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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-05-07 · 18 (7.5.1891) · p. Seite 328

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
18 (7.5.1891)
Date
1891-05-07
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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©rite 326 Hesterrerchifche Mochmfchrist Nr. 18 einem entfernten Stadttheil weilte. Der Polizeipräfect nahm den Taubstummen vor und ließ ihn durch Taubstummenlehrer verhören. Es ergab sich nun, daß Elia nicht vier Griechen, sondern 4 Uhr gemeint habe. Der Präfect befahl auch, daß Elia mehrere Polizeiorgane nach jener Stelle führe, wo er das Mädchen gesehen haben wollte. Elia führte die Commission nach der Vorstadt Gariza und bezeichnte dort in der Nähe der griechischen Kirche den Ort, wo er Rubina begegnet sei. Um 1 Uhr Nachts erschien Vita Sarda wieder bei der Polizei und berichtete, daß in dem Eingänge des Hauses im Ghetto, welches der Israelit Mason bewohnt, die Leiche eines ermordeten sieben- bis achtjährigen Mädchens in einen Sack eingehüllt gefunden worden sei. Auf seine Bitte, Erhebungen zu pflegen, ob es nicht sein Kind sei, wurde Sarda an den Fundort der Leiche gebracht, wo er zu seinem Schmerze seine Ahnung bestätigt fand; die Ermordete war die kleine Rubina. Die Leiche wurde polizeilich geborgen und die Nachforschungen nach dem Mörder fortgesetzt. Am nächsten Morgen verbreitete sich mit Blitzesschnelle das Gerücht von dem Morde und der Auffindung der Leiche in dem Judenhause, und die geschäftige Fama begann sogleich angesichts des damals gerade bevorstehenden jüdischen Osterfestes das von der fanatischen griechischen Bevölkerung gerne geglaubte Blutmärchen in alle Ohren zu flüstern. Es hieß plötzlich allgemein, das gemordete Mädchen sei ein Christenmädchen, Namens Maria Decilla, welches Sarda eigens als „österliches Opfer" aus dessen Heimat Janina mitgebracht und im Hause gehalten habe, um es dann „zu rituellen Zwecken" zu ermorden. Die jüdische Bevölkerung beschuldigte dagegen die Griechen, das Kind zu dem. Zwecke ermordet zu haben, um dadurch Unruhen und Plünderungen herbeizuführen. Infolge der Aufregung, die unter den Griechen herrschte, hielten die jüdischen Kaufleute am 15. April (Mittwoch) alle Läden geschlossen, und keiner der 6000 Israeliten traute sich auf die Straße. Die Behörde ließ um das Ghetto einen militärischen Cordon ziehen, da man Ausschreitungen des Pöbels befürchtete. Bei hercinbrechender Dämmerung begab sich ein Volkshaufe unter lautem Geschrei und Drohungen gegen die Juden nach dem israelitischen Club, riß die dort wehende Fahne herab, zerfetzte sie und trug sie im Triumph auf die Esplanade; dort wurde sie unter Hetzreden, die zu Brand und Mord aufreizten, verbrannt. Der Präfect verfügte sich an Ort und Stelle und suchte beruhigend einzuwirken. Der folgende Tag (Donnerstag), der 16. April, verlief etwas ruhiger, und man wartete das Ergebniß der polizeilichen Nachforschungen ab. Theater. Cafös und öffentliche Belustigungsorte blieben indessen unbesucht. Donnerstag Nachts erschien eine Druckschrift, in welcher der Rabbiner erklärte, daß das gemordete Kind einer jüdischen Familie angehöre. Gleich darauf erschien eine andere Druckschrift, in welcher verlangt wurde, die Behörde möge diese Angaben bestättgen. Freitag den 17. d. M., Nachmittags, trafen acfyt Israeliten von den Inseln mit dem Schiffe ein, um ihre Ostern in Corfu zu feiern. Kaum hatten sie die Stadt betteten, da wurden sie von Volkshaufen überfallen und furchtbar geschlagen; zwei Israeliten wurden schwer verletzt. Ein blutiges Massacre wurde durch das Eingreifen des Militärs verhindert, das sie in die Citadelle brachte. Als Samstag den 18. d. M, Früh, weitere vier Israeliten in Corfu an's Land stiegen, wurden sie in gleicher Weise behandelt. Die Katholiken, welche im Judenquartier wohnen, haben an ihre Thüren deutlich sichtbare Kreuze gemalt. Das Ghetto wird ununterbrochen von Militär bewacht, und die Regierung thut alles Mögliche, um die Gefahr abzuwenden. Die Regierung hat sich immer freundlich gegen die Israeliten gezeigt; so wurde beim Tode des vorigen Rabbiners dessen Leicheubegängniß sehr feierlich begangen, und nahmen an demselben die Garnffon und die christlichen Notabilitäten theil. D«r Mörder der Rubina ist noch nicht entdeckt, und es dürften auch nicht früher Ruhe und Ordnung wiederkehren, bis derselbe dem Strafgerichte übergeben sein wird. Die Ucrjudung Dismarcks. Der deutsche „Reichsanzeiger" meldet, daß gegen den Verfasser eines zweibändigen Werkes, betitelt „Einejüdischdeutsche Gesandtschaft und ihre Helfer", vom Staatssecretär des Auswärtigen Amtes wegen verleumderischer Beleidigung ein Strafantrag gestellt worden sei. Zugleich wird bemerkt, daß dieser Strafantrag gestellt sei, wenngleich „der Inhalt der Schrift den Eindruck erweckt, daß der Verfasser sich in einem bedauerlich ttankhaften Zustande befindet. Der Verfasser Hai, sein zweibändiges Werk wie dies im „Reichsanzeiger" mitgetheilt wird, zunächst an die deutschen Bundesfürsten, an die Bevollmächtigten zum Bundesrath, sowie an die Mitglieder des Reichstages und der einzelnen deutschen Landesverttetungen versandt. Man darf also annehmen, daß es sich zur Zeit in den Händen von mehr als tausend Menschen befindet, die von dem Verfasser des Vorzuges für würdig errachtet wurden, eher als das profanum vulgus in den Besitz seines Werkes zu gelangen. Diese Erwägung mag das Auswärtige Amt bestimmt haben, die Mittheilung von der beantragten Strafverfolgung des Autors im „Reichsanzeiger" zu veröffentlichen. Wer das Buch gelesen, der mußte entweder ein strafrechtliches Einschreiten gegen den Verfasser bestimmt erwarten, oder aber die Erklärung voraussehen, die der Verfasser übrigens selbst in seinem Buche bereits als möglicherweise bevorstehend angeküudigt hat: daß er geisteskrank sein müsse. Es ist undenkbar, daß die schweren Beschuldigungen, welche der Verfasser in seinem zweibändigen Werke gegen den deutschen Gesandten in Peking, Herrn v. Brandt, gegen den Fürsten Bismarck, gegen die Herren Rudolf Lindau und Dr. Kayser im Auswärtigem Amt, gegen den ehemaligen Reichsgerichtspräsidenten von Simson und gegen andere in Amt und Würden stehende resp. früher in hervorragenden Stellungen thätig gewesene hohe Reichsbeamte schleudert, ungestraft, in die Welt gehen können, wenn auch nur ein Tausendstel dessen wahr wäre, was der Verfasser als Verbrechen und Vergehen kennzeichnet, die unter den Auspizien des Auswärtigen Amtes angeblich begangen worden sind und systematisch weiter begangen werden. Man wird bei der Lectüre des Buches zu der Annahme gedrängt, daß der Verfasser nicht seiner Sinne mächtig ist. Alle die haarsträubenden Anklagen erhebt er von einem einzigen, sonderbaren Gesichtspunkt aus, er wittert überall Juden, überall jüdischen Einfluß. Wie weit seine Vorstellungen nach dieser Richtung hin sich verirren, mag aus dem Umstande hervorgehen, daß er sich das nach seiner Ansicht „undeutsche" Verhalten des Fürsten Bismarck in einer ihn, den Verfasser, betreffenden Angelegenheit nur dadurch erklären kann,daß Bismarck mütterlich erseits durch jüdisches Blut „verdorben" sei. Das ganze deutsche Reich, die ganze deutsche Politik ist in den Augen des Verfassers der Spielball jüdischer Machenschaften. Ganz Europa, Amerika und noch einige andere kleine Erdtheile dazu sind nach der fixen Idee des Verfassers die Beute einer in Paris residirenden geheimen jüdischen Nebenregierung, unter deren Joch die Völker seufzen. Die traurigstr Rolle soll hierbei das deutsche Reich spielen; das Auswärtige Amt ist nach des Verfassers Ansicht weiter nichts als das Comptoir eines die Geschäfte der Centralnebenregierung besorgenden vielgenannten Berliner Bankiers. In solchen unglaublichen Vorstellungen bewegt sich der ganze Inhalt des Werkes, der von persönlichen Bezichtigungen und Vorwürfen schwerster Art gegen mehrere hundert namentlich aufgeführte Männer in den hervorragendsten

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