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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-05-15 · 19 (15.5.1891) · p. Seite 357

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
19 (15.5.1891)
Date
1891-05-15
Page
Seite 357 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Heüerreichische Wochenschrift Leite 357 Kränze fast verdeckten Sarge der Prediger Dr. Adolf Jellinek die Trauerrede, in welcher er der vielfachen Tugenden des Verewigten gedachte, der seinen Lebenszweck in Arbeit und Wohlthun erblickte und an dessen Sarg sich Männer aller Parteien und aller Stände vereinigen, um ihrer Trauer über diesen Verlust Ausdruck zu geben. Unter Absingung eines PsalmeS wurde hierauf der Sarg auf den Galaleichcnwagen gehoben. Dem Trauerzuge folgten die Arbeiter der beiden Brauereien von Döbling und Ottakring, Abtheilungen der Feuerwehren dieser beiden Gemeinden, die gesammte Eeineiudevertretnng von Oberdöbling mit dem Bürgermeister Frau; Kreindl, die Bürgermeister Zagorsky (Ottakring), Bachofen von Echt (Nußdorf), Richter (Grinzing), Vertreter der Gemeinden Ottakring, Neulerchenfeld, Rudolfsheim, FünshauS, Währing, viele Wiener Gemcinderäthe, Vertreter der zahlreichen Humanitätsvereine, betten der Verstorbene als Mitglied oder Ehrenmitglied angehörte, eine große Zahl von Industriellen, Vertreter der Finanzbehörde, der Lehrerschaft, der Polizei re. Unter den prächtigen Kränzen fielen außer jenen der trauernden Familie jene der Gemeinde Oberdöbling, deren Ehrenbürger der Verblichene war, des Gymnasiums und Kindergartenvereins in Oberdöbling, der Bediensteten der beiden Brauhäuser re. auf. Bei der Nußdorfer Linie bildete das Trauergeleite Spalier und wurde von dort die Leiche zum Nordbahnhose gebracht, von wo die Uebersührung nach Lnndenbnrg behufs Beisetzung in der dortigen Familiengruft mittelst Separalzuges erfolgte. Aus Lnndenbnrg wird uns unter dem Gestrigen telegraphirt: Heute fand hier das Leichenbegängniß des Herrn Jakcb Kuffner, Mitbesitzers der Brauereien Döbling und Ottakring, der Zuckerfabriken Lnndenbnrg, Koste!, Dioszegh in imposanter Weise statt. Die Leiche langte hier mittels Separatznges von Wien an und haben an der Leichenfeier nebst den aus Wien mirgekommenen Angehörigen eine große Anzahl von Tranergästen thcilgenommen, darunter Vertreter der Gemeinde Oberdöbling, Vertretungen dortiger Vereine, Beamten der verschiedenen Unternehmungen, eine Abtheilnng der Ottakringer Feuerwehr; ferner die Gemeindevertretungen, Honoratioren und Vereine Luudenbnrgs. Der Verblichene, ein geborucr Lundenburger, hatte trotz seines vieljährigen Aufenthaltes in Wien seiner Vaterstadt stets ein j marines Herz bewahrt und ließ keine Gelegenheit voriibcrgehen, ohne ' der Zustitiiti'oiieii Lunden burgs sowie der Armen in reichem Maße zu gedenken. Die überaus große Betheiliguug am Leichenbegängnisse hat deutlich bewiesen, welch' besonderer Werthschätznng er sich erfreute. Wien. (Der König von Dänemark über den Antisemitismus.) Gestern Nachmittags fand in der Billa des Herzogs von Cumberland in Penzing zu Ehren des derzeit in Wien weilenden dänischen Königs- Paares ein intimes Diner statt, bei welchem sich der König von Dänemark in sehr bezeichnender Weise Uber die Wiener antisemitische Bewegung anssprach. Zn dem Diner, welches im engsten Familienkreise stattfand, war von Fremden nur der bekannte Stadlzimmermeister und neugewählte Gemeinderath, Herr Frants Djörup geladen worden, da Herr Djörup, ein naturalisirter Wiener, einer dänischen Familie entstammt. Nach dem Diner zog der König von Dänemark Herrn Djörup in ein längeres Gespräch, in dessen Verlauf er Herrn Djörup zu der Wahl in den Wiener Gemeinderath gratulirte und ihm mehrere Fragen über die kommunalen Verhältnisse stellte. Als darauf Herr Djörup der antisemitischen Bewegung gedachte und meinte , dieselbe trage sehr viel Schuld an den ungünstigen Berhältnissen, unter deren Drucke Wien zu leiden habe, entgegnete der König: „Ich begreife gar nicht, wie es möglich ist, daß in einer rein administrativen Körperschaft und ans einem rein kommunalen Gebiete eine Strömung der Art, wie es die antisemitische ist, zum Dmchbrnche kommen kann- So etwas gibt es in der ganzen Welt nicht; speziell in Dänenmark ist für den Antisemitismus überhaupt kein Boden. Ich bedauere es, daß sich in Wien so unliebsame Verhältnisse breit machen." In ähnlicher Weise äußerte sich auch der Herzog von Cumberland zu Herrn Djörup über den Antisemitismus, und nachdem sich die hohen Herrschafreu noch einige Erklärungen über das Wesen und die Befugnisse des Wiener Stadtrathes hatten geben lassen, wurde nach 4 Uhr die Tafel aufgehoben und Herr Djörup in huldvollster Weise entlassen. Budapest. Der Roman eines jüdischen Jünglings. Fm Jahre 1889 verstarb der Konsul in Smyrna, Simon Sind und wurde auf dein dortigen protestantischen Friedhofe begraben. Seine Witwe, die Baronin Fanny Albory, wendete sich an die (Gemeinde Also-Apsa im M.irinaroser Gomilat, um das Gebnrtszengnis ihres verstorbenen satten;u verlangen. Man suchte in den Matrikeln lange vergebens und konnte durchaus keine Auszeichnung finden. Endlich wendete sich die betreffende Behörde, wie „(>' - s" meldet, an unseren berühmten Orientalisten Hermann Vamberp, der ein intimer Freund des Verblichenen war. Vamtwrn lieferte thatsächlich die verlangten Daten. Dieselben zeigen, welch' ein vielbewegtes Leben Stab hinter sich hatte. Vnmbery erzählt, daß Stab im Fahre 1830 als Sohn jüdischer Eltern in Alsü-Apsa geboren wurde. Zu jener Zeit wurden die Matrikel noch äußerst oberflächlich geführt und mag dies der Grund fein, daß Stab in denselben nicht verzeichnet erscheint. Stab nahm an den Kämpfen in den Fahren 1848/49 lebhaften Antheil und flüchtete mit Kossnth in die Türkei, wo er vorerst in türkischem und sodann in englischein Dienste stand, später übersiedelte er nach Smyrna, wo er sich als Konsul einer südamerikanischen Republik allgemeiner Sympathien erfreute. Wirdapest. V e r e i n s j n b i l ä u m. Der Pesler Frauenverein hielt heute Nachmittags im Saale des alten Waisenhauses in der Damjanichgasse seine sünfnndzwanzigstc ordentliche Generalversammlung, welche sich zu einer erhebenden Feier dieses bninanitären Vereins gestaltete. Gin den vornehmsten Kreisen der Hauptstadt angehöriges Publikum hatte sich zur Feier cingefunden. Wir bemerkten: die Gemahlin des Unterrichtsministers Gräfin Albin Gsäkp, die Gattin des Dberstcercmonienmeisters Gräfiit G6za Szapäry, Frau Alexander Hegedüs, die Gattin des FML. Gruft Hollan, Baronin Kochmeister, Baronin Schoßberger, Frau Hedwig Adler-Bancalari rc., ferner die Abgeordneten Moriz Wahrmann und Dr. Armin Reumann, die Prediger Dr. Kohn und Dr. Kayserling, Magistratsrath Johann Horvath, Seminardirektor Bloch, Martin Schweiger re., sowie die Delegirten fast sämmtlicher Budapester Wohlthäligkeitsvereine. Die Präsidentin des Frauenvereins, Frau Fohanna Bischitz, eröffnet die Versammlung. Sie spricht den Mitgliedern den herzlichsten Dank für die stets bewiesene Dpfersrendigkeit und Sympathie ans, welche sie dem Vereine gegenüber an den Tag gelegt und welche es möglich machten, daß der Verein jenes schöne Ziel erreichte, welches er sich vor fünfundzwanzig Fahren ausgesteckt hat. 'Namentlich dankt sie der Vizepräsidentin Frau Marie Herzl, sowie den Vorsteherinen und Ausschnßdamen, welche sie in ihrer Thätigkeit mit voller Aufopferung unterstützten. (Stürmische Eljcimire.) Hieraus sollte der Jahresbericht, sowie der Bericht der Revisions- Kommission verlesen tverden, doch iverden dieselben als verlesen betrachtet. Statt des Oberbürgermeister Karl Rath und des Vürgermeisters Kamerinayer, die Beide krankheitshalber am Grfcheinen verhindert find, spricht Magistratsralh Johann Horvath 'Namens des Munizipinms der Hauptstadt unt> des Magistrats dem Vereine für dessen segensreiche Thätigkeit den herzlichsten Dank uub die vollste Anerkennung ans. Tie Fnstitntioncn des Vereins find geradezu musterhaft und haben der Hauptstadt sowohl wie zahlreichen anderen Wohlthätigkeitsverclnen in vielen Fällen als Vorbild gedient. Gr spricht den aufrichtigen Wunsch aus, daß der Verein seine hehre Thätigkeit mit stets wachsenden Kräften znm Wohle der leidenden Menschheit widmen möge und dankt nochmals der Präsidentin, sowie den Ausschnßdamen für ihr ansopferungsvolles Wirken. Stürmische Gljenrnse folgten diesen Worten, woraus Paul Tencer beantragt, Frau Bischitz als schwaches Zeichen der Anerkennung zur Präsidentin ans Lebenszeit zu wählen, als Anerkennung für die Vizepräsidentin Frau Herzt aber den großen Saal mit deren Porträt zu schmücken. Beide Anträge wurden mit Akklamation angenommen, woraus Rabbiner Dr. Kohn an die Anwesenden eine stimmungsvolle Ansprache hielt. Der Kamps ums Dasein, sagt Redner, ist schon so alt ivie die Menschheit selber und Gott hat weise gewaltet, da er im Menschen den Wohlrhätigkeitssinn, das Gebot der 'Nächstenliebe erweckte. In viel höherem Maße als dem Manne aber ist der Frau die Gabe gegeben, Wohlthatcn ansznüben:

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