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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-24 · 17 (24.4.1891) · p. Seite 315

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
17 (24.4.1891)
Date
1891-04-24
Page
Seite 315 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 17 Oesterreichische Wochenschrift Sette 315 Lemberg. Herr Rabbiner Dr. I. Caro aus Pilsen hat die auf ihn gefallene Wahl zum Prediger der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde definitiv angenommen. Lemberg. Herr Dr Heinrich G o t t l i e b wurde zum Vicepräsidenten der Lemberger Advokatcnkammer gewählt. Hlaav (Ehrung.) Hier, wo stets zwischen allen Einwohnern brüderliche Liebe und Eintracht herrscht, wo man den Juden mit gebührender Achtung und brüderlicher Liebe entgegenkommt, wo der Unterphysikus (Dr. Gutmann), der Spitalsarzt (Dr. Weiß), der Kreisarzt (auch ein Dr. Weiß), Ehren-Oberstaatsanwalt (Dr. R a p o ch), Leichenarzt <Dr. Leßlauer), städeischer Thierarzt (Perl), beeideter Dolmetsch der deutschen Sprache (Dr. Jnkey) und auch mehrere Beamte der Stadt und der königl. Tafel Juden sind, wo man auf Initiative des Oberphysikus (Dr. Petz) das 25jährige Doctorjubiläum des allgemein geachteten Arztes Dr. Schlesinger in hohem Style feierte, und wo Rabbiner Dr. Fischer mit Hilfe der christlichen Wähler in die Stadtrepräsentanz gewählt wurde, lebt und webt die wegen ihres edlen Herzens und ihrer seit mehr als zwei Decennien erworbenen großen Verdienste in allen Gesellschaftskreisen hochverehrte Frau Fanny Lederer. Präsidentin des israelischen Wohlthätigkeits-Franenvereins. Mit geringen Mitteln vermochte sie stets durch ihre Energie Großartiges zu leisten. Laut Ausweis vom Jahre 1890 vertheilte der Verein an Lebensmitteln fi. 29463, an monatlichen Unterstützungen st. 436-50, an besonderen Unterstützungen fl. 496-16, an Winterkleidern fl. 490'03, an Winterholz fl. 257 07. Auf Initiative der Präsidentin veranstaltet der Verein im nächsten Monat ein mit Piknik und Tanzunterhaltung verbundenes Frühjahrs fest, welches, wie immer äußerst animirt zu werden verspricht. Wie verlautet, wird der Verein das 25jährige Jubiläum seiner hochverehrten Präsidentin recht bald in solenner Weise begehen. Schaff«, 15. April. Nach monatelangem und schmerzvollem Krankenlager ist die wegen ihrer Biederkeit, ihrer Wohlthätigkeit und wahrer Frömmigkeit bei der aus Christen und Juden bestehenden Bevölkerung hochgeachtete Gattin des hiesigen k. k. Postmeisters Herrn Jonas Schick, Frau Sali Schick, geb. Singer, im 86. Lebensjahre gestorben und unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung heute zu Grabe getragen. Dem tiefgebeugten Gatten, der durch nahe ein Menschenalter als Bürgermeister und Cultusvorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde Vorstand und der wegen seiner Wirksamkeit als Gemeinderath in der vereinigten Christen- und Judengemeinde allgemeiner Sympathien sich erfreut und der, selbst im Greifenalter stehend, noch heute mit rastloser Thätigkeit das hiesige k. k. Post- und Telegraphenamt leitet, welche wiederholt durch Anerkennungen der Vorgesetzten Postdnection belohnt wurde, war es gegönnt, noch vor kurzer Zeit die goldene Hochzeit im engsten Familienzirkel zu feiern, und müssen wir der zahlreichen Condolenzschreiben erwähnen, die demselben sowohl von College» als auch von Mitgliedern des k. k. Bezirksschulrathes, dem er als Mitglied seit Bestehen desselben angehört, erwähnen, die ihn in seinem Schmerze aufrichteten. Württemberg, 2. April. Bei einem großen Brande, der am 28. v. M. in Ulm wüthete, hatte die dortige Feuerwehr sehr angestrengt zu arbeiten und wurde die zur Ablösung commandirte Artillerie-Abtheilung mit Freude begrüßt, wobei ein Feuerwehrmann ausrief: „Hurra, jetzt ist's recht, jetzt kommt Militz." (Localausdruck für Artillerie.) Ta saust aber schon eine gewaltige Ohrfeige auf den Ahnungslosen nieder und zwar war es ein nichtdienstlich anwesender Officier, der auf diese handgreifliche Weise die „Ehre" jenes Truppenkörpers zu wahren glaubte. Ehe der Getroffene sich von seiner Verblüffung erholt hatte, war der Officier verschwunden, er kehrte aber sofort wieder zurück und rief: „Was für ein frecher Jud' hat Miliz gesagt?" Nun war aber der Feuerwehrmann, der diesen Ausdruck gebraucht hatte, der christliche Schreiner K. Ein unter der Mannschaft der Turnerspritze sich befindender Glaubensgenosse proteftirte energisch gegen die Beschimpfung, worauf der tapfere Officier sich auf des „Königs Rock" berief. Uebrigens bedurfte es des Einschreitens des Ortsvorstandes, um dem „schneidigen" Premier ungehinderten Rückzug durch die aufgebrachte Menge zu sichern. Die Sache dürfte noch ein gerichtliches Nachspiel haben. H»ofen, 11. April. Wie uns mitgetheilt wurde, hatte der Abgeordnete Richter in seiner Rede über den Welfenfonds u. a. der Ansicht Raum gegeben, daß derselbe auch zur Unterstützung der antisemitischen Agitation gedient habe. Judenhetzorgane beschuldigten ihn deshalb der „Berleumdung." Nun wird der „Pos. Zig." von ihrem Berliner Correspondenten geschrieben: „Darüber würde am Ende das „Deutsche Tagebl." Auskunft geben können, von welchem Eingeweihte wissen wollen, daß es sämmtliche vorhandenen Unterstützungs quellen für antisemitische Zwecke aus eigenster Erfahrung genau kannte. Namentlich kommen aber jetzt, also nicht aus einem geheimen Fonds, so große Summen an die antisemitische Fraktion, daß die antisemitische „Partei" vielleicht als die reichste von allen gelten inuß, auch die sozialdemokratische nicht ausgenommen. Beim Weine verrathen die antisemitischen Führer wohl noch ein wenig über die Herkunft der Gelder; die zufälligen Zuhörer aus anderen Parteien find so discret, nichts weiter zu erzählen, wenigstens nicht, bis man sie nöthigen sollte." St. Petersburg. Die Promulgirung neuer strenger Verordnungen gegen die Juden steht für die nächste Zeit in Aussicht. Die Natur dieser neuen Edicte ist folgende: In Gemäßheit eines Gesetzes, welches im Jahre 1865 die kaiserliche Sanction erlangte, waren jüdische Arbeiter, die als Mechaniker oder in Brauereien und Brennereien beschäftigt waren, berechtigt, außerhalb des für die Niederlassung von Juden bestimmten Gebietes in einer dem Localbedarf entsprechenden Zahl zu wohnen. Die Regierung findet nun, daß diese jüdischen Arbeiter sich in zu großer Zahl in Theilen des Reiches niedergelassen haben, wo bereits eine entsprechende Zahl von Arbeitern orthodoxen Glaubens sich vorfindet. Sie behauptet überdies, daß sie sich mit Geschäf en befassen, welche ihrem Handwerke stemd find, so daß sie die eingeborenen Russen schädigen. Infolge dessen ist ein Ukas in Aussicht genommen, welcher diesen jüdischen Arbeitern das Privi'egium entziehen wird, außerhalb des Niederlassungsgebietes zu wohnen, und die Vertreibung derjenigen, welche sich daselbst bereits niedergelasseu haben, anordnen wird. Gnadenweise wird eine einjährige Frist jenen Personen gewährt werden, welche keinen Realbefitz haben, und eine zweijährige Frist jenen mit Realbesitz. In der Stadt Moskau allein wird die Zahl der auf diese Weise gewaltsam von ihrem Wohnsitze Vertriebenen gegen 14000 betragen. Petersburg. Wie der Stadthauptmann von Petersburg, erließ vergangenen Dienstag auch der Polizeidirector von Moskau an die unterstellten Organe eine Verfügung des Inhalts, daß die Schilder der jüdischen Geschäftsläden und Werkstätten in sehr großer Schrift den Namen des Eigenthümers, seines Vaters und seiner Familie tragen müssen, „damit das Volk genau informirt sei, welcher Nationalität der betreffende Eigenthümer angehört". — Wie bekannt, hatte der General-Gouverneur von Kiew den dortigen jüdischen Fuhrleuten die Ausübung chres Berufes verboten, weil derselbe nicht zu denjenigen Berufszweigen gerechnet werden dürfe, mit deren Ausübung das Wohnrecht außerhalb des jüdischen „Niederlassungsgebietes" (zu dem wohl das Gouvernement, aber nicht die Stadt Kiew gehört) verknüpft ist. Die Fuhrleute, für welche das Verbot ihrer Berufsthätigkeit die Ausweisung zur Folge haben mußte, wandten sich an den Senat, aber dieser verwarf, wie der General-Gouverneur dem Stadtrath von Kiew mittheilt, in seiner Sitzung vom 23. October 1890 die Be-

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