Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 17 (24.4.1891)
- Date
- 1891-04-24
- Page
- Seite 319 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17. Hekerreichifche Wochenschrift Seite 3Jt9 Sie fühlt sich glücklich an der Seite ihres Gatten, und mein Freund , fühlt sich beglückt durch ihren Besitz. Zu den heurigen Ostern wird sie selbst den Sedertisch Herrichten.-Recht angenehme Feiertage und Simchas Jom-tow! Döbling, 12. Nissan. Adolf Sternfeld. Die Tragödie zu Bristol. Von Kornel Abränyi. Aus dem Ungarischen übersetzt von Bernhard Mandl. Der Lord von Bristol sitzt und sinnt Bei einem Glas Malagawein. — Steht auf, beruft den Rath und spricht: „Das Volk will unterhalten sein". „Die Cafs' ist leer bis auf den Grund" — Fährt fort der schlaue Sir — „Die Achtung schwindet vor'm Senat, So müßig bleiben wir." Dann flüstern sie, dann lispeln sie, Die Hälft' wird unterdrückt, Verfaßt wird schnell die Klageschrift, Das Schergenvolk verschickt. Zurück sie kommen bald darauf Mit einer Schuftenbande, Die man als Diebe, Mörder kennt Im ganzen Jnsellande. Zerknirscht und bleich und zähneklappernd Sie wanken hin vor den Senat Und warten bis — sie eingestanden — Ihr Urtheil man gesprochen hat. Statt dessen herrscht der Lord sie an Mit freundlichem Gesichte: „Wer weiß von euch von Jophta was? Heraus damit Ihr Wichte!" Drauf Einer spricht: „Ich raubt ihn aus, Obwohl er mich gebeten: Nicht stiehl, mein Freund, ich schenk' dirs ja, Wenn du in Geldesnöthen." Der Andre wieder sprach gerührt: „Mein Kind, das einst so krank. Hat er vom Tode mir gerettet. Nicht nahm er einen Dank". Der Dritte sprach: „Jahr für Jahr Nur Gutes er mir thut" So weiß nur Schönes man von ihm. Doch schreit der Lord voll Wuth: „Ihr sprecht nicht wahr, Ihr Alle lüget Geraubt hat er, nicht Du Und Dir hat er Dein Kind gemordet, Und Du trugst Raub ihm zu! Nun Sherif eil' zu Jophta gleich, Bring her in Fesseln ihn!" Die Häscher stürzten jauchzend fort. Kaum wußten sie wohin. Sie liefen rasch und fluchten laut Die Juden im ganzen Land, Jndeß zu Hause Jophta noch Bei Mincha-Andacht stand. Die Horde schrie: „Mach Licht du Jud" „Ich darfs noch nicht" er sprach. „Du alter Hund, wenn Du nicht folgst, Brennt helle gleich dein Dach" Da kracht die Thür, man packet ihn, Legt ihm die schweren Fesseln an, Mit T'fillin peitschen sie ihn roh, Vom Aug' ihm eine Zähre rann. Das Käppchen riß vom Haupte ihm Der Rotte wilder Führer Und zupfte höhnisch ihm den Bart. Er litt wie ein Märtyrer. Dann schleppten sie ihn vor'n Senat, Wo Sir Sever ihm sagt: Nun alter Jud, die Schuld ist schwer, Mit der man Dich auklagt. Als Jophta sah die Zeugen dort So seltsam ihn anblicken. Schaut lang den Richtern er in's Aug', Dreht ihnen dann den Rücken. Stand lang und stumm in sich gekehrt Das feuchte Aug' gebrochen, Die Zeugen schwören himmelhoch, — Das Urtheil ward gesprochen. Verkündet ward's auf Bristols Platz Mit lautem Trommelschlage, Die Juden brachen draufhin aus In Weinen und in Klage. „Warum er stirbt? — Weil Geld er hat. — Könnt' er's denn nicht verschweigen? Wir Juden müssen klugerweis' Doch immer arm uns zeigen". Und ringsumher erschallt Getös' Bon Trommeln und Fanfaren, Voll Neugier eilt das Volk herbei In Hellen, dichten Schaaren. Derweil schleppt man das Holz auch herj Zu Jophtas Scheiterhaufen. Jndeß der weite Plan sich füllt Vom Volke, hergelaufen. Die früher seine Freunde waren. Bewarfen ihn mit Steinen: Die Juden aber wagtens nicht, Den Bruder zu beweinen. Und Jophta wie ein Marmorbild Schritt hin so fest und stramme, Erwarten konnte er es kaum, Bis ihn verzehrt die Flamme. Und als sie züngelnd ihn umleckte, Gen Himmel blickt er betend, Ertrug also ergebungsvoll Den Schmerz, so brennend tödtend. Und unterdeß verstummte sacht Der Menge wild Gejohle; Die glotzt mit Gier, wie Jophtas Leib Verbrannte bis zur Kohle. Da» jüdische Stiefkind einer Chrikm. (Fortsetzung). Schluchzend warf sich der Sohn vor ihr nieder. Sie legte ihre Hand aus sein Haupt und ihre Lippen bewegten sich leise — im Gebete. Was sie betete? Sie verwandelte den jüdischen Segen der Fruchtbarkeit des Leibes in Fluch, daß das jüdische Kind sein einziges bleiben möge. Schon am nächsten Tage fuhr Wollner nach Karlsdorf. Im Hause seines Freundes Lebrecht herrschte seit vierzehn Tagen Verstimmung, unter der Gisela am meisten litt, weil sie sich die Schuld daran beimaß. Sie wartete von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde auf ein Zeichen von Friedheim. So ging sie auch jetzt in ihrem Zimmer ruhelos auf und ab. Da klopfte es an der Thäre. Ihr Herz ahnte, es sei eine Botschaft von Wollner oder gar er selber. Die Hand an die Brust gedrückt, rief sie: „Herein!" Da stand er vor ihr. Mit Würde trat er aus sie zu und sagte mit leichtem Vibriren der Stimme: „Hoffentlich zeihen Sie mich ein wenig der Ungalanterie, die mir gewährte Bedenkzeit so hinausgedehnt zu haben?" Sie schlug verwirrt die Augen nieder und er fuhr fort: „Was Sie mir aufgegeben hatten, forderte die ganze Kraft des Mannes heraus und allein von mir wäre die Probe auch kaum bestanden worden. Ich habe eine Mutter: was vermag nicht die Liebe einer solchen Mutter? Um mir mein Glück zu verschaffen, zieht sie von mir und nimmt das Kind mit sich. So ist mein Haus gerüstet Sie zu empfangen. Gisela, habe ich genug gethan? Darf ich nun sagen — meine Gisela?" Sie überließ ihm ihre Hände, die er leidenschaftlich an die Brust zog. Glückselig sah er auf sie nieder, küßte ihr immer von Neuem die Stirn, das Haar, kein Hauch der Reue mehr, nur volley