsicht und die Op'erwilligkeit derjenigen Männer, welche in das hiesige; Execntiv-Eomite bereits berufen woiden und. Es find dies; die nachbenannten zehn Herren, welche curch ihre hervor-; ragenden Vertrauens-Stellungen, die sie in der hiesigen Ge , sell)chaft seit einer langen Reihe von Jahren einnehmen, des; in sie gesetzten Vertrauens gewiß vollauf würdig erscheinen: Nastali Tittinge r, Präses der hiesigen Jsraeliten- Gemeinde, Mitglied des Bukowinaer k. k. Landesschulrathes, Sparkasse-Director, Gemeinderath?c.. Präsident des Erecmiv- Eomitös z B e r n h a r d B a l t i u e st e r, Präses-Stellvertreter der hiesigen Jsraelilengemeinde, Gemeiuderath und Stadtrath, k. u. k. Hauptmaun i. P. :c., Vicepräsident des Executiv- : Eomitösz Dr. H einrich Ki e s ler, Vicepräsident der Bukowinaer Advocaten-Kammer, Präsident des Disciplinarrathes, Gemeinderath und EultuSvorstand, Schatzmeister des Executiv-Eomitös z Aron Am st er, Eultus-Vorstand und . Gemeinderath z Dr Bernhard Bar der. k. k. Raths-! Secretär beim hiesigen k. k. LandeSgerichte; Dr. L. E. Igel, I Ober- und Landesrabbiuer z I g n a z P a r o l l a, Bürger-! meister und Vorstand der Cultusgemeinde in Sadagoraz! Dr. Benno St rauch er, Advocat. Enltusvorstand und j Gemeinderathz David Tittinger, Cultusvorfteher, Prä! sident der Börse, VicePräsident der Bukowinaer Handels-! und Gewerbekammer, Landtagsabgeordneter und Gemeinderath; endlich H e i n r i ch W a g u e r, Mitglied des hiesigen Enltusrathes, Sparcasse-Director, Gemeinderath und Reichsrathsabgeoidneter. Zur Vertretung der k. k. Regierung ins-! besondere zur Wahrung und Mitwirkung bei den Schulaugele-; genheiten gehört dem Erecutiv Eomitü der Delegirte k. k. Landes schul-Juspector Herr Dr. Wilhelm V y s l o u z i l an. Wekovar, 17. Mai. Die hiesige Stadt, speciell die jüdische Gemeinde hat durch die Anwesenheit Sr. Ercellen; des Banns Grafen K h u e u - H e d e r v a r y einige Tage , der wahret! Freude verlebt. Derselbe inspicirtc das Krenz- Belovarer Eomitat imb traf am 12. d. Abends hier ein, wo ihm ein glänzender Empfang bereitet wurde. Mittwoch