Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 21 (29.5.1891)
- Date
- 1891-05-29
- Page
- Seite 376 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 376 Hesterreichische Wochenschrift Nr. 21. inscenirte. Dr. Hans Barth telegrafirte ferner: „Der! hier die Untersuchung leitende Staatsanwalt, Herr B e n s i s,! brandmarkte in einer mir bewilligten Unterredung energisch das ungeheuerliche Lügengewebe der Berliner Antisemitenpresse, speziell der „Kreuzzeitung" in Bezug auf den angeb 1 lichen „rituellen Mord". Der Staatsanwalt constatirt mir ausdrücklich den unseligen Einfluß der deutschen und öfterj reichischen Antisemiten-Presse auf die Vorgänge in Korfu. j Daß das ermordete Mädchen eine Jüdin sei, unterliege nicht dem geringsten Zweifel. R u b i n a Sarda war, wie der Beamte angibt, in widernatürlicher Weise vergei waltigt und dürfte die Ermordung mit einer durch die berüchtigte griechisch-orthodoxe Kupplerin vermittelten Ver- . führung des Kindes zusammenhängeu. Der Schutzmann i Charalampis, welchen die Lügenberichte der antisemitische» „Kreuz-Zeitung" und anderer ähnlicher Blätter als Haupt gewährsmann anführten, habe bereits g e st a n d e n, daß er die betreffende Erzählung erfunden, und sei in Haft. Die fünf Hauptanstifler der Unruhen werde», wie der Staatsanwalt meinte, zum Tode verurtheilt werden. Die Regierung wird überhaupt sehr streng Vorgehen. Der von der „Staatsbürger-Zeitung" und „Kreuz-Ztg." sin Wien vom „Deutschen Volksblatt" und der gesamnite» antisemitischen Preßmeute) publicirte Bericht eines angeblichen Deputirten Georgios Serros ist, wie der Präfekt von Korfu erklärte, von Anfang bis zu Ende erlogen. Ein Deputirter Serros existirt überhaupt nicht. Außerdem ersuchte noch der Deputirte Zervos die Redaction des „Berliner Tagblatts" ausdrücklich öffentlich zu erklären, daß außer ihm in ganz Griechenland kein Deputirter gleichen oder ähnlichen Namens existirt oder existirt hat. Da er nun selbst niemals einen Bericht über die Vorgänge in Korfu an eine Berliner Zeitung abgesandt habe, so sei der von der antisemitischen Presse gebrachte Bericht von A bis Z ein tendenziöser Schwindel. Die Erklärungen des Präfekten von Korfu wie des Deputirten Zervos bedürfen keines Commentars mehr, die Fälschungen der antisemitischen Presse sind von den griechischen Behörden selbst festgestellt worden. Die „Kreuz-Zeitung" antwortete darauf, indem sie Dr. Hans Barth „als einen Juden, den Sohn eines jüdischen Großhändlers in Smyrna" bezeichnet. In Wahrheit aber ist der Correspondent nicht Jude, sondern Christ, er ist auch nicht aus Smyrna, sondern aus Württemberg, und sein Vater war nicht jüdischer Großhändler, sondern christlicher Schuldirector, der in Smyrna lange Jahre als Leiter einer deutschen Schule wacker für die Erhaltung des Deutschthums im Auslande gewirkt hat. Die arische Wahrheitsliebe bricht überall hervor. Im Uebrigen meldet man aus London: „Im Unterhause erklärte Unterstaatssecretär Gorst aus eine Anfrage, daß nach amtlichen Berichten der griechischen Regierung die Ordnung auf Korfu wieder hergesteltt sei und daß die Juden ihre gewöhnlichen Geschäfte ausgenommen hätten. Er fügte hinzu, daß in demselben Sinne am 9. d der britische Gesandte in Athen telegraphirte und daß auch der Befehlshaber des englichen Kriegsschiffes im Hafen von Zante berichtete, daß in Zante Alles ruhig sei und keine weiteren Besorgnisse zu hegen sind." Eorrkspondkn^n. Wie«. Die Zeitungen melden: Herr Wilhelm Ritter v. G u t m a n n hat im Namen seiner Gemalin dem Vereine zur Errichtung und Förderung von Seehospizen und Asylen, I., Mölkerbastei Nr. 3, am Jahrestage der Eröffnung des Erzherzogin Maria Theresia-Seehospizes zu San Pelagio bei Rovigno 6000 fl. gespendet und hiemit neuerdings sei» humanes Interesse für diese Heilanstalt bethätigt. — Von der Leitung des hiergenannten Vereins, dem neuerlich diese bedeutende Spende zutheil geworden, erhalten wir nachstehende Zuschrift; „Sr. Hochwohlgeboren Herrn Dr. Bloch, Reichsraths-Abgeordneten, Wien. Zur Steuer der Wahrheit ersucht die gefertigte Directio» in Angelegenheit der in der Nr. 20 der „Oesterr. Wochenschr." unter dem Titel: „Der stramme Gesinnungsgenosse" gebrachten Notiz Folgendes zur gefälligen Kenntnis; zu nehme» und in der nächsten Nummer dieser Wochenschrift auch grfälligst zu verwerthen: Der in das Erzherzogin Maria Theresia Seehospiz zu S.-Pelagio berufene Herr Dr. Carl D i e m wurde der Direction von maßgebender Seite, welcher der Antisemitismus nicht zum Vorwurf gemacht werden kann, als Secundararzt auf's beste empfohlen und von der Direction aufgenommen, ohne daß sie früher über seine politische oder religiöse Ueberzeugung Erkundigungen e-ngezogen hätte. Inwieweit die über den genannten Herrn gebrachte Notiz auf Wahrheit beruht, ist die Direction vorläufig nicht in der Lage zu entscheiden; sie hat jedoch sofort nach Bekanntwerde» der Notiz die Leitung des Seehospizes angewiesen, Herrn Dr. Diem mitzutheilen, „derselbe habe in seinem Dienste stets den Humanitären Standpunkt vor Angen zn halten, daß alle Kranke ohne Unterschied der Confessio» in gleich zuvorkommender Weise zu behandeln sind." Die bisherige humanitäre Thätigkeit des Vereines, welcher Angehörigen jedes Religionsbekenntnisses objectiv, ohne jede Voreingenommcnheit, die Heilung in seiner Anstalt zugänglich macht, soll nach wie vor aufrecht erhalten bleiben. Von den im Jahre 1890 verpflegten 257 Kindern waren 41=16°/0 Israeliten, von den bisher 1891 aufgenomniene» Pfleglingen (159) sind 23 über 15°/0 Israeliten. Dieselben werden in S.-Pelagio ebenso liebevoll und aufmerksam behandelt wie die christlichen Pfleglinge. Niemand tritt ihrer religiösen Ueberzeugung entgegen, Proselytenmacherei ist gänzlich ausgeschlossen. Wegen dieser liebevollen, aufmerksamen Behandlung kehren alle Kinder ohne Unterschied der Confession gern nach S.-Pelagio zurück, wenn dies etwa ihr Zustand erforderlich und wünschenswerth macht. Die gefertigte Directio,i hofft, daß Ihren Religionsgenossen durch diese wahrheitsgetreue Darstellung jede Beunruhigung benommen wird und versichert, daß etwa auftretende Unzukömmlichkeiten seitens irgend eines Angestellten des Seehospizes sofort geahndet wird, wenn er gegen die Principien des Vereins etwa handeln würde. Hochachtungsvoll. Prof. Dr. Monti." Wir unsererseits wundern uns, daß der geehrten Bereinsleitnng, welche bei Bestellung von Aerzten de» Bewerber nach politischer oder religiöser Ueberzeugung zu fragen für überflüssig erachtet, nicht das Malheur passirt ist, einen Arzt — jüdischer Confession zn bestellen unb es hätte dafür keiner besonderen Rechsertigung bedurft bei einem paritätischen, Institute, welches den Kranke» aller Confession'n gleichmäßig zu Gute kommen sott und der Munificenz jüdischer Wohlthäter sehr namhafte Summen dankt. Wir Jude» haben überdies in den letzten Jahren mancherlei bittere Erfahrungen gemacht. Wir erinnern an den Asylverein der Wiener Universität, für dessen Zwecke jüdische Wohlthäter nahezu zwei Drittel der Beträge gespendet haben. So lange man an die öffentliche Wohlthätigkeit zu appelliren genöthigt war, überbot sich die Vereinsleitung in Versicherungen, daß sie > lle engherzigen confesssonellen Tendenzen fernhalte. Wie sieht es aber heute in diesem Asylvereine aus? Wir haben es auch anderwärts in Wien erlebt, daß jüdische Stiftungen für Juden unzugänglich geworden sind. Die geehrte Vereinsleitung für Seehospizen wird deßwegen unsere Empfindlichkeit ein wenig begreifen. Wie wir erfahren, hat ein geachtetes Mitglied der isr. Cultusgemeinde an das Präsidium des Vereines folgenden Brief gerichtet: „Löbliches Präsidium! Ich als Jude fühle mich nicht verpflichtet, daß mit jüdischem Gelde und sohin auch mit meinem ein Antisemit ausgefüttert werde und erlaube mir meinen Austritt aus Ihrem Vereine anzuzeigen. Ich wünsche, daß auch andere meiner Glaubensgenossen das-