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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-05-07 · 18 (7.5.1891) · p. Seite 339

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
18 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
Seite 339 (sequence 15)
Language
German
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sir. 18. Gesterreichische Wochenschrift Lrette 337 heit. Der Umstand, daß sie in eine gewisse Verbindung mit Pferdezucht und Pferdeliebhaberei gebracht wird, entschuldigt ihre Auswüchse nicht. Man sollte endlich einmal daran gehen, auch dieser verderblichen Leidenschaft einen wirksamen Riegel vorzuschieben. Die Neigung hierzu ist bei der Regierung vorhanden; ob aber die ergriffenen Maßregeln auch radical genug sein werden, das möchten wir vor der Hand bezweifeln." _ Antisemitismus und Aberglaube. Die „frumbe" und natürlich antisemitische „Amberger Volkszeitung" tischt in ihrer Nummer 74 folgende wunderbare Geschichte ihren Abonnenten auf: „Eine grausige Mißgeburt" : Am heutigen Tage sind wir in der Lage, folgende wahrhafte Mittheilung zur Kenntniß der Leser zu bringen. In Plato, einem Dorfe von Mc. Leod Co., Minnesota (Nordamerika), lebt ein junges Ehepaar, Namens Miller. Der Mann ist ein Schuhmacher und betreibt als solcher ein blühendes Geschäft. Vor nicht gar langer Zeit kam ein jüdischer Hausirer nach Plato und wollte unter anderen auch Frau Miller eines seiner Oetdruckbilder, die „Kreuzigung Christi" darstellend, verkaufen. Deß weigerte sich die Frau, und als der Hausirer mit „jüdischer Zudringlichkeit" nicht ablassen wollte, gerieth sie in heftigen Zorn und verflieg sich zu der greulichen Lästerung: „Lieber wollte sie den Teufel im Hause sehen Bald darauf ging ihr Wunsch in Erfüllung, denn drei Wochen, nachdem sie das schreckliche Wort gesprochen, gab sie einem Wesen das Leben, von dem man mcht sagen kann, ob es Mensch, Thier oder Teufel ist. Welch ein Schrecken erfaßte die Mutter, den Vater und die anderen anwesenden Personen, als sie ein mit fast zwei Zoll langen, groben Haaren über und über bedecktes zottiges Wesen mit kleinen, funkelnden Augen, einem vollentwickelten Gebisse von scharfen, spitzigen Zähnen, krallenartigen Händen, hufbesetzten Bocksfüßen, einem 18 Zoll langen Schwänze und zwei kurzen scharfen Hörnern sahen, das, affenar ig aus dem Bett schlüpfend, sofort auf allen Vieren herumkroch, um Abfälle in Küche und Haus zu suchen und zu fressen! Dieses grausige Wesen ist nun schon fünf Wochen alt, schneidet eine boshafte Fratze, entwickelt die schlimmsten Jnstincte eines wilden Thieres und schnappt grimmig nach Jedem, der es anzurühren oder zu bändigen wagt. Aus seinen funkelnden Augen unter seinen buschigen Brauen scheint der leibhaftige Teufel hervorzublicken, und als neulich die Wärterin ihm die Treppe herunter nachlief, um es in das Zimmer zurückzubringen, dem es entschlüpft war, griff es dieselbe so bösartig an, daß sie genöthigt war, es zu ihrer Selbstvertheidigung mit dem Kruge, den sie eben in der Hand hatte, niederzuschlagen. Die unglückichen Eltern scheinen der Verzweiflung nahezu sein. Von Nah und Fern strömen die Aerzte und von allen Seiten neugierige Menschen jeden Standes und Alters herbei, um dieses schreckliche Wunder zu betrachten. Obwohl man von Seiten der Behörden den Versuch gemacht hat, die grausige Nachricht zu unterdrücken, so breitet sie sich doch immer weiter aus. Die Bevölkerung hält fest daran, daß in dieser Mißgeburt ein Gottesgericht zur Bestrafung einer greulichen Lästerung zur Offenbarung gekommen sei." Zu solchen Ausgeburten der Phantasie führt der moderne antisemitische Aberglaube. (Lorrespondenzen. Wien. (Die Judeucolonien des Baron Hirsch.) Einige Journale verbreiteten die Nachricht, daß Baron Hirsch, der große Wohlthäter der Juden, Arrangements für die Gründung einer Judencolonie in Pennsylvanien getroffen habe. Um hierüber Näheres zu erfahren, begab sich ein Berichterstatter der Pariser Ausgabe des „Newyork Herald", in das Palais des Baron Hirsch in der Rue d'Elysäe. „Baron Hirsch," io schreibt der Interviewer seinem Blatte, „ist ein sehr thättger Mann. Sckwn um 8 Uhr morgens beginnt er Leute zu empfanden und diedauert gewöhnlich zwei volle Siunden." In Beantwortung meiner Frage, betreffend die penninlvanrsche Colouie, sagte er: „Nein, es ist nicht Pennsylvanien, das ist e n Jrrthum, ich habe soeben eine Commission nach Argentinien geschickt und habe mich entschieden, die erste Colonie dort zu etabliren. Später, wenn sich diese Ansiedlung bewährt, werden wir Colonisten auch nach Brasilien, nach La Plata und anderen südamerikanischen Staaten schicken." — „Warum haben Sie gerade Argentinien gewählt?" — „Weil die Commission berichtet Hai, daß sich dort ein ausgezeichnetes Land für Ackerbau befinde. Wir haben dort tchon 400 Familien angesiedelt und sie fühlen sich daselbst ganz wohl. Wir werden jetzt 1000, im nächst n Jahre 2000, im dritten Jahre 3000 bis zu 10.000 Juden nach Argentinien schicken, um sie dort anzusiedeln. Wir werden sie anfangs unterstützen, aber man wird auch alle Anstrengungen machen, damit die Colonien sobald als möglich im Stande sein we»dcn, aus eigenen Füßen zu stehen." - „Sie haben wohl einige Artikel des Betersbuiger „Herald"-Correlpondenten gelesen, in welchen derselbe aussübrt, daß die Juden in Rußland die Slaven bedrücken?" — „Das is: nicht wahr; das ist reiner Fanatismus, es ist ein Werk der Lynode. Sie würde in derselben Weise gegen die Protestanten Vorgehen, wenn sie dürfte. Das Oberhaupt der Synode wendete 'ich an de:-. Zaren und sagte: Sie haben 5 Millionen Juden und 85 Millionen orthodoxe Unterthanen. Die Einen oder die Anderen müssen weichen . . . Und solcher Art wurden die Juden von allen Beschäftigungen des Hantele, ausgeschlossen und in Districten isolirt, wo sie nicht leben konnten Tausende und Tausende von ihnen gehen einfach an Entkräftung zugrunde. Solche Verhältnisse könnten in einem anderen Staate als Rußland nicht Vorkommen." — „Wird die russische Regierung bei der Emigration der Juden unterstützend eingreisen?" — „Sie wünscht nur, die Juten über die grenze zu bekommen, das ist Alles. Aber man wird nicht daran denken, ihnen das Reisegeld mit aus den Weg zu geben. . . . Ich glaube, ich werde mein ganzes Vermögen in dieser Sache verwenden. . . . Was wäre denn eigentlich der Nutzen des Geldes, wenn man mit demselben nicht Gutes thäle?" Wien. Sonntag den 3. Mai hielt der Schriftsteller Herr Alfred Szczepanski im Saale des Niederösterr. Gewerbevereines vor einem zahlreichen Auditorium, unter welchem man das Herrenhausmilglied Fürst Czartoryski, die Abgeordneten Ruczka und Czerkawski bemerkte, einen interessanten Vortrag über Taddaus Kosciusko. Redner charakterisirte die Jnsurrection vom Jahre 1794 als den Versuch, die Principien der Constitution vom 3. Mai 1791 zu verwirklichen. Aus den Decreien und Ordonnanzen Kosciuszkos zeigte Redner, daß dem großen Patrioten diese Ideale vorgeschwebt, den gleichen Rechtsschutz für alle Stünde und die Gleichberechtigung aller Confessioneu zu verwirklichen. In der Proclamation vom 5. September 1794 heißt es: „Die Verschiedenheit des Glaubens und derConfession hat in Groß-Polen die Erhebung nicht aufgehalten, diese Unterschiede bilden kein Hinderniß, das Vaterland und die Freiheit zu lieben. Jeder soll Gott ehren nach seinem Glauben, denn es gibt Keinen, der den Menschen verbieten könnte, frei zu fein. Lassen wir in Ruhe alle Menschen einer anderen Confession, denn warum sollte ihre Stimme keinen Platz finden, in dem gemeinsamen Concerte zu Lobeshymnen, welche die Erde dem Herrn singt." Der Vortragende führte aus, daß ebenso wie die Städter und Bauern sich auch die Juden in der Jnsurrection wohl benommen haben. Ter Oberst in der polnischen Armee, Berck I o s i e l o w i c z, hat unter dem Datum vom 1. Oktober 1794 eine besondere Proclamation an die Juden erlassen, in welcher er sie auffordert, auf eigene Kosten ein jüdisches Regiment zu stiften. Es ist auch sehr charakteristisch, daß der Feldherr und Politiker K. einen ganz ausführlichen Plan der Bauernemancipation ausgearbeitet hat, wie auch einen Plan zur Hebung des Wohlstandes und der Industrie durch Erleichterung im Innern und internationalen Handel. Der Vortragende citirte auch den Brief K.s vom 31 Oktober 1803 an den Grafen S e gur, worin K. sich energisch verwahrt gegen die Verleumdung vieler Schriftsteller, welche ihm den Ausruf: »Finis Poloniae« in den Mund legen. K. protestirt mit Entrüstung gegen diese Lästerung. Der Redner, welcher während und zum Schluffe der Rede

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