Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 18 (7.5.1891)
- Date
- 1891-05-07
- Page
- Seite 327 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Gesterreichische Wochenschrift Seite 326 Thätigkeit entdeckten die hiesigen Jesuiten in ihm ein für ihre Zwecke brauchbares Talent. Sie poussirten -ihn auf alle mögliche Weise. Las Weinhaus Palugyay schickte ihn in's Ausland, um die jüdischen Concurrenten aus dem Feld zu schlagen. Bald darauf erhob er denn wirklich in allen schweizerischen, deutschen und französischen Blättern die Anklage gegen die jüdischen Weinfirmen Ungarns, daß sie das Product fälschen, durch Fuchsin die Welt vergiften. Nachdem dieses Werk vollbracht war, abenteuerte Herr F o d o r in Paris, woersichEtienne de Fodor nannte, und kam später in den Dienst der Elektricitätssirma Siemens. Wenn diese Firma die elektrische Industrie in der Welt monopolisiren und Juden davon ausschließen wollte, hätte sie sich keinen besseren Agenten als diesen Fodor wählen können, denn wohin er kam, verbreitete er Judenhaß. Die Iudenkravalle in Algier fallen zusammen mit seiner Anwesenheit daselbst als Installateur der elektrischen Beleuchtung. Und jetzt wirkt er in dieser doppelten Eigenschaft in Athen. Herr Fodor steht in Verbindung mit allen Antisemitenführern und mit allen antisemitischen Blättern, denen er Correspondenzen liefert. In Paris hat er mit Drumond verkehrt und,in allen gesinnungsverwandten deutschen und ungarischen Blättern werden Lobeshymnen überihn gesungen. Den „Westungarischen Grenzboten" bereichert er auch mit Originalfeuilletons, worin er von sich und seiner Größe erzählt. So hat er in diesem Blatte seit Kurzem zwei Feuilletons aus Athen geschrieben. In einem derselben erzählte er von einem Balle beim österr.-ungar. Gesandten daselbst, zu welchem auch er geladen war und das Glück hatte, mit der Kronprinzessin von Griechenland, der Schwester des deutschen Kaisers, zu tanzen. In dem zweiten dieser beiden Feuilletons berichtet er von einem Abstecher, den er von Athen aus nach einigen Städten des elastischen Landes gemacht. Gewiß ist Herr Fodor auch schon auf den Inseln gewesen und hat in Corfu sich umgesehen. Merkwürdig ist der Umstand, daß sich der „Grenzbote" aus diesem neuen „Blutopfer" in Corfu so einen Braten macht und davon mehr zu berichten „weiß", als alle Weltblätter. Ohne Zweifel, daß der Director der elektrischen Centralstation in Athen, Herr Fodor, ihn mit zweckdienlich präparirten Nachrichten über diesen Fall versorgt, beinahe hat es den Anschein, als ob Herr von Simonyi in Preßburg von dem Eintritte eines solchen Falles in Corfu oder an einem Orte Griechenlands früher avisirt worden war, damit er in seinem Blatte für die Berichterstattung Raum lasse. Der Eigenthümer des „Westungarischen Grenzboten" steht aber, wie aus dem Blatte ersichtlich ist, in Intimität mit dem gezeichneten Herrn Schneider und die Annahme ist sicher nicht zu gewagt, daß das S chn ei d er'sche Bild von der „Abschlachtung eines Christenkindes" von hier aus dem Emissär nach Athen übermittelt worden ist. Es wäre zu wünschen, daß der österr.-ungar. Gesandte in Athen Herrn Fodor etwas schärfer beobachtete, daß er nicht unter der Decke seiner freundschaftlichen Beziehungen zu dem Gesandtschaftshotel sein, die Ehre Oesterreichs compromittirendes Treiben fortsetzen könne. Die Dorgiivge i« Corf«. Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Smyrna geschrieben: Kürzlich nahm ein gewisser Isaak, Diener eines jüdischen Kaufmannes, bei einem Gang in das griechische Viertel von St. Demetrius den dreijährigen Sohn seines Herrn mit. Der Kleine war 'nicht nach jüdischer, sondern nach fränkischer Art gekleidet und sprach ausgezeichnet griechisch, da seine Mutter eine Jüdin aus Kreta ist, wo die ganze Bevölkerung die griechische Sprache besser versteht als jede andere. Das Viertel St. Demetrius ist hauptsächlich von armen Leuten bewohnt. Eine Christin, die an ihrer Thüre stand, rief dem vorübergehenden Isaak zu: „Wohin führst du das Kind? Es ist ja ein Christ!" Aus diese Worte hin versammelten sich die Nachbarn und Vorübergehenden um den verblüfften Juden. Vergebens versicherte er, daß das Kind der Sohn seines eigenen jüdischen Herrn sei; die Leute entrissen ihm den kleinen Jungen. In großer Verzweiflung lief Isaak zur Polizei, der es auch gelang, das Kind in einem benachbarten griechischen Hause aufzufinden. Unterdessen war auch der Vater herbeigeeilt und wurde von dem Kinde mit dem Rufe: „Vater, Vater!" begrüßt. Selbst dieses fast untrügliche Zeichen, daß Isaak die Wahrheit gesprochen, verhinderte nicht, daß dieDrei in das Gebäude des Generalgouverneurs geschleppt wurden, wo sie erst nach langen Erklärungen freigelasfen wurden. Hier möchte man glauben, daß solche Auftritte von Griechenland her angeregt werden. Auf einem Schiffe, welches vor einigen Wochen vom Pyräns nach Smyrna kam, bot eine Griechin Exemplare einer Flugschrift feil, welche dasselbe alberne Märchen auftischte, als sei Christenblut zum Pass ah fest nothwendig. Zwei Juden, die sie wohl nicht als solche erkannte, kauften ihr einige Exemplare ab. Als das Schiff unterwegs auf Chios hielt, stiegen die Beiden ans Land und überreichten ein solches Exemplar dem Gouverneur, der die Frau auch sofort verhaften ließ; es wurde nocheinSackvoll solch er Flugschriften bei ihr gefunden. In Smyrna angelangt, überreichten die beiden Juden ein zweites Exemplar dem hiesigen Generalgouverneur. Dieser ertheilte dann auch den Befehl, daß alle vom Pyräus ankommenden Sch ffe untersucht werden. .In der That wurden auf dem österreichischen Lloyddampfer, welcher von Griechenland ankam, zwei Männer vorgefunden, die auch zw ei S äcke voll derselben Flugschriften bei sich hatten. Die Schriften wurden weggenommen und die Männer verhaftet. Das Flugblatt ist in Athen gedruckt und elf Jahre zurückdatirt. Es ist demSultan gewidmet und enthält Abbildungen des Hauptrabbiners von Smyrna und Anderer. Auf einem Bilde sieht man verschiedene langbärtige Rabbiner, die, mit Messern bewaffnet, ein Kind halten. Es wäre zu wünschen, daß die griechische Presse und Geistlichkeit solchen verderblichen Aberglauben bekämpften. Die „K. Z." fügt dem Briefe ihres Correspondenten hinzu: Bemerkenswerth und wie eine Bestätigung des in vorstehender Nachricht ausgedrückten Verdachtes einer berechneten Hetze erscheint es, daß aus Corfu eine ähnliche Verfolgung der Juden gemeldet wird. Man sendet uns aus Triest folgende Darstellung der Vorgänge auf Corfu: Montag den 13. April um 5 Uhr Nachmittags erschien der Jude Vita S arda bei dem Polizeipräfecten von Corfu und erstattete die Anzeige, daß seine kleine Tochter Rubina im Alter von 7 Jahren abgängig sei, und bat, diesen Abgang verlautbaren zu lassen. Dies geschieht in Corfu durch öffentliche Ausrufer; alsbald machte ein solcher die Runde durch die Straßen und gab dem aufyorchenden Volke zu wissen, daß ein siebenjähriges Judenmädchen, dessen Aussehen er beschrieb, abgängig fei und daß dem Finder oder Zustandebringer des Kindes eine gute Belohnung zugesichert werde. In der leicht erregbaren Bevölkerung machte diese Bekanntmachung lebhaftes Aufsehen und wurde viel besprochen. Gleichzeitig mit der Bekanntmachung begann die Polizei ihre Nachforschungen. Eine Stunde nach der ersten Anzeige erschien Vita Sarda neuerdings auf der Polizei, diesmal in Begleitung mehrerer Verwandten und eines taubstummen Israeliten Namens Elia. Der Taubstumme hätte (so verstand man ihn zuerst) durch seine Zeichensprache mitgetheilt, daß er das MädchM gesehen habe, wie es in Begleitung von vier Griechen in