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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-05-15 · 19 (15.5.1891) · p. Seite 359

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
19 (15.5.1891)
Date
1891-05-15
Page
Seite 359 (sequence 13)
Language
German
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Nr. H) ^österreichische Wochenschrift Leite 359 penfionirten und nicht activen jüdischen Soldaten begünstigt, beziehungsweise den Letzteren „in Anbetracht ihrer dem Paterlande geleisteten Dienste" gestattet, sich überall im Reiche nicderlassen zu dürfen. Erst die gegenwärtige russische Regierung hat 1882 diese Verfügung Nikolaus des Ersten aufgehoben und die jüdischen Soldaten, um mit dem Ukas zu sprecheil, „nach ihrer Dienstzeit in den ursprünglichen Zustand" zurückversetzt. 5)11111 ist auch den jüdischen Handwerkern in Rußland das ihnen von Alexander IL verliehene Recht der allerortigen Niederlassung genommen worden. Nach den letzten statistischen Ausweisen beträgt die Zahl der jüdischen Einwohner in Moskau 57,000 Köpfe, während sich die Zahl der im Moskauer Gouvernement Gebenden auf ungefähr 34,000 Personen beläuft. Mehr als 80 Percent der gesammten Zahl find Handwerker, die Nebrigen Kaufleute erster Gilde, Künstler, Journalisten k. Die jetzt von der Ausweisung betroffenen Juden sind größtcntheils seit 1863 in Moskau ansässig. Die gegenwärtige Ausweisung der Juden aus Moskau konnte erst jetzt nach Enthebung des humanen Fürsten Dolgorukow vom Posten eines Moskauer General-Gouverneurs durchgeführt werden. Dieser liberale, den Traditionen Kaiser Alexander's II. treu gebliebene Staatsmann hatte während seiner 25jährigen Thätigkeit als General-Gouverneur von Moskau die Juden stets in humaner Weise behandelt. Sogar im letzten Decennium, während General Gresser in Petersburg, Admiral Zelenij in Odessa, Gurko in Warschau, Graf Kachanow in Wilna, Graf Jgnaliew in Kiew und Gouverneur Demvowetzkij in Mohilew in der rücksichtslosesten Weise gegen die Juden vorgingen und noch Vorgehen, so daß beispielsweise, dem Kiewljanin zufolge, während der letzten Monate mehr als 50,000 Juden durch Uebertritt zur Orthodorie sich und ihre Familien vor den Verfolgungen retten mußten, gab Fürst Dolgorukow diesen Strömungen nicht nach und ließ die Juden in Moskau ruhig weiter leben. Vermischtes. Wien.fAus zeich nung des D ire c t ors Tauffig.) Der Kaiser hat wie amtlich gemeldet wird, mit Entschließung vom 9. d. dem Direetor der priv. Allgemeinen österreichischen Bodenereditaustalt in Wien Theodor Ritter von Taussig in Anerkennung der von ihm um öffentliche Interessen aus dem Gebiete des Verkehrswesens erworbenen Verdienste den Orden der eisernen Krone zweiter Klaffe mit Nachsicht der Taxe verliehen. Wien. Sontag am 17. Mai 2l!2 Uhr 'Nachmittag findet im israel. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Großgrundbesitzers Herrn Bernhard R 0 s e n st 0 ck von S k a l a t mit Frl. Therese G 0 l d s ch m i e d t statt. Der Bräutigam gehört einer der vornehmsten jüd. Patrizierfamilien Galiziens an, ist ein Bruder des bekannten Abgeordneten für die Brodyer Handelskammer, Dr. M 0 r i tz R 0 s e n st 0 ck; die Braut ist eine Enkelin des vieljährigen und verdienstvollen Vorstehers der Wiener isr. Eultusgemeinde Herrn Jacques B r a n d e i s, Wien, 6. Mai. Das Curatorium des isr. Blinden- Jnstituts versendete dieser Tage den Jahresbericht pro 1890, dem wir folgende Daten entnehmen: Gegenwärtig find im Institute untergebracht: 24 Knaben, 24 Mädchen, und 5 außerordentliche mithin 42 Zöglinge. Von diesen sind 4 aus Wien, 5 aus Böhmen, 5 aus Mähren, 1 aus Schlesien, 3 aus Ungarn, 16 aus Galizien, 1 aus der Bukowina, 4 aus Rumänien, 2 aus Rußland, 1 aus Frankreich. Die Erfordernisse des Institutes betrugen im Jahre 1890 22.119 fl. 45 kr. — Die Werkstätte ergab einen Erlös von 757 fl. 21 kr., hievon wurden den Zöglingen 180 fl. als ihr Antheil in der Sparcassa angelegt. — Das auf Anregung der Frau Eäcilie Adle r feit 1887 bestehende „Sparkörbchen- Unternehmen" weist eine Einnahme von 2855 fl. 62 kr. aus. — Der am 18. April 1890 verstorbene Herr Ant 0 n S ch a i hat dem Institut 20.000 fl. Notenrenre vermacht. — Hkmütz. 22. April. Der Führer der Antisemiten in Mährisch-Neustndt, Kaufmann Alois Ferbus, der im Mär; des Vorjahres wegen Wuchers mit einem Monate strengen Arrestes bestraft wurde, stand fünf Monate später abermals vor dem hiesigen Kreisgerichte unter der Anklage des Verbrechens des Betruges, begangen durch Ablegung eines falschen Eides, und wurde hier zu schwerem Kerker in der Dauer von zwei Monaten verurtheilt. Seine gegen dieses Urtheil überreichte Nichtigkeirsbeschwerde wurde nunmehr vom obersten Gerichtshöfe verworfen; dagegen erhöhte das Oberlandesgericht auf Berufung der hiesigen Staatsanwaltschaft die Strafe auf fünf Monate schweren Kerkers, verschärft mit einem Fasttage alle 14 Tage. Naab. Unser Oberrabbiner Herr Dr. Julius Fischer hat bei der jüngsten Generalversammlung des hiesigen Munizipiums in einer gründlichen Rede die Verlegung des Jahrmarktes, welcher heuer zufällig auf den jüdischen Versöhnungstag fallen sollte, beantragt. Der Antrag wurde auch von christlichen Mitgliedern wärmstens unterstützt und einstimmig zum Beschluß erhoben. Das Vorgehen verdient allseits gerechte Anerkennug. Kessen. Der großherzogliche Kreisrath Herr von Gagern hat in einem Erlasse an die Großh. Bürgermeistereien dieselben aufgeforderl, dem Antisemitismus in Oberhessen mit aller Energie enrgegenzuarbeiten. Dieser Tage hat nun Herr v. Gagern selbst bewiesen, wie viel ihm daran gelegen ist, dieses gifrige Unkraut auszujäten. In der Nähe Gießens hat eine Jnduftrielehrerin in der Schute, der auch ein jüdisches Kind angehört, ein anlifemitifches Räthfel aufgegeben. Das Kind theilte dies seinen Eltern mit, welche sofort dem Kreisrnthe Milthcilung machten. Dieser begab sich ohne Zögern nach dem Dorfe, besuchte die Lehrerin in der Schule und stellte sie über die Angelegenheit zur Rede. Als die Lehrerin die ihr zur Last gelegte Pflichtverletzung in Abrede stellte, hieß der Kreisrath sie, für kurze Zeit das Zimmer verlassen; er gab nun den Kindern dasselbe Räthsel auf, und alle erklärten sich zur Lösung desselben bereit. Auf die Frage, iver ihnen die Lösung gegeben, antworteten alle Kinder einstimmig: „Die Lehrerin". Nachdem dies festgestellt war, entließ der Herr Kreisrath die Lehrerin sofort ihres Dienstes, l Jüd. Presse). Aertin, 11. Mai. Petersburger Telegramme melden übereinstimmend, daß die Moskauer Juden-Ausweisungen eingestellt wurden, weil andernfalls die russischen Gewerbetreibenden ernstlich benachtheiligt worden wären. Der wahre Grund des Beschwichtigungsversuches ist offenbar, der Rothschild-Gruppe die Rückkehr zum Anleihegeschäft zu erleichtern. Köln, 11. Mai. Die „Kölner Ztg." meldet aus St. Petersburg: Die Klagen der russischen Kaufleute v. Moskau über die schweren Geschäftsverluste, die sie infolge der Judenausweisungen erleiden, dauern fort. General Gurko verlangte außerordentlichen Kredit zur Weiterbeförderung der aus Moskau ausgewiesenen, jetzt vielfach ganz mittellosen Juden, deren in Warschau und Wilna viele Tausende weilen. Gleichzeitig verlautet, nach Moskau fei der Befehl ergangen, bei den Ausweisungen der Juden milder zu verfahren, nachdem Gurko erklärt habe, er vermöge die nach Polen abgeschobenen mittellosen Juden nicht mehr unterzubringen. Kötn. 12. Mai. Die „Köln. Ztg." meldet aus Petersburg : Der Gcneralgouverneur Kuropatkin wies aus Transkaspien alle Juden aus. Aus Kiew werden auch die jüdischen Musiker fortgeschickt. Moskau verlassen täglich auf der Brester Bahn etwa dreihundert ausgewiefene Judenfamilien. Die antijüdische Stimmung an allerhöchster Stelle dauert an. Nyvrnk, 1. Mai. Herr Amtsrichter Grünwald ist zum Amtsrichtsrath, Herr Dr. Silberberg, Assistenzarzt 2. Klasse der Reserve, zum Assistenzarzt 1. Klasse befördert worden. Waden. (Deutschland.) Die Karlsruher Zeirnng bringt gelegentlich des 50-jährigen Militärjubiläums des Großherzogs

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