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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-05-15 · 19 (15.5.1891) · p. Seite 356

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
19 (15.5.1891)
Date
1891-05-15
Page
Seite 356 (sequence 10)
Language
German
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Seite 356 __ chesterreichilche Wochenschrift__Nr. 19 bedrohten österreichischen Unterthancn zu schützen und den österreichischen Handel mit Griechenland und den jonischen Inseln vor ungeheuren Verlusten zu bewahren?" * 3jS * lieber die Iudenhetze in Korfu wird gcineldct: Triett, 13. Mai. Nach Privatbricfen an hiesige Kauflcute aus Korfu, wird die Situation dort täglich trauriger. Seit einem Monate schweben die Juden, in ihren Häusern cingcschlosscn, in steter Gefahr. Gegen ihre Fenster werden Steine geschleudert, die Straßen füllt eine tobende Beenge. Den Wachen werden die Waffen aus bcu Händen geriffcn, mit welchen man in die Häuser cinzudringen versucht, während andere die Häuser in Brand stecken wollen. Korfu beherbergt 4000 Juden, welche jetzt im tiefsten Elende schmachten. Die KultuSgcmcindc ist nicht in der Lage, den dringenden Bedürfnissen abzuhelfen. In der Presse wird täglich gegen die Juden gehetzt, das Ghetto ist vollständig belagert und man will die Einwohner Hungers sterben lasten. Die Behörden sind ohnmächtig, weshalb die Intervention der Großmächte angcrufen wird. Die Kranken bleiben ohite ärztliche Hilfe und Tobte können erst nach vier bis fünf Tagen beerdigt werden. Der Pöbel verwüstete den jüdischen Friedhof und steckte das Friedhofbethaus in Brand. Auch in Zante ist die Situation ernst. Athen, 13. Mai. Anläßlich der Unruhen in Korfu hatten sowohl der hiesige deutsch e, wie auch der englische Gesandte längere vertrauliche Besprechungen mit den Miuistelpräsidcnteu. Athen, II. Mai. In Folge der seitens der Konsuln in Korfu cingelangten beunruhigenden Berichte haben die hiesigen Vertreter einiger Großmächte der griechischen Regierung freundschaftliche Voistcllungen gemacht. Der „Picolo" meldet aus Athen: Zwei Panzcrfregattcn gingen nach Korfu ab. Aus Rom wird hieher gemeldet, daß die Regierung ein Kriegsschiff zur Währung der Sicherheit der italienischen Unterthancn nach Korfu abscndcn dürfte. Der italienische Generalkonsul von Korfu, Berio, welcher gegenwärtig in Rom weilt, tvurdc angewiesen, unverzüglich nach Korfu zurückzitkehren. Neapolitanische Blätter melden aus Athen, daß die Lage in Korfu kritisch ist, daß, wenn nicht schleunige Militärhilfc kommt, ein Massacre unvermeidlich ist. Paris, 13. Mai. Der Kreuzer „Daudin" wurde von der französischen Regierung in die Gewässer von Korfu entsandt, um nöthigenfallS die französischen Staatsangehörigen zu schützen. Wie«. Nunmehr hat die Eentralsection für die Volkszählung in Wien ihre Arbeiten beendet und wir find in der Vage, unseren Lesern die BolkSzählungSergebniffe mit Rücksicht auf die jüdische Bevölkerung Wiens mitzutheilen. Die Gesammtsumme der israelitischen Einwohner beträgt — bei einer BcvölkcrungSzahl von 1,364.548 Einwohner überhaupt — 118,495. Nach der Volkszählung vom 31. December 1890 gab cS in den zehn alten Bezirken bei eitler Bevölkerung von "25,658 Personen 73000 Israeliten. In den tinzeluen Bezirken stellt sich gegenwärtig das Verhältnis; folgendermaßen: 1. Bezirk, Innere Stadt: Einwohnerzahl: 67.029. Hievon 12.819 Israeliten. 2. Bezirk, Lcop oldst ad t: Einwohnerzahl: 158.274. Hievon 49.098 Israeliten. 3. Bezirk, Landstraße: Einwohnerzahl: 110279. Hievon 7304 Israeliten. 4. Bezirk, Wieden: Einwohnerzahl: 59.135. Hievon 2329 Israeliten. 5. Bezirk, Margarethen: Einwohnerzahl: 84.031. Hievon 2685 Israeliten. 6. Bezirk, M a r i a h i l f: Einwohnerzahl: 63.901. Hievon 4632 Israeliten. 7. B e z i r k, N e u b a u : Einwohnerzahl: 69.859. Hievon 4494 Israeliten. 8. Bezirk, I o s e f st a d t: Einwohnerzahl: 48,976. Hievon 2031 Israeliten. 9. Bezirk, Alsergrund: Einwohnerzahl: 8! .170. Hievon 11.951 Israeliten 10. Bezirk, Favoriten: Einwohnerzahl: 84.819. Hievon 2098 Israeliten. 11. Bezirk, Simmering: Einwohnerzahl: 29.798. Hievon 451 Israeliten. 12. Bezirk, Meidling: Einwohnerzahl: 61.193. Hievon 1422 Israeliten. 13. Bezirk, Hietzing: Einwohnerzahl: 44.1 49. Hievon 676 Israeliten. 14. B e z i r k, R u b o t f sh c i nt: Einwohnerzahl: 54.342. Hievon 2260 Israeliten. 15. Bezirk, Füufhaus: Einivohuerzahl: 44.162. Hievon 2268 Israeliten. 16. Bezirk. Ottakring: Einwohnerzahl:!06.893. Hievon 3370 Israeliten. 17. Bezirk, Hernals: Einwohnerzahl; 47.662. Hievon 3245 Israeliten. 18. Bezirk, Währing: Einwohnerzahl: 68.863. Hievon 3366 Israeliten. 19. Bezirk, Döbling: Einwohnerzahl: 31.890. Hievon 1328 Israeliten. Unter den 1,364.548 Beivohnern befinden sich in den alten Bezirken 22.029 aktive Militärpersoncn, von denen 668 Israeliten sind, Wien In einer der schönsten Städte Spaniens, in der einstigen Hauptstadt Cataloniens, uämlich in Barcelona ist am 24. April eine internationale Kunstausstellung in feierlicher Weise eröffnet ivorden. Die uns vorliegende Liste der Aussteller liefert das befriedigende Ergebniß, daß die österreichische Künstlerschaft ein schönes Contingent von Ausstellern zu dieser Exposition gestellt, -indem nicht ivcniger als 27 österreichische Künstler als Aussteller in Barcelona figurircn. WaS aber für uns um so erfreulicher ist, das ist die Thatsache, daß unter den Ausstellern zwei in Wien lebende Glaubensgenossen sich befinden, nämlich das jugendliche Brüderpaar, die Herren Helman Pfeiffer, acad. Maler und Isidor Pfeiffer, acad. Bildhauer. Herr Helman Pfeiffer, ivclcher Ihren Lesern bereits von der vorletzten Münchener Iahrcsausstellung bekannt sein dürfte, anläßlich welcher er wegen seines dort ausgestellten Bildes „Der Seifenbläser" lobend erivähnt wurde, hat in der Kunstausstellung in Barcelona, ein fein gemaltes Portrait eines Granden von Spanien vorstellend, ausgestellt; und hat vergangene Woche als Stipendist der Fani Ieitels'schen Stiftung, welches Stipendium von der hiesigen Cultnsgemeinde zu einer Studienreise nach Italien verliehen ivurde, seine Reise dorthin angetrcten und bleibt vorläufig in Florenz. Herr Isidor Pfeiffer, ivelcher in der letzten Kunstausstellung in Budapest ausgestellt, hat nach Barcelona eine Portraitbüste und eine allegorische Statuette betitelt „Satan und seine Werkzeuge" gesendet. — Eine sonderbare Fügung der Vorsehung ist cS, daß in Spanien, ivo seit langen Jahren die Juden auSgewiesen und je|*t nur mit beschränkten Rechten leben können, daß die Stadt Barcelona, ivo einst ein InqnisitionSgericht Hunderte von unseren Glaubensbrüdern hingemordet, doch heute jüdischen Künstlern seine Knnsttempel öffnen muß. Wien, 11. Mai. (Leichenbegängnisse.) Unter imposanter Betheiligung der Schriftsteller- und Kniistwelt, sowie der gebildeten Kreise Wiens tvurde gestern Vormittags um 10 Uhr der am 8. d. Früh nach kurzer Krankheit verstorbene Schriftsteller und Redakteur des „Fremdenblatt" Lud w ig Porges auf dem Friedhefe in Döbling zur letzten Ruhe gebettet. Der mit einer Fülle von Kiänzen geschmückte Sarg, in welchem die Leiche des Entschlafenen ruhte, wurde präzise 10 Uhr in die Zeremonienhalle getragen und dort auf ein Trauergerüst gestellt. Unter den zahlreichen Leidtragenden bemerkte mau den Vizepräsidenten des Obersten Rechnungshofes Ritter v. Zwölf, Hofrath v. Kamler, Landesgcrichtsrath Strnad, Staatsanwalt-Substitut v. Cischini, Professor Josef Bayer, Bildhauer Natter, mehrere höhere Officiere, die Hofburgschanspieler Regiffeure Robert, Krastel, Reimers und Lowe die Hosepernsänger Mayrhofer und Grengg, Alexander Girardi, sämmtliche engeren Kollegen des Verblichenen und Vertreter der meisten anderen Wiener Redaktionen. Nachdem Oberkalltvr Singer mit dem großen Choipersonale einen Trauerchoral feierlich vorgetragen hatte, hielt Prediger Tr. Adolf Schmiedl einen ergreifenden Nachruf. Am offenen Grabe hielt zunächst der Präsident des Journalisten- und Schriftsteller Vereines „Concordia", Professor Warhanek eine Rede, worauf der Chefredakteur des „Fremdenblatt", Regierungsrath Dr. Marcell Frydman n, dem langjährigen Kollegen einen ehrenden Nachruf hielt. — Unter außerordentlich starke r Betheiligung fand gestern in Oberdöbling das Leichenbegängniß des Brauereibesitzers Jakob Kuffner statt. Im großen Hofe des Brauhauses, dessen Portal und Wände schwarz drapirt waren, hielt vor dem mit einer Fülle prachtvoller

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